{"id":21915,"date":"1999-07-17T14:02:01","date_gmt":"1999-07-17T12:02:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21915"},"modified":"2025-03-17T14:03:37","modified_gmt":"2025-03-17T13:03:37","slug":"johannes-630-36-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-630-36-4\/","title":{"rendered":"Johannes 6,30-36"},"content":{"rendered":"<h3>7. Sonntag nach Trinitatis | 18. Juli 1999 | Johannes 6,30-36 | Johannes Neukirch |<\/h3>\n<p>Da sprachen sie zu ihm: Was tust du f\u00fcr ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was f\u00fcr ein Werk tust du? Unsre V\u00e4ter haben in der W\u00fcste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): &#8222;Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.&#8220;<\/p>\n<p>Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.<\/p>\n<p>Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr d\u00fcrsten.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Leistung und Gegenleistung &#8211; nach diesem Schema funktioniert unsere Welt. Ich gebe, damit Du gibst. So ist das nun mal. Da\u00df das in der Wirtschaft so l\u00e4uft, das ist ja klar. Ich gebe Geld, ich gebe Waren, ich gebe Arbeitskraft und bekomme etwas daf\u00fcr. Dieses Prinzip greift aber weit \u00fcber die Welt der Wirtschaft hinaus. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das bei uns zu Hause war: Da wurden Punkte vergeben, zum Beispiel f\u00fcr Einkaufen oder f\u00fcrs Tischdecken. Und nach den Punkten wurden dann die S\u00fc\u00dfigkeiten verteilt. So oder \u00e4hnlich wird es auch noch heute in vielen Familien sein. Gibt es \u00fcberhaupt etwas umsonst? Ich wei\u00df nicht. Selbst wenn wir etwas umsonst tun, dann erwarten wir trotzdem etwas davon &#8211; zum Beispiel Anerkennung, vielleicht sogar Liebe, oder ein zufriedenes Gef\u00fchl, etwas Gutes getan zu haben. Ich gebe, damit du gibst &#8211; oder: Ich gebe, damit ich etwas davon habe, das mu\u00df nicht unbedingt ein materieller Vorteil sein. Die Frage aber &#8222;Was habe ich eigentlich davon?&#8220; &#8211; die steckt letztendlich hinter allem was wir tun.<\/p>\n<p>Kein Wunder also, da\u00df die Leute Jesus fragten: &#8222;Was tust du f\u00fcr ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was f\u00fcr ein Werk tust du?&#8220; Sie fragen zu Recht: Wenn wir schon an dich glauben sollen, dann mu\u00df das doch irgendwie was bringen, dann m\u00fcssen wir davon was haben. Und sie erinnern Jesus daran, da\u00df ihre Vorfahren von ihrem Glauben wenigstens noch handfeste Vorteile gehabt haben: Als sie durch die W\u00fcste zogen und Hunger hatten, lie\u00df Gott das Manna vom Himmel regnen. Davon wurden sie satt, das hat tats\u00e4chlich was gebracht. Und was bringt Jesus? Er mu\u00df sich schon gut verkaufen, denn er steht keinesfalls konkurrenzlos da &#8211; ganz im Gegenteil! Damals wie heute das gleiche Bild: Es gibt sehr viele, die uns Versprechungen und Hoffnungen machen. Ob das nun Wunderheiler sind oder Astrologen, ob das ein Guru oder ein Sektenf\u00fchrer ist. Damals wie heute diesselbe Frage: &#8222;Was tust du f\u00fcr ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben?&#8220;<\/p>\n<p>Nun ist es ja so: Jesus hat ja tats\u00e4chlich solche Zeichen getan. Kurz vor der Szene, die in unserem Predigttext geschildert wird, findet die ber\u00fchmte &#8222;Speisung der F\u00fcnftausend&#8220; statt. Viele Leute waren zusammengekommen, um den Meister zu h\u00f6ren, es war aber kein Essen f\u00fcr sie da. Das Geld der J\u00fcnger reichte gerade f\u00fcr f\u00fcnf Brote und zwei Fische. Und trotzdem reichen die Brote und Fische f\u00fcr alle. Da haben sie gesehen: Der kann was, von dem haben wir etwas. Von vielen anderen Wundern und Zeichen wird in den Evangelien berichtet &#8211; und davon, da\u00df die Leute beeindruckt waren und ihm deshalb nachfolgten.<\/p>\n<p>Aber Jesus wehrte sich gegen diese Art der Bewunderung. Er sagt seinen J\u00fcngern auf den Kopf zu: &#8222;Ihr sucht mich, weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid&#8220; &#8211; und dann ermahnt er sie: &#8222;Schafft euch Speise, die nicht verg\u00e4nglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben.&#8220;<\/p>\n<p>Es ist ja nur gut, da\u00df Jesus diese oberfl\u00e4chliche Art der Nachfolge und Bewunderung strikt ablehnt. Das ist ein gef\u00e4hrliches Spiel: Wenn ich an jemanden glaube und mich an ihn h\u00e4nge, weil ich von ihm Vorteile erwarte, weil ich denke, da\u00df er mir t\u00e4glich den Tisch deckt, so da\u00df ich mich sattessen kann. Das ist das st\u00e4ndige Spiel von Leistung und Gegenleistung. Und das endet doch meistens so: Entweder kann ich nicht mehr, dann kriege ich auch nichts mehr; oder mein Gegen\u00fcber kann nicht mehr &#8211; dann mu\u00df ich mir jemanden anderes suchen, dem ich hinterherlaufe.<\/p>\n<p>Sind wir, liebe Gemeinde, nicht auch mittendrin in diesem Spiel? Es ist schon einen Gedanken wert: Ich glaube an Gott, daf\u00fcr bekomme ich ewiges Leben. Ich bekenne meine Schuld, daf\u00fcr sieht er dann gro\u00dfz\u00fcgig dar\u00fcber hinweg &#8211; oder so \u00e4hnlich. In unserem Text steht es ja auch so: Gott gibt das wahre Brot vom Himmel und gibt damit der Welt das Leben. Und die Leute sagten dann verst\u00e4ndlicherweise zu Jesus: &#8222;Herr, gib uns allezeit solches Brot&#8220;. Denn das ist schon gut, wenn man eine Bezugsquelle f\u00fcr dieses wertvolle Brot hat.<\/p>\n<p>Das Problem ist nur: Wir k\u00f6nnen dieses Brot des Lebens nicht kaufen. Jesus ist kein Lebensbroth\u00e4ndler. Er hat keinen Bauchladen, mit dem er durch die Welt zieht und gute Gaben verteilt.<\/p>\n<p>&#8222;Jesus aber sprach zu ihnen: &#8222;Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr d\u00fcrsten.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist der entscheidende Satz: &#8222;Ich bin das Brot des Lebens&#8220;. Nicht, ich kann euch das Brot des Lebens verkaufen &#8211; oder vielleicht sogar verschenken. Nicht: Ihr k\u00f6nnt was davon abhaben, sondern &#8222;Ich bin das Brot des Lebens&#8220;.<\/p>\n<p>Wir haben es mit ihm selbst zu tun, wir brauchen den B\u00e4cker, dann haben wir auch das Brot.<\/p>\n<p>Es ist schon richtig: Wenn wir den B\u00e4cker haben, wenn wir zum B\u00e4cker kommen, dann haben wir auch etwas davon: &#8222;Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern&#8220;. Das hei\u00dft nun aber nicht, da\u00df wir da ab und zu mal hingehen k\u00f6nnen, um etwas zu essen zu kaufen. Sondern es hei\u00dft: Wenn wir bei ihm sind, wenn wir glauben, dann haben wir keinen Hunger mehr. Das ist schon ein gro\u00dfer Unterschied!<\/p>\n<p>Leistung und Gegenleistung &#8211; nach diesem Schema funktioniert unsere Welt, sagte ich anfangs. Daran wird sich nichts \u00e4ndern. Nur das Brot des Lebens, das bekommen wir nicht nach diesem Schema. Denn wir bekommen nicht einfach ein Brot, das satt macht, sondern Jesus selbst. Wenn wir ihn haben, m\u00fcssen wir keinen Hunger mehr leiden.<\/p>\n<p>Ich gebe zu, liebe Gemeinde, wenn wir sagen k\u00f6nnten: In dem Ort soundso gibt es einen Laden, dort k\u00f6nnen wir das Brot des Lebens f\u00fcr eine bestimmte Gegenleistung kaufen und damit haben wir das ewige Leben &#8211; das w\u00e4re vielleicht einfacher. Mindestens auf den ersten Blick. Auf der anderen Seite wissen wir: Es gibt einen Hunger, den man nicht dadurch befriedigen kann, da\u00df man etwas kauft und das in sich hineinstopft. Es gibt einen Hunger nach Leben, nach Liebe, nach Hoffnung der ganz tief in uns sitzt. Zeitweise schaffen wir es, ihn zu bet\u00e4uben, richtig satt werden wir kaum. Deshalb sagt Jesus: Ihr m\u00fc\u00dft schon zu mir selbst kommen, um euren Hunger zu befriedigen. Ihr m\u00fc\u00dft euch schon durch mich verwandeln lassen, um nicht mehr zu hungern. Ich bin f\u00fcr euch das Brot des Lebens &#8211; ohne Leistung und Gegenleistung. Ich bin es, weil ich euren Lebens- und Liebeshunger befriedigen kann. In dem Lied, das wir gleich singen werden, (EG Nr. 197) hei\u00dft es: &#8222;Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund, dein Wort ist&#8217;s, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit.&#8220;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Johannes Neukirch<\/p>\n<p>Ellhornstr. 2<\/p>\n<p>21784 Geversdorf<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:Johannes.Neukirch@t-online.de\">Johannes.Neukirch@t-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. Sonntag nach Trinitatis | 18. Juli 1999 | Johannes 6,30-36 | Johannes Neukirch | Da sprachen sie zu ihm: Was tust du f\u00fcr ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was f\u00fcr ein Werk tust du? 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