{"id":21992,"date":"2000-11-18T11:20:18","date_gmt":"2000-11-18T10:20:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21992"},"modified":"2025-03-18T11:22:54","modified_gmt":"2025-03-18T10:22:54","slug":"offenbarung-314-22-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-314-22-8\/","title":{"rendered":"Offenbarung 3,14-22"},"content":{"rendered":"<h3>Bu\u00df- und Bettag | 22. November 2000 | Offenbarung 3,14-22 | Reinhard Schmidt-Rost |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ich habe einen Brief bekommen, geschrieben von der Gemeinde in Laodicea an die Gemeinden am Rhein; sie suchen Rat bei Christen in vergleichbarer sozialer und religi\u00f6ser Situation; sie leben in einer wohlhabenden Stadt, mit einer medizinischen Hochschule und einem bl\u00fchenden Wirtschaftsleben. Die Anfrage hat es in sich, h\u00f6ren Sie selbst:<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder am Rhein, wir sind in einer schwierigen Lage, wir haben ein Schreiben erhalten von einem gewissen Johannes, der hierzulande als Prediger und Prophet bekannt und t\u00e4tig war, er war nun schon einige Zeit nicht mehr hier; aber er hat er sich inzwischen schriftlich gemeldet &#8211; und wie; dabei hat er offenbar nicht nur an uns geschrieben, vielmehr habe alle Stadtgemeinden in unserer Gegend Post von ihm bekommen.<\/p>\n<p>In diesen Sendschreiben, wie er sie nennt, wird nun so etwas wie ein Test-Ergebnis ver\u00f6ffentlicht, ein Bew\u00e4hrungstest, wie bei der Stiftung Warentest, eine quantitative und qualitative Evaluation der Leistungen jeder Gemeinde. Wir sind \u00fcber das Ergebnis schockiert, wir liegen ziemlich am Ende der Skala, aber noch mehr als das Ergebnis belastet uns die Art und Weise, wie hier \u00fcber das Leben in den Gemeinden geurteilt wird; wir haben nie gedacht, da\u00df wir uns durch unsere Leistungen vor Gott qualifizieren k\u00f6nnten; ist es nicht Gott allein, der in uns das Gute wirkt, wenn uns etwas Gutes gelingt? Aber lest seine Worte erst einmal selbst:<\/p>\n<p>&#8222;Und dem Engel (Gemeindeleiter) der Gemeinde in Laodicea schreibe: Das sagt, der Amen hei\u00dft, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Sch\u00f6pfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm w\u00e4rest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.<\/p>\n<p>Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und wei\u00dft nicht, dass du elend und j\u00e4mmerlich bist, arm, blind und blo\u00df. Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer gel\u00e4utert ist, damit du reich werdest, und wei\u00dfe Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Bl\u00f6\u00dfe nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit Du sehen m\u00f6gest. Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und z\u00fcchtige sie. so sei nun eifrig und tue Bu\u00dfe! Siehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme h\u00f6ren wird und die T\u00fcr auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer \u00fcberwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich \u00fcberwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. Wer Ohren hat, der h\u00f6re, was der Geist den Gemeinden sagt.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>Wir sind entsetzt und entr\u00fcstet, denn Johannes war in unseren Gemeinden ein anerkannter Prediger, sein Wort hatte Gewicht, auch wenn seine Visionen manchmal etwas weit und bunt in die Zukunft griffen. Eine Nachbargemeinde, die in Sardes, hat einen \u00e4hnlich scharfen Tadel hinnehmen m\u00fcssen, f\u00fcnf andere Gemeinden werden dagegen viel freundlicher angesprochen und h\u00f6her bewertet. Das hat uns erst recht aufgeregt. Wir sind br\u00fcskiert und blamiert in der Nachbarschaft.<\/p>\n<p>Einige haben versucht abzuwiegeln: &#8222;Lasst doch diesen Eiferer, la\u00dft Euch von ihm nicht irre machen, wir wissen schon, was uns der Glaube an Christus bedeutet.&#8220; Aber sein Schreiben hat doch wie ein blauer Brief in der Schule gewirkt, Versetzung gef\u00e4hrdet, ein strenger Tadel.<\/p>\n<p>Nun fragen wir: Was ist eigentlich dran an dieser Kritik? Ihr seid doch in einer \u00e4hnlichen Situation: An einem Ort, wo Ihr sicher nicht die Reichsten, aber auch nicht gerade die \u00c4rmsten unter den B\u00fcrgern Eurer Stadt seid, auch habt Ihr keine Verfolgungen auszustehen. Wir leben wie Ihr mit den \u00c4rzten von der Hochschule und mit den wohlhabenden Kaufleuten in friedlicher Nachbarschaft, auch die Stadtverwaltung achtet uns als treue B\u00fcrger. Sie akzeptiert, dass wir den Kaiserkult, der von Rom aus diktiert wird, nicht mitmachen &#8211; sie halten sich ja auch selbst auf Distanz zu Rom. Vor Jahren, als unsere Stadt durch ein Erdbeben schwer getroffen war, hat unser B\u00fcrgermeister gesagt: Das schaffen wir allein, wir brauchen keine Hilfe aus der Hauptstadt.<\/p>\n<p>In dieser friedlichen Nachbarschaft wollen wir keinen Unfrieden s\u00e4en durch aggressive Werbung f\u00fcr unseren Glauben, es mu\u00df schlie\u00dflich jeder nach seiner Art selig werden. Gott hat uns die Vielfalt der Geister und Gaben geschenkt, sollten wir da unseren Weg als den einzig m\u00f6glichen vorschreiben, w\u00fcrden wir damit nicht Unfrieden s\u00e4en, religi\u00f6se Spannungen heraufbeschw\u00f6ren?<\/p>\n<p>Soll nur das Martyrium als wahre Nachfolge gelten?<\/p>\n<p>Wir sind doch gerecht gesprochen durch Gottes Gnade, &#8230; sind denn die Worte des Paulus au\u00dfer Kraft gesetzt: Wir sind vor Gott recht allein aus Gnade?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird bei uns viel \u00fcber Geld gesprochen, aber doch \u00fcberwiegend zu guten Zwecken.<\/p>\n<p>Wenn es also stimmt, was man so h\u00f6rt, dann seid Ihr in einer \u00e4hnlichen Situation wie wir: Was macht Ihr denn jetzt, hat Eure Synode schon einmal \u00fcber solche Probleme zu beraten gehabt?<\/p>\n<p>Der Friede Christi sei mit Euch.<\/p>\n<p>Eure Geschwister in Christus aus Laodicea<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Anfrage ist gewichtig, zweifellos, und die Leute aus Laodicea haben sich in der Adresse nicht geirrt; ich will mich also an einer Antwort versuchen, w\u00e4re aber auch an Meinung\u00e4u\u00dferungen aus unserer Gemeinde interessiert.<\/p>\n<p>In einem Punkt mu\u00df ich der Gemeinde in Laodicea vorweg schon recht geben: Die Sch\u00e4rfe der Attacke ist schwer ertr\u00e4glich, denn sie richtet in einer Weise, wie nur Gott \u00fcber Menschen urteilen kann. G\u00f6ttliche Autorit\u00e4t aber hat sich auch der Apostel Paulus nicht angema\u00dft, gerade dann nicht, wenn er \u00fcber eine seiner Gemeinden besonders ungl\u00fccklich war. So scharfe Kritik verstockt, oder macht b\u00f6se oder treibt in die Resignation.<\/p>\n<p>Als Antwort w\u00fcrde ich nun vielleicht so schreiben:<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder in Laodicea,<\/p>\n<p>wir haben Euren Brief und das Sendschreiben des Johannes gelesen, wir sind in der Tat in einer vergleichbaren Situation, &#8211; und deshalb sind wir auch mit Euch best\u00fcrzt und verunsichert: Da\u00df wir nach unseren Werken gerichtet werden, daran k\u00f6nnen wir auch nicht glauben. Das ist doch gerade das Besondere am Evangelium. Wir haben die Botschaft von Christus so verstanden, da\u00df unsere Werke Ausdruck und Folge unseres Glaubens sind, nicht die Grundlage einer Beurteilung und Verurteilung.<\/p>\n<p>Im Schreiben des Johannes an Euch aber bekommt man vom Kern des Evangeliums nur wenig mit, da\u00df Christus f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben ist, wie es der Apostel Paulus ausgedr\u00fcckt hat.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, da\u00df wir tun und lassen wollten, was uns gerade gut scheint, aber wenn das stimmt, da\u00df Gott uns verurteilt, weil unsere Werke nicht gut genug sind, dann k\u00f6nnen wir auch nicht bestehen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen doch nur einen ganz kleinen Teil vom gro\u00dfen g\u00fctigen Evangelium in unserm kurzen Leben verstehen und praktizieren, wir bleiben immer weit hinter dem zur\u00fcck, was getan werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Da dieses Schreiben aber nun einmal auf dem Tisch liegt, sollten wir das Beste daraus machen, uns nicht weiter \u00fcber den polternden Johannes aufregen. Wir wollen vielmehr aufschreiben, was uns im Blick auf unsere Gemeinden hier am Rhein bei solcher Kritik einf\u00e4llt. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass auch Ihr dabei auf gute neue Ideen kommt, wie das Evangelium von Christus in Eurer pluralen Situation wirksam verk\u00fcndigt werden kann, &#8211; und dann h\u00e4tte der Brief auch sein Gutes gehabt.<\/p>\n<p>Am lautesten klingt der Vorwurf, Ihr seid lau. Immer wieder wird dieser Vorwurf auch bei uns von verschiedenen Gruppen erhoben:<\/p>\n<p>Einige Leute, die in unseren Versammlung immer dabei sind, sagen bitter: Die Menschen gehen nicht mehr zu den Gottesdiensten, deshalb wissen sie nichts mehr von Gott, deshalb k\u00f6nnen sie sich nicht mehr f\u00fcr Gott erw\u00e4rmen; sie nehmen auch alles so hin, wie das Leben so halt verl\u00e4uft: sie sind lau.<\/p>\n<p>Die Gruppe der Bibeltreuen in unseren Gemeinden sagt: Die Bibel wird in unserer Zeit nicht genug gelesen, wer wei\u00df schon noch, was in der Bibel steht? Die Leute sind lau, reden diffus und undifferenziert, wissen gar nicht, worum es geht.<\/p>\n<p>Einige andere, die man viel seltener sieht, sagen: Es m\u00fcsste \u00fcberhaupt mehr gemacht werden; in unserer Gemeinde passiert nichts Aufregendes, die Leiter sind lau &#8211; solche Kritiker f\u00fcgen dann schnell noch hinzu: In der Kirche ist es einfach langweilig, lau hei\u00dft langweilig.<\/p>\n<p>wieder andere, die durch ihre Kritik zeigen, da\u00df sie sich bei uns gar nicht auskennen, sagen: Die Leute treten doch aus und das Geld wird weniger, weil Ihr euch nicht genug einsetzt, man wei\u00df gar nicht, worum es bei Eurem Verein eigentlich geht; ihr seid tr\u00e4ge, Leistung lau, budget low.<\/p>\n<p>Ihr seht, man kann sich unter &#8222;lau&#8220; sehr Verschiedenes, ja ganz Gegens\u00e4tzliches vorstellen.<\/p>\n<p>Uns aber dr\u00e4ngt sich f\u00fcr die Gemeinden hier noch ein ganz anderer Gedanke auf: Es wird genug, ja viel zu viel geschafft und getan und geackert, man will sich seine Lebendigkeit beweisen; und je mehr man schafft, um so mehr macht sich Resignation breit, denn man schafft ja nie genug, &#8211; und dann sieht man nur noch das, was abnimmt, trotz aller Bem\u00fchungen; dass die j\u00fcngere Generation nicht mehr zur Kirche halte, dass das Geld immer weniger werdem, &#8211; Klagen auf hohem Niveau &#8211; dass die Kirchen Beh\u00f6rden geworden seien, die beim Verwalten immer mehr veralten, Organisationen ohne Visionen.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es auch bei Euch so sein, da\u00df die Gesch\u00e4ftigkeit die Stelle des Evangeliums eingenommen hat, da\u00df Eure Werke und Taten den Glauben an Gottes G\u00fcte zu verdr\u00e4ngen beginnen, dass Ihr Euch mit Euren Leistungen zu gut und selbst\u00e4ndig f\u00fchlt, oder auch noch l\u00e4ngst nicht gut genug?<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde uns nach unserer Problemlage am meisten einleuchten. Denn bei allem Tun und Treiben \u00fcbersieht man leicht, wie alles, was gelingt, an Gottes G\u00fcte und Barmherzigkeit h\u00e4ngt. Vielleicht hat Johannes auch bei Euch Symptome solcher verdeckter Selbstzufriedenheit entdeckt:<\/p>\n<p>Schaut doch, was wir alles machen, wie gut wir sind.<\/p>\n<p>Bei uns ist das jedenfalls eine Gefahr, da\u00df wir \u00fcber allem, was wir anpacken und durchf\u00fchren, vergessen, da\u00df wir von Gottes G\u00fcte leben und mit unserer Arbeit Zeugen dieser G\u00fcte sein d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Aber es scheint ja M\u00f6glichkeiten zum Umdenken zu geben, M\u00f6glichkeiten neue Wege zu suchen und zu gehen, das l\u00e4\u00dft selbst Johannes durchblicken, auch wenn er mit Worten zur Bu\u00dfe treibt, die alles andere als einladend sind:<\/p>\n<p>&#8222;Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und z\u00fcchtige sie. So sei nun eifrig und tue Bu\u00dfe! Siehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an.&#8220;<\/p>\n<p>Gott sucht immer noch die Gemeinschaft mit den Menschen. Gottes G\u00fcte ist immer noch allen Menschen nahe; vielleicht tritt er doch auch bei uns ein und setzt sich zu uns an den Tisch, bei uns und bei Euch. Ihr werdet es sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Gerade am Reichtum kann sich das Umdenken zeigen: Der Umgang mit Geld und Gut ist anders geworden seitdem, Besitz begr\u00fcndet nicht mehr Macht, sondern soziale Verantwortung, dieser ganz und gar neue, fremde Gedanke ist nicht mehr wegzudenken, seit Christus in die Welt gekommen ist und die Skala der Wichtigkeiten ver\u00e4ndert hat. Oder ist Euer Reichtum f\u00fcr Euch immer noch das wichtigste Status-Symbol?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>soweit mein Entwurf, ich habe die Antwort noch nicht abgeschickt; wer mir dazu noch einen Rat gegeben kann, ist herzlich darum gebeten.<\/p>\n<p>Eins aber ist mir beim Nachdenken \u00fcber diesen Brief noch einmal ganz bewu\u00dft geworden: Ich kann diese Kritik nur begreifen und ertragen, wenn ich zugleich die Worte des Paulus hinzu nehme: Dass ich gerade nicht durch meine Werke vor Gott etwas gelte, sondern nur durch seine Gnade. Diese Gewi\u00dfheit hat sich mir beim Nachdenken \u00fcber die Lauheit der Leute von Laodicea wieder sehr gefestigt. Amen.<\/p>\n<p>Vater,<\/p>\n<p>erbarme dich und vollende dein Bild<\/p>\n<p>von uns und von dieser Erde,<\/p>\n<p>das entstellt ist durch Angst, durch Schuld, durch Tod.<\/p>\n<p>Und dann hilf uns zu tun, was notwendig ist,<\/p>\n<p>wenn wir denen begegnen, die nicht dein Gesicht tragen,<\/p>\n<p>sondern das unsere, voller Angst, voller Schuld, voller Tod.<\/p>\n<p>Vater,<\/p>\n<p>wir beten auch f\u00fcr die,<\/p>\n<p>die verbittert sind,<\/p>\n<p>deren Liebe lau geworden ist,<\/p>\n<p>deren Kraft zu hoffen schwach geworden ist.<\/p>\n<p>Wehre dem, was ihren Glauben verdirbt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ge\u00e4ngsteten und Verfolgten beten wir.<\/p>\n<p>\u00dcberwinde in ihnen, was dem Leben zuwider ist.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr die Sterbenden beten wir.<\/p>\n<p>Begegne ihnen auf ihrem Weg von dieser Erde<\/p>\n<p>und geleite sie an dein Ziel.<\/p>\n<p>Erneuere die Welt, gew\u00e4hre gn\u00e4dig uns Leben.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Vorauslaufende Gedanken \u2013 nachgereicht:<\/p>\n<p>Die Klippe dieses Textes: Der Prediger, die Predigerin l\u00e4sst sich in die Rolle des Johannes dr\u00e4ngen, so als w\u00e4re man selbst dabei dieses Urteil zu sprechen. Dann ist eine gesetzliche Predigt mit vielen Appellen und Vorschl\u00e4gen zur Besserung fast unvermeidlich. Die Stichworte passen gut in die Gegenwart, da l\u00e4sst sich leicht ein Br\u00fcckenschlag vollziehen, aber Vorsicht: Wer nicht nur Laodicea im Jahre 90 und Deutschland im Jahr 2000 zusammensieht, sondern meint, auch gleich noch wie Johannes reden zu sollte, k\u00f6nnte sich eine zu gro\u00dfe Autorit\u00e4t anma\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Situation in Kleinasien zur Zeit Domitians ist nach Auskunft j\u00fcngerer Ausleger vielleicht doch nicht ganz so bedrohlich, wie sie die Offenbarung des Johannes schildert, aber die Notwendigkeit zur Abgrenzung ist offenkundig.<\/p>\n<p>Zur Predigt-Situation: Die Predigt wird in einem Gottesdienst in der Bonner Universit\u00e4tskirche am Volkstrauertag gehalten, da am Bu\u00df- und Bettag eine andere kirchliche Veranstaltung in der Schlosskirche stattfindet. Daraus ergibt sich jedoch f\u00fcr Anlage und Abfassung der Predigt kein gro\u00dfer Unterschied.<\/p>\n<p>Die Predigt enth\u00e4lt drei Briefe: Den Brief, den die Gemeinde von Laodicea an die Gemeinde in xy (in meinem Fall: Bonn) schreibt, den Brief des Johannes an die Gemeinde in Laodicea (Predigttext aus der Apokalypse) und den eigenen Briefentwurf, den Hauptteil der Predigt. Durch diese dialogische Konstruktion wollte ich vor allem verhindern, dass der Predigttext zur Moralpredigt wird. Diese Gefahr liegt gerade bei diesem Sendschreiben sehr nahe.<\/p>\n<p>Die Konstruktion eines Briefes erleichtert zudem die Bearbeitung der Predigt f\u00fcr die eigene Situation, man kann den Brief umschreiben, und schlie\u00dflich k\u00f6nnte aus der Anfrage an die jeweilige Gemeinde auch ein \u201einteraktiver Proze\u00df\u201c (schlicht: ein Austausch) werden: Ich werde jedenfalls die Antworten meiner Gemeinde, wenn ich solche erhalten, auch ins Internet geben, ein elektronisches Predigtnachgespr\u00e4ch oder etwas derartiges.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Ablauf des Gottesdienstes:<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Reihe &#8222;Gestalten des Glaubens&#8220; bringt heute einmal keine Person in Erinnerung, noch f\u00fchrt sie einen gedanklichen Grundzug christlicher Glaubenspraxis vor Augen, vielmehr besch\u00e4ftigt sie sich mit der sozialen Grundgestalt des christlichen Glaubens \u00fcberhaupt, der Gemeinde, allerdings mit einer bestimmten Gemeinde, mit einer namentlich genannten Gemeinde, der Gemeinde von Laodicea &#8211; aber diese eine Gemeinde steht exemplarisch f\u00fcr viele andere, vielleicht auch f\u00fcr Gemeinden in unserer Region.<\/p>\n<p>Lied: Gelobt sei deine Treu 428<\/p>\n<p>Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.<\/p>\n<p>Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,<\/p>\n<p>der Wort und Treue h\u00e4lt ewiglich<\/p>\n<p>und nicht fahren l\u00e4sst das Werk seiner H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Der Herr sei mit Euch<\/p>\n<p>Psalm 130<\/p>\n<p>Kyrie: Wir m\u00f6chten zuh\u00f6ren, und unsere Ohren sind verschlossen.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten helfen, und unsere H\u00e4nde r\u00fchren sich nicht.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten lieben, und unser Herz bleibt kalt.<\/p>\n<p>Herr, erbarme dich unser!<\/p>\n<p>Gloria-Spruch:<\/p>\n<p>Die G\u00fcte des Herrn ist es, da\u00df wir nicht gar aus sind.<\/p>\n<p>Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende.<\/p>\n<p>Kollektengebet: Gott, wir leben von deiner Gnade und bitten,<\/p>\n<p>dass unsere Schuld uns nicht trenne<\/p>\n<p>von den Menschen um uns<\/p>\n<p>und von Christus, dem Richter und Bruder voller Erbarmen im Heiligen Geist.<\/p>\n<p>Lesung R\u00f6mer 3, 21-28<\/p>\n<p>Glaubensbekenntnis<\/p>\n<p>Lied: 428 Komm in unsre stolze Stadt<\/p>\n<p><strong>Predigt<\/strong><\/p>\n<p>P.S. Die Predigt ist Teil einer Predigtreihe mit dem Titel &#8222;Gestalten des Glaubens&#8220; \u00dcber den Ablauf dieser Reihe informieren wir auf der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ev-theol.uni-bonn.de\/\"><strong>Homepage der Evangelisch-theologischen Fakult\u00e4t (www.ev-theol.uni-bonn.de)<\/strong><\/a>\u00a0mit Link zur Schlo\u00dfkirche und zu den Universit\u00e4tsgottesdiensten.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost, BonnProfessor f\u00fcr Praktische Theologie und Universit\u00e4tspredigeran der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t<a href=\"mailto:r.schmidt-rost@uni-bonn.de\">E-Mail: r.schmidt-rost@uni-bonn.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag | 22. 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