{"id":22001,"date":"2001-09-18T11:32:30","date_gmt":"2001-09-18T09:32:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22001"},"modified":"2025-03-18T11:35:31","modified_gmt":"2025-03-18T10:35:31","slug":"philipper-11-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-11-6-2\/","title":{"rendered":"Philipper 1,1-6"},"content":{"rendered":"<h3>15. Sonntag nach Trinitatis | 23. September 2001 | Philipper 1,1-6 | Esko Ry\u00f6k\u00e4s |<\/h3>\n<p>1 Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, an alle Heiligen in Christus Jesus in Philippi samt den Bisch\u00f6fen und Diakonen:2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! 3 Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke 4 was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten f\u00fcr euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden, 5 f\u00fcr eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute; 6 und ich bin darin guter Zuversicht, da\u00df der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird&#8217;s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.<\/p>\n<p>Lutherbibel 1984 (Die Bibel nach der \u00dcbersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984)<\/p>\n<p>1. Herbst ist Erntezeit. Die Fr\u00fcchte des Sommers in G\u00e4rten und Feldern sind geerntet. Alles, was in Blumenbeeten und Gem\u00fcseg\u00e4rten gepflanzt wurde, hat gebl\u00fcht und Fr\u00fcchte getragen.<\/p>\n<p>Der Landwirt s\u00e4t im Fr\u00fchjahr Weizen- und Gerstensamen. Die Samen wirken leblos. Nichts bewegt sich, nichts w\u00e4chst. Trotzdem werden die Samen ges\u00e4t. Tagelang geschieht nichts. Aber dann treten die gr\u00fcnen Keime zutage, nach und nach w\u00e4chst der Halm und endlich setzen auch \u00c4hren an. Die Samen haben sich entwickelt, und die Ernte ist reif.<\/p>\n<p>Seit dem Fr\u00fchjahr hat der Landwirt gewartet. Zuerst wartet er darauf, ob etwas zutage treten wird, also ob die Saat gelungen ist. Er beobachtet das Wetter, ob sein Anbau Wasser braucht. Gleichzeitig denkt er nach &#8211; wenn er nicht entschieden hat, naturgem\u00e4ss anzubauen &#8211; ob er Unkraut vergiften soll. Im Herbst berechnet er die Zeit des M\u00e4hdreschens, wenn das Getreide reif und gen\u00fcgend trocken ist. Die ganze Zeit muss er warten. Und so tut es auch der G\u00e4rtner.<\/p>\n<p>Die Wartezeit des Landwirts bedeutet nicht, auf einem Stuhl zu sitzen und die Zeit zu vergeuden. Er wei\u00df, dass die Erntezeit kommt und dass alles dann bereit sein muss. Nach dem S\u00e4en muss er sicherstellen, dass Bew\u00e4sserungsger\u00e4te sowie evt. Gift f\u00fcr das Unkraut bereit stehen. Er muss auch pr\u00fcfen, ob die Scheunen in Ordnung sind. Wenn man sie nicht hat, muss man sie schon im Fr\u00fchjahr bauen oder sonst in Ordnung bringen, so dass die Ernte im Herbst dorthin gebracht werden kann. Also sein Warten ist keine Bewegungslosigkeit, sondern es bedeutet einen aktiven Zeitaufwand. Er muss st\u00e4ndig nachdenken. Hinter diesem aktiven Warten steckt das Vertrauen darauf, dass das Getreide w\u00e4chst und geerntet werden kann. Er baut neues f\u00fcr seine kommende Ernte, und gegebenenfalls muss er sogar Kredit f\u00fcr seine Bauarbeiten im Blick auf die kommende Ernte nehmen. Auch die Banken vertrauen auf die Kraft des Wachstums und auf die Ernte, in verschiedenen Zeiten auf unterschiedliche Weisen, aber dennoch. Das Warten und Vertrauen auf die Ernte h\u00e4ngen zusammen.<\/p>\n<p>2. Der Glaube des Menschen ist auch ein Samen. Er wird in die Herzen der Menschen ges\u00e4t, wenn der Mensch das Evangelium und die gute Nachricht Gottes \u00fcber die Vers\u00f6hnung Jesu Christi und \u00fcber die Liebe Gottes h\u00f6rt. Dieser Samen w\u00e4chst im Inneren des Menschen. Man kann oft sein Wachstum nicht sehen, aber er lebt und wirkt. Zuweilen tritt der Glaube deutlich zutage, manchmal aber sehr schwach. Es ist ja nicht der Mensch, der den Glauben hervorbringt, sondern Gott.<\/p>\n<p>In seinem Brief an die Philipper schreibt der Apostel Paulus: &#8222;Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird&#8217;s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.&#8220;<\/p>\n<p>In seinem Leben darf der christliche Mensch darauf vertrauen, dass Gott die Ernte pflegt. Der Christ kann auf das Wachstumswunder warten, aber diese Wartezeit braucht keine passive Zeit zu sein. Der Christ darf darauf vertrauen, dass alles in seiner Zeit w\u00e4chst und dass Gott den Glauben pflegt und die Fr\u00fcchte des Glaubens gibt. Der Christ darf in diesem Bewusstsein ausruhen, aber er darf auch aktiv mit dem Vertrauen handeln, dass die Zeit der Ernte kommen wird.<\/p>\n<p>3. Der vorhin genannte Brief an die Philipper wurde sowohl an die Gemeinde als auch an deren Leiter gerichtet. Paulus wollte in seinem Brief gleich mit den Anfangsworten die Gemeindemitglieder in ihrem Leben ermuntern. Auch die Gemeinde darf darauf bauen, dass einer s\u00e4t und andere ernten. In der T\u00e4tigkeit der Gemeinde wird oft Samen gelegt. Zuweilen tr\u00e4gt man Sorge, was f\u00fcr eine Ernte es werden wird. Aber Paulus schreibt: &#8222;Ich bin darin guter Zuversicht, da\u00df der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird&#8217;s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.&#8220;. Es steht nicht in der Macht derer, die s\u00e4en und auch nicht derer, die sitzen bleiben. Gott pflegt seinen Anbau, Er, der Herr, Gott sorgt f\u00fcr das Wachstum.<\/p>\n<p>Dieses bedeutet auch, dass die Gemeinde darauf bauen kann, dass Gott wirkt. Es lohnt sich, Kinder zu taufen, das Wort zu verk\u00fcndigen und Gebetskreise zu organisieren. Gott h\u00f6rt und antwortet. Er aber antwortet auf seine Weise und in seiner selbst gew\u00e4hlten Zeit, er wird aber antworten. Das Leben der Gemeinde gr\u00fcndet sich auf Vertrauen: die Erntezeit kommt, das Leben ist nicht umsonst.<\/p>\n<p>4. Der Brief an die Philipper ist also auch an die Bisch\u00f6fe und Diakone gerichtet. Sie machten damals die Leitung der Gemeinde aus. In der Tat ist der Anfang des Briefes an die Philipper eine von den seltenen Stellen in der Bibel, an denen die Diakone genannt werden. Auch hier sind sie keine wertlosen Arbeiter, sondern Leute in der Leitung der Gemeinde.<\/p>\n<p>Es ist hervorragend, wie Paulus die Gemeinde begr\u00fc\u00dft und ihre Leitung nennt. Die Leiter sind oft ersch\u00f6pft. Sie sind von ihrer Verantwortung m\u00fcde. Sie m\u00fcssen immer geben, andere beraten und begleiten. Eben diesen Leuten schreibt Paulus mit guter Zuversicht, dass der, der in euch das gute Werk angefangen hat, der wird es auch vollenden.<\/p>\n<p>Wenn du Dich m\u00fcde und ersch\u00f6pft f\u00fchlst, wenn du f\u00fchlst, dass Du in Dir keinen Funken der Hoffnung findest, eben an Dich schreibt Paulus: es geht nicht um uns sondern um Gott. In dem Brief an die Hebr\u00e4er wird \u00fcber den Sohn Gottesgesagt (12.2): &#8222;Jesus, dem Anf\u00e4nger und Vollender des Glaubens.&#8220; Gott ist der Anf\u00e4nger und Vollender des Glaubens. Der Brief an die Philipper leitet schon in seinen ersten Strophen zum Vertrauen auf Gott in der Zeit, wo einem das Leben leer vorkommen kann.<\/p>\n<p>5. Wenn einem alles leer und bedeutungslos vorkommt, dann darf man darauf bauen, dass Gott f\u00fcr das Wachstum sorgt. Die Zeit der Ernte kommt. Darauf kann man warten und darauf darf man vertrauen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Esko Ry\u00f6k\u00e4sUniversit\u00e4t zu Joensuu<\/p>\n<p><a href=\"mailto:Esko.Ryokas@joensuu.fi\">Esko.Ryokas@joensuu.fi<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. Sonntag nach Trinitatis | 23. 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