{"id":21817,"date":"1998-11-17T08:25:35","date_gmt":"1998-11-17T07:25:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21817"},"modified":"2025-03-17T08:27:46","modified_gmt":"2025-03-17T07:27:46","slug":"offenbarung-21-1-7-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-21-1-7-3\/","title":{"rendered":"Offenbarung 21, 1-7"},"content":{"rendered":"<h3>Letzter Sonntag im Kirchenjahr, Totensonntag | 22.11.1998 | Offenbarung 21, 1-7 | Peter Kollmar |<\/h3>\n<p>&#8222;Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschm\u00fcckte Braut f\u00fcr ihren Mann. Und ich h\u00f6rte eine gro\u00dfe Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die H\u00fctte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wie ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron sa\u00df, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht, Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewi\u00df! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer \u00fcberwindet, der wird alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde<\/p>\n<p>Totensonntag. Wir denken an alle Menschen aus unserer Gemeinde, die dieses Jahr gestorben sind. Ihre Namen nennen wir noch einmal. Vertraute Gesichter und Personen stehen uns wieder vor Augen. Menschen, die zu unserer Gemeinschaft, zu unserer Nachbarschaft geh\u00f6rten. Uns wird die L\u00fccke bewu\u00dft, die ihr Tod hinterlassen hat. Vor allem in den Familien und bei Ihnen, den Angeh\u00f6rigen. Ihre Trauer und Tr\u00e4nen d\u00fcrfen sein. Vor Gott und vor uns selbst m\u00fcssen wir uns nicht verstellen. Wir d\u00fcrfen uns dem Schmerz hingeben. Und selbst mit Vorw\u00fcrfen und Klagen vor Gott fragen. &#8222;Warum? Das Sterben zu diesem Zeitpunkt! Der Tod gerade dieses Menschen! Warum? Wir k\u00f6nnen es bis heute nicht verstehen.&#8220; Erkl\u00e4rungen sind aber gar nicht immer m\u00f6glich, sie sind von uns auch nicht gefordert. Aber Trauer darf sein. Gedenken und Erinnern darf sein. So bleiben die Verstorbenen in unseren Gedanken. So sind sie unvergessen.<\/p>\n<p>Unsere Gesellschaft hat es verlernt zu trauern. Darum sind Sterben und Tod tabuisiert. Wo die modernen Grundwerte St\u00e4rke, Jugend, Kraft und Leistung hei\u00dfen, da werden Krankheit, Sterben und Tod zu gesellschaftlichen Betriebsunf\u00e4llen. Zu wissenschaftlichen Risiken, die man ungl\u00fccklicherweise noch nicht im Griff hat. Was man aber nicht bew\u00e4ltigen kann, das wird bek\u00e4mpft und verdr\u00e4ngt. Genau diese Reaktionen merken Menschen in ihrer Trauer. Denn in ihnen begegnet man ja der unbew\u00e4ltigten der Tatsache des Todes. Und deshalb werden sie gemieden. Damit nimmt man den Trauernden ihre W\u00fcrde zwingt sie ihre Trauer und ihren Schmerz zu verleugnen. Und liefert die Verstorbenen auch noch dem Vergessen aus.<\/p>\n<p>Liebe Angeh\u00f6rige!<\/p>\n<p>Der Gottesdienst am Totensonntag will ein Ort zum Trauern sein. Ein gesch\u00fctzter Raum f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen, aber zugleich auch ein \u00f6ffentlicher Raum. Wo dieses gesellschaftliche Tabu gebrochen, wo die konventionelle Isolierung der Trauernden durchbrochen wird. Wo Ihre verstorbenen Angeh\u00f6rigen dem \u00f6ffentlichen Vergessen entrissen werden. Darum verlesen wir die Namen der Verstorbenen. Die Christengemeinde und die B\u00fcrgergemeinde nehmen auf diese Weise Anteil und halten die Trauernden fest in der Gemeinschaft der Lebenden.<\/p>\n<p>Den Menschen in allen Phasen des Lebens beizustehen, besonders Sie als Angeh\u00f6rige auch in Ihren Trauern zu begleiten &#8211; das ist unser seelsorgerlicher Auftrag als Kirche. Der unmittelbar nach dem Sterben mit dem Trauergespr\u00e4ch zu Hause einsetzte, bei der Beerdigung sp\u00fcrbar war und bis in den heutigen Gottesdienst dauert. Seelsorge ist eigentlich eine pers\u00f6nlich gemeinte und sehr direkt zu empfangende Predigt. Die Botschaft des Evangeliums sollen Sie sp\u00fcren an Leib und Seele. Denn wir haben eine Botschaft zu verk\u00fcndigen, die aus der Trauer, aus der Angst vor dem Sterben herausf\u00fchrt. Ja die sogar aus dem Tod heraus f\u00fchrt. Das ist der wahre Grund, warum die Kirche der Trauer Raum geben kann. Sie mu\u00df nicht verdr\u00e4ngen. Ganz im Gegenteil. Sie kann den Tod bei Namen nennen, weil er seit Jesus Christus seine unheimliche Macht verloren hat.<\/p>\n<p>Wir predigen Gott, der als konkreter Mensch Jesus Christus bei uns gelebt hat. Der gefoltert wurde, der Angst vor dem Sterben hatte und gestorben ist. Nicht friedlich eingeschlafen, sondern qualvoll hingerichtet durch Kreuzigung. Gott sind also alle unsere menschlichen \u00c4ngste um Sterben und Tod bekannt, weil er sie selbst durchlebt hat. Das ist wichtig, denn wir verk\u00fcndigen Gott nicht als ein lebensfremdes Prinzip oder als ein unvorstellbares Wesen. Sondern als einen Gott, der als Mensch unter Menschen gelebt hat. Und der selbst gestorben ist. Tot gewesen ist. Also auch den biologischen, nat\u00fcrlichen Verlauf jedes Menschenlebens von Geburt bis Sterben durchlebt hat. Und der scheinbar \u00fcberm\u00e4chtigen Macht des Todes ausgeliefert war.<\/p>\n<p>Aber &#8211; und hier beginnt die neue und gute Botschaft der Bibel: Der nach drei Tagen Tod wieder auferstanden ist. Zur\u00fcck in das Leben gekommen ist. In ein Leben, das verwandelt war und in alle Ewigkeit nie mehr dem Tode unterworfen ist. Mit der Auferstehung Jesu ist dem Tod seine scheinbare Unbesiegbarkeit, seine Endg\u00fcltigkeit, sein ewiger Triumph genommen. Auch der Tod ist endlich und wird einmal verg\u00e4nglich sein. Dann n\u00e4mlich, wenn Gott wiederkommen wird und sein ewiges Reich anbricht. Dann wird es f\u00fcr keinen Menschen mehr Sterben oder Tod geben. Das ist die Predigt des NT. Das ist der Glaube und die Hoffnung der Christen. Keine utopische, sondern eine konkrete, die wir als Br\u00fcder und Schwestern Jesu Christi haben. Wir haben ein Erbrecht auf dieses Reich. Ein Recht, das die Verstorbenen und die Lebenden haben. Verb\u00fcrgt durch Jesus Christus. Ein ewiges Recht auf das ewige Reich.<\/p>\n<p>Ewigkeitssonntag. So wird theologisch zutreffend dieser Totensonntag in der Kirche auch genannt. Weil im Angesichts des Todes von dem auferstandenen Gott, von einem ewigen Leben bei ihm und mit ihm gepredigt wird. Von einer g\u00f6ttlichen Gegenwelt die keinen Tod, kein Sterben, keine Tr\u00e4nen, keine Trauer mehr kennt. In wunderbaren Bildern, in fast poetischer Sprache. So wie der Seher Johannes in seinen Visionen, in seiner biblischen Offenbarung:<\/p>\n<p>&#8222;Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschm\u00fcckte Braut f\u00fcr ihren Mann. Und ich h\u00f6rte eine gro\u00dfe Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die H\u00fctte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein, und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron sa\u00df, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewi\u00df! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer \u00fcberwindet, der wird alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist das Paradies. Nie mehr werden die Menschen aus ihm vertrieben. Gott und Menschen leben wieder zusammen und vers\u00f6hnt. Keine Trennung mehr zwischen Himmel und Erde zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Hoffnung und Erf\u00fcllung. Alle menschlichen Schmerzen und allt\u00e4glichen Lasten sind vergessen. Selbst Lebenshunger und unstillbarer Durst nach dem &#8222;Mehr, Mehr, immer Mehr&#8220; sind gel\u00f6scht. An der Quelle des lebendigen Wassers. Kostenlos.<\/p>\n<p>Und selbst wer Trauer tr\u00e4gt, wer Qualen und Folter ertragen mu\u00df &#8211; der wird erl\u00f6st. &#8222;Und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz.&#8220; Himmlische Stille und Frieden.<\/p>\n<p>In diesen Frieden hoffen wir unsere Verstorbenen geborgen. Auf dieses ewige Friedensreich hoffen wir selbst. Denn diese Worte sind wahrhaftig und gewi\u00df!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>(Die Predigt orientiert sich an Tradition und Situation einer Kirchengemeinde im n\u00f6rdlichen Harz im Bereich der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig wie Schladen. Die Gemeinde hat etwa 2.750 Gemeindeglieder und feiert z.Z. wegen der Renovierung der Kirche ihre Gottesdienste in der Kapelle einer gro\u00dfen diakonischen Einrichtung besonders f\u00fcr alte Menschen, der Grotjahn-Stiftung. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Stiftung und der Kirchengemeinde treffen sich also regelm\u00e4\u00dfig zu gemeinsamen Gottesdiensten.<\/p>\n<p>Peter Kollmar, Oberlandeskirchenrat im Landeskirchenamt Wolfenb\u00fcttel der Ev.-luth.Landeskirche in Braunschweig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag im Kirchenjahr, Totensonntag | 22.11.1998 | Offenbarung 21, 1-7 | Peter Kollmar | &#8222;Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 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