{"id":21865,"date":"1999-01-17T11:32:30","date_gmt":"1999-01-17T10:32:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21865"},"modified":"2025-03-17T11:34:31","modified_gmt":"2025-03-17T10:34:31","slug":"2-mose-31-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-mose-31-14-2\/","title":{"rendered":"2. Mose 3,1-14"},"content":{"rendered":"<h3>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 24.1.1999 | 2. Mose 3,1-14 | Ulrich Wiesjahn |<\/h3>\n<p>Moses Berufung<\/p>\n<p>1. Mose aber h\u00fctete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe \u00fcber die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2. Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, da\u00df der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. 3. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. 4. Als aber der HERR sah, da\u00df er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5. Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen F\u00fc\u00dfen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! 6. Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verh\u00fcllte sein Angesicht; denn er f\u00fcrchtete sich, Gott anzuschauen. 7. Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in \u00c4gypten gesehen und ihr Geschrei \u00fcber ihre Bedr\u00e4nger geh\u00f6rt; ich habe ihre Leiden erkannt. 8. Und ich bin herniedergefahren, da\u00df ich sie errette aus der \u00c4gypter Hand und sie herausf\u00fchre aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig flie\u00dft, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. 9. Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die \u00c4gypter sie bedr\u00e4ngen, 10. so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus \u00c4gypten f\u00fchrst. 11. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, da\u00df ich zum Pharao gehe und f\u00fchre die Israeliten aus \u00c4gypten? 12. Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, da\u00df ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus \u00c4gypten gef\u00fchrt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. 13. Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer V\u00e4ter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? 14. Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: &#8218;Ich werde sein, der hat mich zu euch gesandt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Geschichte Gottes mit den Menschen seines auserw\u00e4hlten Volkes beginnt seltsam offen und von mancherlei Zuf\u00e4llen begleitet. Irgendwoher tauchen einige Personen auf, deren Herkunft dunkel und unklar ist. Sie werden auf eine eigenartig zwingende Weise angesprochen und in Dienst genommen. Das geschah einmal irgendwo im fernen Babylonien, das andere Mal mitten in \u00c4gypten. Israels Geschichte beginnt nicht in Israel, sondern weit au\u00dferhalb davon.<\/p>\n<p>Die Angeredeten wu\u00dften nicht einmal, wer mit ihnen sprach. Sie konnten dieser Gottesstimme keinen Namen geben. Und doch war es eine ganz pers\u00f6nliche Stimme, die einmal zu Abraham, dann zu Isaak und schlie\u00dflich zu Jakob gesprochen hat. Sie haben diese Stimme nie vergessen k\u00f6nnen, und sie beteten mit ihren Familien zu jenem Gott, der so unbekannt und zugleich so vertraut war. Und so entstand die einfache Redeweise vom Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.<\/p>\n<p>Hier wollen wir einen Augenblick innehalten und uns fragen, wie es denn mit unserem Gott ist. Auch bei uns kann es nicht anders als pers\u00f6nlich sein. Es geht also allein um deinen Gott und meinen Gott. Es geht darum, da\u00df ich und und du auf irgendeine Weise Gott h\u00f6ren, ganz pers\u00f6nlich h\u00f6ren. Und wie beim Volk Israel mag es auch bei uns sein: wir h\u00f6ren ihn irgendwo in der Ferne und dann doch ganz in der N\u00e4he. Wir h\u00f6ren ihn unter den seltsamsten und nicht vorhergesehenen Umst\u00e4nden.<\/p>\n<p>Das soll nun die Einleitung zu unserem Predigtabschnitt sein, der uns die Geschichte von Moses Berufung erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p>Verlesung von 2. Mose 3, 1-14.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>das ist eine der wunderbarsten Geschichten der Bibel, und seit Jahrtausenden wird sie von den Juden und Christen immer wieder erz\u00e4hlt. Und immer wieder neu lauschen die Zuh\u00f6rer darauf, was sie denn alles zu berichten und zu erhellen wei\u00df.<\/p>\n<p>Es ist eine Beduinengeschichte. Nachdem Mose in \u00c4gypten einen Mord ver\u00fcbt hatte &#8211; ja, einen Mord -, mu\u00dfte er in die W\u00fcstensteppe fliehen. Dort verheiratete er sich. Sein Schwiegervater war Priester einer fremden Religion. Und so zog er als Schafhirte durch ein \u00f6des und karges Land am Fu\u00dfe des Sinaigebirges oder des Horebs, wie es hier genannt wird.<\/p>\n<p>Und da hat er zuerst eine wundersame Erscheinung: Er sieht einen Engel, allerdings als feurige Flamme in einem Dornbusch. Es ist also eine irritierende, nicht zu fassende Erscheinung. Und dann vernimmt auch Mose dieselbe Stimme, die schon Abraham, Isaak, Jakob und gewi\u00df auch andere geh\u00f6rt hatten, diese pers\u00f6nliche und doch ganz jenseitige Stimme. Und diese Stimme ruft und lockt ihn heran, aber sagt auch zugleich: Komm mir nicht zu nahe!<\/p>\n<p>In dieser ungewissen Lage mu\u00df Mose verharren und Gottes Anrede anh\u00f6ren, die von der Befreiung aus der Sklaverei spricht. Und zum Schlu\u00df sagt die Stimme: &#8222;Du sollst das Volk f\u00fchren!&#8220;<\/p>\n<p>Das war wieder sehr pers\u00f6nlich, und deshalb zitterten Mose die Knie. Er versucht, da herauszukommen. Aber Gott l\u00e4\u00dft ihn nicht los und sagt: &#8222;Ich will mit dir sein.&#8220;<\/p>\n<p>Aber noch windet sich Mose: &#8222;Wie kann ich denn meinem Volk von dir erz\u00e4hlen? Es wird ihnen zu wenig sein, wenn ich zu ihnen sage: Der Gott der V\u00e4ter, der Vergangenheit hat zu mir gesporchen. Nenne mir doch wenigstens deinen Namen, damit ich von dir sprechen kann!&#8220; Und da erh\u00e4lt Mose eine Antwort, so r\u00e4tselhaft, da\u00df bis jetzt noch jede Generation daran herumgedeutet hat: &#8222;Ich werde sein, der ich sein werde.&#8220;<\/p>\n<p>Die einen h\u00f6ren das wie ein Abwehren Gottes: &#8222;Was gehts dich an? Ich bin ich. Du begreifst es ja doch nicht.&#8220; Und das ist sicher auch die Antwort auf alle m\u00f6glichen Gottesspekulationen. Gott biedert sich bei den Menschen nicht an. Und er l\u00e4\u00dft sich \u00fcberhaupt nicht anfassen. Das hat Israel immer gegen\u00fcber allen anderen Religionen betont, die sich Gott immer wieder vorstellen wollen, sich Bilder von ihm machen, ihn im eigenen menschlichen Wesen finden wollen oder in der m\u00fctterlichen Kraft der Natur. Da hat Israel immer sp\u00f6ttisch &#8222;nein&#8220; gesagt.<\/p>\n<p>&#8222;Ich werde sein, der ich sein werde&#8220; hat aber gewi\u00df noch eine andere Bedeutung, n\u00e4mlich diese: &#8222;Ich werde dasein, wenn du mich brauchst. Ich werde ganz pers\u00f6nlich bei dir sein, wenn du mich rufst. Aber ich werde nicht wie ein Knecht dann kommen, sondern als der Herr. Und du wirst mir begegnen in guten, aber auch in schweren Stunden. Ich werde dich tr\u00f6sten, vielleicht aber auch schmerzen. Du wirst lachen, aber auch weinen.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist der Gott Israels, der Vater Jesu Christi. Mich hat ein j\u00fcdisches Gebet aus einem Konzentrationslager immer sehr angeregt und aufgeregt: &#8222;Du bist mein Gott, darum mu\u00df ich richten, darum mu\u00df ich zweifeln, spotten und dich kr\u00e4nken &#8211; und darum mu\u00df ich an dich glauben und verstummen.&#8220;<\/p>\n<p>Ja, diesem Gott zu begegnen, ist auch unsere Aufgabe. Es ist keine leichte Aufgabe. Aber sie f\u00fchrt uns in die Wahrheit hinein. Und die Wahrheit f\u00fchrt uns in die Freiheit.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Ulrich Wiesjahn, Goslar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 24.1.1999 | 2. Mose 3,1-14 | Ulrich Wiesjahn | Moses Berufung 1. Mose aber h\u00fctete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe \u00fcber die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2. 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