{"id":21851,"date":"1999-01-17T10:57:47","date_gmt":"1999-01-17T09:57:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21851"},"modified":"2025-03-17T11:00:59","modified_gmt":"2025-03-17T10:00:59","slug":"johannes-141-6-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-141-6-3\/","title":{"rendered":"Johannes 14,1-6"},"content":{"rendered":"<h3>Neujahr | 1.1.1999 | Johannes 14,1-6 | Klaus Stolz |<\/h3>\n<p>Am Anfang der Reise in ein neues Jahr<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>der Schweizer Dichter Friedrich D\u00fcrrenmatt erz\u00e4hlt in einer seiner Kurzgeschichten folgendes: Da machen Menschen sich auf eine Reise, sie steigen in einen Zug, der nach einer Weile in einen Tunnel f\u00e4hrt. Aber diese Zugfahrt ist keine Fahrt wie jede andere. Immer schneller rast der vollbesetzte Zug in den Tunnel, ein Ende der Dunkelheit ist nicht in Sicht. Die Menschen, zuerst \u00e4ngstlich, geraten schlie\u00dflich in Panik. Ihre Fahrt endet im Dunkel.<\/p>\n<p>Wenn wir uns heute, am ersten Tag des Jahres 1999, auf die Reise in dieses neue Jahr machen, kann es uns vielleicht \u00e4hnlich ergehen: Wohin die Fahrt gehen wird &#8211; wir wissen es nicht. Die 365 Tage des Jahres 1999 liegen im Dunkel. Wo werde ich ankommen in diesem Jahr 1999?<\/p>\n<p>Es ist schon eine seltsame Mischung aus Angst und Hoffnung, Beklemmung und Zuversicht, die wir da im Gep\u00e4ck zum Jahreswechsel mit uns herumschleppen.<\/p>\n<p>Ich denke, es tut uns darum recht gut, wenn wir auf Worte Jesu aus dem Johannesevangelium h\u00f6ren, die auch an unsichere und \u00e4ngstliche J\u00fcnger gerichtet sind:<\/p>\n<p>Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. St\u00fcnde es anders, w\u00fcrde ich euch gesagt haben: Ich gehe, um euch die St\u00e4tte zu bereiten?Und wenn ich weggegangen bin, um euch die St\u00e4tte zu bereiten, werde ich wiederkommen und euch zu mir zu nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.Wohin ich weggehe, dahin kennt ihr ja den Weg.Da sagt Thomas zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir da den Weg kennen?Jesus antwortete: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater au\u00dfer durch mich(\u00dcbersetzung nach Ulrich Wilckens)<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Ziel unserer Reise: Die Wohnung bei Gott<\/p>\n<p>Unmittelbar vor seinem Tod haben die J\u00fcnger bange Fragen gestellt. Was wird, wenn Jesus nicht mehr bei uns ist? Unsere Hoffnungen und Pl\u00e4ne &#8211; mit einem Mal zerschlagen? Was soll aus uns pers\u00f6nlich werden? Der Karfreitag mit seinem Schatten liegt \u00fcber den sogenannten Abschiedsreden des Evangelisten Johannes, aus denen unser Wort zur Predigt genommen ist.<\/p>\n<p>Jeus Antwort klingt einfach: Glaubt an Gott und glaubt an mich.<\/p>\n<p>Das Vertrauen zu Gott soll unseren Weg in die Zukunft erleichtern. Das Vertrauen zu Jesus Christus soll mir die Angst nehmen vor dem Dunkel von Morgen und \u00dcbermorgen.<\/p>\n<p>Und: Jesus erinnert mich daran, da\u00df ich als Christ ein gro\u00dfes Ziel habe, auf das ich zugehe: Die Wohnung bei Gott. Anders als in D\u00fcrrenmatts Geschichte wartet auf mich nicht ein gro\u00dfes Dunkel, ein gro\u00dfes Nichts, sondern eine Wohnung bei Gott.<\/p>\n<p>Nach jeder Reise &#8211; und ich verreise wirklich gerne &#8211; freue ich mich immer wieder auf Zuhause. Meine gewohnte Umgebung, meine B\u00fccher und Schallplatten, mein eigenes Bett und auch meine eigene Unordnung im Arbeitszimmer &#8211; sie vermitteln mir ein gutes Gef\u00fchl. Auch jetzt, an den zur\u00fcckliegenden Weihnachtstagen h\u00e4tte ich meine eigenen vier W\u00e4nde nicht missen m\u00f6gen: Als es drau\u00dfen st\u00fcrmisch und kalt war, waren das gut beheizte Wohnzimmer und die\u00a0Lichter am Weihnachtsbaum wirklich ein behaglicher Zufluchtsort.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das ein beruhigender Gedanke zu wissen: Wenn ich das alles hier einmal zur\u00fccklassen mu\u00df, werde ich an einen Ort kommen, an dem ich mich nicht fremd f\u00fchlen mu\u00df. Zu Gott zu kommen &#8211; nach dem Sterben &#8211; davon spricht Jesu ja &#8211; ist wie nach Hause kommen. Das gro\u00dfe Ziel unserer Lebensreise ist eine Wohnung bei Gott.<\/p>\n<p>Im Vertrauen auf Christus auf dem Weg ins neue Jahr<\/p>\n<p>Aber auch wenn ich dieses gro\u00dfe Ziel meiner Lebensreise kenne, liebe Gemeinde, will ich doch ehrlich sein: Die Frage noch Morgen und \u00dcbermorgen stellt sich immer noch. Auch wenn Jesu Worte mir Mut machen und auch Hoffnung einfl\u00f6\u00dfen, mir sozusagen eine gro\u00dfe Perspektive, einen weiten Horizont er\u00f6ffnen &#8211; gerne w\u00fc\u00dfte ich doch noch mehr \u00fcber den Weg, \u00fcber den Weg zu diesem gro\u00dfen Ziel, \u00fcber den Weg durch dieses neue Jahr, \u00fcber den Weg in meine Zukunft.<\/p>\n<p>Da\u00df Thomas, den die kirchliche Tradition ja gerne den Zweifler nennt, Jesus darum mit einer Zwischenfrage unterbricht, finde ich gut. Auch ich m\u00f6chte dazwischenfragen: Herr, wir wissen nicht so genau wohin du gegangen bist. Vieles, was wir vielleicht mit dem Kopf verstanden haben, ist noch lange nicht auch in unseren Herzen angekommen.<\/p>\n<p>Wenn ich krank werde in diesem neuen Jahr, was wird dann aus mir? Wenn ich einen lieben Menschen hergeben mu\u00df, wie werde ich damit fertig werden? Wenn die Beziehung mit meinem Lebenspartner in die Br\u00fcche geht, wie kann ich das bew\u00e4ltigen? Wenn ich meine Arbeitsstelle verliere, werde ich gen\u00fcgend Halt finden?<\/p>\n<p>Mit seiner Antwort wirbt Jesus einmal mehr um Vertrauen &#8211; um das Vertrauen des Thomas und auch um unser Vertrauen: Wir sind heute ja hier in der Kirche beieinander, weil wir uns mit Jesus Christus verbunden wissen, weil wir ihm vertrauen, Darum sagt er uns:<\/p>\n<p>Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. &#8211; Ich will dir nicht sagen, welcher Weg im einzelnen vor dir liegt. Ich will dir das Nachdenken und Abw\u00e4gen \u00fcber das, was wahr oder falsch ist, nicht abnehmen. Ich will dir die Freuden, aber eben auch die Entt\u00e4uschungen dieses Lebens nicht einfach so ersparen. Aber: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.<\/p>\n<p>Geh deinen Weg mit mir, deinen Weg in dieses neue Jahr 1999. Dann wirst du gelassen das hinnehmen, was nicht zu \u00e4ndern ist. Geh deinen Weg mit mir in dieses neue Jahr 1999. Das gro\u00dfe Ziel kennst du. Und auch die vielen kleine Ziele im Leben, die du nicht kennst, wirst du mit mir erreichen, die Niederlagen bestehen.<\/p>\n<p>Die Reise durchs Leben, die Reise in dieses neue Jahr, ist und bleibt, wie jede Reise, eine spannende Sache. Das kann und will uns Jesus Christus nicht abnehmen. Aber mit dem Vertrauen auf Christus im Reisegep\u00e4ck wird unsere Reise nicht zur blinden Irrfahrt oder zur Fahrt in die Dunkelheit. Mit Christus im Reisegep\u00e4ck kann auch in uns die Gelassenheit wachsen, die Dietrich Bonhoeffer zuversichtlich dichten lie\u00df:<\/p>\n<p>Von guten M\u00e4chten treu und still umgeben,<\/p>\n<p>beh\u00fctet und getr\u00f6stet wunderbar,<\/p>\n<p>so will ich diese Tage mit euch leben<\/p>\n<p>und mit euch gehen in ein neues Jahr.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfarrer Klaus Stolz<\/p>\n<p>Dr.-Martin-Luther-Ring 2<\/p>\n<p>92685 Flo\u00df<\/p>\n<p>Telefon: 09603-8318<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahr | 1.1.1999 | Johannes 14,1-6 | Klaus Stolz | Am Anfang der Reise in ein neues Jahr Liebe Gemeinde, der Schweizer Dichter Friedrich D\u00fcrrenmatt erz\u00e4hlt in einer seiner Kurzgeschichten folgendes: Da machen Menschen sich auf eine Reise, sie steigen in einen Zug, der nach einer Weile in einen Tunnel f\u00e4hrt. 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