{"id":21933,"date":"1999-06-17T14:31:46","date_gmt":"1999-06-17T12:31:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21933"},"modified":"2025-03-17T14:34:32","modified_gmt":"2025-03-17T13:34:32","slug":"matthaeus-221-14-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-221-14-3\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 22,1-14"},"content":{"rendered":"<h3>2. Sonntag nach Trinitatis | 13. Juni 1999 | Matth\u00e4us 22,1-14 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p>1 Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach:<\/p>\n<p>2 Das Himmelreich gleicht einem K\u00f6nig, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.<\/p>\n<p>3 Und er sandte seine Knechte aus, die G\u00e4ste zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen.<\/p>\n<p>4 Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den G\u00e4sten: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!<\/p>\n<p>5 Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere an sein Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>6 Einige aber ergriffen seine Knechte, h\u00f6hnten und t\u00f6teten sie.<\/p>\n<p>7 Da wurde der K\u00f6nig zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese M\u00f6rder um und z\u00fcndete ihre Stadt an.<\/p>\n<p>8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die G\u00e4ste waren es nicht wert.<\/p>\n<p>9 Darum geht hinaus auf die Stra\u00dfen und ladet ein zur Hochzeit, wen ihr findet.<\/p>\n<p>10 Und die Knechte gingen auf die Stra\u00dfen hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, B\u00f6se und Gute; und die Tische wurden alle voll.<\/p>\n<p>11 Da ging der K\u00f6nig hinein, sich die G\u00e4ste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an,<\/p>\n<p>12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte.<\/p>\n<p>13 Da sprach der K\u00f6nig zu seinen Dienern: Bindet ihm die H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Z\u00e4hneklappern sein.<\/p>\n<p>14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserw\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>\u00fcber diese Geschichte zu predigen ist mindestens so \u00e4rgerlich wie das, was darin passiert. Hier wird doch allen Ernstes erz\u00e4hlt, da\u00df auch vor Gott eine Kleiderordnung gilt.<\/p>\n<p>Sicher ist das alles nicht so gemeint, wie es die Geschichte erz\u00e4hlt, schlie\u00dflich handelt es sich ja um ein Gleichnis, doch vielleicht macht gerade das die Sache noch schlimmer: Soll da tats\u00e4chlich einer vom Rest im Himmelreich ausgeschlossen werden, obwohl er weder die Einladung ausgeschlagen noch die Boten gepeinigt oder gar umgebracht hat, sondern lediglich so erschienen ist, wie er es nicht besser wu\u00dfte?<\/p>\n<p>Da predigen wir in der Kirche von der Gnade, von der Zuwendung Gottes, die jedem gilt und die keinen Unterschied macht, und m\u00fcssen hier von einem Gott h\u00f6ren, der auch ganz anders sein kann, ja, der in seinem Handeln mit einem Herrn verglichen wird, der unangemessen gekleidete G\u00e4ste nicht nur vor die T\u00fcr, sondern gefesselt in die Finsternis werfen l\u00e4\u00dft. Da streiten sich die Theologen verschiedener Konfessionen, oder auch von ein und derselben, um das rechte Verst\u00e4ndnis von Gott und Mensch und geben nicht eher Ruhe, als bis klar ist, da\u00df Gott den Menschen liebt, ihm sein gottfernes Leben nachsieht und ihn einl\u00e4dt, und hier wird von einem Menschen erz\u00e4hlt, den Gott ausschlie\u00dft, obwohl der doch wohl gerade nicht zu den gro\u00dfen S\u00fcndern geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Immer steht die Kirche vor der Aufgabe, die unverdiente Gnade zu predigen, und Sie, liebe Gemeinde, haben hoffentlich wenigstens einige Male diese Gnade erfahren. Aber jetzt ist zu h\u00f6ren, da\u00df da einer sogar noch seine Arglosigkeit mit Fesseln an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen bezahlen mu\u00df und von Gnade nichts mehr sehen wird. Auch Martin Luther hat diesen Text ein &#8222;schrecklich(es) Evangelium&#8220; genannt, das er nicht gerne predige.<\/p>\n<p>Mancher mag jetzt sagen: So ist es eben immer bei der Kirche. Sicher, sie laden Dich ein, auch wenn andere dies schon nicht mehr tun, und wer es n\u00f6tig hat oder gerne m\u00f6chte, der kann sogar nach vorne an den Tisch gehen und hinterher im Pfarrsaal noch am gedeckten Tisch sitzen. Aber dann, wenn man nach einigen Wochen, vielleicht in einem Gespr\u00e4chskreis, einer Elterngruppe oder beim Predigtnachgespr\u00e4ch, so richtig warm geworden ist, dann kommt einer und will Dir sagen, was hier zu tun oder gar zu glauben sei und wie man hier ganz dazugeh\u00f6rt und wie nur so halb und vor allem, wie schon gar nicht.<\/p>\n<p>Auf diese oder auf noch viel freundlichere Art erf\u00e4hrt man dann etwas von den versteckten Kleiderordnungen, die sich nicht so leicht erkennen und befolgen lassen, weil sie unser inwendiges Kleid und damit unsere Seele betreffen.<\/p>\n<p>Wer dann fragt, was denn zu tun oder zu lassen sei, damit man hier angenehm sei, stellt sich mitunter eher selbst in Frage, als da\u00df er ermutigende Antworten bekommt. Vielleicht h\u00f6rt er einiges von dem, was zu einem rechten Glauben und zur rechten christlichen Praxis dazugeh\u00f6rt, wie etwa Kenntnisse aus der Bibel, regelm\u00e4\u00dfiger Gottesdienstbesuch, ein der Zukunft zugewandtes Leben, Gebet und Meditation im Alltag oder wenigstens freundliche Bejahung der hiesigen Gemeinschaft von ganzem Herzen und von ganzer Seele.<\/p>\n<p>So kann er dann versuchen, m\u00f6glichst viel davon zu befolgen oder trotzig nach seinem eigenen Weg zu suchen. Am Ende glaubt er aber m\u00f6glicherweise immer noch nicht, nur unterdr\u00fcckt er jeden Zweifel aus lauter Angst vor Verzweiflung. Er begreift, da\u00df alles das, was zum Glauben dazugeh\u00f6rt, noch nicht der Glaube selbst ist, wie ja auch der Stoff noch nicht das Kleid ist. Ihn h\u00e4lt die schale Hoffnung aufrecht, wenn schon Gottes Liebe nicht zu finden, dann doch wenigstens die hiesige Gemeinschaft nicht zu verlieren. Denn verliert er auch noch diesen Kontakt, bleibt ihm nur noch der Spiegel, nur noch das Selbstgespr\u00e4ch, die wei\u00df Gott keine sichere Auskunft geben k\u00f6nnen, wie es an uns und in uns aussieht.<\/p>\n<p>Dabei ist doch die Kirche Gottes Haus, und an seinem Tisch m\u00f6chte ich doch gerne sitzen. F\u00fcr den, der an den geheimen Anspr\u00fcchen, mit denen wir uns in Gruppen immer wieder beengen und mitunter sogar \u00e4ngstigen, leidet, kann diese Geschichte nun doch zum Trost und zur Ermutigung werden. Wird doch in ihr erz\u00e4hlt, da\u00df nur der Herr allein entscheidet, wer zur Hochzeit seines Sohnes kommen und wer bleiben darf. So soll es auch bei Gott sein. Nur Gott, der Herr, entscheidet, wer am himmlischen Fest teilnehmen darf. Nur er entscheidet \u00fcber den rechten Glauben.<\/p>\n<p>Gerade darin liegen der Trost und die Ermutigung. Der, der hier urteilt, ist auch der, der allein gibt. Ihn k\u00f6nnen wir bitten &#8222;um den rechten Glauben allermeist&#8220;, und diese Bitte ist schon der Anfang des Glaubens. Vor Gott steht der Mensch immer nackt und blo\u00df als S\u00fcnder, der ganz darauf angewiesen ist, geladen und bekleidet zu werden.<\/p>\n<p>Deswegen ist jeder beim H\u00f6ren der Geschichte gefragt, ob sein Gewand, ob sein Glaube eigentlich recht ist und jedem steht es frei, Gott um den rechten Glauben, den Herrn um das rechte Gewand zu bitten. Dann wird er hoffentlich die Einladung des Sohnes h\u00f6ren: &#8222;Kommet her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid, ich will Euch erquicken!&#8220;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Friedrich Seven<\/p>\n<p>Im Winkel 6<\/p>\n<p>37412 Scharzfeld<\/p>\n<p>Tel.: 05521 \/ 2429<\/p>\n<p>Fax: 05521 \/ 73192<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Trinitatis | 13. 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