{"id":22118,"date":"2001-01-19T14:08:52","date_gmt":"2001-01-19T13:08:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22118"},"modified":"2025-03-19T14:10:28","modified_gmt":"2025-03-19T13:10:28","slug":"sprueche-161-9-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/sprueche-161-9-3\/","title":{"rendered":"Spr\u00fcche 16,1-9"},"content":{"rendered":"<h3>Das dreifache g\u00f6ttliche Aber | Neujahrstag | 1. Januar 2001 |\u00a0Spr\u00fcche 16,1-9 | Wilhelm H\u00fcffmeier |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>neun prallvolle Lebensweisheiten auf einmal! Ist das nicht zuviel des Guten am Neujahrsmorgen? Verlieren wir da nicht die \u00dcbersicht, die wir doch gerade gewinnen m\u00f6chten? Geht es nicht k\u00fcrzer und deshalb gew\u00fcrzter?<\/p>\n<p>Es geht! Alle neun Verse des Textes lassen sich auf ein kleines Wort aus vier Buchstaben reduzieren! Obwohl Lebensweisheit in der Bibel allemal Gottesweisheit ist, meine ich nicht das Wort &#8222;Gott&#8220; selber. Das kleine Wort &#8222;aber&#8220; ist vielmehr gemeint. Indem wir ihm nachgehen, mit ihm Lebenskunde betreiben, erhalten wir freilich Winke Gottes.<\/p>\n<p>Am Ende unseres Abschnittes hei\u00dft es &#8222;Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt&#8220;. Wir kennen die Kurzform dieses Verses: &#8222;Der Mensch denkt, aber Gott lenkt&#8220;. Und wer die Weihnachtsgeschichte noch im Ohr hat, erinnert sich. Der Kaiser gibt sein Gebot aus. Er denkt, er sei der Herr der Welt. In Wahrheit muss dieses kaiserliche Edikt dazu dienen, dass der Heiland in Bethlehem geboren wird.<\/p>\n<p>Der Kaiser denkt, aber Gott lenkt. Doch wie lenkt Gott unser Leben? Lassen Sie uns am Beginn des neuen Jahres ein wenig dar\u00fcber nachdenken, was dieses kleine W\u00f6rtchen &#8222;Aber&#8220; vom g\u00f6ttlichen Lenken unseres Lebens zu sagen hat.<\/p>\n<p>Beginnen wir mit einfachen Erfahrungen. Aber &#8211; das bedeutet, dass noch etwas \u00fcbersehen und vergessen ist, dass noch etwas zu ber\u00fccksichtigen ist, dass noch andere, neue M\u00f6glichkeiten vorhanden sind. Aber &#8211; das hei\u00dft, dass es mit unserem Denken und Reden, Sehen und Handeln immer nur um ein Vorl\u00e4ufiges geht und dass da an einer bestimmten Ecke etwas Neues, Unberechenbares und Verwunderliches wartet. Aber &#8211; das meint Differenzen und Kl\u00fcfte in unserem Leben. Aber &#8211; das ist auch Einspruch, Widerspruch, Kritik. Und dieses Unberechenbare, Verwunderliche, dieser Einbruch von etwas Anderem, das kann nach der biblischen Botschaft der Weisheit hin auf den ganz Anderen hinweisen.<\/p>\n<p>Da ist gleich im ersten Vers die schmerzliche Differenz zwischen den Gedanken und W\u00fcnschen unseres Herzens und der nur zu oft erfahrenen Unf\u00e4higkeit, sie in die richtigen Worte zu fassen. &#8222;Der Mensch setzt sich&#8217;s wohl vor im Herzen; aber vom Herrn kommt, was die Zunge reden wird.&#8220; Ich will reden, aber ich kann nicht. Kommt dieser Zwiespalt aus der Unkonzentriertheit oder ist es Scham? Oder Angst vor der Blamage? Fehlt der richtige Partner, der zuh\u00f6ren kann und dem ich mein Herz offenbaren kann?<\/p>\n<p>Dabei wissen wir doch: Das rechte Wort im richtigen Moment, darauf kommt alles an. K\u00f6nnen wir lernen, die Gedanken und Pl\u00e4ne des Herzens zur rechten Zeit richtig auszusprechen? Wer uns dabei hilft, w\u00e4re unser Engel. Hilfe brauchen wir, denn es gibt eine weitere Kluft, eine Kluft zwischen dem, was wir von uns selbst und unserem Verhalten denken, und dem Urteil, das andere von uns haben. Ich habe mir nichts vorzuwerfen; mein Gewissen ist rein; ich wollte ja nur das Beste, h\u00f6rt man allenthalben. &#8222;Einen jeglichen d\u00fcnken seine Wege rein, aber der Herr pr\u00fcft die Geister&#8220;, sagt die Weisheit der Spr\u00fcche Salomos. Und das hei\u00dft: Wahre Selbsterkenntnis kommt nicht aus mir selbst. Ich verdanke sie einem anderen. Ich will mich erkennen, aber ich vermag&#8217;s nicht.<\/p>\n<p>Daraus folgt dann ganz von selbst die Warnung vor dem stolzen Herz (Vers 5). Es ist zwar eine bittere Erfahrung des Lebens, dass Hochmut l\u00e4ngst nicht immer zu Fall kommt. Aber darin sind wir uns doch einig, dass die Hochm\u00fctigen, denen wir begegnen, einen Denkzettel verdienten. Hoffentlich lassen wir diese \u00dcberzeugung dann auch f\u00fcr uns selber gelten und wissen mit unserem eigenen stolzen Herzen umzugehen.<\/p>\n<p>Wenn nicht, werden Gegnerschaften, ja sogar Feindschaften unvers\u00f6hnt bleiben (Vers 6). Es sei so schwer, um Verzeihung zu bitten, schrieb mir neulich jemand, der einem anderen Menschen bitter Unrecht getan hatte und das auch einsah, aber es nicht fertig brachte, es klar und deutlich und mit dem Ausdruck einer tiefen Besch\u00e4mung auszusprechen. Unser stolzes Herz macht vieles so unendlich schwer. Viele wollen Vers\u00f6hnung, aber sie k\u00f6nnen es nicht.<\/p>\n<p>Die Not mit der Sprache, die Schwierigkeit der Selbsterkenntnis, die Feindschaften und das Unrecht, das stolze Herz: Alle diese Ereignisse unseres Lebens enthalten schmerzliche Differenzen. Doch diese Kluft, dieser Zwiespalt, diese Differenzen k\u00f6nnen einen positiven Sinn gewinnen. In ihnen meldet sich Gott zu Wort: &#8222;Der Herr hat alles gemacht, um ihm Antwort zu geben, auch den Gottlosen f\u00fcr den b\u00f6sen Tag&#8220;, sagt der Text (Vers 4, gem\u00e4\u00df den Kommentaren anders als von Luther \u00fcbersetzt).<\/p>\n<p>Der Mensch ist den Differenzen, in denen er lebt, nicht einfach ausgeliefert. Wir sind nicht ihr Spielball oder ihr Opfer. Menschsein hei\u00dft: Du bist nach dem Willen des Sch\u00f6pfers auf Verantwortung hin geschaffen. Das ist sozusagen das erste, das grundlegende Aber: das Aber unseres Sch\u00f6pfers. Ihm entspricht ein letztes Aber, das unseres Richters: &#8222;aber der Herr pr\u00fcft die Geister&#8220; (Vers 2) und &#8222;auch den Gottlosen hat er f\u00fcr den b\u00f6sen Tag gemacht&#8220;, sagt der Text (Vers 4).<\/p>\n<p>Man kann ja f\u00fcr einen Moment erschrecken. Es sieht so aus, als ob der Gottlose f\u00fcr immer auf sein Schicksal festgelegt sei bis auf den J\u00fcngsten Tag. So als g\u00e4be es keine M\u00f6glichkeit der Bekehrung und der Umkehr. Doch zu diesem betr\u00fcblichen Ende soll es gerade nicht kommen. Vielmehr zeigen uns die Spr\u00fcche Salomos schon jetzt auch die positiven M\u00f6glichkeiten des Lebens. Das ist ihr tiefster Sinn. Deshalb steht zwischen dem Aber des Sch\u00f6pfers und dem des Richters ein vers\u00f6hnliches Aber. Ich nenne es das Aber des Vers\u00f6hners. &#8222;Befiehl dem Herrn deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen&#8220; (Vers 3). &#8222;Durch G\u00fcte und Treue wird Missetat ges\u00fchnt&#8220; (Vers 6). &#8222;Besser wenig mit Gerechtigkeit als viel Einkommen mit Unrecht&#8220; (Vers 8). Sogar dies: &#8222;Wenn eines Menschen Wege dem Herrn wohlgefallen, so l\u00e4sst er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.&#8220;<\/p>\n<p>Wie lenkt Gott unser Leben? Wer den gro\u00dfen Schluss-Satz des Textes h\u00f6rt: &#8222;Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt&#8220;, wird ein dreifaches g\u00f6ttliches Aber im Kopfe haben. Das des Sch\u00f6pfers und des Richters und das Aber des Vers\u00f6hners. Seine G\u00fcte hat unsere Missetat und unser Unrecht schon ges\u00fchnt. Er hat mit uns Frieden geschlossen, als wir noch seine Feinde waren. Wir d\u00fcrfen&#8217;s ihm gleichtun. Und wo wir scheitern, hilft er uns wieder auf die Beine. Auch das geh\u00f6rt zum g\u00f6ttlichen Lenken unserer Schritte. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Wilhelm H\u00fcffmeier<\/strong><\/p>\n<p><strong>Evangelische Kirche der Union, Kirchenkanzlei<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jebensstra\u00dfe 3, 10623 Berlin<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das dreifache g\u00f6ttliche Aber | Neujahrstag | 1. 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