{"id":22128,"date":"2001-01-20T10:47:15","date_gmt":"2001-01-20T09:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22128"},"modified":"2025-03-20T10:50:57","modified_gmt":"2025-03-20T09:50:57","slug":"jesaja-519-16-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-519-16-3\/","title":{"rendered":"Jesaja 51,9-16"},"content":{"rendered":"<h3>4. Sonntag nach Epiphanias | 28. Januar 2001 | Jesaja 51,9-16 | Heinz Janssen |<\/h3>\n<p>9\u00a0<strong>Der HERR greift ein mit Macht und Trost<\/strong><\/p>\n<p>Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat?<\/p>\n<p>10 Warst du es nicht, der das Meer austrocknete, die Wasser der gro\u00dfen Tiefe, der den Grund des Meeres zum Wege machte, da\u00df die Erl\u00f6sten hindurchgingen?<\/p>\n<p>11 So werden die Erl\u00f6sten des HERRN heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.<\/p>\n<p>12 Ich, ich bin euer Tr\u00f6ster! Wer bist du denn, da\u00df du dich vor Menschen gef\u00fcrchtet hast, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen,<\/p>\n<p>13 und hast des HERRN vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegr\u00fcndet hat, und hast dich st\u00e4ndig gef\u00fcrchtet den ganzen Tag vor dem Grimm des Bedr\u00e4ngers, als er sich vornahm, dich zu verderben? Wo ist nun der Grimm des Bedr\u00e4ngers?<\/p>\n<p>14 Der Gefangene wird eilends losgegeben, da\u00df er nicht sterbe und begraben werde und da\u00df er keinen Mangel an Brot habe.<\/p>\n<p>15 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der das Meer erregt, da\u00df seine Wellen w\u00fcten &#8211; sein Name hei\u00dft HERR Zebaoth -;<\/p>\n<p>16 ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner H\u00e4nde geborgen, auf da\u00df ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gr\u00fcnde und zu Zion spreche: Du bist mein Volk.<\/p>\n<p><em>Die in der Predigt zitierten kursiv geschriebenen Bibeltexte k\u00f6nnen von einer anderen Stimme \u00fcbernommen werden, um den Zuspruchcharakter der Botschaft des &#8222;Evangelisten des Alten Testaments&#8220; (Jesaja 40-55) hervorzuheben.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eGott greift ein mit Macht und Trost\u201c, so lautet die \u00dcberschrift \u00fcber den Predigttext in der Bibel\u00fcbersetzung von Martin Luther. Der heutige 4.Sonntag nach Epiphanias hat Gottes \u00fcberlegene Macht \u00fcber die Naturm\u00e4chte zum Thema, was auch das Sonntagsevangelium von der Stillung des Sturmes durch Jesus veranschaulichen will. Als der Sturm gestillt war, sprach Jesus: \u201eWas seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?\u201c (Markus 4,40) Wie die Geschichte von der Sturmstillung, so ruft uns auch der Predigttext zum Vertrauen auf Gottes Macht &#8211; damit alle Furcht weicht. I. Wir h\u00f6ren diesen prophetischen Text aus dem Buch Jesaja einen Tag nach dem 56.Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager von Auschwitz. Aus der israelitisch-j\u00fcdischen Glaubenstradition stammt der Text, aus der Hebr\u00e4ischen Bibel, dem Ersten Testament, wie viele heute betonen. Wie kann man nach Auschwitz von Gott und seiner Macht reden? &#8211; Und da sind auch die fast t\u00e4glichen Meldungen von Katastrophen und Zerst\u00f6rungen, die uns mit der Frage nach der Gerechtigkeit konfrontieren, und immer gegenw\u00e4rtig sind nicht zuletzt die pers\u00f6nlichen N\u00f6te, die Lebensschicksale jedes einzelnen Menschen.<\/p>\n<p>Ob auf der Welt Dinge geschehen, die Gott weder verursacht hat noch zu verhindern vermag? Auch als Christen stehen wir &#8211; wie damals das j\u00fcdische Volk &#8211; vor so schrecklichen Katastrophen fassungslos.<\/p>\n<p><em>\u201eWach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN!\u201c<\/em>\u00a0&#8211; Mit einem Hilferuf an den \u201eArm Gottes\u201c beginnt der prophetische Text. Vielleicht haben wir es vorhin beim H\u00f6ren schon gesp\u00fcrt, wie dieser Text aus der Tiefe, aus der Bedr\u00e4ngnis menschlicher Existenz, kommt. \u201eArm Gottes\u201c, das ist in der Hebr\u00e4ischen Bibel ein Bild f\u00fcr St\u00e4rke, Kraft und Macht Gottes.<\/p>\n<p>Die Israeliten haben es schon als Kinder gelernt, wie das mit den Anf\u00e4ngen ihrer Geschichte: Gott hat sich am Anfang m\u00e4chtig erwiesen, als er die Israeliten aus \u00e4gyptischer Knechtschaft befreit hat und sie heil durch das Meer in die Freiheit f\u00fchrte.\u00a0<em>\u201eWach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN!\u201c<\/em>\u00a0Die so um Hilfe riefen, waren gefangene Jud\u00e4er in Babylon, im 6.Jahrhundert vor Christus. Ihre Gefangenschaft brachten sie in Verbindung mit der einstigen \u201eGefangenschaft\u201c ihrer V\u00e4ter und M\u00fctter in \u00c4gypten. Ihre Hoffnung auf Befreiung mit der einstigen Rettungs- und Befreiungstat Gottes am Schilfmeer:\u00a0<em>\u201eWarst du es nicht,&#8230; der den Grund des Meeres zum Wege machte, da\u00df die Erl\u00f6sten hindurchgingen?\u201c \/ \u201eSo werden die Erl\u00f6sten des HERRN heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen\u201c<\/em>\u00a0(V.10f.).<\/p>\n<p>II. Mit ihrer Empfindung, Gott aufwecken zu m\u00fcssen, verband sich offensichtlich das Gef\u00fchl, Gott schlafe und k\u00fcmmere sich nicht um die Not seines Volkes &#8211; ganz im Gegensatz zu der Wahrnehmung des betenden Menschen von Psalm 121:\u00a0<em>\u201eSiehe, der H\u00fcter Israels schl\u00e4ft noch schlummert nicht&#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie oft hat Israel jenem Gef\u00fchl des Von &#8211; Gott &#8211; Verlassenseins in den Gottes-diensten, an den Wasserfl\u00fcssen Babylons Ausdruck verliehen, seine Verzagt-heit vor Gott gebracht, seine Klagen \u00fcber die hereingebrochene Katastrophe, \u00fcber den Verlust und die Verw\u00fcstung des Landes, die Zerst\u00f6rung Jerusalems und des Tempels, dem Symbol f\u00fcr Hoffnung und N\u00e4he Gottes.<\/p>\n<p>So konkret ist dieser Bibeltext, so in das Leben verflochten, gerade nicht \u00fcber dem Alltag unseres Lebens schwebend! Voller Sehnsucht, aber auch schon in der Gefahr zu resignieren, blicken die Geschlagenen zur\u00fcck auf Gottes fr\u00fchere Macht &#8211; auf Gottes Sch\u00f6pfung, wie er das Chaos b\u00e4ndigte. Mit kr\u00e4ftigen Bildern unter Einbeziehung babylonischer Sch\u00f6pfungsmythen, wird Gott an seine einstige \u00dcberlegenheit erinnert:\u00a0<em>\u201eWarst du es nicht, der Rahab<\/em>\u00a0&#8211; Symbol f\u00fcr das Chaos &#8211;\u00a0<em>zerhauen und den Drachen<\/em>\u00a0&#8211; Symbol f\u00fcr das B\u00f6se &#8211;\u00a0<em>durchbohrt hat?\u201c<\/em>\u00a0Sie denken daran, wie Gott hilfreich in die Geschichte seines Volkes eingegriffen hat &#8211; damals am Meer, als die in \u00c4gypten Geschundenen den Boden der Freiheit betreten durften.<\/p>\n<p><em>\u201eAn den Wassern zu Babel sa\u00dfen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten&#8230;\u201c<\/em>, hei\u00dft es in Psalm 137. Kennen wir nicht alle mehr oder weniger solche Gef\u00fchle des Verzagtseins und des R\u00fcckblicks auf bessere Zeiten? Bedenken wir, wie unsere \u201e\u00e4lteren\u201c Schwestern und Br\u00fcder damals in babylonischer Gefangenschaft sa\u00dfen und weinten. Ihre Situation, ihr Trauern und Seufzen, ging an Gott nicht vor\u00fcber. Gott vergewissert sein Volk:\u00a0<em>\u201eIch, ich bin euer Tr\u00f6ster&#8230;\u201c<\/em>\u00a0Indem der Prophet das Ich Gottes so betont, will er die Aufmerksamkeit des niedergeschlagenen Volkes dorthin weisen, von woher ihm wirklich geholfen werden kann: auf Gott.<\/p>\n<p>Der israelitisch-j\u00fcdische Gottesname bedeutet nach einer sch\u00f6nen Umschreibung des j\u00fcdischen Religionsphilosophen Martin Buber: Gott ist f\u00fcr euch, ist f\u00fcr euch da. &#8211; Wenn es uns z.B. in der Konfirmandenzeit oder in der Arbeit der anderen kirchlichen Gruppen nur gelingt, dies zu \u201ebuchstabieren\u201c: Gott ist f\u00fcr uns, ist f\u00fcr uns da! Im vielstimmigen Chor der Heilszusagen Gottes klingt der Cantus firmus hindurch: dass die Mutlosen ermutigt werden und f\u00fcr die Gefangenen bald die Zeit der Befreiung anbricht, ein nach der Befreiungsnacht in \u00c4gypten zweiter, ein neuer Exodus. \u201eDie W\u00fcste wird bl\u00fchen&#8230;\u201c, hei\u00dft es in einem neueren Lied.\u00a0(Hier kann der Kantor\/die Kantorin das Lied intonieren, vielleicht auch mit der Gemeinde singen.)<\/p>\n<p>III. Wege werden sich auftun&#8230; &#8211; Gott ermutigt in dem alten Prophetenwort zur Furchtlosigkeit:\u00a0<em>\u201eWer bist du denn, da\u00df du dich vor Menschen gef\u00fcrchtet hast, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen und hast Gott vergessen, der dich geschaffen hat&#8230;Wo ist nun der Grimm des Bedr\u00e4ngers? Der Gefangene wird eilends losgegeben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nicht alle haben damals auf die Trostbotschaft geh\u00f6rt &#8211; das ist heute nicht anders. Aber jenen, die sie h\u00f6rten und sie auch heute zu Herzen nehmen, gab und gibt sie Kraft &#8211; gerade angesichts vieler Bedr\u00e4ngnisse &#8211; Kraft und Hoffnung zum Weitergehen. Gott kommt auch noch heute vielf\u00e4ltig, oft unscheinbar zu uns in unsere Not und spricht:\u00a0<em>\u201eIch, ich bin euer Tr\u00f6ster&#8230;\u201c<\/em>\u00a0&#8211; Was bringt dieser Zuspruch bei uns zum Klingen &#8211; bei Kindern, Jugendlichen, Erwachse-nen? Auf welche pers\u00f6nlichen Notsituationen f\u00fchlen wir uns angesprochen? &#8211; Ich bin dankbar f\u00fcr diese Botschaft. Wir wollen die Menschen gerade in diesen Tagen nicht vergessen, denen wir sie verdanken.<\/p>\n<p>Gott tr\u00f6stet &#8211; das bedeutet im biblischen Sinn: Gott richtet auf. Das hebr\u00e4ische Wort bezeichnet auch ein heftiges Atmen und tiefes Seufzen. So sehr ist es diesem Gott darum zu tun, uns aufzurichten, jeden einzelnen Menschen, seine Gesch\u00f6pfe, sein Volk und seine Gemeinde. Gott hat daf\u00fcr seine Boten, seine Engel. Vielleicht meldet sich &#8222;dein Engel&#8220; mit einem unverhofften Brief, einem Telefonanruf, einer e-Mail und nimmt im richtigen Augenblick Verbindung mit dir auf.<\/p>\n<p>Da kann der Zuspruch Gottes pl\u00f6tzlich ganz konkret werden:\u00a0<em>\u201eIch, ich bin euer Tr\u00f6ster\u201c<\/em>, spricht Gott. Diesen \u201eTrost des Evangeliums\u201c, den wir schon aus dem Alten Testament h\u00f6ren und in den sich Jesus hineingestellt hat, meint auch der einladende Wochenspruch (Psalm 66,5): &#8222;Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern\u201c. Amen.<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge: Gott gab uns Atem (EG 432), Laudate omnes gentes (EG 181.6), Singet dem Herrn ein neues Lied (EG 287)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Heinz Janssen, Pfarrer an der Providenz-Kirche zu Heidelberg und Lehrbeauftragter f\u00fcr AT (Universit\u00e4t Frankfurt\/M.)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Evang. Pfarramt Providenz<\/strong><\/p>\n<p><strong>Karl-Ludwig-Str.8a<\/strong><\/p>\n<p><strong>69117 Heidelberg<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:providenz@aol.com\"><strong>e-mail: providenz@aol.com<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag nach Epiphanias | 28. Januar 2001 | Jesaja 51,9-16 | Heinz Janssen | 9\u00a0Der HERR greift ein mit Macht und Trost Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des HERRN! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat? 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