{"id":21909,"date":"1999-05-17T13:52:51","date_gmt":"1999-05-17T11:52:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21909"},"modified":"2025-03-17T13:55:19","modified_gmt":"2025-03-17T12:55:19","slug":"johannes-165-15-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-165-15-5\/","title":{"rendered":"Johannes 16,5-15"},"content":{"rendered":"<h3>Pfingstsonntag | 23. Mai 1999 | Joh 16, 5-15 | Hans Christian Knuth |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Diese Verhei\u00dfung gilt: Wenn ich gehe, will ich den Tr\u00f6ster zu seuch senden. Und ich werte es als ein Geschenkt, als die realisierte Kraft des Heiligen Geistes, da\u00df wir hier heute beieinander sitzen, um Gott zu loben und zu preisen, auf sein Wort zu h\u00f6ren und uns unserer Gemeinschaft zu erfreuen.<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Bei allem Unerfreulichen, was die Gegenwart uns aufdr\u00e4ngt, bei allem Kummer auch, Kummer, mit dem wir oft auch auf die Realit\u00e4ten innerhalb unserer Kirchen sehen m\u00fcssen: Dies\u00a0ist\u00a0das Geschenk des Heiligen Geistes, da\u00df wir hier beieinander sitzen in der Gemeinschaft und uns tr\u00f6sten lassen von seinem Wort.<\/p>\n<p>Und das ist ja nicht nur hier bei uns, es ist ja weltweit und kirchenoffiziell anerkannt, da\u00df wir in unserem Jahrhundert eine echte \u00f6kumenische Gemeinschaft erleben, da\u00df wir immer mehr bedenken auch zwischen den unterschiedlichen Familien innerhalb der einen Christenheit, was uns verbindet und nicht nur an das, was uns trennt. Ich denke besonders dankbar zur\u00fcck an die vielen br\u00fcderlichen und hilfreichen Stellungnahmen anl\u00e4\u00dflich des 500. Geburtstages von Martin Luther, ich denke an die gro\u00dfe Bewegung, die die Gemeinsame Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigung in Gang gesetzt hat und an viele \u00f6kumenische Gottesdienste, gerade im Zusammenhang mit dem Pfingstfest. Der Tr\u00f6ster, der Heilige Geist, ist unter uns.<\/p>\n<p>Die Bibel bezeugt die Botschaft von Gottes schenkender und befreiender Gerechtigkeit, diese Botschaft z\u00e4hlt an erster Stelle in Leben, Lehre und Dienst der Kirchen.<\/p>\n<p>Diese Botschaft befreit uns zu einem Vertrauen zu dem Gott, der sich uns im Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes als der uns gn\u00e4dige Gott erwiesen hat. Allein durch Gottes Vergebung erh\u00e4lt unser Leben Grund und Hoffnung. Diese Gnade kn\u00fcpft Gott an keine Bedingung auf seiten des Menschen.<\/p>\n<p>Wohl aber ruft er uns dadurch auf, uns selbst und unsere Kirche st\u00e4ndig erneuern zu lassen durch sein Wort. Unter diesem Wort kann es Einheit geben im Notwendigen und Verschiedenartigkeit der Gebr\u00e4uche Ordnungen und Theologien.<\/p>\n<p>Im gro\u00dfen Zweiten Vaticanischen Konzil haben die r\u00f6misch-katholischen Bisch\u00f6fe und Konzilsv\u00e4ter ausdr\u00fccklich diese und andere Gemeinsamkeiten zwischen Lutheranern und Katholiken festgestellt. Auch die Glaubenskongregation der r\u00f6misch-katholischen Kirche hat immer wieder unterstrichen, da\u00df es schon heute zwischen den Kirchen um Kirchengemeinschaft gehe, wenn auch noch nicht um v\u00f6llige Einheit, so doch um Einigung und Vereinigung von Kirchen, die noch verschieden, aber nicht mehr geschieden sind. Es ist m\u00f6glich, nicht nur bei den gl\u00fchenden Vork\u00e4mpfern der \u00d6kumene, sondern gerade auch bei den offiziellen Vertretern auf beiden Seiten von einer &#8222;kooperativen Vereinigung in der Unterschiedenheit&#8220; zu sprechen.<\/p>\n<p>Dies bedeutet da\u00df keine vorhandene Kirche einfach in der anderen aufgehen kann, das will niemand mehr, also das, was man eine R\u00fcckkehr\u00f6kumene genannt hat, sondern da\u00df wir zur Gemeinschaft der Kirchen finden.<\/p>\n<p>Der Papst selbst hat solche schwesterliche Gemeinschaft zu den Orthodoxen, den Anglikanern und auch den Lutheranern erkl\u00e4rt. Die offiziellen Gespr\u00e4che zwischen der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands haben in jahrelanger intensiver Arbeit immer mehr Gemeinsamkeiten hervorgebracht<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Allerdings m\u00fcssen wir auch n\u00fcchtern sehen, da\u00df das Ziel, die Einheit aller Kirchen auch in unserem Jahrhundert, das man nicht umsonst das \u00f6kumenische genannt hat, sehr schwer, wenn nicht gar \u00fcberhaupt nicht zu erreichen ist. Und doch, wo es keine v\u00f6llige Einheit gibt, da gibt es immer weiter Schritte aufeinander zu, da gibt es auch die M\u00f6glichkeit zur vers\u00f6hnten Vielfalt, da m\u00fcssen wir uns unsere Verschiedenartigkeiten nicht mehr als das vor Augen halten was uns trennt, sondern da d\u00fcrfen wir immer wieder hinweisen auf das, was verbindet. Denn die Welt sieht auch auf uns als Kirchen und Konfessionen: Lassen wir das Wort von der Vers\u00f6hnung bei uns wohnen? Lassen wir uns tr\u00f6sten von demselben Tr\u00f6ster, von demselben Geist? Haben wir den Frieden, den die Welt nicht hat und doch so n\u00f6tig braucht bei uns? Ist der eine Herr der Kirche nicht gr\u00f6\u00dfer als menschliche Tradition und menschliches Recht? Schulden wir der Welt nicht dieses eine Zeugnis: da\u00df sie wieder sagen kann: Seht, wie haben sie einander so lieb?<\/p>\n<p>Wir schulden das nicht nur der Welt, da\u00df uns die Augen aufgehen \u00fcber der S\u00fcnde der Spaltung\u00a0und da\u00df wir die Gerechtigkeit der Gemeinschaft Jesu mit dem Vater erkennen, die auch f\u00fcr uns die Gemeinsamkeit unter uns hervorbringt. Wir schulden der Welt das Zeugnis der Einheit, weil wir selbst sonst noch beitragen zu neuen K\u00e4mpfen und Aggressionen, wie in Nordirland und anderen L\u00e4ndern der Erde. Und schlie\u00dflich schulden wir es unseren Ehen und Familien, die jeweils aus unterschiedlichen Konfessionen kommen und die tagt\u00e4glich die kleine, die allt\u00e4gliche und intensive Glaubensgemeinschaft leben. Wollen wir sie im Stich lassen, nur weil wir uns im gro\u00dfen nicht einigen?<\/p>\n<p>Wir haben Christus, wir haben die Heilige Schrift, wir haben die Sakramente und auch den Glauben an die eine heilige Kirche als geglaubte und auch gestaltete Einheit. Wir sind der Welt unseren Glauben, nicht unsere Zwistigkeiten schuldig. Den Machern, die da meinen sie h\u00e4tten das Heft der Welt in der Hand, die nicht fragen nach Gottes Willen und Gebot: Ihnen schulden wir das Zeugnis, da\u00df ein anderer im Regiment sitzt und die Geschicke lenkt, da\u00df es eine Grenze gibt dessen, was wir machen und fabrizieren d\u00fcrfen. Und da\u00df diese Grenze schon erreicht ist, wenn wir die Sch\u00f6pfung unseres Sch\u00f6pfers nicht mehr erhalten und pflegen, sondern ausbeuten und erniedrigen. Da\u00df diese Grenze aber \u00fcberschritten ist, wenn wir das Geheimnis des Menschen selbst antasten und so tief eingreifen in menschliche Erbsubstanz und menschliches Leben, da\u00df wir alle keinen Weg mehr sehen, der zu einem guten Ende f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wir schulden der Welt nicht nur das Zeugnis des Glaubens gegen\u00fcber den platten Rationalisten und Machern, wir m\u00fcssen auch zunehmend wieder bezeugen, da\u00df der Glaube eine klare und gewisse n\u00fcchterne und dem\u00fctige Haltung ist, und nichts zu tun hat mit allerlei vorwitzigem Wissen und Aberglauben im Blick auf Geheimnisse, die uns nichts angehen. Es ist doch erschreckend in welchem Ma\u00dfe Horoskope, Kaffeesatzlesen. Aberglauben und Sp\u00f6kenkiekerei wieder um sich greifen. Da f\u00fchlt man sich ja durchaus ins finsterste Heidentum zur\u00fcckversetzt.<\/p>\n<p>Da reisen Leute umher, die meinen, sie seien schon einmal tot gewesen und vermarkten ihre Erfahrungen, da gibt es manchen Guru und manchen Sektenh\u00e4uptling, der die Sehnsucht nach dem ganz anderen geschickt zu nutzen wei\u00df und Religion und Gesch\u00e4ft so miteinander verbindet, da\u00df nur f\u00fcr ihn selbst etwas dabei herausspringt. Da wird nun die g\u00f6ttliche Gabe der Vernunft wiederum so mit F\u00fc\u00dfen getreten, da\u00df wir schon fast wieder die Aufgabe haben, die Vernunft zu sch\u00fctzen durch den Glauben: Denn unser Zeugnis richtet sich ebenso gegen die Spinner wie gegen die Macher.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich sind wir all denen unser Zeugnis schuldig, die gar keine Perspektive sehen: weder die Vernunft noch den Traum, die ganz einfach resignieren &#8211; auch da ist es doch so, da\u00df der Glaubensmut und die Hoffnung, zu der unser Herr uns einl\u00e4dt, ausgerichtet sein will, verk\u00fcndigt sein will all denen, die nicht mehr aus und ein wissen, die vor Sorgen und Kummer, vor Katastrophe, Angst und Weltuntergangsstimmung den Kopf v\u00f6llig h\u00e4ngen lassen und keine Perspektive mehr haben.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Die Resignierten, die M\u00fcden und Depressiven, die M\u00fchseligen und Beladenen: F\u00fcr sie ist Christus, der Tr\u00f6ster, doch in erster Linie gekommen. Ihnen hat er zugerufen: Kommt her zu mir alle, und\u00a0sie\u00a0d\u00fcrfen wir doch nicht im Stich lassen, weil wir uns allzusehr mit uns selbst besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Denn der Zeuge des Glaubens verwirklicht sich dadurch, da\u00df er von sich selbst weg auf den Grund des Glaubens verweist. So vertieft sich das Zeugnis des Glaubens immer zum Lobe Gottes und zur Hinwendung zum N\u00e4chsten. Dieses Lob Gottes sollten wir bewu\u00dft anstimmen in einer Zeit und Welt, in der alle Freude sich in Sorge zu verwandeln droht. Wir wissen, da\u00df es heute viele Gr\u00fcnde zur Sorge gibt, aber noch tiefer ist der Grund unserer Hoffnung, wie er sich uns im gemeinsamen Gebet erschlie\u00dft. Denn Christen, die beten, sind lauter Helfer und Heilande, sagt Luther, sie sind die Beine, die die ganze Weit tragen.<\/p>\n<p>Und Mutter Theresa von Kalkutta sagt: Es ist f\u00fcr uns entscheidend, da\u00df wir Gott finden. Aber er l\u00e4\u00dft sich weder im L\u00e4rm, noch in der Rastlosigkeit finden. Gott liebt die Stille. Schau auf die Natur: die B\u00e4ume, die Blumen, das Gras, wie still sie wachsen und gedeihen; schau auf die Sterne, den Mond und die Sonne, wie sie in der Stille des Raumes sich bewegen. Ist es nicht unsere Aufgabe, Gott, den Tr\u00f6ster, den Armen in den Slums zu geben? Keinen toten, sondern einen lebendigen, liebenden Gott? Je mehr wir in Gebet und Stille empfangen, desto mehr k\u00f6nnen wir unserem t\u00e4tigen Leben geben. Wir brauchen die Stille, um Seelen anr\u00fchren zu k\u00f6nnen, um den Tr\u00f6ster zu h\u00f6ren, um den Geist auf uns wirken zu lassen. Nicht was wir sagen ist wesentlich, sondern was Gott zu uns und durch uns sagt. Alle unsere Worte w\u00e4ren nichts, wenn sie nicht aus unserem Inneren k\u00e4men.\u00a0Worte, die nicht das Licht Christi aufscheinen lassen, vergr\u00f6\u00dfern die Dunkelheit.<\/p>\n<p>In solchen Worten und solchem Gebet und im Leben dieser Frau verwirklicht sich f\u00fcr mich das Zeugnis Jesu Christi in unseren Tagen. Nicht nur sein Zeugnis, sondern sein Geist und damit er selbst. Solche Zeugen sind das Angeld unserer Hoffnung, an ihnen la\u00dft auch uns uns st\u00e4rken und fr\u00f6hlich dieses Pfingstfest feiern.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Bischof Dr. Hans Christian Knuth<\/p>\n<p>Nordelbische Ev.-luth. Kirche<\/p>\n<p>Plessenstr. 5 A<\/p>\n<p>24837 Schleswig<\/p>\n<p>Tel.: 04621-22056<\/p>\n<p>Fax: 04621-22194<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag | 23. Mai 1999 | Joh 16, 5-15 | Hans Christian Knuth | Liebe Gemeinde! Diese Verhei\u00dfung gilt: Wenn ich gehe, will ich den Tr\u00f6ster zu seuch senden. 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