{"id":21911,"date":"1999-08-17T13:55:22","date_gmt":"1999-08-17T11:55:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21911"},"modified":"2025-03-17T13:58:09","modified_gmt":"2025-03-17T12:58:09","slug":"matthaeus-724-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-724-27\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7,24-27"},"content":{"rendered":"<h3>9. Sonntag nach Trinitatis | 1. August 1999 | Matth\u00e4us 7,24-27 | Johannes Neukirch |<\/h3>\n<p>Predigttext:<\/p>\n<p>&#8222;Darum, wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stie\u00dfen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Und wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie nicht, der gleicht einem t\u00f6richten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stie\u00dfen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war gro\u00df.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>was gibt es da noch lange zu \u00fcberlegen? Selbstverst\u00e4ndlich will ich mein Haus auf einen Felsen bauen, das ist doch klar! Besonders wenn ich wei\u00df, da\u00df die Regeng\u00fcsse, die Wasserfluten und die St\u00fcrme Bilder f\u00fcr das letzte Gericht sind. Nat\u00fcrlich will ich letzten Endes auf der sicheren Seite sein, nat\u00fcrlich soll mein Lebenshaus vor Gott bestehen, so da\u00df ich vor ihm Gnade finde. Da mu\u00df ich nicht lange \u00fcberlegen. Egal, wie ich mir so etwas wie das letzte Gericht vorstelle &#8211; mein Lebenshaus soll auf einem festen Fundament stehen, es soll Bestand haben, von Dauer sein. Also, das w\u00e4re die Konsequenz daraus, mu\u00df ich das, was Jesus sagt, nicht nur h\u00f6ren, sondern auch tun &#8211; so steht es hier. Und kurz vor unseren Versen sagt Jesus (7,21): &#8222;Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn ich unseren Text wie eine Bauanleitung f\u00fcr das Lebenshaus, f\u00fcr meinen Lebensentwurf lese, dann scheint alles klar zu sein. Ich m\u00fc\u00dfte dann nur noch wissen, wie ich den Willen Gottes erf\u00fclle. Das ist aber gar nicht so einfach, wie es vielleicht scheint. Wie sieht denn das aus, wenn wir die Rede Jesu h\u00f6ren und dann auch tun? In der Bergpredigt sagt Jesus zum Beispiel (5, 38 ff.): &#8222;Ihr habt geh\u00f6rt, da\u00df gesagt ist: &#8222;Auge um Auge, Zahn um Zahn.&#8220; Ich aber sage euch, da\u00df ihr nicht widerstreben sollt dem \u00dcbel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schl\u00e4gt, dem biete die andere auch dar.&#8220; Oder, an einer anderen Stelle: &#8222;Liebt eure Feinde und bittet f\u00fcr die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. &#8230;. Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.&#8220; (Matth\u00e4us 5,44f.48)<\/p>\n<p>Das sind bei n\u00e4herer Betrachtung schon gewaltige Forderungen, die da auf uns zukommen, wenn wir wollen, da\u00df unser Lebenshaus auf einem Felsen steht. Und wenn wir S\u00e4tze h\u00f6ren wie diese: &#8222;Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet&#8220; (6,25), dann merken wir: Dieser Lebens-Hausbau auf dem Felsen deckt sich nicht unbedingt mit unserem allt\u00e4glichen Leben, das wir gewohnt sind zu f\u00fchren. Und langsam werde ich unsicher: Worauf habe ich denn mein bisheriges Leben aufgebaut? Was w\u00fcrde denn passieren, wenn das Unwetter nun pl\u00f6tzlich \u00fcber mich hereinbricht? Bleibt mein Lebenshaus stehen oder f\u00e4llt es in sich zusammen?<\/p>\n<p>Mir wird klar: Hier geht es nicht um eine Bauanleitung f\u00fcr mein Lebenshaus. Denn ich kann gar nicht bei Null anfangen mit dem Bauen. Ich wohne ja schon drin in dem Haus, der Bau steht schon lange. Deshalb verstehe ich unseren Predigttext nicht als eine Bauanleitung, sondern als eine Anfrage: Auf welchem Grund, auf welchem Fundament stehst du eigentlich? Wie stehst du zu deinen Lebensentw\u00fcrfen, zu deinen Pl\u00e4nen, W\u00fcnschen, Hoffnungen, die dein Leben bestimmen?<\/p>\n<p>In unserem Leben auf einem festen Grund zu stehen, ist ein Wunsch, den wir, so denke ich, alle haben. Von Kindesbeinen an arbeiten wir daran. Unsere Eltern haben &#8211; wenn alles gut ging &#8211; damit begonnen, indem sie uns erzogen haben, daf\u00fcr gesorgt haben, da\u00df wir zur Schule und zum Konfirmandenunterricht gehen, da\u00df wir eine Ausbildung bekommen, da\u00df wir, wie es so hei\u00dft, &#8222;ordentliche Menschen&#8220; werden. Im Laufe der Zeit haben wir dann selbst die Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernommen oder stehen noch davor. Es geht darum, einen Beruf zu w\u00e4hlen, eine Familie zu gr\u00fcnden, ordentlich durchs Leben zu kommen und so weiter und so fort. Dabei ist es gar nicht so einfach, f\u00fcr sich selbst zu kl\u00e4ren: Was will ich eigentlich mit meinem Leben anfangen? Nicht selten ist das ein Abschied von manchen Tr\u00e4umen. Deshalb arbeiten wir st\u00e4ndig daran, etwas aus unserem Leben zu machen. Wir m\u00f6chten zufrieden sein. Und wenn wir die Ziele, die wir uns gesteckt haben, erreicht haben, sind wir das auch. Dann haben wir das Gef\u00fchl, da\u00df unser Leben auf einem sicheren Boden steht, und da\u00df uns so schnell nichts aus der Bahn wirft.<\/p>\n<p>Das allerdings ist die andere Seite der Medaille: Vieles kann uns aus der Bahn werfen, oft ohne unser Zutun. Krankheiten zum Beispiel oder der Tod eines geliebten Menschen. Solche Gr\u00fcnde k\u00f6nnen den scheinbar so festen Grund schnell ins Wanken bringen. Dann stellt sich erst recht die Frage: Auf welchem Grund steht eigentlich unser Lebens-Haus?<\/p>\n<p>Jesus sagt: Euer Haus ist dann auf einem Felsen gebaut und standhaft, wenn ihr das, was ihr geh\u00f6rt habt, auch tut. Und ich habe ja vorhin schon ein paar Beispiele gebracht, was Jesus von uns verlangt. Wenn Sie jetzt sagen: Meine G\u00fcte, kommt das auch noch dazu, damit ich auf sicherem Boden stehe &#8211; was denn noch alles&#8230;., dann gebe ich Ihnen recht. Das was Jesus in der Bergpredigt verlangt, kann ich nicht einfach wie eine Bauanleitung f\u00fcr ein sicheres Lebenshaus \u00fcbernehmen. Ich kann das nicht einfach so in meinen Lebensentwurf einbauen und noch zu all den anderen Dingen dazutun. Die linke Backe hinhalten, wenn mich jemand auf die rechte schl\u00e4gt, vollkommen sein wie der Vater im Himmel vollkommen ist, sich nicht um essen und trinken und um Kleidung sorgen, sondern alles Gott \u00fcberlassen &#8211; das alles wird leicht zur \u00dcberforderung.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberforderung, eine Superleistung im Hausbau soll der Wille Gottes sicherlich nicht werden. Aber eine Anfrage an die Fundamente, auf die wir unser Leben aufbauen. Das, was Jesus sagt, soll nicht irgendein Baustein in unserem Lebenshaus sein, sondern das Fundament selbst, auf dem wir dann weiterbauen. Den Willen Gottes zu tun, soll nicht irgendeine Rolle in unserem Leben spielen, sondern unser Leben von Grund auf bestimmen. Alles andere, unsere eigenen Pl\u00e4ne, unsere eigenen Lebensentw\u00fcrfe sind die H\u00e4user, die auf diesem Fundament stehen! Keines gleicht dem anderen, jedes Leben sieht anders aus. Aber alle stehen auf demselben Fundament, auf Jesus Christus. Er ist ein absolut sicheres und festes Fundament. Und das wirkt sich auf die H\u00e4user aus, die auf diesem Fundament stehen. Denn die darauf gebauten Lebensentw\u00fcrfe leben davon, da\u00df Christus zu uns gekommen ist und in unserem Leben die entscheidende Rolle spielt. Sie leben davon, da\u00df mit Christus eine neue Zeit angefangen hat. Jetzt k\u00f6nnen H\u00e4user auf Fels gebaut werden. Jetzt kann es passieren, da\u00df jemand die linke Backe hinh\u00e4lt, wenn er auf die rechte geschlagen worden ist, da\u00df jemand seine Feinde liebt, da\u00df jemand voll und ganz auf Gott vertraut. So etwas geschieht, wenn wir unser Lebenshaus auf den Glauben stellen, da\u00df Christus der Sohn Gottes ist und da\u00df er eines Tages das vollenden wird, was er angefangen hat.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Johannes Neukirch, Geversdorf<\/p>\n<p>E-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:Johannes.Neukirch@t-online.de\">johannes.neukirch@t-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. Sonntag nach Trinitatis | 1. August 1999 | Matth\u00e4us 7,24-27 | Johannes Neukirch | Predigttext: &#8222;Darum, wer diese meine Rede h\u00f6rt und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 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