{"id":22011,"date":"2001-09-18T11:48:26","date_gmt":"2001-09-18T09:48:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22011"},"modified":"2025-03-18T11:51:03","modified_gmt":"2025-03-18T10:51:03","slug":"philipper-312-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-312-14-2\/","title":{"rendered":"Philipper 3,12-14"},"content":{"rendered":"<h3>17. Sonntag nach Trinitatis | 7. Oktober 2001 | Philipper 3,12-14 | Dankwart Arndt |<\/h3>\n<p>(Vorbemerkung: Ich bleibe bei dem \u00e4lteren &#8211; &#8218;Kleinod&#8216; ; Sieges-, oder Kampfpreis h\u00f6rt sich &#8211; zumal in diesen Tagen &#8211; f\u00fcr meine Ohren zu martialisch an.)<\/p>\n<p>Ob man es &#8222;Kleinod&#8220; hei\u00dft, wie die alte \u00dcbersetzung vorschl\u00e4gt, oder &#8222;Siegespreis&#8220;,wie es genauer \u00fcbersetzt hei\u00dfen mag -dieser &#8218;Preis&#8216;, dieses &#8218;Kleinod&#8216; ist jedenfalls sehr eigent\u00fcmlich, &#8211; ganz anders als sonst Kleinodien sich darstellen, die in Schatzkammern und Museen zur Schau gestellt werden: Keine &#8218;kalte Pracht&#8216; &#8211; dieses Kleinod; vielmehr verbreitet es W\u00e4rme; dieser &#8218;Siegespreis&#8216; l\u00e4\u00dft sich nicht einfach &#8218;versilbern&#8216;, vielmehr fordert er st\u00e4ndig die besten Kr\u00e4fte eines Menschen heraus.<\/p>\n<p>Dieses &#8218;Kleinod&#8216; l\u00e4\u00dft Sinne und Augen nicht gierig werden, vielmehr stillt es tief innen wohnende Sehnsucht; die Sehnsucht danach, genannt, erkannt, anerkannt zu werden, &#8211; die Sehnsucht danach, gewertet, geborgen, gehalten zu sein, einen unbedingten Halt f\u00fcr den &#8218;Lebensanker&#8216; zu finden, &#8211; einen &#8218;Ankergrund&#8216; im Transzendenten, in dem, was uns und unsere M\u00f6glichkeiten unendlich \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Und in einer noch anderen Hinsicht stellt sich dieses&#8217;Kleinod&#8216; in sehr eigent\u00fcmlicher Weise dar: Es l\u00e4\u00dft sich haben und entzieht sich dennoch; es ist versprochen, zugesprochen und doch nicht verf\u00fcgbar; dieses &#8218;Kleinod&#8216; versetzt in eine ungeheure und doch beseligende Spannung: noch ist das Ziel nicht erreicht, noch ist der&#8217;Siegespreis&#8216; nicht gewonnen; noch ist der K\u00e4mpfer auf dem Weg, noch nicht vollkommen; und doch tr\u00e4gt ihn die Gewi\u00dfheit voran &#8211; wie tosender Beifall von den R\u00e4ngen des Stadions den Sportler vorantr\u00e4gt -, &#8211; die Gewi\u00dfheit, f\u00fcr das Kleinod bestimmt zu sein; fest und gewi\u00df ist das Vertrauen, f\u00fcr den Siegespreis bestimmt zu sein; gro\u00df ist das Zutrauen, das Kleinod &#8211; wenn schon noch nicht in der Hand zu halten, so doch &#8211; als eigenen Schatz betrachten zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Diese Spannung, in die das Kleinod versetzt, ist nicht eine unruhige Spannung, die einen zerrei\u00dfen w\u00fcrde, oder eine l\u00e4hmende Spannung, die zu nichts kommen lie\u00dfe, sondern sie ist eine positive, eine &#8218;erf\u00fcllte&#8216; Spannung: sie ermuntert, sie ermutigt, sie st\u00e4rkt alles gute Bem\u00fchen. Denn sie wurzelt in der alles andere \u00fcberstrahlenden Gewi\u00dfheit, f\u00fcr die &#8218;Berufung Gottes in Jesus Christus&#8216; bestimmt zu sein. Noch st\u00e4rker unterstreicht der Apostel, was er meint, wenn er von &#8218;himmlischer Berufung&#8216; spricht: Er ist ergriffen von Jesus dem Christus selbst, von dem Gekreuzigten\/Auferweckten. &#8218;Ergriffen&#8216; &#8211; fasziniert, bezaubert, gelockt von dem, was mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist; gereizt von dem und auf das hin, was sich in Jesus Christus ereignet hat unter den Menschen: N\u00e4he Gottes.<\/p>\n<p>&#8218;Ergriffen&#8216; ist der Apostel. Das gibt und l\u00e4\u00dft Raum f\u00fcr eine freie Entscheidung, dem nun auch &#8217;nachzujagen&#8216;, was zugesprochen ist; &#8218;ergriffen&#8216; &#8211; das gibt und l\u00e4\u00dft die Freiheit, das zu ergreifen, von dem der Glaubende ergriffen ist. Denn nicht zwangsweise, nicht &#8218;aufgegriffen&#8216;, schon gar nicht &#8218;abgegriffen&#8216; ist, wer ergriffen ist.<\/p>\n<p>&#8218;Ergriffen&#8216; in der Begegnung mit Wort und Verhalten Jesu Christi ist der Glaubende; er vernimmt den Ruf &#8218;von oben&#8216;, die &#8218;himmlische Berufung&#8216;. Sie erreicht den Menschen in dem Wort, das Jesus Christus als die geschehene und geschehende N\u00e4he Gottes bezeugt. Dieses Wort entbindet Vertrauen &#8211; ein Vertrauen, das gewi\u00df immer angefochten bleibt -, -Vertrauen in die Wahrheit des im Wort ergehenden Rufes. In solchem Vertrauen wird der H\u00f6rende, der Glaubende, der Vertrauende zun\u00e4chst und zuv\u00f6rderst gewi\u00df, da\u00df er erkannt, da\u00df er &#8211; von Ewigkeit her &#8211; bei seinem Namen genannt und gerufen, &#8211; da\u00df er gemeint ist.<\/p>\n<p>Die &#8218;himmlische Berufung&#8216; ist nicht nur &#8218;himmlisch&#8217;im Sinn von &#8218;wunderbar&#8216;, &#8218;herrlich, &#8218;beseligend&#8216;,sondern sie erreicht den H\u00f6rer des Wortes unverdient, \u00fcberraschend, befreiend; deshalb des Apostels mutige Absicht, &#8218;zu vergessen, was dahinten ist&#8216; an Irrtum und Irrweg, an bekannter und unbewu\u00dfter Schuld, &#8211; was &#8218;dahinten ist&#8216; auch an hervorragenden Leistungen, an tadellosem Verhalten, an dem, was man &#8218;guten Ruf&#8216; hei\u00dft. Die &#8218;himmlische Berufung&#8216; macht die Zusage wirksam, da\u00df der Glaubende getragen, geborgen, geliebt ist allein um seiner selbst willen und bedingungslos und voraussetzungslos. Nun steht in eben diesem Philipper &#8211; Brief, der so gewaltig und eindringlich von der &#8218;himmlischen Berufung&#8216; spricht, dieser Satz:&#8220;Was ihr gelernt und empfangen und gesehen habt, das tut &#8230;!&#8220;<\/p>\n<p>&#8218;Himmlische Berufung&#8216; zieht offensichtlich nicht von der Erde ab, l\u00e4\u00dft nicht abheben, schafft nicht einen Hans-guck-in-die-Luft, sondern bedeutet gleicherweise: der Glaubende &#8211; samt seinen M\u00f6glichkeiten und Kr\u00e4ften &#8211; ist n\u00f6tig, ist wichtig, ist entscheidend f\u00fcr andere; wer die himmlische Berufung erfahren hat, wird damit auf gleichsam die &#8218;irdische Berufung&#8216; hin verpflichtet: Er soll den Ehlenden beistehen k\u00f6nnen; soll tr\u00f6sten, aufrichten, verbinden k\u00f6nnen, was auf Erden verletzt, niedergeschlagen, von Trauer erf\u00fcllt ist; wer die himmlische Berufung als Ruf zur &#8218;Treue zur Erde h\u00f6rt und empf\u00e4ngt und lernt, wird verpflichtet darauf, Schwachen aufzuhelfen, Hungrige zu speisen, Ratlosen beizustehen, M\u00fchseligen und Beladenen ihre Lasten mitzutragen.<\/p>\n<p>Je klarer, je deutlicher, je eindringlicher der Glaube seine himmlische Berufung, die nun eben zugleich auch die verpflichtende Einladung umfasst , der Erde die Treue zu halten, &#8211; je deutlicher also beide Seiten der himmlischen Berufung geh\u00f6rt und empfangen und gelernt werden, desto deutlicher sp\u00fcrt der Glaube: er ist noch nicht vollkommen; er ist noch auf dem Weg,; er ist noch angefochten, noch nicht am Ziel; noch nagt Unsicherheit; noch ist der Gehorsam nicht ganz, noch ist er nicht freier Gehorsam; noch ist das Gesetz nicht reine Freude; noch wollen \u00c4ngstlichkeiten die Oberhand gewinnen. Diese Erfahrung bewahrt den Glauben vor \u00dcberheblichkeit, vor dumpfem Stolz, vor \u00e4rgerlicher Rechthaberei, vor kriegerischem \u00dcbermut, vor gewaltt\u00e4tiger Intoleranz, vor der Versuchung, die eigene Erkenntnis f\u00fcr die ganze und volle und unangreifbare und nicht hinterfragbare Erkenntnis zu halten.<\/p>\n<p>Freilich &#8211; auch das: der Glaube streckt sich aus und wei\u00df, wohin; er kennt die Richtung; das Ziel steht ihm vor Augen: n\u00e4mlich endg\u00fcltig aufgehoben zu sein, in Ewigkeit geborgen, ungetrennt und untrennbar verbunden zu sein der Liebe, aus der und von der er leben kann; er will ganz ergriffen und v\u00f6llig durchdrungen sein vom Zuspruch und Anspruch.<\/p>\n<p>Ein eigent\u00fcmliches Kleinod, das vor dem Glaubenden liegt, das ihn lockt und fasziniert. Es macht frei und froh bis in die Tiefen des Wesens. Es reizt, nicht abzulassen davon, nach diesem Kleinod sich auszustrecken und immer neu nach ihm zu greifen: eifrig &#8211; aber nicht gehetzt; mit aller Kraft &#8211; aber nicht getrieben von Angst; schwungvoll &#8211; aber nicht gejagt. Dankbar f\u00fcr das Wort, in dem die Berufung laut wird.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Dankwart Arndt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pastor i.R.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf dem Breckels 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>24329 Grebin<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. Sonntag nach Trinitatis | 7. Oktober 2001 | Philipper 3,12-14 | Dankwart Arndt | (Vorbemerkung: Ich bleibe bei dem \u00e4lteren &#8211; &#8218;Kleinod&#8216; ; Sieges-, oder Kampfpreis h\u00f6rt sich &#8211; zumal in diesen Tagen &#8211; f\u00fcr meine Ohren zu martialisch an.) 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