{"id":22075,"date":"2001-06-18T16:49:05","date_gmt":"2001-06-18T14:49:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22075"},"modified":"2025-03-18T16:51:46","modified_gmt":"2025-03-18T15:51:46","slug":"matthaeus-935-38-101-5-7-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-935-38-101-5-7-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 9,35-38; 10,1.5-7"},"content":{"rendered":"<h3>1. Sonntag nach Trinitatis | 17. Juni 2001 | Matth\u00e4us 9,35-38; 10,1.5-7 | Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Christen ver\u00e4ndern heute eine Stadt, ja die ganze Welt. Christen str\u00f6men nach Frankfurt am Main. Die Stadt ist schon bei Messezeiten ver\u00e4ndert. Der Verkehr wird f\u00fcr Tage umgeleitet. Nun m\u00fcssen sich mindestens morgens und abends Banker, gro\u00dfe und kleine, mit Christen auseinandersetzen mindestens im Verkehr, in den Staus. Wo sich sonst alles ums Geld dreht, wo sonst Aktien und ihre Gewinne das Denken und Handeln bestimmen, dr\u00e4ngen sich pl\u00f6tzlich Leute, die ganz andere Dinge im Sinn haben, ja deshalb nach Frankfurt\/M kommen. Es sind Wei\u00dfe und Schwarze, Arme und Reiche, Alte und Junge, Gesunde und Kranke.<\/p>\n<p>Sie alle sind klein, sind kaum zu erkennen oben von den Hochh\u00e4usern des Geldes, den modernen Tempelbauten. Selbst die Kirchen in Frankfurt\/M mit ihren T\u00fcrmen erscheinen klein zwischen den Hochh\u00e4usern. Diese kleinen Menschen mit ihren kleinen Geb\u00e4uden zeigen den Gro\u00dfen etwas anderes, ganz anderes.<\/p>\n<p>Was ist das?<\/p>\n<p>Unser f\u00fcr den heutigen Tag vorgesehener Predigttext ist wie eine Antwort gerade f\u00fcr diese Frage geschriebene Antwort. Dabei hat bei der Auswahl dises Textes niemand an den Kirchentag 2001 in Frankfurt\/M gedacht.<\/p>\n<p>Mt. 9,35-38; 10,1,5-7.<\/p>\n<p>1. Jesus sieht die ganze Welt (MT. 9,36-38), und er predigt und handelt (V.35).<\/p>\n<p>Frankfurter Banken denken auch global. Sie meinen, damit eine gro\u00dfe Entdeckung gemacht zu haben. Nun, die anderem, die zwischen den Hochh\u00e4usern und die \u00fcberall im ganzen Land, die in den Kirchenb\u00e4nken, denken schon seit 2.000 Jahren global. Wer nur ans Geld denkt, sich darauf kon-zentriert, ist auf dieses kleine Etwas fixiert, was er deshalb in die Mitte seines Denkens, seines von ihm selbst entworfenen Kreises gestellt hat. Das Zentrum ist immer der kleinste Raum. Die Fl\u00e4che darum herum ist viel gr\u00f6\u00dfer, unvergleichlich gr\u00f6\u00dfer. Etwas ins Zentrum zu stellen, bedeutet darum, etwas abzugrenzen, um es durch das Zentrum herauszustellen, ihm dadurch eine eigene Bedeutung beizugeben.<\/p>\n<p>Man kann wohl kaum von einem Zufall sprechen, wenn ein Kreuz auf einem der Hochh\u00e4user aufgestellt werden sollte, die Aufstellung genehmigt war, das Kreuz schon oben angekommen war und dann wieder abgebaut werden musste. Was der Grund f\u00fcr die pl\u00f6tzlich Sinnes\u00e4nderung ist, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Journalisten, die der Frage nachgingen, erhielten keine Antwort.<\/p>\n<p>2.1. Angesichts des Unterschieds in Frankfurt\/M ist der Inhalt der Predigt Jesu nicht verwunderlich. Er predigt die Rechtfertigung des Menschen vor Gott durch Gott. Der Mensch handelt nicht selbst, macht sich nicht selbst bei Gott angenehm, weil er, der Mensch, dazu gar nicht in der Lage ist; deshalb musste Gott selbst es tun, und er tat es.<\/p>\n<p>Diese Tatsache ist nun auch unter Christen klar, obwohl sie wegen der Bedeutung der Rechtfertigung des Menschen vor Gott durch Gott Jahrhunderte lang gestritten haben, zerstritten waren, die Lutheraner und die Katholiken. Am 31.10.1999 unterschrieben sie in Augsburg beide gemeinsam, dass die Rechtfertigung kein Streitpunkt zwischen ihnen ist. Die Rechtfertigung war und ist so wichtig, dass sie deshalb Jahrhunderte hindurch stritten und dann, 1999, gemeinsam die Stra\u00dfen und Kirchen Augsburgs f\u00fcllten.<\/p>\n<p>2.2. Und Jesus heilt. Was zu heilen bedeutet, wird im Text auch gleich gesagt. Sie, Kranke, Behinderte, Aufgegebene &#8211; damals Aus-s\u00e4tzige, d.h. solche, die aus der Gemeinschaft aus-gesetzt, aus-gesto\u00dfen, eben aufgegeben &#8211; heute un-heilbare Krebskranke -, sind die, denen Jesus sich zuwendet. Auch hier findet eine Umwertung der Werte durch Jesus statt.<\/p>\n<p>Was zu heilen bedeutet, wurde mir deutlich in einem Gespr\u00e4ch, dessen zeuge ich zuf\u00e4llig wurde. Der Direktor der Abteilung f\u00fcr Unfallchirurgie des Universit\u00e4tsklinikums diskutierte mit anderen \u00fcber sein Tun. Er wehrte sich heftig dagegen, die Chirurgie als &#8222;Reparaturbetrieb&#8220; zu sehen. Es geht ihm um Heilung. Nach einem Unfall im Haus, ein sehr h\u00e4ufiger Unfallort, nach einem Unfall auf der Stra\u00dfe, einem weiteren st\u00e4ndigen Unfallort, oder einem Unfall im Betrieb, auf dem Sportplatz oder wo auch immer der Unfall geschah, werden nachher Menschen ins Klinikum gebracht, weil sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind. Sie werden gebracht, damit ihnen hier geholfen werde. Was sie hier erwartet, ist etwas ganz anderes als ein Reparatur. Es geht nicht um ein Auto, das wieder fahrt\u00fcchtig gemacht wird, sondern um einen Menschen. Auto und Mensch sind verschieden, grundverschieden. Der Mensch ist mehr als das Auto. Das Auto ist f\u00fcr den Menschen da und nicht umgekehrt, wenn es gelegentlich auch so aussieht. Der Mensch lebt und leidet, auch wenn er nach einigen Tagen mit seinem gebrochenen Bein nach Hause gehen, humpeln kann. Der Junge leidet nicht nur am Bein, wenn er zusehen mu\u00df, wie sein Freund ihm seine Freundin ausspannt, auf die er schon immer scharf war und nutzt nun die Gelegenheit.<\/p>\n<p>2.3. Und noch ein Punkt. Da ist das Geld. Ich mu\u00df noch einmal darauf zur\u00fcckkommen. Es steht nichts davon in unserem Predigttext, aber weniger sp\u00e4ter ist davon die Rede und zwar in sehr deutlichen Worten. Ich wei\u00df nicht, warum man bei der Abgrenzung des Textes die folgenden Verse weg lie\u00df. Unser Text reicht bis V.7, und dann unmittelbar anschlie\u00dfend in den Versen 8 und 9 ist vom Geld die Rede. Waren die Verse vielleicht jemandem zu hei\u00df?<\/p>\n<p>Dort wird n\u00e4mlich gesagt, dass die J\u00fcnger gratis heilen sollen. Ich mu\u00df sagen, dass ich hohe Achtung habe vor den \u00c4rzten und Schwestern, die gratis helfen; die ihren Urlaub opfern und manchmal sogar in gef\u00e4hrdete Gebiete gehen, um zu helfen. Deshalb finde ich es auch nicht gut, wenn Schwestern und Krankenpfleger niedrige L\u00f6hne erhalten, wenn \u00c4rzte lange Dienstzeiten schieben m\u00fcssen und noch zus\u00e4tzlich f\u00fcr die lange Zeit einen geringen Lohn erhalten. Noch vor nicht langer Zeit h\u00e4tte man das &#8222;Ausbeutung&#8220; genannt.<\/p>\n<p>Diese M\u00fcnze hat wie jede M\u00fcnze noch eine zweite Seite. Auch die Ausbeuter werden ausgebeutet. Das meine ich nicht zynisch, sondern ganz ernst. Die heutige Evangeliumslesung in unseren Gottesdiensten veranlasst, ja zwingt uns diese Seite der M\u00fcnze mit zu bedenken. Heute wird im Evangelium gelesen die Geschichte &#8222;vom reichen Mann und dem armen Lazarus&#8220; (Lk. 16,19-31). Der reiche Mann, der Shareholder von damals, im Gleichnis ist der eigentlich Arme. Wir haben im NT gleich mehrere solcher Gleichnisse. Sie kennen sicher die Geschichte vom reichen Kornbauern, der eine reiche Ernte in seine Scheunen sammelt. Was geschieht heute mit den Reichen, wenn sie einen Unfall haben? Sie brauchen einen Arzt und zwar schnell. Das ist dann h\u00e4ufig einer der \u00c4rzte, die schlecht bezahlt werden. Sie brauchen Krankenpfleger und Schwestern, die schlecht bezahlt werden. In eine teuere Klinik geflogen zu werden, w\u00fcrde zu lange dauern.<\/p>\n<p>Viele Verdienenden im Frankfurt\/M von heute k\u00f6nnen \u00fcber die weniger gut Verdienenden vor den Haust\u00fcren ihrer Hochh\u00e4user im Bankenviertels Frankfurts nur l\u00e4cheln, wenn diese fr\u00f6hlich sind, lachen, tanzen, Gottesdienste feiern, wenn Pfadfinder gratis in den Hallen die Sitzhocker auf- und dann wieder abbauen, wenn Johanniter, Malteser u.a. ihre Zeit opfern, um eine Versorgungsstruktur f\u00fcr die Massen aufzubauen, aufrecht zu erhalten und dann wieder abzubauen, um schlie\u00dflich m\u00fcde nach Hause zu fahren.<\/p>\n<p>3. Noch ein NT-Zitat zum Schlu\u00df, weil es zeigt wie dringend Jesu Predigt und sein Heilen gebraucht werden. Es steht in Mt. 16,26: Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele ausl\u00f6se?<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\"><strong>E-Mail:\u00a0unembac@gwdg.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Trinitatis | 17. Juni 2001 | Matth\u00e4us 9,35-38; 10,1.5-7 | Ulrich Nembach | Liebe Gemeinde, Christen ver\u00e4ndern heute eine Stadt, ja die ganze Welt. Christen str\u00f6men nach Frankfurt am Main. Die Stadt ist schon bei Messezeiten ver\u00e4ndert. Der Verkehr wird f\u00fcr Tage umgeleitet. 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