{"id":21941,"date":"1999-07-17T14:44:13","date_gmt":"1999-07-17T12:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21941"},"modified":"2025-03-17T14:46:45","modified_gmt":"2025-03-17T13:46:45","slug":"johannes-135-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-135-42\/","title":{"rendered":"Johannes 1,35-42"},"content":{"rendered":"<h3>5. Sonntag nach Trinitatis | 4. Juli 1999 | Johannes 1,35-42 | Sabine Ulrich |<\/h3>\n<p>I.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Vierzehn Tage ist der Kirchentag nun schon wieder her, und immer noch habe ich die Bilder aus dem Fernsehen vor Augen. Viele Tausend Menschen waren da. Sie besuchten nicht nur Konzerte, Diskussionen und M\u00e4rkte. Sie waren auch und besonders in Gottesdiensten, Andachten und Bibelarbeiten.<\/p>\n<p>Aber nicht nur auf dem Kirchentag sehe ich Menschen, die sich mit dem Thema Gott besch\u00e4ftigen. Auch hier in der Kirchengemeinde gibt es sie. Sonntags im Gottesdienst oder in der Jugendarbeit, beim Frauennachmittag oder im Kirchenchor. Sie alle m\u00fcssen doch etwas gemeinsam haben. Aber was? Warum haben sie alle Freude daran, ihre Zeit in der Kirche zu verbringen. Sie k\u00f6nnten doch auch in den Sportverein gehen oder vor dem Fernseher sitzen? Sie alle sagen mir, da\u00df sie sich in der Gemeinde engagieren, weil sie an Gott glauben und gerne in der Gemeinde arbeiten. Sie folgen Jesus nach.<\/p>\n<p>Ist das der einzige Grund? Jesus nachfolgen und die Arbeit in der Gemeinde macht Spa\u00df? Wenn ich dann dar\u00fcber nachdenke, hoffe ich, da\u00df mir der heutige Predigttext auf meine Fragen Antworten geben kann. Denn auch diese Erz\u00e4hlung aus der Bibel berichtet von M\u00e4nnern, die Jesus hinterhergehen.<\/p>\n<p>Deshalb m\u00f6chte ich nun erst den Bibeltext vorlesen.<\/p>\n<p>Predigttext<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Am Anfang der Erz\u00e4hlung werden zwei J\u00fcnger des Johannes auf Jesus hingewiesen. Sie z\u00f6gern nicht lange, sondern gehen hinter ihm her. Sie schlie\u00dfen sich Jesus an. Dieser bemerkt sie und fragt sie, was sie suchen.<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich ist es auch mit Petrus im zweiten Teil des Predigttextes. Auch er wird von jemandem, diesmal ist es Andreas, sein Bruder, auf Jesus hingewiesen, und er geht mit, ohne eine einzige Frage zu stellen. Als er zu Jesus kommt, spricht dieser ihn an.<\/p>\n<p>Warum folgen die J\u00fcnger Jesus nach? Warum stellen sie keine Fragen?<\/p>\n<p>Um auf darauf eine Antwort zu bekommen, ist es wichtig zu sehen, was geschieht, bevor die J\u00fcnger losziehen.<\/p>\n<p>Sie waren J\u00fcnger des Johannes und der hat ihnen gesagt, da\u00df Jesus das Lamm Gottes ist. Danach sind die beiden M\u00e4nner losgezogen, um Johannes zu verstehen. Also mu\u00df es an den Worten des Johannes liegen. Er hat gesagt, da\u00df Jesus Gottes Lamm ist. Jesus ist das Lamm, das sie S\u00fcnde der Welt tr\u00e4gt. Er ist f\u00fcr uns gestorben und hat alle unsere S\u00fcnde auf sich genommen. Durch ihn sind wir frei davon. Er ist das Zeichen unserer Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Auch wenn Jesus zur Zeit der J\u00fcnger noch gelebt hat, haben sie, denke ich, genau dieses in dem Wort &#8222;Lamm Gottes&#8220; wahrgenommen. Sie haben gemerkt, da\u00df Jesus etwas ganz besonderes ist. Deshalb sind sie hinter ihm her gegangen. Sie wollten dieses Besondere herausfinden. Sie f\u00fchlten sich von Jesus angezogen.<\/p>\n<p>Jesus bemerkt sie und fragt, was sie suchen. Er hat die J\u00fcnger bemerkt, ohne da\u00df sie sich bemerkbar gemacht haben. Er hat sie gesp\u00fcrt; er wu\u00dfte, da\u00df sie kommen. Und er wei\u00df auch, da\u00df die beiden M\u00e4nner etwas suchen. Deshalb spricht er sie an.<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger fragen nach der Herberge. Aber sie suchen noch mehr. Nicht nur die Herberge Jesu. Sie f\u00fchlen sich zu Jesus hingezogen und wollen wissen warum. Sie suchen das, was ihnen den Sinn in ihrem Leben gibt. Deshalb schlie\u00dfen sie sich Jesus an. Jesus kann ihnen die Antwort darauf geben.<\/p>\n<p>Als Andreas dies erkannt hat, geht er los, seinen Bruder suchen. Das, was er gerade erfahren hat, will er weitersagen. Er kann nicht mehr schweigen. Er mu\u00df von Jesus erz\u00e4hlen. Und da das so wichtig f\u00fcr ihn ist, will er es einem Menschen sagen, der ihm wichtig ist. Sein Bruder ist solch ein Mensch. Er geht ihn suchen und als er ihn gefunden hat, erz\u00e4hlt er ihm von Jesus dem Messias. Petrus ist so fasziniert von dem, was sein Bruder erz\u00e4hlt. Er geht einfach mit. Ohne Fragen geht er mit seinem Bruder mit. Auch bei ihm wei\u00df Jesus, wer er ist. Er spricht ihn an und benennt ihn mit Namen.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Und heute, wie kommen heute die Menschen in die Nachfolge?<\/p>\n<p>Ich denke, auch heute suchen die Menschen nach mehr als dem gro\u00dfen Geld. Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist so gro\u00df wie nie zuvor. Gerade heute zeigen die Massen an Selbstfindungskursen und \u00e4hnlichen Veranstaltungen, da\u00df die Menschen mit dem, was sie haben, nicht zufrieden sind. Sie suchen den Sinn ihres Lebens.<\/p>\n<p>Jemand mu\u00df sie auf Jesus hinweisen und ihnen sagen, da\u00df Jesus die Suche in ihrem Leben beenden kann. Der Hinweis auf Jesus ist bitter n\u00f6tig. Durch ihn ergibt sich die M\u00f6glichkeit, auf den Ruf Jesu zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Jesus ruft die Menschen zu sich. Aber oft h\u00f6ren sie ihn nicht, denn es ist viel einfacher wegzuh\u00f6ren. Wenn ich auf den Ruf h\u00f6ren w\u00fcrde, k\u00f6nnten sich ja Forderungen anschlie\u00dfen. Aber wenn ich nicht darauf h\u00f6re, dann kann ich so weiter leben, wie bisher. Will ich das aber wirklich? Den Sinn im Leben habe ich doch irgendwie immer noch nicht gefunden. Und zufrieden bin ich auch nicht. Wozu mache ich denn alles so, wie ich es jetzt mache. Warum gehe jeden morgen aus dem Haus und komme abends wieder? Es mu\u00df doch noch etwas mehr geben. Etwas, was sich wirklich lohnt. In dieser Situation bekomme ich einen Hinweis auf Jesus und dann kann ich seinen Ruf h\u00f6ren. Ich merke, da\u00df er mir einen Sinn in mein Leben geben kann. Er ist f\u00fcr meine S\u00fcnden gestorben und dadurch bin ich frei. Frei von meiner Schuld. Das h\u00f6re ich in seinen Worten und das kann ich annehmen. Jesus wei\u00df, da\u00df ich etwas suche, genauso, wie er es bei den J\u00fcngern gewu\u00dft hat. Er gibt mir die Antwort!<\/p>\n<p>Wie er sie mir gibt? Manchmal sind es nur ganz kleine Zeichen. Kleine Wunder, die mir zeigen, da\u00df da noch mehr ist, als das Geld und der Wohlstand dieser Welt. Ich kann es oft gar nicht beschreiben, was es ist. Aber in mir entsteht ein Gef\u00fchl der Geborgenheit, und ich f\u00fchle mich sicher. Da ist zum Beispiel die Schiffsreise von Italien nach Griechenland vor 6 Jahren. Ich war mit einer Reisegruppe unterwegs, und das Schiff war einfach nur alt. Es klapperte \u00fcberall. Ich hatte den Rost an allen Ecken und Kanten gesehen, und es war die letzte Fahrt, die dieses Schiff machen sollte. Ich wei\u00df, ich h\u00e4tte keine Angst zu haben brauchen, aber ich hatte sie. Ich hatte wirklich das Gef\u00fchl, da\u00df dies die letzte Reise sei, die ich je machen w\u00fcrde. Ich habe gebetet, und, als ich Amen gesagt hatte, da konnte ich schlafen. Meine Angst war weg.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr mich ein solches Zeichen. Es sind nicht immer die gro\u00dfen Wunder, aber auch in diesen kleinen Zeichen kann ich Gott, Jesus und seine Wunder sehen. Ich wei\u00df, da\u00df er mich h\u00e4lt. Dies w\u00fcrde ich als Jesu Rufen in meinem Leben bezeichnen. Ich bemerke einfach, da\u00df nach dieser Welt nicht alles zu Ende ist. Da ist etwas, was mich h\u00e4lt. Gott h\u00e4lt mich. Ich kann es einfach nicht genauer beschreiben, und es gibt sicher auch nicht die Patentantwort. Aber Gott ist da. Er besch\u00fctzt diese Welt, denn sonst h\u00e4tten wir sie schon lange nicht mehr.<\/p>\n<p>Dieses Rufen f\u00e4llt immer anders aus. Vielleicht ist es bei einigen von Ihnen ein Wort aus der Bibel, da\u00df ihnen gezeigt hat, da\u00df Gott da ist. Vielleicht ist es ein Wort, das ein guter Freund, ein Bekannter zu Ihnen gesagt hat. Oder es ist wie bei mir ein Erlebnis. Jeder mu\u00df diese Zeichen f\u00fcr sich selbst entdecken.<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Aber was geschieht danach, nachdem ich Jesu Ruf in meinem Leben geh\u00f6rt habe? Geht dann alles wie bisher weiter?<\/p>\n<p>In der Erz\u00e4hlung aus der Bibel, die ich heute morgen hier gelesen habe, ergeht der Ruf auch an Simon. Jesus nennt ihn beim Namen und benennt ihn um. Er hei\u00dft nun Kephas, der Fels. Aus dem Simon ist der Petrus geworden. Das griechische Petrus steht f\u00fcr das aram\u00e4ische Kephas. Jesus hat Simon ver\u00e4ndert. Er hat aus ihm den Fels seiner Gemeinde gemacht.<\/p>\n<p>Die Nachfolge Jesu ver\u00e4ndert. Sie hat auch mich ver\u00e4ndert und viele Menschen um mich herum. Wir leben unser Leben jetzt ganz anders. Aber wie? Soll ich als M\u00f6nch oder Nonne in der absoluten Askese leben? Als M\u00e4rtyrer, der f\u00fcr seinen Glauben stirbt? Mu\u00df ich m\u00f6glichst viele gute Werke tun, um in den Himmel zu kommen? Paulus schreibt in einem seiner Briefe, da\u00df wir nur durch unseren Glauben gerecht werden.<\/p>\n<p>Also doch weiterleben wie bisher! Nein, denn das ist nicht mit dem Glauben zu vereinbaren. Wenn ich an Gott und seinen Sohn glaube, der mich in die Nachfolge gerufen hat, dann mu\u00df ich mein Leben einfach \u00e4ndern. Dann m\u00f6chte ich nach den Geboten Gottes leben, weil ich denke, da\u00df ich dadurch die Welt ein wenig ver\u00e4ndern kann. Die Nachfolge mu\u00df freiwillig geschehen, diese \u00c4nderung in meinem Leben, aber in dem Glauben an Jesus kann das auch geschehen.<\/p>\n<p>Glaube hei\u00dft Gehorsam. Gehorsam gegen\u00fcber dem Wort Gottes. Der Gehorsam aber, der ergibt sich nur in freiwilligem Tun. Die Welt zeigt uns, da\u00df wenn Gehorsam mit Strafe erzwungen wird, dann kommt es fr\u00fcher oder sp\u00e4ter immer zum gro\u00dfen Krach. Dann rebellieren Menschen und suchen sich einen Ausweg aus ihrer Lage, manchmal auch mit Gewalt. Ich stelle mir vor, da\u00df es damals \u00e4hnlich war, als vor zehn Jahren die Mauer gefallen ist. Viele Menschen in der DDR wollten unter ihrem System nicht mehr leben, da sie mit Strafe zum Gehorsam gegen\u00fcber dem System gezwungen wurden.<\/p>\n<p>Eine solche Rebellion will Gott nicht. Deshalb mu\u00df der Gehorsam ihm gegen\u00fcber freiwillig geschehen. Aber er ist n\u00f6tig. Er geh\u00f6rt zum Glauben und nur, wenn ich meinen Gehorsam best\u00e4tigt sehe, dann w\u00e4chst auch der Glaube. Ich sehe, da\u00df ich mit meinem Gehorsam Erfolg habe und kann dadurch noch mehr glauben. Dieser Erfolg kann sich unterschiedlich zeigen, z.B. darin, da\u00df ich immer mehr auf Vorurteile verzichten kann, oder darin, da\u00df ich hilfsbereiter auf meinen Nachbarn zugehen kann. Diese Erfahrungen best\u00e4rken mich in meinem Glauben. Ich sehe, da\u00df es gut ist, so zu handeln. Der Mensch braucht f\u00fcr sein Tun und Handeln wohl immer eine Best\u00e4tigung. Deshalb sagt Jesus auch zu den J\u00fcngern: Kommt und seht. Sie sollen sich selbst \u00fcberzeugen, denn dann k\u00f6nnen sie leichter glauben.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt sich hart an. Das Wort Gehorsam hat immer einen negativen Nachgeschmack. Aber der Gehorsam gegen\u00fcber Gott bedeutet doch, da\u00df wir seine Gebote halten sollen. Das ist nicht immer einfach. Ich denke, jeder, auch der Pastor in den Kirche, kann davon berichten. Gehorsam ist dennoch nicht negativ, denn im Gegenzug schenkt Gott uns die Freiheit. Wir sind nicht mehr an die Welt gebunden.<\/p>\n<p>Ich werde von Gott in die Nachfolge gerufen. Ich folge ihm und \u00fcbe ihm gegen\u00fcber Gehorsam aus. Und wie machen es die Menschen auf dem Kirchentag und in den Gemeinden? Ich denke, das, was sie tun, ist ihr Gehorsam gegen\u00fcber Gott. Sie leben in der Nachfolge und weisen durch ihr Leben auf Jesus hin, so wie es Johannes getan hat. Sie versuchen, andere auf Jesu Rufen aufmerksam zu machen. In der Lesung vorhin wurde auch von der Berufung des Petrus erz\u00e4hlt. Er wurde sp\u00e4ter zum Menschenfischer. Und genau das sind die Menschen in unseren Gemeinden auch. Sie erz\u00e4hlen von Jesus, sie singen von Jesus, sie versuchen, nach seinen Geboten zu leben. Das kann z.B. der Besuchsdienst sein, der anderen mit der reinen Anwesenheit eine Freude macht oder versucht in kleinen Notlagen auszuhelfen. Oder die Jugendarbeit, wo von Jesus gesungen und erz\u00e4hlt wird, wo jeder f\u00fcr den anderen da sein m\u00f6chte und eine Gemeinschaft entsteht. Aber auch im t\u00e4glichen Leben erkennt man diese Menschen an ihrer Hilfsbereitschaft und ihrem Handeln. Sie strahlen f\u00fcr mich immer die Liebe Gottes aus, und ich f\u00fchle mich von ihnen angezogen. Sie sind Menschenfischer.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Sabine Ulrich, stud.theol.<\/p>\n<p>Von-Bar-Str. 2-4<\/p>\n<p>37075 G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>Tel.: 0551 \/ 5311205<\/p>\n<p>Email: <a href=\"mailto:Sulric1@stud.uni-goettingen.de\">Sulric1@stud.uni-goettingen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Trinitatis | 4. Juli 1999 | Johannes 1,35-42 | Sabine Ulrich | I. Liebe Gemeinde! 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