{"id":22120,"date":"2001-01-19T14:10:32","date_gmt":"2001-01-19T13:10:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22120"},"modified":"2025-03-19T14:12:59","modified_gmt":"2025-03-19T13:12:59","slug":"sprueche-161-9-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/sprueche-161-9-4\/","title":{"rendered":"Spr\u00fcche 16,1-9"},"content":{"rendered":"<h3>Neujahrstag | 1. Januar 2001 | Spr\u00fcche 16,1-9 | Georg Kretschmar |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>1. Nach dem Tode Davids wurde sein Sohn Salomo K\u00f6nig. Kurze Zeit sp\u00e4ter hatte er in einem altisraelitischen Heiligtum einen merkw\u00fcrdigen Traum: Gott der Herr stellt ihm einen Wunsch frei. Und Salomo erbat von Gott ein &#8222;gehorsames Herz&#8220;, um seinem Volk ein guter K\u00f6nig zu sein. Diese Antwort gefiel dem Herrn sehr. Er schenkte Salomo ein &#8222;weises und verst\u00e4ndiges Herz&#8220; und versprach ihm dazu noch Reichtum, Ehre und ein langes Leben. So steht es im 1. Buch der K\u00f6nige im Alten Testament (3,4-15).<\/p>\n<p>Wer k\u00f6nnte am Anfang eines neuen Jahres, eines neuen Jahrtausends, die Bitte des jungen K\u00f6nigs nicht auch in seinen Mund nehmen! Im alten Israel galt dann Salomo als das Musterbild des Weisen; in ihm flo\u00df gleichsam alle Weisheit, alle Lebenserfahrung, die seit uralter Zeit in Spr\u00fcchen \u00fcberliefert worden war, zusammen, so wie sein Vater, K\u00f6nig David, zum Sammelbecken aller Lieder zur Ehre Gottes, der Psalmen, werden sollte.<\/p>\n<p>Auch unser Predigttext stammt aus dem Buch der Spr\u00fcche Salomos. Hier ruft nicht ein Prophet im Namen Gottes zur Umkehr oder verhei\u00dft Gottes Treue. Hier erz\u00e4hlt kein Schreiber die wunderbaren Wege, die Gott sein Volk in der Geschichte gef\u00fchrt hat. Im Buch der Spr\u00fcche sind die Erfahrungen der Weisen zusammengetragen. Auch hier geht es durchaus um Gott. Der Satz, da\u00df die Furcht Gottes aller menschlichen Weisheit Anfang ist (vgl. Spr\u00fcche 1,7-8,13-9,10), gibt eben nicht nur eine Glaubens\u00fcberzeugung wieder, sondern entspricht auch dem, was der Weise als Summe seiner Lebenserfahrung weitergibt. Solche Einsichten sind in den Spr\u00fcchen niedergelegt, die uns f\u00fcr diesen Neujahrsgottesdienst mitgegeben werden.<\/p>\n<p>2. Gute Vors\u00e4tze geh\u00f6ren wohl \u00fcberall zu Selbstbesinnung an einer Zeitenwende, am Beginn eines neuen Zeit- oder Lebensabschnittes. Im Blick auf die Vergangenheit tritt vor unsere Augen, was Gott uns geschenkt hat und ebenso, was uns gelungen oder eben mi\u00dflungen ist und wo wir schuldig geworden sind. Im Blick auf die Zukunft machen wir Pl\u00e4ne und nehmen uns vor, alte Fehler nicht zu wiederholden und die Chance des Neuen zu nutzen.<\/p>\n<p>Und eben hier setzen unsere Spr\u00fcche ein. Es ist doch eine ganz banale Erfahrung, da\u00df gute Absichten, sch\u00f6ne Pl\u00e4ne keine Garantie daf\u00fcr sind, da\u00df unser Leben im kommenden Jahr gelingt. Wir wissen ja nicht einmal, ob wir an seinem Ende noch leben werden. Eine deutsche Redewendung sagt: Der Mensch denkt und Gott lenkt.<\/p>\n<p>So reden auch unsere Spr\u00fcche. Solche Erfahrung hilft gegen falschen Stolz, hier hei\u00dft es sogar, da\u00df Gott ein stolzes Herz nicht ungestraft bleiben lassen wird (16,5). Im deutschen Sprichwort hei\u00dft das: Hochmut kommt vor dem Fall. Es ist nicht nur das Gewissen, das uns vor Habgier warnt, die jede Grenze zwischen Recht und Unrecht beiseite schiebt (16,9), auch die Lebenserfahrung lehrt: unrecht Gut gedeiht nicht. Und da unsere Erfahrungen eben nicht \u00fcber die Todesgrenze hinausreichen, blicken auch diese Weisheitsspr\u00fcche nicht \u00fcber das Menschenleben hinaus.<\/p>\n<p>Entscheidender Ma\u00dfstab bleibt dabei, da\u00df es Gott ist, der unser Leben lenkt, hei\u00dft es hier doch sogar, da\u00df selbst unser Denken nicht sicher zur Sprache wird: was wir tats\u00e4chlich reden, kommt vom Herrn (16,1). Deshalb sind die S\u00e4tze, da\u00df unsere Pl\u00e4ne so oft nicht zum Ziele f\u00fchren oder gar scheitern, nicht Ausdruck der Resignation, sondern Warnung und vielleicht sogar Trost. Erfahrung f\u00fcr sich genommen bleibt ja auch in der Regel offen f\u00fcr verschiedene Entscheidungen. Nach einer milit\u00e4rischen Niederlage kann ich den Schlu\u00df ziehen: Gott hat uns die Waffen aus der Hand geschlagen &#8211; nie wieder Krieg. Aber in dem Bauernkriegslied, das vor ein, zwei Menschenaltern viel gesungen wurde, hei\u00dft es: &#8222;Geschlagen ziehen wir nach Haus \/ uns&#8217;re Enkel fechtens besser aus.&#8220; Der Weise m\u00fc\u00dfte hier auf die Furcht Gottes zeigen. Aber damit \u00fcberschreiten wir auch die Grenze der blo\u00dfen Erfahrung.<\/p>\n<p>3. Wenn wir die uralten S\u00e4tze der Spr\u00fcche Salomos aufnehmen, dann d\u00fcrfen wir mehr aus ihnen heraush\u00f6ren als die Alten damals sagen konnten. Sie wu\u00dften um die Macht und Treue des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs. Das ist gewi\u00df unser Gott. Doch wir kennen und bekennen ihn auch als den Vater Jesu Christi, der seinen Sohn in unsere Welt sandte, um uns das Leben und volle Gen\u00fcge zu schenken, weit \u00fcber das uns jetzt Erfahrbare hinaus. Damit werden die S\u00e4tze unseres Textes Signale der Hoffnung. Die Zukunft liegt in Gottes H\u00e4nden. Und dieser Gott, der Vater Jesu Christi, will, da\u00df allen Menschen geholfen werde.<\/p>\n<p>Dem scheint der Weise zu widersprechen. Er rechnet mit der M\u00f6glichkeit, da\u00df es Menschen gibt, Gottlose, die nur zu ihrem Untergang geschaffen sind (16,4). So kann auch der Apostel Paulus schreiben (R\u00f6mer 9,20-23). Dem Apostel geht es dabei um die Allmacht Gottes, mit der kein Mensch einen Rechtsstreit aufnehmen kann. Das hei\u00dft aber auch, da\u00df es nicht unsere Sache ist, diese M\u00f6glichkeit in unser Kalkulieren aufzunehmen. So lange ein Mensch lebt, darf und kann ich ihm eine Zukunft mit Gott nicht absprechen. Und wenn ich an mir selber zweifeln sollte, dann r\u00e4t Martin Luther, wie alle gro\u00dfen V\u00e4ter der Kirche, die auch &#8222;Weise&#8220; sind, auf Jesus Christus, den Gekreuzigten zu schauen, der f\u00fcr uns, f\u00fcr mich, gestorben und auferstanden ist, damit wir leben sollen.<\/p>\n<p>Das ist eine Zusage, die weit \u00fcber das neue Jahr, ja weit \u00fcber unseren Tod hinausreicht. Von ihr f\u00e4llt aber auch ein Glanz auf die vor uns liegenden Monate, was immer sie bringen m\u00f6gen. Im Lukasevangelium wird eine eigent\u00fcmliche Frage Jesu an seine J\u00fcnger \u00fcberliefert: &#8222;Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals.&#8220;(Lukas 22,35) Nat\u00fcrlich hatten sie Hunger und Durst gelitten, lange Wege und kurze N\u00e4chte hinter sich gebracht. Sie haben Anfeindungen erfahren. Aber das alles ist im R\u00fcckblick zerstoben um des Herrn willen, der sie ausgesandt hatte. Die meisten unter uns gehen mit nicht leeren Geldbeuteln ins neue Jahr, haben Taschen und Schuhe. In der Regel stehen wir auch nicht unter einem solchen zwingenden Auftrag, wie der Herr ihn seinen J\u00fcngern erteilt hatte, das Evangelium vom Kommen der Herrschaft Gottes zu verbreiten. Wir wissen nicht, was das neue Jahr uns bringen wird. Aber wir d\u00fcrfen Gott vertrauen, der Herr unserer Wege ist und uns zu seinem Ziel f\u00fchren will.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche uns allen, da\u00df wir am Ende des Jahres 2001 auch mit den J\u00fcngern sagen k\u00f6nnen: Wir hatten keinen Mangel, der Herr hat unsere Schritte gelenkt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>D. Georg Kretschmar<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erzbischof der ELKRAS (Ev.-luth. Kirche in Ru\u00dfland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien)<\/strong><\/p>\n<p><strong>St. Petersburg<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fax-Nr.: 007 812 3 10 26 65<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:kanzlei@elkras.convey.ru\"><strong>E-Mail: kanzlei@elkras.convey.ru<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahrstag | 1. Januar 2001 | Spr\u00fcche 16,1-9 | Georg Kretschmar | Liebe Gemeinde! 1. Nach dem Tode Davids wurde sein Sohn Salomo K\u00f6nig. Kurze Zeit sp\u00e4ter hatte er in einem altisraelitischen Heiligtum einen merkw\u00fcrdigen Traum: Gott der Herr stellt ihm einen Wunsch frei. 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