{"id":22033,"date":"2001-05-18T13:30:32","date_gmt":"2001-05-18T11:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22033"},"modified":"2025-03-18T13:34:05","modified_gmt":"2025-03-18T12:34:05","slug":"johannes-1415-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1415-19\/","title":{"rendered":"Johannes 14,15-19"},"content":{"rendered":"<h3>&#8222;Alphabet f\u00fcr Christen&#8220; | 27.5.2001 | Johannes 14,15-19 | Jobst v. Stuckrad-Barre |<\/h3>\n<p>in der Jakobi-Kirche, Hannover-Kirchrode<\/p>\n<p>Aus den Abschiedsreden Jesu im Johannes-Evangelium haben wir eben Kap. 14, 15-19 geh\u00f6rt. Jesus bittet, da\u00df der Vater, da\u00df Gott also der zur\u00fcckbleibenden Gemeinde den Tr\u00f6ster, den Geist der Wahrheit geben wird; der wird sie instandsetzen, den Weg ins Leben weiterzugehen. Ma\u00dfstab auf diesem Weg wird seine Liebe sein &#8211; was gleichbedeutend ist mit dem Halten seiner Gebote.<\/p>\n<p>Wir sind also nicht allein auf dem Weg durch die Zeit, sind nicht wie Waisen zur\u00fcckgelassen, haben vielmehr seine Verhei\u00dfung, da\u00df er bei uns ist, wie wir in ihm leben. Was Menschen so oft nur als Problem des Verstehens beschreiben, es ist in Wahrheit Existenzgrundlage der Glaubenden: Er lebt und wir sollen auch leben!<\/p>\n<p>Was gibt uns dieser Tr\u00f6ster, der Geist der Wahrheit, an die Hand, damit wir &#8222;getrost und all-in-ein&#8220; leben k\u00f6nnen? Ein kleines &#8222;Alphabet des Glaubens&#8220; m\u00f6chte ich heute f\u00fcr uns daraus entnehmen, mit dem wir all die andern n\u00f6tigen W\u00f6rter und S\u00e4tze zusammenbauen k\u00f6nnen, die es zum Christenleben braucht. Ein Alphabet auch in dem Sinne, da\u00df es um Grundworte geht &#8211; es darf also dieses und jenes fehlen, weil es sich gut von den Grundw\u00f6rtern ableiten oder aus ihnen zusammenf\u00fcgen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Das Wort, mit dem alles anf\u00e4ngt, das Wort, das wir nehmen k\u00f6nnen, wenn wir nicht wissen, was wir reden, vor allem, wie wir beten sollen, ist:\u00a0<strong>Abba<\/strong>, lieber Vater; das Wort mit dem das Grundgebet der Christenheit anf\u00e4ngt: Vater unser, sein Name werde geheiligt, sein Reich komme, sein Wille geschehe. Damit sind unsere M\u00f6glichkeit schon genannt, alle sind sie beschlossen in dem, was Gott f\u00fcr uns ist und wir f\u00fcr ihn. Doch wenn ich gleich bei dem ersten Buchstaben Schlu\u00df mache, werden Sie zu Recht sagen, das reicht nun doch nicht. Sie aber im Sinn behalten &#8211; in dieser Anrede: Abba ist alles weitere schon enthalten.<\/p>\n<p>Also wer A sagt, mu\u00df auch B sagen &#8211; und da wir mit der Anrede an Gott, den Vater, schon das Beten im Blick haben, gehe ich weiter zum\u00a0<strong>Brot<\/strong>, das jeder zum Leben braucht und von dem allein wir doch nicht leben k\u00f6nnen. Es steht also f\u00fcr das Leben, das uns geschenkt ist, das wir teilen mit einander und mit denen, die nicht genug haben, um den n\u00e4chsten Tag davon zu leben. Es ist dieses einfache Wort, in dem alles angedeutet wird, was\u00a0<strong>Christus<\/strong>\u00a0f\u00fcr uns ist &#8211; seine Lebendigkeit und seine Hingabe f\u00fcr die Menschen, die in Unfrieden und Mangel leben. Darum geh\u00f6rt f\u00fcr die, die an ihn glauben und diesen Glauben weitergeben, die Christen, der\u00a0<strong>Dank<\/strong>\u00a0ganz obendran: Dank f\u00fcr dieses Leben vor Gott und von Gott. Mitten im Alltag sind wir schon im Anbruch der\u00a0<strong>Ewigkeit<\/strong>, des Ewigen Lebens, das uns vom Vater durch den Sohn geschenkt wird.<\/p>\n<p>Sind wir, bin ich noch bei Johannes? Oh ja, denn Jesu Bitte um den F\u00fcrsprecher, den Tr\u00f6ster, den Geist der Wahrheit sichert zu, da\u00df er bei uns sein wird in Ewigkeit. Vielleicht denken Sie jetzt schon, ist der Pastor noch ganz bei Trost, wenn er so weiter macht, sind wir um 12.00 Uhr noch nicht aus der Kirche `raus. Aber noch bin ich nicht bei K wie Kirche, sondern beim\u00a0<strong>F\u00fcrsprecher<\/strong>\u00a0und\u00a0<strong>Geist<\/strong>\u00a0der Wahrheit, der uns zu\u00a0<strong>Heiligen<\/strong>\u00a0macht, wie wir allsonnt\u00e4glich sprechen: Heilig durch den, der uns aus der Gottvergessenheit herausholt und die S\u00fcnde abtut. Wem wir das alles verdanken? Jetzt h\u00e4tte ich mit einem Kunstgriff die Abk\u00fcrzung INRI nehmen k\u00f6nnen; begn\u00fcge mich aber lieber mit dem kleinen Wort\u00a0<strong>in<\/strong>: ich in meinem Vater, sagt Jesus nur einen Vers weiter bei Johannes, ich in ihm und ihr in mir und ich in euch.<\/p>\n<p>Jetzt m\u00fcssen Sie bei J nicht weiter raten, was mir da zentral erscheint.\u00a0<strong>Jesus<\/strong>\u00a0ist es, der die N\u00e4he des Vaters und damit die Hoffnung der Menschen bringt; ihm verdanken wir es, da\u00df wir nicht blo\u00df aus uns selbst leben, sondern ge\u00f6ffnet werden f\u00fcr das Sein vor Gott und in Gott. Und damit wir die Wirklichkeit nicht aus dem Auge verlieren &#8211; am\u00a0<strong>Kreuz<\/strong>\u00a0kommt die N\u00e4he Gottes zur Welt: Jesus stirbt f\u00fcr uns, f\u00fcr Angst und Abwehr der Menschen: gegen Gott und gegen einander und gibt uns in seiner Auferstehung Grund und Mut zu neuem Leben. Die\u00a0<strong>Liebe<\/strong>, die darin zum Vorschein kommt, gibt uns deshalb neues Leben, weil sie nicht f\u00fcr ideale Situationen gedacht, sondern f\u00fcr die da ist, die leiden an den N\u00f6ten und der Ungerechtigkeit der Welt, Not der andern Menschen wie der eigenen. Es sind diese\u00a0<strong>Menschen<\/strong>, f\u00fcr die Jesus gestorben und auferstanden ist, damit sie frei werden.<\/p>\n<p>Der\u00a0<strong>Name<\/strong>\u00a0Gottes ist also ein f\u00fcr allemal verbunden mit der Ohnmacht Jesu am Kreuz &#8211; aus dieser\u00a0<strong>Ohnmacht<\/strong>\u00a0erw\u00e4chst die Zukunft, die ganze Hoffnung der Welt. Einer, der f\u00fcr diese Kreuzestheologie die entscheidenden Worte und Wege gefunden hat, ist\u00a0<strong>Paulus<\/strong>, den wir deshalb in unser Alphabet aufnehmen, etwas lieber als Petrus, der der Macht zu oft erlegen ist, er und seine Nachfolger seither.<\/p>\n<p>Wieder mu\u00df ich zu einem kleinen Wort greifen, um den Zusammenhang mit dem Gekreuzigten zu wahren:\u00a0<strong>Quer<\/strong>\u00a0zu unser Denken liegt oft, was in der Nachfolge Jesu zu sagen und zu tun ist. Die Verk\u00fcndigung des\u00a0<strong>Reiches Gottes<\/strong>\u00a0und seiner N\u00e4he geht nicht konform mit dem, was in der Welt gerade angesagt ist: Geld, Macht und schiere Gr\u00f6\u00dfe &#8211; quer dazu steht das Reich Gottes, das f\u00fcr die Armen, Entrechteten und Verdr\u00e4ngten da ist. Ich gebe zu, da\u00df Johannes das ein wenig anders formuliert, doch ist das Alphabet des Glaubens ja gerade dazu da, uns miteinander zum Sprechen zu bringen, fr\u00f6hlich und kritisch, hoffnungsvoll und dankbar dem, der uns den ganzen\u00a0<strong>Segen<\/strong>\u00a0seines Wortes, seiner\u00a0<strong>Sch\u00f6pfung<\/strong>\u00a0gibt; entscheiden Sie selbst.<\/p>\n<p>Damit sind wir in einer vorletzten Gruppe von W\u00f6rtern noch einmal bei der ganzen Bandbreite unseres\u00a0<strong>Tuns<\/strong>, unserer Taten wie\u00a0<strong>Untaten<\/strong>, und merken, wie sehr wir auf den angewiesen sind, der vergibt. Von wo aus wir es auch angehen, die\u00a0<strong>Vergebung<\/strong>\u00a0ist das befreiende und ausl\u00f6sende Wort, das Gott uns und der Welt schenkt. Soda\u00df wir hier mit Johannes an der\u00a0<strong>Wahrheit<\/strong>\u00a0sind, die uns der Tr\u00f6ster bedeutet &#8211; nur in diesem Geist, der aus der Vergebung erw\u00e4chst, kommen wir zum Leben, sind wir in ihm und er in uns. Nur indem wir das uns Fremde erkennen und sehen, da\u00df Gott die Fremdheit durch Liebe \u00fcberwindet, kommen wir zu dem Licht, das uns aus dem Christus scheint: ein Fremder, ein x\u00e9nos (cenoj), war Jesus den Seinen, als er ihnen auf dem Weg nach Emmaus erschien &#8211;\u00a0<strong>Xenophilie<\/strong>\u00a0mit dem Fremdwort; wichtiger ist es, da\u00df die Liebe des Andern geschieht.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier, ich will kein X f\u00fcr ein U machen, kommt das kleine Sprachspiel mit dem Alphabet an ein Ende. Obwohl auch Y, der\u00a0<strong>Ysop<\/strong>\u00a0im Kreuzigungsbericht noch einmal in die zentrale Geschichte weist &#8211; begn\u00fcgen wir uns damit, da\u00df aus den gefundenen W\u00f6rtern die Geschichte Gottes mit uns immer wieder neu erz\u00e4hlt werden kann und mu\u00df. Ihn, Gott, d\u00fcrfen wir anreden, Abba, daraus sch\u00f6pfen wir alle\u00a0<strong>Zuversicht<\/strong>\u00a0f\u00fcr uns und \u00fcber uns und unser Ende hinaus. Weiterzusprechen haben Sie, denn mit dem letzten Wort geht es von ganz neuem los:\u00a0<strong>Amen<\/strong>.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Jobst v. Stuckrad-Barre<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kleiner Hillen 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>30559 Hannover<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"mailto:stuckradbarre@gmx.de\">e-mail: stuckradbarre@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Alphabet f\u00fcr Christen<\/strong><\/p>\n<p>Abba<\/p>\n<p>Brot\/Beten<\/p>\n<p>Christus<\/p>\n<p>Dank<\/p>\n<p>Ewigkeit\/Ewiges Leben<\/p>\n<p>F\u00fcrsprecher<\/p>\n<p>Geist<\/p>\n<p>Heilig<\/p>\n<p>In<\/p>\n<p>Jesus<\/p>\n<p>Kreuz\/Kirche<\/p>\n<p>Liebe<\/p>\n<p>Menschen<\/p>\n<p>N\u00e4he\/Name<\/p>\n<p>Ohnmacht<\/p>\n<p>Paulus<\/p>\n<p>Quer<\/p>\n<p>Reich Gottes<\/p>\n<p>Segen\/Sch\u00f6pfung<\/p>\n<p>Tun<\/p>\n<p>Untaten<\/p>\n<p>Vergebung<\/p>\n<p>Wahrheit<\/p>\n<p>Xenophilie<\/p>\n<p>Ysop<\/p>\n<p>Zuversicht<\/p>\n<p>Dieses K\u00e4rtchen habe ich nach der Predigt verteilen lassen und dazu angeregt, doch ein eigenes Alphabet zu entwerfen und mir in den n\u00e4chsten Tagen zukommen zu lassen; das erste mit acht \u00c4nderungen bzw. Erg\u00e4nzungen bekam ich schon beim Verabschieden der Gemeinde an der Kirchent\u00fcr mit der Bemerkung, es habe Spa\u00df gemacht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Alphabet f\u00fcr Christen&#8220; | 27.5.2001 | Johannes 14,15-19 | Jobst v. Stuckrad-Barre | in der Jakobi-Kirche, Hannover-Kirchrode Aus den Abschiedsreden Jesu im Johannes-Evangelium haben wir eben Kap. 14, 15-19 geh\u00f6rt. Jesus bittet, da\u00df der Vater, da\u00df Gott also der zur\u00fcckbleibenden Gemeinde den Tr\u00f6ster, den Geist der Wahrheit geben wird; der wird sie instandsetzen, den Weg [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15488,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,727,157,853,114,1368,345,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22033","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-jobst-v-stuckrad-barre","category-kapitel-14-chapter-14-johannes","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22033","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22033"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22033\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22034,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22033\/revisions\/22034"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22033"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22033"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22033"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22033"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22033"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22033"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22033"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}