{"id":21833,"date":"1998-12-17T10:30:13","date_gmt":"1998-12-17T09:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21833"},"modified":"2025-03-17T10:33:32","modified_gmt":"2025-03-17T09:33:32","slug":"2-samuel-74-6-12-14a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-samuel-74-6-12-14a\/","title":{"rendered":"2. Samuel 7,4-6.12-14a"},"content":{"rendered":"<h3>Heiligabend | 24.12.1998 | 2. Samuel 7,4-6.12-14a | Christian Krause |<\/h3>\n<p>Das ist eine denkw\u00fcrdige Geschichte. Fast 1000 Jahre vor Jesu Geburt spielte sie sich in der alten K\u00f6nigsstadt Jerusalem ab. Der K\u00f6nig sa\u00df fest auf seinem Thron. Keiner konnte ihm die Herrschaft noch streitig machen. Stolz blickte er auf das Erreichte zur\u00fcck. Vom Hirtenjungen in Bethlehem hatte er es bis hierhin geschafft. Einen Riesen nur mit der Schleuder erlegt und tausend Feindschaften mit List zu seinen Gunsten entschieden. Ganz Israel h\u00f6rte auf seinen Befehl. Alt war er dar\u00fcber geworden und m\u00fcde. Nur eines fehlte noch, um sein Lebenswerk zu vollenden. Dem gro\u00dfen K\u00f6nig Jahwe, den er in Psalmen zu Fl\u00f6te und Zither besang, ein Haus zu bauen &#8211; das war sein unerf\u00fcllter Traum. Ein Haus sollte es werden, wie es keiner je zuvor gesehen hatte, so pr\u00e4chtig und Ehrfurcht gebietend. Mittel und |Macht dazu besa\u00df er l\u00e4ngst. Was aber hielt ihn noch ab?<\/p>\n<p>Es waren die Worte des Propheten Nathan, die der Ausf\u00fchrung dieses lang gehegten Planes im Wege standen. Hart und unnachgiebig klang die Gotteskunde aus seinem Munde: &#8222;Solltest du mir ein Haus bauen, da\u00df ich darin wohne? Habe ich doch kein Haus gehabt, seitdem ich mein Volk aus der Gefangenschaft gef\u00fchrt habe.&#8220; Nein! Du sollst mir kein Haus bauen. Erst deinen Nachkommen will ich es gestatten. &#8211; So geschah es. Der K\u00f6nig legte sich zu seinen V\u00e4tern, und sein Sohn Salomon \u00fcbernahm die Herrschaft. Salomon baute dem Gott Israels in Jerusalem auf dem Berg Zion einen Tempel. Das Schicksal Jerusalems und das des Tempels blieben von da an und durch die Jahrhunderte eng verbunden. Jerusalem wurde erobert und zerst\u00f6rt und mit ihr der Tempel. Die Verbannten kehrten zur\u00fcck und bauten es wieder auf und mit ihnen das Haus Gottes. Nach 3000 Jahren Kampf um Jerusalem und bis heute ist das so geblieben. Seit Jerusalems Zerst\u00f6rung im Jahre 70 nach Christus erinnert nur noch die Klagemauer, wo der Tempel einst stand. Sie blieb das Ziel der Sehnsucht, es m\u00f6ge Gottes Haus und mit ihm das Haus Israel in Frieden erstehen.<\/p>\n<p>Was hat diese Geschichte mit Weihnachten zu tun? &#8211; Sie hat insofern mit Weihnachten zu tun, als sie schon in der fr\u00fchen Christenheit als Weissagung auf Christus gedeutet wurde: &#8222;Ich will dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein K\u00f6nigtum best\u00e4tigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen K\u00f6nigsthron best\u00e4tigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein&#8230;&#8220; &#8211; Maria und Josef, aus dem Hause und Geschlecht Davids, zogen nach Bethlehem. Die Heimat des Hirtenjungen und K\u00f6nigs David wurde der Geburtsort Jesu. Der Traum geht in Erf\u00fcllung: Gott kommt unter die Menschen, um bei ihnen zu wohnen.<\/p>\n<p>Mit den Gl\u00e4ubigen des j\u00fcdischen Volkes teilen wir die Sehnsucht nach Gott. Auch f\u00fcr uns sind die Bilder von Gottes Haus, in dem Gerechtigkeit und Friede wohnen, Bilder der Hoffnung auf eine bessere Welt. Mit ihnen bewahren wir die gro\u00dfen Tr\u00e4ume und Gesichte der Seher aus Gottes Volk. Aber in diesem entscheidenden Punkt unterscheidet sich unser Glaube. Wir glauben, da\u00df die Weissagungen auf eine ganz andere Weise in Erf\u00fcllung gegangen sind, als sie es erwarten lie\u00dfen. Wir glauben, da\u00df dies in Jesus Christus geschehen ist. In ihm hat Gott Wohnung genommen. Im Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes ist er immer noch und f\u00fcr alle Zeiten unter uns. &#8222;Seht, das habt zum Zeichen. Ihr werdet finden ein Kind&#8220;. Mit dieser Weisung an die Hirten begann der Weg zum Haus Gottes. Seitdem wurden und werden alle Menschen eingeladen, den Weg zum Kind zu gehen. &#8222;Siehe da, die H\u00fctte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen&#8230;&#8220; (Offenbarung 21, 3) &#8211; Ein Kind beherbergt den unendlichen Gott &#8211; wie wir selber ist es angewiesen auf Liebe und Geborgenheit, G\u00fcte und Erbarmen. Wie wir selber bedarf es der Geborgenheit und Behausung in der Liebe anderer Menschen und letztlich in der Liebe Gottes, die der Grund und das Ziel von allem ist.<\/p>\n<p>Die Sehnsucht nach Gott geht nicht mehr leer aus, sie erf\u00fcllt sich. Daran glauben wir. Aber nicht wir bauen Gott das Haus, in dem er wohnen will. Sondern er baut uns sein Haus, in dem er uns erwartet, in das er uns einl\u00e4dt, in dem er uns st\u00e4rkt und aufrichtet, ermutigt und unter seinem Segen wieder aussendet, da\u00df wir unsere Stra\u00dfe fr\u00f6hlich ziehen. Gottes Haus unter den Menschen &#8211; vielleicht ist es wie in jener alten W\u00fcstenzeit mehr ein Zelt als ein Tempel oder eine Kathedrale heute. Leicht und beweglich, \u00fcberall und zu jeder Zeit auf- und abzubauen. Die Botschaft des Zeltes lautet: Gott zieht mit &#8211; zu allen Zeiten. Unsere Gottesh\u00e4user sind daf\u00fcr nur Hinweis und Zeichen, darin freilich unverzichtbar, da\u00df sie die Weitergabe der Traditionen sichern. Sie sind R\u00e4ume seines Ged\u00e4chtnisses und Orte, wo die alten Tr\u00e4ume bewahrt und weitererz\u00e4hlt werden in Glaube, Liebe, Hoffnung. In einem Zelt des Glaubens und der Zwiesprache, in seinem Wort und Sakrament &#8211; so will er unter uns wohnen. Im Auf und Ab des Lebens, in allen steigenden und allen fallenden Zeiten unser Vater sein und wir seine S\u00f6hne und T\u00f6chter, von denen seine Gnade nicht weichen soll.<\/p>\n<p>So wird aus dem Traum Erf\u00fcllung, und aus der Erf\u00fcllung werden neue Tr\u00e4ume. Tr\u00e4ume von H\u00e4usern in unserer Zeit und in unserem Leben, Lebensh\u00e4user, Gemeinschaftsh\u00e4user, in die Gottes Friede einziehen m\u00f6ge. In unsere Partner-schaften und Ehen, da\u00df wir alles tun, beieinander zu bleiben. In unsere Familien und Freundschaften, da\u00df wir gn\u00e4dig miteinander umgehen und uns nicht st\u00e4ndig mit Erwartungen \u00fcberfordern. In unsere aufgescheuchten Seelen, die ihr Gl\u00fcck und Heil unter lauter falschen Versprechen nicht mehr finden. In unsere Krankenh\u00e4user, Heime und Anstalten und wo immer Menschen leiden und hoffen, da\u00df sie andere zur Seite haben, die sie nicht aufgeben. In unsere Schulen, Betriebe und Unternehmen, in die hohen H\u00e4user der Politik und des Rechts, da\u00df wir Gottes Gebot nicht au\u00dfer acht lassen und blind werden f\u00fcr die W\u00fcrde, die er uns schenkte. In die Sterbe- und die Trauerh\u00e4user \u00fcberall auf der Welt, die in diesem von Katastrophen und gro\u00dfen Unf\u00e4llen begleiteten Jahr bedr\u00fccken und mahnen, da\u00df wir wieder mehr Acht geben aufeinander und nicht alles dem Zweck und der Funktionalit\u00e4t und dem Nutzen unterstellen. In die H\u00e4user der Verliebten und Jungen, die alles noch vor sich haben, da\u00df sie sich nicht abschrecken lassen und Sinn finden. In die H\u00e4user der Alten, da\u00df sie nicht bitter werden und vereinsamen. In unsere Gottesh\u00e4user, die heute abend so gut besucht sind, da\u00df wir sie bewahren f\u00fcr unsere Kinder und mit ihnen die alten Gesichte der Seher und Propheten und die Geschichten ihrer Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>So wird es Weihnachten. Mit der Geburt des Christuskindes zieht Gottes Friede in unsere Welt. Wir wollen ihn unter uns aufnehmen, wollen dem Frieden Gottes ein festes Haus in unserer Mitte bauen, damit die Botschaft der Engel einen festen Platz in unseren Herzen und in unserem Zusammenleben bekomme und behalte: &#8222;Ehre sei Gott in der H\u00f6he. Und: Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Landesbischof Christian Krause, Wolfenb\u00fcttel<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident des Lutherischen Weltbundes<\/p>\n<p><a href=\"mailto:M.Hauck@luth-braunschweig.de\">M.Hauck@luth-braunschweig.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiligabend | 24.12.1998 | 2. Samuel 7,4-6.12-14a | Christian Krause | Das ist eine denkw\u00fcrdige Geschichte. Fast 1000 Jahre vor Jesu Geburt spielte sie sich in der alten K\u00f6nigsstadt Jerusalem ab. Der K\u00f6nig sa\u00df fest auf seinem Thron. Keiner konnte ihm die Herrschaft noch streitig machen. Stolz blickte er auf das Erreichte zur\u00fcck. 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