{"id":21878,"date":"1999-02-17T12:05:08","date_gmt":"1999-02-17T11:05:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21878"},"modified":"2025-03-17T12:08:10","modified_gmt":"2025-03-17T11:08:10","slug":"hebraeer-118-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-118-10\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 11,8-10"},"content":{"rendered":"<h3>Reminiscere | 28.02.1999 | Hebr\u00e4er 11,8-10 | Joachim Ringleben |<\/h3>\n<p>DAS HOHELIED DES GLAUBENS.<\/p>\n<p>Predigt im Universit\u00e4tsgottesdienst<\/p>\n<p>in St. Nikolai<\/p>\n<p>G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Vom Hohenlied der Liebe zu reden, ist vertrauter als vom Hohenlied des Glaubens.<\/p>\n<p>Das Hohelied der Liebe &#8211; so nennt man das 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs, wo der Apostel Paulus mit Menschen- und mit Engelszungen die Liebe preist, die das H\u00f6chste ist von allem, ohne die auch der Glaube nichts w\u00e4re, die Liebe, die so unendlich ist wie Gott selber und die nicht aufh\u00f6rt, sondern als das Gr\u00f6\u00dfte ewig bleiben soll. Vollm\u00e4chtiger ist wohl nirgendwo von der Liebe geredet worden, als der Apostel es da tut.<\/p>\n<p>Und vielleicht bewundern wir diesen Hymnus auf die Liebe so, weil ja dies Thema bis in unsere Tiefen reicht und weil wir selber von solcher unbesieglichen Liebe oft nur die kleine M\u00fcnze haben; wir st\u00fcmpern doch eher dabei mehr oder weniger.<\/p>\n<p>Aber es gibt im Neuen Testament das Hohelied des Glaubens; ich rede vom 1. Kapitel des Hebr\u00e4erbriefes, den man jahrhundertelang auch f\u00fcr paulinisch hielt. Christlich kann man von der Liebe nur dann ohne falschen \u00dcberschwang reden, wenn man zugleich vom Glauben redet. Denn unsere menschliche Liebe, unsere Liebe zu Gott und zum Mitmenschen, ist nie schon die unendliche Liebe, von der wir doch leben; nur Gott ist Liebe, wir lieben fragmentarisch. Um dieser Menschlichkeit unserer Liebe willen reden wir von der Liebe nicht, ohne zugleich vom Glauben zu reden.<\/p>\n<p>Ja, ich meine sogar, das Thema des Glaubens hat mehr mit unserem t\u00e4glichen Leben zu tun, als unsere enthusiastische Vorliebe f\u00fcr die Liebe es wahrhaben will. Denn schlie\u00dflich ist uns die Liebe doch so wichtig, weil wir irgendwie auch an sie glauben. Ihre Realit\u00e4t ist ja oft sehr vieldeutig. Mit dem Bestehen unseres Lebens Tag f\u00fcr Tag aber hat der Glaube in Wirklichkeit ganz nahe zu tun. In der Liebe gibt es H\u00f6hen und Tiefen, der Glaube bleibt. Ihn brauchen wir, auch wo wir in der Liebe versagen, er begleitet uns treu durch das allt\u00e4gliche Dasein. Wenn das Fest der Liebe verhallt, dann hei\u00dft es: &#8222;und jedes gehet morgen \/ auf schmaler Erde seinen Gang&#8220; (H\u00f6lderlin). Gerade da zeigt sich, wie wir den Glauben brauchen, um zu leben.<\/p>\n<p>Unser Predigttext f\u00fcr heute stammt aus dem Hohenlied des Glaubens, Hebr 11. Das Hohelied im Alten Testament ist eigentlich eine Liebesdichtung. Unser Predigttext w\u00e4re also ein Liebeslied auf den Glauben? Kann es so etwas geben?<\/p>\n<p>Aber wir lieben doch unseren Glauben; so klein oder heimlich, so unsicher oder tastend er sein mag, wir lieben den Glauben als das Heiligste, Zarteste in uns, vielleicht das Beste in einem Menschen, jedenfalls etwas Schutzbed\u00fcrftiges und Unantastbares. Wir lieben am Glauben etwas, was, wie verschwiegen auch immer, mit dem Intimsten unserer selbst zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Aber auch Gott liebt unseren Glauben, Auch da, wo er so unscheinbar und winzig ist, wie ein Senfk\u00f6rnlein, da schon liebt Gott unsern Glauben unendlich (Lk 17, 6), ja schon in diesem kleinsten Keim von Glauben ist er mit der F\u00fclle seines Reiches (Mk 4, 30-32). Das ist so, weil Gott in jedem Tropfen wahren Glaubens mit dem Meer seiner Liebe gegenw\u00e4rtig ist, denn in unserm Glauben liebt Gott sich selber.<\/p>\n<p>I<\/p>\n<p>Darum also das Hohelied des Glaubens. Der Abschnitt daraus f\u00fcr die Predigt lautet:<\/p>\n<p>&#8222;Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wu\u00dfte nicht, wo er hink\u00e4me. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verhei\u00dfenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verhei\u00dfung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Sch\u00f6pfer Gott ist.&#8220; (Hebr 11, 8-10)<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, vielleicht hat Sie der verlesene Text etwas entt\u00e4uscht &#8211; nach meiner Ank\u00fcndigung. Das soll das Hohelied des Glaubens sein? Diese drei Verse \u00fcber das Leben des Erzvaters Abraham, das sich in den sagenhaften Anf\u00e4ngen der biblischen Geschichte, in ferner Vergangenheit verliert?<\/p>\n<p>Von Abraham ist im Neuen Testament immer wieder die Rede, denn der christliche Glaube sieht in ihm den Vater des Glaubens \u00fcberhaupt. Unser Gott &#8211; das ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, so wie es auch der Gott Jesu war.<\/p>\n<p>Was also findet das Neue Testament Besonderes in diesen uralten Berichten \u00fcber Abraham? Warum hat man sie immer wieder gelesen und sogar ins Neue Testament hin\u00fcbergenommen, wie Paulus es tat und hier der Hebr\u00e4erbrief? Was k\u00f6nnen wir in dieser alten \u00dcberlieferung heute entdecken?<\/p>\n<p>Die Antwort: Aus dieser d\u00e4mmernden Vergangenheit strahlt die Gestalt Abrahams, weil er in seinem Glauben weit \u00fcber sich hinaus weist: in die Zukunft, in die wir geh\u00f6ren, und die auch noch unsere eigene Zukunft ist. Die Christen aller Zeiten fanden in den heiligen Schriften des alten Bundes, und sie fanden in einzigartiger Weise in der Abrahamsgeschichte: Erinnerungen an die Zukunft.<\/p>\n<p>Das gilt es zu entdecken.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Abraham, der Mann aus Ur in Chald\u00e4a, vernimmt das Wort seines Gottes, er h\u00f6rt eine Verhei\u00dfung und macht sich auf den Weg. Das kann man im 1. Buch Mose vom 12. Kapitel an nachlesen.<\/p>\n<p>Der Aufbruch Abrahams, von jener unverwechselbaren Stimme geleitet, er war also nicht Abenteuerlust, Unbest\u00e4ndigkeit oder Bodenlosigkeit, nicht Wagemut, Abwechslungsdrang, Neugierde und auch nicht einfach kr\u00e4ftiger Lebensmut. Abraham ist der Vater des Glaubens, nicht ein Held der Mobilit\u00e4t bei der Arbeitsplatzsuche. Uns wird hier kein dynamischer Unternehmergeist vorgef\u00fchrt. Wir sitzen ja ruhig in der Kirchenbank und h\u00f6ren zu, aber es geht doch auch nicht um aufgeregten Tourismus, wei\u00df der Teufel wohin, sondern es geht &#8211; bei Abraham und f\u00fcr uns &#8211; um Gott, freilich den &#8222;Gott mit Futur als Seinsbeschaffenheit&#8220; (E. Bloch): &#8222;Die Zukunft ist sein Land&#8220;, sein Land &#8211; das ist die Zukunft.<\/p>\n<p>Es geht um Abrahams Verh\u00e4ltnis zum Leben, dessen Wechselhaftigkeit er \u00fcberholt, es geht um Abrahams Verh\u00e4ltnis zu sich selber, weil er sich als offenen Proze\u00df erf\u00e4hrt, und es geht in beidem um Abrahams Verh\u00e4ltnis zu Gott, dem Gott, der ihn aus sich selber herausholt. Davon ist jetzt zu reden.<\/p>\n<p>Das Hohelied des Glaubens im Hebr\u00e4erbrief f\u00e4ngt mit einer Definition dessen, was Glaube ist, an, die im Neuen Testament einzigartig ist. Der 1. Vers lautet: &#8222;Es ist aber der Glaube die Substanz dessen, was man hofft, und ein Erweis des Unsichtbaren&#8220;.<\/p>\n<p>Dieser Satz kann uns die Augen \u00f6ffnen \u00fcber Abraham, den Vater des Glaubens. Wir fragen uns: wo haben denn wir unsere Substanz? Den Schwerpunkt im Leben, das Gravitationszentrum in diesem immer wieder sch\u00f6nen, aber oft auch schweren Leben, seinem Dr\u00e4ngen und Ziehen? Auf diesem Weg, der \u00fcber alle H\u00f6hepunkte und Tiefen hinweg auf ein Ende zutreibt, indem das Leben vorbeigeht, oft wie unter den H\u00e4nden zerrinnt, als Ganzes vergehen mu\u00df: wo bleibt da ein fester Halt in dieser Fl\u00fcchtigkeit, in diesem unaufhaltsamen Gef\u00e4lle?<\/p>\n<p>III<\/p>\n<p>Nun also Abraham:<\/p>\n<p>&#8222;Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wu\u00dfte nicht, wo er hink\u00e4me&#8220;. (Vers 8)<\/p>\n<p>Gott spricht ihn an; Abraham widerf\u00e4hrt es, da\u00df ein Wort ihn trifft und da\u00df er dies Wort nicht mehr vergessen kann, es hat ihn umgepolt. Dies Wort erhellt schlagartig das &#8222;Dunkel des gelebten Augenblicks&#8220; (E. Bloch) und rei\u00dft ihn in eine Zukunftsperspektive, Abrahams Gegenwart wird zur Zukunft hin ge\u00f6ffnet. Statt sich an den Augenblick, die dumpfe Gegenwart des Allt\u00e4glichen und Gewohnten zu klammern, sieht er das Licht einer Verhei\u00dfung. Sein Glaube, das ist nichts anderes, als dies Licht fest im Blick zu behalten, sich wehrlos Gott zu \u00fcberlassen, dem Wort, das er vernommen hat, rein zu vertrauen. Rein, weil Abraham &#8222;nicht wu\u00dfte, wo er hinkommen w\u00fcrde&#8220;. Gott ruft ihn ins Offene. &#8222;Glaube ist ein Erweis des Unsichtbaren&#8220; &#8211; so die Definition; die Unsichtbarkeit Gottes \u00fcbersetzt sich im Glauben Abrahams in Hoffnung auf den kommenden Gott, seine Zukunft.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte Exodus im Alten Testament, er ist zuerst ein Exodus Abrahams aus sich selber, Gott zieht ihn heraus aus sich, aus seiner Selbstgewi\u00dfheit, aus seiner Selbstbestimmung und auch seiner Selbstverkr\u00fcmmtheit.<\/p>\n<p>Damit wird Abraham im Glauben frei von sich selber. Er braucht sich nicht an seine Identit\u00e4t zu klammern, er findet seine Identit\u00e4t im rufenden Gott, er hat sie nicht hier und jetzt schon fertig, sondern hat sie vor sich, erwartet sein wahres Sein von der Zukunft Gottes.<\/p>\n<p>So wie Gott unsichtbar ist, so ist auch unser wahres Ich noch nicht da, es ist unkenntlich, es liegt bei Gott. Der Glaube erwartet unser wahres Sein erst noch, darum h\u00e4lt er sich an den Unsichtbaren. Wer sagt: &#8222;Ich glaube&#8220;, wer das zu sagen wagt, der sagt: Ich bin noch unterwegs, ich will nicht fertig sein, nicht Gefangener meiner selbst, vor mir liegt ein Weg. &#8222;Gott&#8220; &#8211; dies Wort lockt auf einen Weg, es ist, dies r\u00e4tselhafte Wort, selber eine Verhei\u00dfung; ich sp\u00fcre, er zieht mich in eine Geschichte hinein, deren Ziel er allein kennt, ja selber ist, der unsichtbare, zu mir redende Gott.<\/p>\n<p>Abraham wagt, sich selber zu verlassen, um sich restlos auf Gott zu verlassen. Glaube hei\u00dft aufzubrechen.<\/p>\n<p>An Abraham kann man sehen: Glauben, das bedeutet nicht an irgendwelche Wahrheiten, Lehren, feste S\u00e4tze zu glauben, sondern auf Gott selber geworfen zu sein. Der Glaube Abrahams bestand nur darin, Gott am Werk zu sp\u00fcren, ihn in einem Wort zu ersp\u00fcren &#8211; und zwar als einen Gott, der ihn pers\u00f6nlich meinte, genau mit ihm, diesem bestimmten Menschen, etwas vor hatte.<\/p>\n<p>Wer glaubt, ein bi\u00dfchen so glaubt wie Abraham, der wei\u00df auch: es ist eine falsche Alternative zwischen Glaube und Freiheit, dazwischen, auf Gott zu h\u00f6ren oder sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dies sollen wir in gewissem Sinne durchaus tun, aber entscheidend ist, aus welcher Hand wir unser Leben entgegennehmen und in welchen H\u00e4nden wir unser t\u00e4tiges Leben ruhen lassen.<\/p>\n<p>IV<\/p>\n<p>Wer so aufbricht wie Abraham, der ist hier im letzten nicht zuhause.<\/p>\n<p>&#8222;Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verhei\u00dfenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verhei\u00dfung&#8220;. (Vers 9)<\/p>\n<p>Das ist nun fast das Merkw\u00fcrdigste an Abraham und seinem Glauben: er bleibt auch im verhei\u00dfenen Lande wie ein Fremdling (11, 13), er erreicht ein Ziel und doch setzt er sich darin nicht fest, dieser Nomade des unsichtbaren Gottes. Seine Zelte sind kein festes Zuhause, er besitzt, was ihm zuf\u00e4llt, nur &#8222;als ob nicht&#8220;, u\u00d1 H\u00bf, wie es bei Paulus hei\u00dft (I Kor 7, 29f.). Was er ist und hat, ist Zwischenstation auf seinem Wege, er ist eben der &#8222;Erbe der Verhei\u00dfung&#8220; (6, 12). Daher wei\u00df er im Tiefsten, und darin besteht eigentlich sein Glaube: &#8222;Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir&#8220; &#8211; so hei\u00dft es sp\u00e4ter unverge\u00dflich im Hebr\u00e4erbrief (13, 14).<\/p>\n<p>Das ist Exodusreligion pur. W\u00e4hrend Jahrhunderte sp\u00e4ter das Volk Israel sich im verhei\u00dfenen Land endg\u00fcltig niederl\u00e4\u00dft und es schlie\u00dflich wieder verliert und es bis zum heutigen Tag nur umstritten und umk\u00e4mpft behaupten kann, ist Abraham &#8222;allem Abschied voran&#8220; (Rilke), dieser Wanderer zwischen zwei Welten, zwischen den Zeiten, der Vater des Glaubens. Keine bleibende St\u00e4tte hier, also nicht Endstation der Sehnsucht, sondern unterwegs &#8211; im Glauben.<\/p>\n<p>Wir alle wissen, wie schwer das ist, diesen Widerspruch zwischen Schon und Noch nicht auszuhalten, wie schwer dem Unsichtbaren, dem Wort der Verhei\u00dfung treu zu bleiben &#8211; im Sichtbaren und greifbar Gegenw\u00e4rtigen. Solcher Glaube sagt immer: &#8222;Ich glaube, hilf meinem Unglauben&#8220; (Mk 9, 24). So glauben, d.h. auch gegen das eigene S\u00fcndersein glauben, von sich weg fliehen zu Gott: S\u00fcnder in re, Gerechter in spe &#8211; in der Hoffnung (Luther). Abraham glaubt, d.h. er lebt sola fide, allein im Glauben, von Gott her gehalten. Genauso hat Paulus im R\u00f6merbrief Abraham verstanden und kommentiert: Glauben, &#8222;auf Hoffnung &#8211; gegen alle Hoffnung&#8220; (R\u00f6m 4, 18). Eine seltsame Verbindung von Schwachheit und Kraft (11, 34; cf. I Kor 1, 25; II Kor 12, 9).<\/p>\n<p>V<\/p>\n<p>Und genau weil f\u00fcr den Glauben gilt: &#8222;Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir&#8220; (13, 14), darum hei\u00dft es endlich von Abraham:<\/p>\n<p>&#8222;Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Sch\u00f6pfer Gott ist&#8220;. (Vers 10)<\/p>\n<p>&#8222;Die Stadt, die einen festen Grund hat&#8220; &#8211; Abraham, der Glaube &#8211; er will nicht auf Sand bauen (Mt 7, 26), sondern ihn treibt die Suche nach einem Absoluten, eine unstillbare Erwartung, die Sehnsucht nach dem Endg\u00fcltigen. Im Hauch des Wortes der Verhei\u00dfung k\u00fcndigt sich das wahre Sein an.<\/p>\n<p>Wer einmal etwas von Gott gesp\u00fcrt hat, der kann nicht zur Ruhe kommen, der mu\u00df fragen: was hat Gott mit mir vor? Denn \u00fcberhaupt &#8222;Gott&#8220; sagen, hei\u00dft, da\u00df noch nicht alles aufgeht, da\u00df das Entscheidende noch offen ist, noch aussteht; hei\u00dft, da\u00df noch gar nicht erschienen ist, was wir sein werden (I Joh 3, 2). Der Name Gottes h\u00e4lt unser Dasein offen. Darum fragt der Glaube: was hat Gott mit mir vor?<\/p>\n<p>Die feste Stadt, die Gott dem Glaubenden bereitet hat und bereit h\u00e4lt (11, 16), das ist er selber, der kommende Gott, &#8222;ein feste Burg&#8220;. Darum h\u00e4lt der Glaubende sich an den Unsichtbaren, als s\u00e4he er ihn (11, 27b). Dieser Glaube wei\u00df zutiefst: &#8222;Es ist noch eine Ruhe vorhanden f\u00fcr das Volk Gottes&#8220; (4, 9) &#8211; die ewige Teilhabe an Gottes Sabbat.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, weil das einfach so ist mit uns: &#8222;Ich bin, aber ich habe mich nicht, darum werden wir erst&#8220; (E. Bloch) &#8211; darum gibt es den Glauben und die Gemeinschaft der Glaubenden, die Gemeinde derer, die auf dem Weg sind.<\/p>\n<p>Unser christlicher Glaube h\u00e4lt sich an Jesus, und der hat selber gesagt: &#8222;Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zur\u00fcck, der ist nicht geschickt f\u00fcr das Reich Gottes&#8220; (Lk 9, 62). Nun ist Christus selber f\u00fcr uns zum lebendigen Weg geworden (10, 20). Darum h\u00e4lt der Glaube sich an ihn, der da sagt: &#8222;Ich bin der Weg&#8220; (Joh 14, 6), &#8222;Ich bin die T\u00fcr&#8220; (Joh 10, 9) und auch sagt: &#8222;Siehe, ich habe vor dich gegeben eine offene T\u00fcr, und niemand kann sie zuschlie\u00dfen&#8220; (Offbr 3, 8).<\/p>\n<p>Gott schenke uns Glauben: das Erkennen der offenen T\u00fcr.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Joachim Ringleben<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reminiscere | 28.02.1999 | Hebr\u00e4er 11,8-10 | Joachim Ringleben | DAS HOHELIED DES GLAUBENS. 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