{"id":22046,"date":"2001-11-18T13:47:22","date_gmt":"2001-11-18T12:47:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22046"},"modified":"2025-03-18T13:49:41","modified_gmt":"2025-03-18T12:49:41","slug":"johannes-159-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-159-17\/","title":{"rendered":"Johannes 15,9-17"},"content":{"rendered":"<h3>21. Sonntag nach Trinitatis | 4.11. 2001 | Johannes 15,9-17 | Johannes Neukirch |<\/h3>\n<p>Das Gebot der Liebe<\/p>\n<p>&#8222;Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, da\u00df ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat gr\u00f6\u00dfere Liebe als die, da\u00df er sein Leben l\u00e4\u00dft f\u00fcr seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, da\u00df ihr Knechte seid; denn ein Knecht wei\u00df nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, da\u00df ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater geh\u00f6rt habe, habe ich euch kundgetan. Nicht ihr habt mich erw\u00e4hlt, sondern ich habe euch erw\u00e4hlt und bestimmt, da\u00df ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er&#8217;s euch gebe. Das gebiete ich euch, da\u00df ihr euch untereinander liebt.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&#8222;von nichts kommt nichts&#8220; &#8211; diesen Spruch haben Sie schon oft geh\u00f6rt und wahrscheinlich auch selbst gesagt. Das mag ja ein ganz banaler Spruch sein, er bewahrheitet sich allerdings immer wieder. Ich muss f\u00fcr die Schule lernen und meine Hausaufgaben machen &#8211; von nichts kommt nichts. Ich muss mich im Beruf anstrengen, wenn ich etwas erreichen will &#8211; von nichts kommt nichts. Wenn ich eine gr\u00f6\u00dfere Anschaffung machen will, muss ich vorher sparen &#8211; von nichts kommt nichts. Und so l\u00e4sst sich das beliebig fortsetzen.<\/p>\n<p>Dieser Spruch gilt auch &#8211; das mag nun \u00fcberraschend klingen &#8211; f\u00fcr die Liebe. &#8222;Die Liebe&#8220; &#8211; das ist allerdings ein weites Feld, werden Sie sagen. Schon, aber ein einfaches Beispiel gen\u00fcgt: Ein Kind, das von seinen Eltern und von den Menschen, mit dem es zu tun hat, keine Liebe bekommt, hat es &#8211; vorsichtig gesagt &#8211; sehr schwer. Es kann meist mit seinem eigenen Leben und mit seinen Mitmenschen nicht richtig umgehen. Bei Kindern, die keine Liebe, keine Anerkennung, keine Zuneigung, keine F\u00fcrsorge bekommen, f\u00e4llt dieser Mangel besonders schnell und deutlich auf. Selbstverst\u00e4ndlich sind wir auch sp\u00e4ter noch, unser ganzes Leben lang, auf Liebe angewiesen.<\/p>\n<p>Von nichts kommt nichts. Das bedeutet anders herum: Wir k\u00f6nnen meistens genau sagen, woher alles kommt, was wir haben und was wir sind. Wir wissen, was wir gelernt und gespart haben und wir wissen auch, was wir der Liebe, Zuneigung und F\u00fcrsorge unserer Eltern, unserer Freunde, unserer Schwestern und Br\u00fcder in der Gemeinde zu verdanken haben.<\/p>\n<p>Unser Predigttext klingt so, als wolle er uns das ganz einsch\u00e4rfen, ganz tief einpr\u00e4gen, damit wir das ja nie vergessen und damit es uns immer vor Augen steht: Denkt daran, wem ihr die Liebe unter den Schwestern und Br\u00fcdern in der Gemeinde zu verdanken habt! Ihr wisst ja: Von nichts kommt nichts. Deshalb m\u00fcsst ihr euch immer wieder klar machen, wie das mit der Liebe und Gemeinschaft funktioniert!<\/p>\n<p>Der Evangelist Johannes zeigt ganz pr\u00e4zise, woher was kommt. Da ist zuerst der Vater. Bei Johannes sagt Jesus: &#8222;Wie mich mein Vater liebt&#8230;.&#8220; Auch f\u00fcr Jesus ist die Liebe nicht vom Himmel gefallen. Schon die Anrede an Gott zeigt das: Jesus sagt &#8222;Vater&#8220; zu ihm &#8211; das k\u00f6nnte er nicht, wenn er nicht w\u00fcsste, dass Gott ihn liebt. Was Jesus ist, seine ganze Macht und Herrlichkeit verdankt er der Liebe seines Vaters.<\/p>\n<p>Warum sagt Jesus das? Wie diese Liebe zwischen Jesus und seinem himmlischen Vater aussieht, k\u00f6nnen wir uns sowieso nicht vorstellen. Vorstellen k\u00f6nnen wir uns aber, was daraus folgt: &#8222;Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch.&#8220; Die g\u00f6ttliche Liebe zwischen Vater und Sohn hat eine Fortsetzung &#8211; und das ist f\u00fcr uns allerdings ganz entscheidend wichtig. Denn alles, was Jesus f\u00fcr uns ist und f\u00fcr uns getan hat, ist eine Folge, ist die Fortsetzung der Liebe des Vaters. Das ist nicht einfach so geschehen &#8211; von nichts kommt nichts.<\/p>\n<p>Bei Johannes wird das Ergebnis dieser Liebe an dieser Stelle nur angedeutet &#8211; Karfreitag und Ostern kommen im Johannesevangelium erst nach unserem Predigttext. Wenn es aber hei\u00dft: &#8222;Niemand hat gr\u00f6\u00dfere Liebe als die, da\u00df er sein Leben l\u00e4\u00dft f\u00fcr seine Freunde&#8220;, dann wissen alle H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer des Textes, was gemeint ist: Jesus ist f\u00fcr uns, f\u00fcr seine Freunde, am Kreuz gestorben. Das war der gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Liebesbeweis.<\/p>\n<p>Nun sind wir sozusagen am Ende der Liebeskette angekommen &#8211; bei uns. &#8222;Das ist mein Gebot, da\u00df ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe&#8220;, sagt Jesus. Als Gebot f\u00fcr sich alleine macht das keinen Sinn. Einem Menschen, der nie Liebe, Zuneigung, Anerkennung, F\u00fcrsorge erfahren hat, kann ich tausend mal sagen: &#8222;Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst&#8220; und &#8222;Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gem\u00fct und von allen deinen Kr\u00e4ften&#8220; &#8211; wie es im Doppelgebot der Liebe hei\u00dft. Das w\u00e4re schlicht vergebliche Liebesm\u00fch. Liebe geben kann nur, wer Liebe an sich selbst erfahren hat. Deswegen gibt sich Johannes hier ja auch so viel M\u00fche, genau zu zeigen, woher die Liebe kommt und welche Wege sie geht.<\/p>\n<p>In dem Kapitel vor unserem Predigttext hei\u00dft es: &#8222;Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten&#8220;. Diese Abfolge leuchtet mir ein: Das Halten der Gebote ist die Folge davon, dass wir Jesus lieben. Denn &#8211; wie gesagt &#8211; man kann niemandem &#8222;gebieten&#8220; zu lieben.<\/p>\n<p>Zwischen all den S\u00e4tzen \u00fcber die Liebe steht deshalb auch der sch\u00f6ne Satz \u00fcber die Freude: &#8222;Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.&#8220; Es soll Freude bereiten, dieses wichtigste aller Gebote zu halten! Anders geht es auch gar nicht.<\/p>\n<p>Trotzdem ist es selbstverst\u00e4ndlich richtig, dass der Evangelist Johannes hier deutlich mahnt. Denn er wei\u00df &#8211; wie wir auch &#8211; dass es in den christlichen Gemeinden mit der Liebe nicht immer zum Besten steht. Ich sp\u00fcre in den Worten, die er hier \u00fcberliefert , wie sehr ihm die schwesterliche und br\u00fcderliche Gemeinschaft in den Gemeinden am Herzen liegt. So als wollte er uns sagen: Liebe Freunde, bleibt an dem wichtigsten Gebot, das Jesus uns gegeben hat fest dran! Lasst nicht nach, werdet nicht m\u00fcde, werdet nicht nachl\u00e4ssig: die Liebe, die vom Vater kommt, die Jesus erfahren hat, die er an uns weitergegeben hat und immer noch weitergibt &#8211; die muss auch bei euch sichtbar werden, die soll wirken, soll Frucht bringen!<\/p>\n<p>Von nichts kommt nichts. Deshalb wird uns hier gesagt, woher die Liebe kommt und wie sie bei uns wirksam wird. Vom Vater \u00fcber den Sohn in die Gemeinschaft der Schwestern und Br\u00fcder &#8211; damit sie miteinander leben k\u00f6nnen und sich vergeben k\u00f6nnen, so wie uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus vergibt. Die Mahnung &#8222;Bleibt in meiner Liebe&#8220; verstehe ich so: Dran bleiben an dieser Quelle der Liebe! Gerade wenn die Liebe weit weg ist, gerade wenn der Hass regiert, gerade wenn Lieblosigkeit, Verachtung, Zorn die Oberhand gewinnen, ist es lebenswichtig sich an Jesus zu klammern. Von nichts kommt nichts &#8211; das hei\u00dft f\u00fcr uns Christinnen und Christen: Alles kommt von Gott.<\/p>\n<p>Martin Luther, den ich &#8211; vier Tage nach dem Reformationstag &#8211; einmal ausf\u00fchrlicher zitieren darf, hat geschrieben: &#8222;Wohlan, mein Gott hat mir unw\u00fcrdigem, verdammtem Menschen ohne alle Verdienste, rein umsonst und aus eitel Barmherzigkeit, durch und in Christus den vollen Reichtum aller Frommheit und Seligkeit gegeben, so da\u00df ich hinfort nichts mehr bedarf als zu glauben, da\u00df es so sei. Ei, so will ich solchem Vater, der mich mit seinen \u00fcberschwenglichen G\u00fctern \u00fcbersch\u00fcttet hat, wiederum frei, fr\u00f6hlich und umsonst tun, was ihm wohlgef\u00e4llt, und meinem N\u00e4chsten gegen\u00fcber auch ein Christ werden, so wie Christus es mir geworden ist, und nichts mehr tun als das, wovon ich sehe, da\u00df es ihm not, n\u00fctzlich und selig ist, weil ich doch durch meinen Glauben in allen Dingen in Christus genug habe.&#8220;<\/p>\n<p>Oder, mit einem ganz kurzen Zitat von Luther gesagt: &#8222;Wieviel du glaubst, soviel du liebst&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Johannes Neukirch, Hannover<\/strong><\/p>\n<p><strong>E-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21. Sonntag nach Trinitatis | 4.11. 2001 | Johannes 15,9-17 | Johannes Neukirch | Das Gebot der Liebe &#8222;Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. 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