{"id":21905,"date":"1999-05-17T13:49:08","date_gmt":"1999-05-17T11:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21905"},"modified":"2025-03-17T13:49:39","modified_gmt":"2025-03-17T12:49:39","slug":"johannes-737-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-737-39\/","title":{"rendered":"Johannes 7,37-39"},"content":{"rendered":"<h3>Exaudi | 16. Mai 1999 | Joh. 7,37-39 | Peter Kusenberg |<\/h3>\n<p>Am letzten Tage des Laubh\u00fcttenfestes, der der h\u00f6chste war, trat Jesus auf und rief: &#8222;Wer durstig ist, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, aus dessen Innerstem werden Str\u00f6me lebendigen Wassers flie\u00dfen, wie die Schrift sagt.&#8220; Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.<br \/>\nJoh. 7, 37-39<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nWasser &#8211; ist das ein Thema, um dar\u00fcber nachzudenken? Ich drehe den Hahn auf, und es flie\u00dft. Kalt oder warm, wie ich es w\u00fcnsche. Ich mache mir keine Gedanken dabei; es ist doch ganz selbstverst\u00e4ndlich. Nur dann, wenn das Wasser einmal abgestellt ist, merke ich, wie oft ich es brauche. Aber mir vorzustellen, was es bedeutet, kein Wasser zu haben &#8211; keinen Regen f\u00fcr das Feld, kein Wasser f\u00fcr die Menschen und die Tiere &#8211; dazu reicht meine Phantasie kaum. Unsere Sorgen gelten doch allenfalls der G\u00fcte des Trinkwassers und ersch\u00f6pfen sich oft in der Frage, ob sein Kalkgehalt unseren K\u00fcchenger\u00e4ten schadet.<br \/>\nZugegeben, ich lebe auf dem Dorf, und ich kenne daher die Klagen der Landwirte, wenn zuwenig Niederschlag f\u00e4llt, ich wei\u00df also um den Zusammenhang zwischen Wasser und Wachstum. Ich wei\u00df: Wo kein Wasser ist, kann nichts wachsen und gedeihen; wo kein Wasser ist, ist auch kein Leben. Aber von einem Wassermangel, der bedrohliche Z\u00fcge annimmt, kann in unseren Breiten keine Rede sein.<br \/>\n&#8222;Wasser ist Leben&#8220; &#8211; unter diesem Titel haben in der vorigen Woche die diesj\u00e4hrigen Entwicklungspolitischen Aktionstage in G\u00f6ttingen begonnen. Dort zeigt unter anderem eine Ausstellung, wie ungleich das Trinkwasser auf der Erde verteilt ist, und weist darauf hin, da\u00df der verantwortungslose Umgang mit Wasser im Norden mit dem lebensbedrohenden Mangel daran im S\u00fcden zusammenh\u00e4ngt.<br \/>\nIn Brasilien beispielsweise gibt es Landstriche, in denen acht Monate lang kein Tropfen Regen f\u00e4llt. Rund zwanzig Millionen Menschen leben dort. F\u00fcr sie und f\u00fcr alle Menschen in Gegenden, wo Wasser selten ist, gilt: Wasser ist Leben, D\u00fcrre bedeutet Tod. Seit Jahrhunderten ist f\u00fcr sie die Regenzeit die Freudenzeit des Jahres, ersehnter und befreiender H\u00f6hepunkt im Rhythmus des Lebens. Bis heute gibt es darum Feste, auf denen f\u00fcr das Wasser gedankt und um das Wasser gebetet wird.<br \/>\nAuch auf dem biblischen Laubh\u00fcttenfest war das so. Es war das sch\u00f6nste und fr\u00f6hlichste Fest der Juden und wird auch heute noch gefeiert. Es dauerte acht Tage und ist unserem Erntedankfest \u00e4hnlich. Seinen Ursprung hatte es im Erntefest der Weinbauern, und zugleich war es Bitte f\u00fcr eine gute Regenzeit. Deshalb spielte das Wasser in diesen Festtagen eine gro\u00dfe Rolle: zur Zeit Jesu sch\u00f6pfte man es in Jerusalem jeden Tag neu aus einer Quelle und brachte es in einer feierlichen Prozession zum Tempel.<br \/>\nF\u00fcr die frommen Juden war dieser Brauch zugleich Erinnerung daran, da\u00df Gott einst auf der Wanderung durch die W\u00fcste ihren V\u00e4tern und M\u00fcttern Wasser gab &#8211; auf dem Weg in das Gelobte Land. Und sie kn\u00fcpften an diesen Brauch zugleich ihre Hoffnung, Gott werde einmal das Wasser des Lebens schenken, so, wie es die Propheten angek\u00fcndigt hatten. Ein Wasser, das nicht nur den k\u00f6rperlichen Durst stillt und das \u00dcberleben sichert. Sondern eine Art Wasser, das den Durst nach wirklichem, vollkommenem Leben stillt, nach einem Leben, das gesegnet und sinnvoll ist.<br \/>\nDurst nach diesem Leben &#8211; den kenne ich auch. Zu einem solchen guten Leben, das ich haben m\u00f6chte, geh\u00f6rt Gerechtigkeit, geh\u00f6rt Friede, geh\u00f6rt Liebe. Dazu geh\u00f6rt auch, da\u00df ich meine Fehler nicht mehr wie eine Last mit mir herumschleppen mu\u00df. Dazu geh\u00f6rt unbedingt eine Zukunft, die mich nicht mehr bange und unsicher macht, sondern Hoffnung birgt. Ja, ich habe Durst nach einem Leben ohne Schuld, ohne Angst, zu versagen.<br \/>\nUnd dann meldet sich diese Stimme in meinem Inneren, die sagt: Nein, so ein Leben kannst du dir zwar w\u00fcnschen, aber nicht schaffen.- Oder kann ich es doch? Mich erschl\u00e4gt ja fast die Palette der Angebote, die mir mehr vom Leben versprechen: Reisekataloge, Magazine f\u00fcr den &#8222;richtigen&#8220; Lebensstil, Weltanschauungen aller Art. Geben sie Sinn f\u00fcrs Leben? &#8211; Nach au\u00dfen hin kann das so schon funktionieren. Ich kann meiner Umgebung Erfolg und Zufriedenheit demonstrieren. Aber reicht mir das f\u00fcr mich selbst? Kann ich Sinn f\u00fcr mein Leben damit kaufen?<br \/>\nAuf dem H\u00f6hepunkt des Festes damals in Jerusalem meldet sich Jesus. &#8222;Wen da d\u00fcrstet, der komme zu mir und trinke&#8220;, ruft er. Der Zeitpunkt ist gut gew\u00e4hlt. Er mu\u00df nicht erkl\u00e4ren, was er meint. Alle sind erf\u00fcllt von dem Gedanken &#8222;Wasser hei\u00dft Leben&#8220;. &#8211; Und nun diese Stimme: Wen da d\u00fcrstet, der komme zu mir! Ich bin es, der euch mehr gibt als das f\u00fcr euer \u00dcberleben n\u00f6tige Wasser. Die Verhei\u00dfung der Propheten ist erf\u00fcllt. Bei mir findet ihr das Leben, nach dem ihr sucht, auf das ihr hofft. Ich gebe, wonach ihr euch von Herzen sehnt. Denn &#8211; ich bin das Leben.<br \/>\nNicht nur an dieser Stelle hat Jesus sich selbst mit den elementaren Lebensgrundlagen &#8211; Essen und Trinken &#8211; in einen Zusammenhang gebracht. An anderer Stelle sagt er: Ich bin das Brot des Lebens. Da\u00df er damit mehr meint als das Stillen von Hunger und Durst des K\u00f6rpers, zeigt seine Antwort an den Versucher in der W\u00fcste. Statt aus Steinen Brot zu machen, also Lebensmittel im \u00dcberflu\u00df zu schaffen, entgegnet er: der Mensch lebt nicht vom Brot allein.<br \/>\nLiebe Gemeinde &#8211; Wasser und Nahrung brauche ich zum Leben, und ich bin in der gl\u00fccklichen Lage, in einem Teil der Welt zu leben, in dem es mir daran nie fehlen wird. Aber zum Leben geh\u00f6rt ein Drittes, um es mit Sinn zu erf\u00fcllen, und das bekomme ich nicht durch Geld oder Rohstoffe. Liebe, Geborgenheit, \u00dcberwindung von Angst sind Lebenselemente, die ich mir nicht allein beschaffen kann.<br \/>\nHier gilt Jesu Angebot: Kommt her! &#8211; Ich darf zu ihm kommen &#8211; alle d\u00fcrfen es. Alle, die am Leben Mangel haben, alle, die Durst haben nach Geborgenheit, die von ihrer Schuld befreit werden m\u00f6chten, die keine Angst mehr vor der Zukunft haben wollen. Alle, deren Leben nicht ausgef\u00fcllt ist, deren Leben leer und sinnlos zu sein scheint. Alle, die da d\u00fcrstet nach &#8230; ja, Glauben. Nach Glauben, der nicht entt\u00e4uscht wird: Kommt zu mir und trinkt. Glaubt an mich! Das ist Christi Einladung, sein Angebot. Trinken, um den Durst zu stillen &#8211; genau das nennt Jesus Glauben. Glauben an den, der das Leben ist und der Hoffnung schenkt, Vertrauen auf den, den der Tod nicht halten konnte. Sich halten an den, von dessen Hand uns selbst der Tod nicht scheiden kann.<br \/>\nGlauben? Ich wei\u00df, wie schwer das oft f\u00e4llt, wie br\u00fcchig mein Glaube mitunter ist, wie mir immer wieder Zweifel und Fragen kommen. Wir kommen nicht \u00fcber das Gebet hinaus: Herr, hilf meinem Unglauben &#8211; doch schon das bedeutet Glaube. Wir kommen nicht \u00fcber den Willen zum rechten Gebet hinaus &#8211; und schon das ist Beten. Wir k\u00f6nnen kaum mehr sagen als: Vater unser &#8211; und schon das erf\u00fcllt unser Herz. Im Grunde ist es immer nur das eine Gebet: da\u00df Gott uns h\u00f6re, uns nicht allein lasse. Und genau das hat er versprochen. Wenn Johannes hier vom Heiligen Geist redet, den alle empfangen sollen, so meint er damit, da\u00df Gott da, wo wir ihn bitten, uns nah sein will, da\u00df wir dort, wo wir beten, nicht allein bleiben &#8211; oder um im Bilde zu bleiben: da\u00df dort, wo wir d\u00fcrsten, er unseren Durst stillen will.<br \/>\nWen da d\u00fcrstet, der komme zu mir und trinke! Er ist eine Quelle lebendigen Wassers, eine Quelle, die nie versiegt oder ausgesch\u00f6pft ist. Und au\u00dferdem: eine Quelle, die immer frisch und lebendig bleibt. Kein abgestandenes, schales Wasser, kein Wasser von vorgestern oder gestern &#8211; sondern frisches und sprudelndes Wasser. Genau das meint &#8222;Heiliger Geist&#8220;.<br \/>\nEin Mensch, der zu dieser Quelle findet, immer wieder findet, wird erfahren, da\u00df Gott sein Versprechen h\u00e4lt. Wird erfahren, da\u00df diese Quelle den Durst nach Leben, nach Frieden und Geborgenheit stillt. Und sogar noch mehr: von ihm werden Str\u00f6me des lebendigen Wassers flie\u00dfen, hei\u00dft es im biblischen Text. Vielleicht nimmt er, nimmt sie es gar nicht wahr, vielleicht mag sie oder er es gar nicht fassen, ist vielleicht von sich zu entt\u00e4uscht und darum \u00fcberrascht, selbst Leben spenden zu k\u00f6nnen. Aber es geschieht, da\u00df Menschen, die aus dieser Quelle trinken, die an Christus glauben, durch diesen Glauben erfrischend, st\u00e4rkend auf andere wirken. Sie werden als Betende und Handelnde Quelle der Kraft f\u00fcr andere. Sie selbst k\u00f6nnen das nicht erkl\u00e4ren. Ihr Gebet ist zaghaft, ihr Glaube ist vom Unglauben bedroht, ihr Handeln oft von Zweifeln geplagt. Aber doch gehen &#8222;Str\u00f6me des lebendigen Wassers&#8220; von ihnen aus.<br \/>\nExaudi &#8211; auf deutsch: &#8222;Erh\u00f6re mich!&#8220; ist der Name des heutigen Sonntags, des Sonntags vor Pfingsten. Und Gottes Geist zu Pfingsten ist sein Zeichen, da\u00df er h\u00f6ren will. Wir werden nie weiter kommen, als so zu beten: &#8222;Komm, Heiliger Geist, erh\u00f6re mich, Gott.&#8220; &#8211; Aber wir hoffen und wissen, da\u00df das der Weg zur Quelle, zum Wasser des Lebens ist. Wen da d\u00fcrstet, der komme zu mir und trinke. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Peter Kusenberg<br \/>\nAuf dem Kirchberg 2<br \/>\nD-37139 Adelebsen<br \/>\nEmail: peter.kusenberg@kirche-erbsen.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exaudi | 16. Mai 1999 | Joh. 7,37-39 | Peter Kusenberg | Am letzten Tage des Laubh\u00fcttenfestes, der der h\u00f6chste war, trat Jesus auf und rief: &#8222;Wer durstig ist, der komme zu mir und trinke! 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