{"id":22106,"date":"2000-12-19T10:28:07","date_gmt":"2000-12-19T09:28:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22106"},"modified":"2025-03-19T10:30:29","modified_gmt":"2025-03-19T09:30:29","slug":"johannes-728-29-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-728-29-5\/","title":{"rendered":"Johannes 7,28-29"},"content":{"rendered":"<h3>Heiliger Abend &#8211; Christvesper | 24. Dezember 2000 | Johannes 7,28-29 | Michael Nitzke |<\/h3>\n<p>28\u00a0Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt.\u00a029\u00a0Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Und wieder ist Weihnachten! Der Baum steht da, geschm\u00fcckt. Mit Sternen und Kerzen. Die Krippe steht davor, wir h\u00f6ren vertraute Lieder. Und die bekannten Worte der Weihnachtsgeschichte r\u00fchren uns an: Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt gesch\u00e4tzt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Damals vor 2000 Jahren war das f\u00fcr Maria und Josef ein Aufbruch in eine unbekannte Zukunft. Ein Schritt ins Ungewisse. Aber aus diesem Schritt ins Ungewisse ist eine der best\u00e4ndigsten Gr\u00f6\u00dfen f\u00fcr unser Leben geworden. Weihnachten hat Tradition. Da ist alles so wie wir es kennen. Und es scheint manchmal so, als sei Weihnachten der letzte Hort der Tradition. Und wer diese Tradition ver\u00e4ndern will, hat es schwer. Das Christkind, das kennen wir nun mal, das steht im Mittelpunkt, da l\u00e4\u00dft sich nichts dran r\u00fctteln. Und wir bleiben auch bei dem, was wir kennen.<\/p>\n<p>Aber ein bi\u00dfchen werden wir durcheinandergebracht von dem, was Jesus im Tempel verk\u00fcndet. Ihr kennt mich, sagt er da, aber ihr kennt nicht den, der mich gesandt hat. Aus einem ziemlich unweihnachtlichen Zusammenhang sind diese Worte genommen. Aber wann, wenn nicht zu Weihnachten haben wir \u00fcberhaupt einmal die Gelegenheit dar\u00fcber nachzudenken, was das alles bedeutet.<\/p>\n<p>Also gehen wir einmal Schritt f\u00fcr Schritt durch, was Jesus gesagt hat.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst eine vertrauensbildende Ma\u00dfnahme: Ihr kennt mich, sagt er. Ja, wir kennen ihn. Gerade zu Weihnachten kennen wir ihn ganz besonders. Das Kind in der Krippe. Das in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen zur Welt gekommen ist. Das der Gefahr ausgesetzt war. Das Kind, in das so viele Hoffnungen gesetzt wurden. Das Kind, das auch heute noch Hoffnung gibt. Waffen schweigen und eine vers\u00f6hnende Hand wird gereicht, wenn man dieses Kind vor Augen hat. Ja, wir kennen das Kind, das in der Christnacht geboren wurde. Und wir sprechen davon.<\/p>\n<p>16\u00a0Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.\u00a017\u00a0Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.<\/p>\n<p>Wie damals sind auch heute viele Erwartungen mit diesem Kind verbunden. Hoffnungen, die lange im Inneren der Menschen schlummern, erwachen nun und kommen ans Tageslicht. Das ist doch der Grund, warum die Hirten zum Stall eilen. Die Himmel haben sich ge\u00f6ffnet, und es wurde ihnen jemand angek\u00fcndigt, den sie schon lange erwartet haben, der Messias, der Christus, der k\u00fcnftige K\u00f6nig. Nicht ein K\u00f6nig der Pal\u00e4ste, sondern vor allem ein K\u00f6nig der Herzen.<\/p>\n<p>Sie eilen voller Hoffnung, kommen gelaufen, sie kennen ihn, obwohl sie ihn noch nie gesehen haben, sie eilen, weil sie ihn kennen. Sie kennen ihn, bevor sie ihn kennengelernt haben, er ist ihre Hoffnung. Und dieses Kind ist auch unsere Hoffnung, deshalb kommen wir hierher.<\/p>\n<p>Ihr kennt mich, sagt Jesus Und wi\u00dft woher ich bin.<\/p>\n<p>Doch da f\u00e4ngt es schon an schwieriger zu werden. Ihr wi\u00dft woher ich bin. Wer ist dieses Kind, woher kommt es und was ist aus ihm geworden?<\/p>\n<p>Kennen wir vielleicht nur unsere W\u00fcnsche und Hoffnungen, die wir in ihn hineinprojizieren, oder kennen wir ihn wirklich so wie er ist. Und woher kommt er? Wer ist das Kind in der Krippe von Bethlehem? Ist es Jesus von Nazareth? In Bethlehem geboren, in Nazareth aufgewachsen als Sohn eines Zimmermannes. Bethlehem, die Stadt des K\u00f6nigs David. \u00bbUnd du, Bethlehem im j\u00fcdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den St\u00e4dten in Juda; denn aus dir wird kommen der F\u00fcrst, der mein Volk Israel weiden soll.\u00ab<\/p>\n<p>Doch Nazareth? &#8222;Was kann aus Nazareth Gutes kommen?&#8220; so fragt Nathanael, der doch so dialogbereite Pharis\u00e4er.<\/p>\n<p>Es scheint viel Zeit vergangen zwischen der Geburt des Kindes in Bethlehem und dem Wirken des Mannes aus Nazareth. Eine Zeit, die deutlich macht, was an W\u00fcnschen und Erwartungen vielleicht nur Projektion war. So geht es auch mit unseren Weihnachtsw\u00fcnschen. Oft erwarten wir etwas ganz anderes als wir bekommen. Oft erwarten wir auf unsere Geschenke ein ganz andere Reaktion als wir erhalten.<\/p>\n<p>Ist das nicht Josefs Sohn? fragen die Leute aus Nazareth, als Jesus in der Synagoge das angebrochene Reich Gottes verk\u00fcnden will. Ist das nicht Josefs Sohn? als k\u00f6nnten sie selbst nicht glauben, dass aus Nazareth Gutes kommen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Kennen wir ihn wirklich und wissen wir woher er kommt? Ist das nicht Josefs Sohn? Dieser da, von der Jungfrau geboren?<\/p>\n<p>Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen.<\/p>\n<p>Wenn das mit den Eltern nicht so klar ist und die Herkunfts-Orte nur Verwirrung stiften, woher kommt er dann wirklich? Die Welt hat ihn erwartet, hat sehns\u00fcchtig einen wie ihn herbeigesehnt. Arme Hirten und reiche Astronomen &#8211; sie kommen aus nah und fern um ihn zu sehen, als Kind in der Krippe. Kranke und Gel\u00e4hmte, Verbrecher und Rechtschaffene &#8211; sie kommen zu ihm oder lassen sich bringen, zu dem Mann, der durch die D\u00f6rfer zieht, predigt und heilt.<\/p>\n<p>Aber wo ist er hergekommen und wo geht er hin?<\/p>\n<p>Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)<\/p>\n<p>Es war nicht seine eigene Idee. Er ist kein Weltverbesserer, der das Bad in der Menge genie\u00dft. Er ist niemand, der das Volk manipulieren will zu seinen Gunsten. Er ist keiner, der seine Popularit\u00e4t in bare M\u00fcnze umsetzen will. Wer ist er dann?<\/p>\n<p>Er ist mehr als der Augenschein erkennen lassen will. Mehr als nur ein Kind in armseliger Umgebung. Ja das w\u00fcrde in jedem Falle unser Herz anr\u00fchren, da mu\u00df man doch was tun, man kann doch nicht ein neugeborenes Kind im Stall lassen. Aber er will mehr in uns erregen als Mitleid, er will uns ver\u00e4ndern. Er will, dass wir wahrnehmen, dass er Mensch ist, aber er will noch mehr deutlich machen. Ist das nicht Josefs Sohn? &#8211; Ist das nicht Gottes Sohn?<\/p>\n<p>Er ist nicht aus sich selbst heraus gekommen. Auf so eine Idee kann keiner kommen. Das ist die Idee eines h\u00f6heren. Jemand hat ihn geschickt. Wie ein Paket, dass wir geschenkt bekommen. Wir wissen nicht was darin ist, wir wissen nicht wie es uns ver\u00e4ndert. Aber es l\u00e4\u00dft unsere Augen strahlen. Wer es geschickt hat, muss uns sehr liebhaben.<\/p>\n<p>&#8230; nicht von mir selbst aus bin ich gekommen. Sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat.<\/p>\n<p>Wer ist der Absender? Jemand der uns lieb hat. Aber wem kann man heute noch trauen, das k\u00f6nnte ja jeder sagen. Wer ist das, der uns jemanden schickt, den wir empfangen, als h\u00e4tten wir ihn schon lange erwartet. Wer ist das?<\/p>\n<p>Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein B\u00f6ses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er. (5. Mose 32,4)<\/p>\n<p>So singt Mose, als er Abschied nimmt von der Welt. Auch er hatte einen Auftrag. Und es war nicht einfach, diesen Auftrag zu erf\u00fcllen. 40 Jahre f\u00fchrte er das Volk durch die W\u00fcste. Unzufriedenheit und Auseinandersetzungen markierten den Weg. Doch Mose sp\u00fcrte: Treu ist Gott und kein B\u00f6ses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er.<\/p>\n<p>Auch wenn wir den Absender nicht immer erkennen k\u00f6nnen, so wissen wir doch, dass er wahrhaftig ist, uns nichts B\u00f6ses will, sondern im Gegenteil immer nur Gutes schenken will.<\/p>\n<p>Gott ist der Absender. Er hat seinen Sohn geschickt. In die K\u00e4lte der Nacht und die Ungesch\u00fctztheit des Stalles. Er hat sich in ihm selbst hingegeben. Gott hat es getan. Doch wer ist Gott?<\/p>\n<p>Wir nehmen dieses Wort in den Mund, ohne rot zu werden. Aber wissen wir, wer Gott ist?<\/p>\n<p>Es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat,&#8230;den ihr nicht kennt.<\/p>\n<p>Oft fragen wir danach, ob es Gott gibt? Und wir meinen, ihn zu kennen, zumindest meinen wir zu wissen, was er denn tun m\u00fcsste, wenn es ihn g\u00e4be. &#8222;Wenn es Gott gibt, dann m\u00fcsste er doch zusehen, dass keine Ungl\u00fccke mehr geschehen! Wenn es Gott gibt, dann m\u00fcsste er sich doch zu erkennen geben!&#8220;<\/p>\n<p>Jesu Worte sind hart. Sie passen so gar nicht zu dem sanften Kind in der Krippe. Ihr kennt ihn nicht!<\/p>\n<p>Wie oft sagen wir, wir kennen jemanden und meinen, nur weil wir einem Menschen schon mal \u00fcber den Weg gelaufen sind, w\u00fcssten wir, wer er ist. Bei solchen Begegnungen lernt man niemanden wirklich kennen. Man wei\u00df vielleicht, wie er aussieht, aber das ist auch alles. Aber bei Gott w\u00e4re das schon viel. Weit mehr als man sich erhoffen d\u00fcrfte. Aber was wissen wir von Gott? Wissen wir mehr \u00fcber ihn, als dass er der Vater des Kindes in der Krippe ist? Und auch das w\u00e4re schon viel.<\/p>\n<p>Kennen wir ihn wirklich nicht? St\u00f6bern wir einmal in der Bibel und suchen nach Anhaltspunkten: Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. (1.Joh 4,8)<\/p>\n<p>Aha, es gibt also einen Anhaltspunkt! Wir wissen zumindest schon mal, wie man es nicht macht, und das ist ja schon viel! Wer\u00a0nicht\u00a0liebt,\u00a0der kennt Gott nicht.\u00a0Vielleicht sind wir ja doch auf der richtigen Seite, denn wer will sich schon nachsagen lassen, dass er nicht liebt? Wir lieben unsere Kinder unseren Ehepartner, unsere Eltern unsere Mitmenschen. Also sind wir auf dem besten Weg, Gott kennen zu lernen. Denn Johannes wagt etwas Riskantes, er wagt es in einem Wort auszudr\u00fccken, wer Gott ist, oder besser was Gott ist: denn Gott ist die Liebe.<\/p>\n<p>Dann kennen wir ihn ja doch, wir sind doch liebende Menschen, wieso sollten wir dann also Gott nicht kennen?<\/p>\n<p>Jesus sagt: Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.<\/p>\n<p>Ist das nicht Josefs Sohn? Wie kann er so anma\u00dfend reden? Ja, so m\u00f6chten wir vielleicht unseren Gef\u00fchlen Ausdruck geben. Wir m\u00f6chten Gott doch kennen, wir m\u00f6chten ihn verstehen, warum er dies tut und das l\u00e4sst, und wenn Jesus so deutlich sagt, dass nur er ihn kennt, was bringt uns dann das Kind in der Krippe?<\/p>\n<p>Das Kind in der Krippe, bringt uns \u00fcberhaupt erst die M\u00f6glichkeit, Gott kennen zu lernen. Das kleine Kind fordert unsere Gef\u00fchle heraus. Es weckt unsere Instinkte und sorgt daf\u00fcr, dass sie sich entwickeln zu einer wahren Liebe. Zu einer Liebe zu Gott und seinen Gesch\u00f6pfen. Der Prediger in der Synagoge zu Nazareth fordert Widerstand heraus. Der Diskussionspartner der Schriftgelehrten sorgt f\u00fcr Arger in der festgef\u00fcgten Gelehrtenwelt. Der Wunderheiler in Kapernaum l\u00e4\u00dft uns ratlos zur\u00fcck, denn wann erleben wir solche Wunder in unserem Leben. Wir m\u00f6chten so gerne unsere Ratlosigkeit und unsere Widerst\u00e4nde \u00fcberwinden und diesem Gesandten Gottes folgen, aber erst das Kind in der Kippe macht es uns m\u00f6glich, weil wir dies vorbehaltlos annehmen k\u00f6nnen. Es erscheint doch so hilfebed\u00fcrftig und dabei ist es doch der einzige, der der Welt Hilfe bringen kann. Die Liebe, die wir dem Kind entgegenbringen ist ein Zeichen der Liebe dessen, der es gesandt hat. Diese Liebe ist ein Zeichen der Liebe Gottes. Und diese Liebe will das Kind uns schenken. Es will sie uns nicht vorenthalten, sondern es will, dass wir sie miteinander teilen:<\/p>\n<p>Alles ist mir \u00fcbergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. (Mt 11,27)<\/p>\n<p>Und er will es uns offenbaren, er will es nicht verheimlichen. Gott ist die Liebe. Das Kind in der Krippe zeigt es uns, der Mann aus Nazareth hat es gepredigt und der Leidende auf Golgatha macht diese Liebe f\u00fcr alle m\u00f6glich. Welche gr\u00f6\u00dfere Liebe g\u00e4be es, als das Gott sich selbst erniedrigt und seine Liebe zu uns dadurch zeigt, das er auf diese Welt kommt und die K\u00e4lte der Welt durch seine Liebe \u00fcberwindet.<\/p>\n<p>Und wieder ist Weihnachten! Der Baum steht da, geschm\u00fcckt. Mit Sternen und Kerzen. Die Krippe steht davor, wir h\u00f6ren vertraute Lieder. Und die bekannten Worte der Weihnachtsgeschichte r\u00fchren uns an:<\/p>\n<p>Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott f\u00fcr alles, was sie geh\u00f6rt und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.<\/p>\n<p>Weihnachten ist das Fest der Liebe so sagt man. Das Fest der Liebe, die Gott uns schenkt, und die er uns durch Jesus Christus zeigt. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer Michael Nitzke<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ev. Kirchengemeinde Kirchh\u00f6rde<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dahmsfeldstr. 44<\/strong><\/p>\n<p><strong>44229 Dortmund<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:Pfarrer@nitzke.de\"><strong>E-Mail: Pfarrer@nitzke.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/home.t-online.de\/home\/michael.nitzke\/\">http:\/\/home.t-online.de\/home\/michael.nitzke\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiliger Abend &#8211; Christvesper | 24. 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