{"id":22098,"date":"2000-12-19T10:17:40","date_gmt":"2000-12-19T09:17:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22098"},"modified":"2025-03-19T10:20:04","modified_gmt":"2025-03-19T09:20:04","slug":"jesaja-401-11-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-401-11-6\/","title":{"rendered":"Jesaja 40,1-11"},"content":{"rendered":"<h3>3. Advent | 17. Dezember 2000 | Jesaja 40,1-11 | Dankwart Arndt |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich tauchte in den Medien die Frage auf, ob unser Land auf dem Weg in eine &#8222;Koks&#8220;-Gesellschaft sei, auf dem Weg in elende Abh\u00e4ngigkeiten von Drogen, die \u00dcberforderungen ertr\u00e4glich erscheinen lassen sollen und die bittere Wirklichkeit sch\u00f6nen &#8211; auf dem Weg also in eine besonders heimt\u00fcckische Art von Gefangenschaft; eine neben manchen anderen.<\/p>\n<p>Es gibt ja &#8211; leider &#8211; kaum ein anderes Bild, kaum andere Vorstellungen, die aktueller w\u00e4ren als &#8222;Gefangenschaft&#8220; und &#8222;Gef\u00e4ngnis&#8220;. Unsere Welt ist geradezu \u00fcbers\u00e4t mit Lagern, in denen Menschen eingesperrt sind. Einzelne, Familien, Volksgruppen ganze V\u00f6lker werden hinter Gittern gehalten, abgeschnitten, abgeschn\u00fcrt vom Leben, geduckt, gefoltert, entw\u00fcrdigt, sich selbst so fremd geworden, da\u00df sie sich eines Tages selbst nicht wiedererkennen. Eine beklemmende Landschaft, die sich vor n\u00fcchtern beobachtenden Blicken auftut.<\/p>\n<p>Ebenso beklemmend, ebenso d\u00fcster und bedr\u00fcckend eine andere Landschaft, sie freilich nicht offen vor Augen liegend, nicht in jeder Nachrichtensendung gegenw\u00e4rtig, eher versteckt: ein weites Feld trauriger Gefangenschaften: Ketten, deren Klirren unh\u00f6rbar ist, vor Fenstern Gitter, die unsichtbar sind. Elende Gefangenschaft, gefesselt zu sein an schlimme Charakteranlagen, wie mit Fu\u00dffesseln gebunden zu sein an b\u00f6se Erlebnisse und bittere Erfahrungen und also den Schritt zu neuem Vertrauen nicht wagen zu k\u00f6nnen. Elende Gefangenschaft, verbannt zu sein in den K\u00e4fig unstillbarer W\u00fcnsche und \u00fcberm\u00e4chtiger dunkler Triebe. Elende Gefangenschaft, gekettet zu sein an \u00c4ngste &#8211; Angst vor unheilbarer Krankheit, Angst vor entlarvendem Versagen, Angst vor Leistungsabfall, Angst vor erfolglosen Erziehungsbem\u00fchungen, Angst vor zu gro\u00dfen Erwartungen und Anforderungen und davor, von ihnen zerrissen zu werden, Angst sich selbst bis in tiefe Abgr\u00fcnde zu entdecken, Angst nicht zuletzt vor den mannigfachen globalen Verwerfungen und Schieflagen. Schwer zu ertragen und bitter, im Exil leben zu m\u00fcssen, fernab von Quellen des Lebensmutes und der Lebensfreude, fernab von einem festen tragenden Lebensgrund, fernab davon, ganz bei sich selbst zu sein, ganz zu Hause, heimatlich.<\/p>\n<p>Viele und mannigfache Gefangenschaften. Viele und mannigfache Exile, in die Menschen verbannt sind oder die doch drohen. Woher kommen Hilfe und Trost? Kann sich &#8211; konkret gefragt &#8211; eine &#8222;Koks&#8220;- Gesellschaft alleine, aus sich heraus, aus eigener Kraft in eine &#8222;Trost&#8220;- Gemeinschaft wenden?<\/p>\n<p>Die Gemeinde Jesu Christi, die Kirche, hat es zur Zeit mit dem Ihr aufgetragenen Trost-Amt nicht gerade leicht. Sie steckt in einem Zwiespalt. Einerseits begegnet sie mild l\u00e4chelndem Achselzucken, wenn sie &#8211; in ihren eigenen Reihen oder nach au\u00dfen hin &#8211; Trost anbietet; weithin meint man, &#8222;billige Vertr\u00f6stung&#8220; zu vernehmen, die &#8222;hinweg&#8220;-tr\u00f6sten, einlullen, bet\u00e4uben und ablenken wolle von der harten Wirklichkeit erlittenen Schmerzes und erfahrenen Unrechts. Andererseits aber beobachtet Gemeinde intensive Suche nach Trost, beobachtet dabei freilich auch die Vergeblichkeiten, wenn Gesch\u00e4ftigkeit, Arbeitswut, Flucht in R\u00e4usche trostlose Leere f\u00fcllen sollen. Gemeinde begegnet freilich auch herzlichem Dank, wenn Trost gefunden wurde.<\/p>\n<p>Ist also da ein Weg &#8211; und wo ist er -, aus der &#8222;Koks&#8220;-Gesellschaft in eine -Trost&#8220;-Gemeinschaft zu finden, aus Verbannungen in Freiheit, aus Exilen in die Heimat? In die Situation elender Gefangenschaft, in die Situation trostlosen Exils sind die Worte des &#8222;zweiten Jesaja&#8220;, die Worte dieses Trost-Propheten zum ersten Mal gerufen worden; und seither haben sie unendlich viele Herzen erreicht und erl\u00f6st: &#8222;Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk!&#8220; Verk\u00fcndet, da\u00df seine Knechtschaft ein Ende hat. Babylonische Gefangenschaft, Gottes Volk Israel war gefangen, verbannt, exiliert, dezimiert. Es sa\u00df In der Verbannung und war verzweifelt an seinem Frondienst. Es war heil-los verloren, abgeschnitten von seinem Heil; denn der Tempel war zerst\u00f6rt; dem Gottesdienst, der Feier der Gottes-Gegenwart bei seinem Volk war der Boden entzogen. Boden-lose Verlorenheit!<\/p>\n<p>In diese trostlose Lage hinein wird dem Volk Gottes ein Trost-Wort zuge-mutet. Eine Zu-mutung ist es! &#8222;Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk, spricht euer Gott.&#8220; Unglaublich diese Botschaft. Unglaublich nicht nur in den Ohren der Exilierten; unglaublich auch f\u00fcr den Prediger, der diese Trostbotschaft verk\u00fcndigen soll: &#8222;Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine G\u00fcte ist wie eine Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herren Odem bl\u00e4st darein. Ja, Gras ist das Volk.&#8220; Aus ihm &#8211; wenn es einmal verdorrt ist -kann frisches Leben nicht erwachsen. Was sollen denn auch Worte &#8211; selbst Trostworte &#8211; in weiter, hei\u00dfer, wasserloser W\u00fcste?! Was sollen Versuche der Selbstbefreiung, wenn eine leere Weite g\u00e4hnt, die keinen Orientierungspunkt hergibt, die ohne Halt und Anhalt l\u00e4\u00dft?! &#8222;Was soll ich predigen?&#8220; was helfen Worte, wenn wir vor einem riesigen, unverr\u00fcckbaren Berg stehen, und wir wissen nicht, wie wir ihn \u00fcberwinden k\u00f6nnen: schwere Lasten der Verantwortung f\u00fcr die N\u00e4chsten, f\u00fcr Ferne, f\u00fcr das Ganze. Ratlos stehen wir vor dem Berg, der den Horizont der Zukunft verdunkelt: tiefe Verwerfungen in der Frage gerechter Verteilung der G\u00fcter dieser Erde, globale gef\u00e4hrliche Schieflage bei dem, was am einfachsten scheint, weil doch niemand &#8222;dran drehen&#8220; kann &#8211; beim Wetter, bedrohliche Verwerfungen bei dem, was man Nahrungsmittelkette nennt, Verwerfungen, wenn es um die Frage geht, Risiken des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts abzusch\u00e4tzen. &#8222;Was soll ich predigen?&#8220; Alles Fleisch ist doch wie Gras. Guter Wille und richtige Teilerkenntnisse drohen unter der Glut von Egoismen zu verwelken; prachtvoll-bunte Bl\u00fcten guter Vorschl\u00e4ge und Pl\u00e4ne drohen zu verdorren unter dem Einflu\u00df von Kurzsichtigkeit und Kurzatmigkeit. &#8222;Was soll ich predigen?&#8220; Sind Worte, \u00fcber die ich verf\u00fcge, nicht wirklich doch nur haltlose Vertr\u00f6stung? Ja, sie sind es! Ja, Gras ist das Volk!<\/p>\n<p>Hier aber nimmt nun ein Anderer &#8211; der &#8222;ganz Andere&#8220; &#8211; das Wort: &#8222;Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk, spricht euer Gott. Sein Wort tr\u00f6stet nicht \u00fcber Bitternis hinweg; es tr\u00f6stet nicht von oben herab, es ist nicht &#8222;billig vertr\u00f6stendes&#8220;, sondern teures Trostwort. Denn es kommt aus der Tiefe des Mitleidens, des Miterlebens, des Mitf\u00fchlens: die Schuldige hat &#8222;doppelte Strafe empfangen&#8220;. Es ist das Wesen wahren Trostes, da\u00df zun\u00e4chst nichts besch\u00f6nigt, nichts verkl\u00e4rt wird. Wirklicher Trost ist wahr und wahrhaftig! &#8222;Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, da\u00df Ihre Knechtschaft ein Ende hat, da\u00df ihre Schuld vergeben ist.&#8220; Knechtschaft, Verbannung, Gefangenschaft und Schuld, Verfehlung, Versagen, S\u00fcnde: sie geh\u00f6ren zusammen wie Ursache und Wirkung. Exil ist Schicksal und Schuld. Gebunden zu sein, trostlosen Situationen ausgeliefert zu sein, abh\u00e4ngig, gefesselt zu sein von versklavenden M\u00e4chten &#8211; das alles ist immer auch Folge schuldhafter Verstrickung, immer auch Folge von Versagen. Gewi\u00df sind die einzelnen F\u00e4den nicht immer zu l\u00f6sen aus den Verknotungen von verfehlter Aktion und verfehlter Reaktion; nicht immer deutlich voneinander zu unterscheiden und zu scheiden sind die einzelnen F\u00e4den in den Verstrickungen von Reiz und Verletzlichkeit, von Leichtsinn und schwerem &#8211; zu schwerem &#8211; R\u00fcckschlag. Wahres, wahrhaftiges Trostwort vertr\u00f6stet nicht &#8222;hinweg-\u00fcber&#8220;, sondern es geht hindurch durch bittere Erkenntnis und schmerzliche Anerkenntnis von Schuld.<\/p>\n<p>Dann aber wird es auch kr\u00e4ftig und energisch &#8211; das Trostwort! Und es setzt neue Anf\u00e4nge. Der Prophet wird Ohrenzeuge &#8211; wir wissen nicht, wie, und wir wollen es auch nicht zu erkl\u00e4ren versuchen &#8211; er wird jedenfalls Ohrenzeuge, wie der Herr und Heiland dieses Volkes eine Hilfs- und Rettungsaktion f\u00fcr sein Volk vorbereitet. Der Zug der Exilierten aus der Verbannung in die Freiheit wird das entscheidende Geschehen einer Zeitepoche werden, in der eine gewaltige, die antike Welt ersch\u00fctternde Umschichtung der machtpolitischen Verh\u00e4ltnisse am Horizont der Geschichte auftaucht. Ein neuer Herrscher &#8211; K\u00f6nig Kyrus &#8211; und ein neues Volk &#8211; die Perser &#8211; werden auf den Plan treten und die Macht bedrohen, die dem Volk Israel die &#8222;Babylonische Gefangenschaft&#8220; hat bereiten m\u00fcssen. Dem Propheten sind die Augen ge\u00f6ffnet daf\u00fcr, hinter dieser in der Weltgeschichte sich anbahnenden Umschichtung die richtende und aufrichtende Hand Gottes zu entdecken. Mitten durch die W\u00fcste, die drohend und trennend zwischen dem Ort der Verbannung und der Heimstatt Jerusalem liegt, wird eine gewaltige Triumphstra\u00dfe freigegeben werden und das Landschaftsbild grundlegend ver\u00e4ndern: &#8222;Alle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht werden, und alle Berge und H\u00fcgel sollen erniedrigt werden&#8230;&#8220; Auf dieser Stra\u00dfe wird das Volk an die Quelle seines Lebens &#8211; zum &#8222;neuen&#8220; Tempel mit seinen &#8222;sch\u00f6nen&#8220; Gottesdiensten &#8211; zur\u00fcckfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wohl ist alles Fleisch wie Gras; aber das Wort Gottes steht und bleibt bestehen. Deshalb soll diese Predigt laut werden: Schuld ist vergeben, der Kerker ist aufgebrochen, die Ketten sind gesprengt. Die Zeit der Strafhaft, die Zeit der Ferne, die Zeit des furchtbaren, in Trostlosigkeit sto\u00dfenden Schweigens Gottes ist abgelaufen. T\u00e4ler werden aufgef\u00fcllt, H\u00fcgel eingeebnet. Der Rettungsweg wird freigegeben.<\/p>\n<p>Will das Volk seinerseits nun auch heraus aus der Verbannung, dann mu\u00df es diesen Weg unter die F\u00fc\u00dfe nehmen: 2000 Kilometer. Trost empfangen wollen hei\u00dft, bereit sein zum Aufbruch, hei\u00dft losgehen &#8222;aufs Wort hin&#8220;, hei\u00dft den noch unbekannten Weg wagen. Trost empfangen wollen hei\u00dft, Bindungen aufgeben, Vorurteile und Urteile verwerfen, auch wenn sie &#8211; obwohl sie dr\u00fccken &#8211; doch auch Halt zu geben scheinen.<\/p>\n<p>In dem l\u00e4ngst vergangenen Geschehen damals auf der Triumphstra\u00dfe zwischen Babylon und Jerusalem , &#8211; in diesem Geschehen ist vorabgebildet ein anderes, auch unsere Gegenwart noch umfassendes, umgreifendes Geschehen: in dem Freiheitsweg, den das machtvolle Wort des Herrn damals ge\u00f6ffnet hat, ist vorabgebildet ein anderer, ein wundersamer, ein schier unglaublicher Weg. Wenn die Gemeinde des &#8222;zweiten&#8220; Bundes, &#8211; wenn das Volk, das in Christus Jesus Gottes Volk geworden ist, &#8211; wenn die Gemeinde, die nach Christus genannt ist, dieses Trostbuch des Jesaja aufschl\u00e4gt und seine Verhei\u00dfung h\u00f6rt, denn preist sie einen Weg, der als Triumphweg nicht &#8222;allem Fleisch&#8220; in die Augen f\u00e4llt. Sie bewundert und preist den Weg Gottes in die Niedrigkeit. Sie bekennt: Der Tr\u00f6ster selbst ist ins Exil gegangen; er selbst hat sich gefangen gegeben; er l\u00f6st Fesseln, indem er sie sich selbst anlegen l\u00e4\u00dft; er zerrei\u00dft Ketten, indem er sich selbst an sie schmieden l\u00e4\u00dft; er bricht Gef\u00e4ngnist\u00fcren auf, indem er zuvor selbst sich einkerkern l\u00e4\u00dft. Gott im Menschen Jesus an der Seite der in Trostlosigkeit Verbannten. Ein Hirte, der sich vor die Seinen stellt, sie sammelt, sie in sich birgt und dabei seinen Namen, seine Ehre, Leib und Leben aufs Spiel setzt. Ein Tr\u00f6ster, der die Ungetr\u00f6steten in ihrem Schmerz, in ihrer Tiefe aufsucht und sie so aus der Tiefe heraus hebt und tr\u00e4gt. Das ist euer Gott! Sein letzter, sein letztg\u00fcltiger Triumphweg endet am Kreuz! Uns zugut! Seine Herrlichkeit hat er &#8211; vor den beweisgierigen und garantiegierigen Augen unvern\u00fcnftiger Vernunft &#8211; verborgen: Herrlichkeit in Niedrigkeit. Er ist unseren Tod gestorben und hat uns so mit sich selbst vers\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Deshalb k\u00f6nnen Menschen nun ihrerseits mit sich vers\u00f6hnt sein, mit dem, was sie sind; begrenzte, fehlerhafte, sterbliche, schwankende Gesch\u00f6pfe, sich selbst &#8211; bisweilen erschreckend &#8211; fremd, zusammengeschn\u00fcrt von Bef\u00fcrchtungen und Sehns\u00fcchten, so verformt, da\u00df sie oft ausrufen: wir kennen uns selbst nicht wieder! Warmherzig, unendlich freundlich und geduldig wirbt und lockt der, der allein wahren Trost bereit h\u00e4lt: &#8222;Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk! Redet freundlich mit ihm.&#8220; Und: &#8222;Predige!&#8220; F\u00fcrchte dich nicht vor Spott und Kopfsch\u00fctteln, nicht vor Mi\u00dfverst\u00e4ndnis und Ablehnung. Steige auf einen hohen Berg und erhebe deine Stimme! Nimm, das Trostwort verk\u00fcndigend, an und auf deine und deiner H\u00f6rer widerstreitenden Gef\u00fchle: Angst und \u00dcbermut, Stolz und Verzagtheit, wilden Mut und M\u00fcdigkeit; trage und halte sie in dem Kraftbereich der Verhei\u00dfungsworte; Berge von Angst werden sie je und je abtragen, Schluchten des Unverst\u00e4ndnisses und des Hasses werden sie je und je zusch\u00fctten k\u00f6nnen. So und gar nicht anders: durch Sein lebendiges, g\u00fcltiges Wort der Vergebung kommt wahrer, kr\u00e4ftiger, verwandelnder Trost. Und so kommt dann der Tr\u00f6ster ans Ziel: da\u00df Menschen Getr\u00f6stete werden, da\u00df sie &#8222;bei Troste&#8220; sind.<\/p>\n<p>Das hat wunderbare, heilsame Folgen: wer getr\u00f6stet ist, vermag seinerseits zu tr\u00f6sten, die des Trostes bed\u00fcrfen. Wer in Ordnung gebracht ist, kann in Ordnung bringen; wer befreit ist, kann T\u00fcren zur Freiheit auftun und zur Freiheit anleiten; wer auf der vom Herrn geebneten Stra\u00dfe, aus seinen Gefangenschaften herausgef\u00fchrt wurde, wird selbst Wege ebnen k\u00f6nnen; wer verstanden ist, kann verstehen und Gr\u00e4ben des Unverst\u00e4ndnisses zusch\u00fctten; wer erh\u00f6rt ist, kann h\u00f6ren, zu-h\u00f6ren. So werden dann Stra\u00dfen des Heils gebaut, so Bahnen geebnet. Stra\u00dfen und Bahnen, die Menschen nicht auseinanderrei\u00dfen und die nicht zerschneiden, was zusammengeh\u00f6rt, sondern Stra\u00dfen heilsamer Begegnungen und Bahnen, auf denen ein Zueinander und Miteinander m\u00f6glich wird. Gott geht ein ins Exil. Er geht ein in scheinbar trostlose. scheinbar endg\u00fcltige Verbannungen. Nun brauchen wir sie nicht mehr zu f\u00fcrchten; sie k\u00f6nnen nicht mehr bannen. Sie werden unter dem segnenden Wort &#8222;Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk&#8220; verwandelt. Wir selbst werden unter diesem Wort erneuert, werden Menschen, deren Knechtschaft aus lauter Gnade und Barmherzigkeit beendet ist, weil ihnen Schuld vergeben ist. Wir k\u00f6nnen zu einer &#8222;Trost-Gemeinschaft&#8220; werden, lebendig und brauchbar f\u00fcr unsere N\u00e4chsten und f\u00fcr das Ganze.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Vorbemerkungen:<\/p>\n<ol>\n<li>Exil, Verbannung werden interpretiert als Ur-Situation des Menschen. Ebenso wie der Sto\u00dfseufzer &#8222;Um Trost war mir sehr bange&#8220;.<\/li>\n<li>Die Strukturen und Stufen des Gottes-Trostes im &#8222;ersten&#8220; und im &#8222;zweiten&#8220; Bund sind die gleichen: Erkenntnis und Eingest\u00e4ndnis von Schuld; Befreiung aus Gefangenschaft von au\u00dfen; Wagnis des Empfangens von Trost.<\/li>\n<li>Die Wege, auf denen Trost in Trostlosigkeiten wirksam wird, sind im &#8222;ersten&#8220; und im &#8222;zweiten&#8220; Bund verschieden gesehen. Die Triumphstra\u00dfe &#8211; im &#8222;ersten&#8220; &#8211; ist verborgen &#8211; im &#8222;zweiten&#8220; &#8211; unter dem Weg in die Niedrigkeit.<\/li>\n<li>Seit Christum natum sind &#8222;die vielen&#8220; &#8222;mein Volk&#8220;; denn Gott will, da\u00df allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der erl\u00f6senden Wahrheit finden.<\/li>\n<\/ol>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor i.R. Dr. Dankwart Arndt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf dem Breckels 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>24329 Grabin<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Advent | 17. Dezember 2000 | Jesaja 40,1-11 | Dankwart Arndt | Liebe Gemeinde! 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