{"id":22110,"date":"2000-12-19T11:52:42","date_gmt":"2000-12-19T10:52:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22110"},"modified":"2025-03-19T11:54:59","modified_gmt":"2025-03-19T10:54:59","slug":"johannes-728-29-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-728-29-7\/","title":{"rendered":"Johannes 7,28-29"},"content":{"rendered":"<h3>\u201e Woher Christus kommt \u201c | Heiliger Abend &#8211; Christvesper | 24. Dezember 2000 | Johannes 7,28-29 | J\u00fcrgen Berghaus |<\/h3>\n<p><em>Jesus aber, der gerade im Tempel lehrte, rief mit lauter Stimme : \u201eWi\u00dft ihr wirklich, wer ich bin und woher ich komme ? Ich bin nicht im eigenen Auftrag gekommen. Aber der, der mich gesandt hat, ist glaubw\u00fcrdig. Und den kennt ihr nicht. Ich kenne ihn; denn ich komme von ihm, und er hat mich gesandt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p><em>\u201eIch komm, wei\u00df nicht woher. Ich geh, wei\u00df nicht wohin. Mich wundert, da\u00df ich fr\u00f6hlich bin.\u201c<\/em>\u00a0Diese Zeilen eines mittelalterlichen Liederdichters sind mir eingefallen, als ich mich erstmalig mit dem f\u00fcr die heutige Christvesper vorgeschlagenen Predigttext befa\u00dfte. Bei aller Liebe zum Johannesevangelium : Jene hoch-philosophischen S\u00e4tze des erwachsenen Jesus, gesprochen im scharfen Streit mit Glaubensgegnern &#8211;\u00a0<em>die<\/em>\u00a0sollen uns hier vor der Krippe und vor dem neu geschm\u00fcckten Tannenbaum zur Besinnung auf das Wunder der Weihnacht verhelfen ? Wie soll das angehen, wo doch kein einziges Wort von der Geburt Christi f\u00e4llt &#8211; ganz zu schweigen von Engeln, Hirten, Schafen, Maria und Joseph und was f\u00fcr uns sonst noch alles dazugeh\u00f6rt . . .<\/p>\n<p>Andererseits haben sich die schlauen Leute, die vor einigen Jahren erst s\u00e4mtliche Predigttexte neu sortierten, ganz bestimmt eine Menge dabei gadacht, gerade Johannes 7 f\u00fcr eine Christvesper vorzuschlagen. Ich will versuchen, unsere beiden Bibelverse auf die Weihnachtsbotschaft hin abzuklopfen; und damit lade ich Sie alle ein, sich jetzt f\u00fcr ein paar Minuten von der vertrauten Weihnachtsatmosph\u00e4re loszul\u00f6sen, um dann hinterher vielleicht mit ganz neuen Einsichten dorthin zur\u00fcckzukehren. Meine Predigt will uns dazu verhelfen, indem sie sich einleitend auf unsere Herkunft besinnt und was sie f\u00fcr uns bedeutet; danach sollen die zwei Betrachtungsweisen der Geschichte Jesu einander gegen\u00fcbergestellt werden; und den Schlu\u00df bildet eine kurze Anleitung zur Freude.<\/p>\n<p>1.) Unsere Herkunft &#8211; und was sie uns bedeutet<\/p>\n<p><em>\u201eIch komm (&#8230;)\u201c<\/em>\u00a0: Entspricht diese mittelalterliche Liedstrophe eigentlich auch unserem Empfinden im ausgehenden 20. Jahrhundert ? Oder k\u00f6nnen wir nicht vielmehr sehr genau angeben, wo wir herkommen : die einen aus dem Rheinland, die anderen vor allem aus dem Osten : aus Ost- und Westpreu\u00dfen, Pommern, Schlesien, Siebenb\u00fcrgen, Kasachstan und wie die Regionen alle hei\u00dfen, aus deren Menschen sich unsere Gemeinde hier zusammensetzt. Ich erlebe oft bei meinen Besuchen, da\u00df die alte Heimat einem immer noch viel bedeutet, selbst wenn sie teilweise schon vor Jahrzehnten verlassen wurde.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber unsere pers\u00f6nlichen Pr\u00e4gungen wissen wir manches zu sagen : Was wir gelernt und erfahren haben von Eltern, Lehrern, Verwandten und Freunden &#8211; sie alle nahmen Einflu\u00df auf meine Ent-wicklung, und ohne meine guten und schlechten Erfahrungen mit solchen mich pr\u00e4genden Menschen w\u00e4re ich nicht, was ich heute bin. Ja, l.G., unsere Herkunft aus einer ganz bestimmten Region dieser Welt und unsere Pr\u00e4gung durch bestimmte Menschen &#8211; dies alles macht uns zu unverwechselbaren Einzelwesen, zu Zeitgenossen mit liebenswerten und unangenehmen Eigenschaften &#8211; und als so einzig-artige Gesch\u00f6pfe Gottes finden wir uns alle hier zum Weihnachtsgottesdienst ein; mit den unter-schiedlichsten W\u00fcnschen und Hoffnungen an den Verlauf dieser Christvesper. Was wird nun werden?<\/p>\n<p>2.) Die beiden Betrachtungsweisen der Geschichte Jesu<\/p>\n<p>Auf einem gro\u00dfen Fest in Jerusalem steht Jesus im Tempel und lehrt die Menschen mit Vollmacht. \u201eWer ist denn das ?\u201c so raunen sie sich zu. Jesus antwortet mit den S\u00e4tzen, die unseren Predigttext bilden :\u00a0<em>((Predigttext erneut verlesen.))<\/em><\/p>\n<p>Hier prallen zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen Jesu aufeinander. Man kennt ihn als Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth &#8211; wir d\u00fcrfen erg\u00e4nzen : als wunderbar gezeugtes Kind der Maria, geboren im \u00e4rmlichen Stall von Bethlehem. Jesus, der Jude; Jesus, der Mensch wie du und ich; Jesus, dem das Elend der Welt von Anfang an vertraut ist. Das ist die\u00a0<em>eine<\/em>\u00a0m\u00f6gliche Antwort auf die Frage, woher Christus kommt; und das ist wohl mehrheitlich auch unsere Sichtweise am heutigen Heiligen Abend.<\/p>\n<p>Der Predigttext aber will davon im Grunde genommen gar nichts wissen. In Johannes 7 weist Jesus gewisserma\u00dfen mit dem Finger nach oben und weg von sich : \u201eDer mich gesandt hat, ist glaubw\u00fcrdig; und ich komme von ihm &#8211; von Gott, den ihr nicht kennt !\u201c In diesen Worten liegt das Schwergewicht jener Christusrede, mit diesen Worten will er unser Herz erreichen. Ist Gott wirklich so, wie wir ihn uns vorstellen &#8211; so lieb und nett, so sch\u00fctzend und bewahrend, so grausam und unfa\u00dfbar ? Oder ist Gott nicht vielmehr der ganz Andere, immer im Gegen\u00fcber zu uns, niemals f\u00fcr unsere Zwecke zu verein-nahmen ? Gott, ein Fremder ! Und das an Weihnachten ?<\/p>\n<p>3.) Eine Anleitung zum Freuen<\/p>\n<p><em>\u201eIch komm, wei\u00df wohl, woher. Ich geh, wei\u00df wohl wohin. Mich wundert, da\u00df ich traurig bin.\u201c<\/em>\u00a0So hat Martin Luther die Zeilen jenes Dichters aus dem Mittelalter umgewandelt. Wenn wir dies h\u00f6ren und unseren Predigttext aus Johannes 7 hinzunehmen, dann werden wir zur Freude angestiftet, dann kann und darf unsere Traurigkeit gerade heute nicht das letzte Wort behalten.<\/p>\n<p>Es ist wie bei der Weihnachtspost : Da kommt ein Paket an von Freunden weither, und mit dieser Sendung sind auch sie selbst, die Fernen, mir ganz nah. Oder ich schreibe eine Weihnachtskarte und sehe im Geiste die Gesichtsz\u00fcge des Empf\u00e4ngers beim Lesen meiner Botschaft. Ja, lieber Freund, f\u00fcr dich ganz pers\u00f6nlich ist das, was da ankommt; du bist der Empf\u00e4nger, gerade du unter all den vielen anderen &#8211; f\u00fcr dich wurde mein Geschenk, wurde meine Weihnachtskarte auf den Weg geschickt.<\/p>\n<p>Freude entsteht aus dem Unbekannten und aus dem Unvermuteten. Ich rei\u00dfe die Augen weit auf : \u201eDas alles soll f\u00fcr mich sein ?\u201c Freude \u00fcberrascht mich, beschenkt mich. Unverdient und unerwartet wird mir da etwas zuteil &#8211; und ich darf es annehmen, ohne irgendwelche Hintergedanken oder Nebenabsichten bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ja, ich will mich freuen. Weihnachten soll es werden, auch bei mir. Das Kind in der Krippe will die Traurigen tr\u00f6sten, den Einsamen beistehen, die Kranken heilen, Hungrige speisen, die Satten mahnen und alle Menschen guten Willens vereinen. Weihnachten soll mir zum Fest der Freude und des Friedens werden !<\/p>\n<p>Das ist es, l.G. was heute geschehen kann und geschehen soll. Macht euch keine Unruhe \u00fcber den Ablauf des Festes in der Familie oder ganz allein zuhause. Freut euch, denn jetzt wi\u00dft ihr, woher Christus kommt &#8211; in unserem Predigttext aus Johannes 7 sagt er es selber : \u201eIch komme von Gott !\u201c Gottes Geschenk, die Gnadengabe unseres Sch\u00f6pfers &#8211; hier bei uns in Manfort ist sie angekommen. Jetzt m\u00fcssen wir uns nicht mehr m\u00fchen und plagen, jetzt haben wir alles, was wir f\u00fcr unser Leben brauchen. Von Gott gesandt &#8211; als Mensch geboren.\u00a0<em>((Mit Hand von oben nach unten zeigen. ))<\/em>\u00a0Hier ist der Ort, wo Himmel und Erde einander begegnen; hier darf ich Mensch sein &#8211; und dennoch ist Gott ganz nah bei mir.<\/p>\n<p>Das Wunder der Weihnacht : von Gott abgeschickt, bei uns angekommen. Nehmen wir es mit hinein in unser Leben &#8211; als ein Geschenk, \u00fcber das wir uns immer wieder neu freuen d\u00fcrfen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer J\u00fcrgen Berghaus<\/strong><\/p>\n<p><strong>51377 Leverkusen-Manfort<\/strong><\/p>\n<p><strong>Scharnhorststra\u00dfe 38<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tel.\/Fax : 0214 &#8211; 8707091<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ekirlev.de\/gemeinde\/manfort\/\"><strong>www.ekirlev.de\/gemeinde\/manfort<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e Woher Christus kommt \u201c | Heiliger Abend &#8211; Christvesper | 24. Dezember 2000 | Johannes 7,28-29 | J\u00fcrgen Berghaus | Jesus aber, der gerade im Tempel lehrte, rief mit lauter Stimme : \u201eWi\u00dft ihr wirklich, wer ich bin und woher ich komme ? Ich bin nicht im eigenen Auftrag gekommen. 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