{"id":22130,"date":"2001-01-20T10:51:00","date_gmt":"2001-01-20T09:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22130"},"modified":"2025-03-20T10:53:28","modified_gmt":"2025-03-20T09:53:28","slug":"jesaja-519-16-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-519-16-4\/","title":{"rendered":"Jesaja 51,9-16"},"content":{"rendered":"<h3>4. Sonntag nach Epiphanias | 28. Januar 2001 | Jesaja 51,9-16 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p>9 Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des Herrn! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat?<\/p>\n<p>10 Warst du es nicht, der das Meer austrocknete, die Wasser der gro\u00dfen Tiefe, der den Grund des Meeres zum Wege machte, da\u00df die Erl\u00f6sten hindurchgingen?<\/p>\n<p>11 So werden die Erl\u00f6sten des Herrn heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.<\/p>\n<p>12 Ich, ich bin euer Tr\u00f6ster! Wer bist du denn, da\u00df du dich vor Menschen gef\u00fcrchtet hast, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen, 13 und hast des Herrn vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegr\u00fcndet hat, und hast dich st\u00e4ndig gef\u00fcrchtet den ganzen Tag vor dem Grimm des Bedr\u00e4ngers, als er sich vornahm, dich zu verderben? Wo ist nun der Grimm des Bedr\u00e4ngers?<\/p>\n<p>14 Der Gefangene wird eilends losgegeben, da\u00df er nicht sterbe und begraben werde und da\u00df er keinen Mangel an Brot habe.<\/p>\n<p>15 Denn ich bin der Herr, dein Gott, der das Meer erregt, da\u00df seine Wellen w\u00fcten &#8211; sein Name hei\u00dft Herr Zebaoth -;<\/p>\n<p>16 ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner H\u00e4nde geborgen, auf da\u00df ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gr\u00fcnde und zu Zion spreche: Du bist mein Volk.<\/p>\n<p>&#8222;Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des Herrn!&#8220;- so m\u00f6chte auch ich rufen, doch mit wem sollte ich rufen, welche Menschen, welche Gruppe kann diesem Weckruf des Volkes Gottes heute noch Stimme geben. Wer will sich heute auf diese Erz\u00e4hlungen einlassen? Wohin kann heute die Geschichte von Gottes Rettungstat, diese Wundererz\u00e4hlung vom Durchzug durch das Meer, f\u00fchren? Wer beschw\u00f6rt in unserer Zeit Gottes starken Arm, seine hilfreiche Hand \u00fcber dem Wasser?<\/p>\n<p>&#8222;Wach auf&#8220; ! Wer h\u00f6rt auf diese Geschichten, wer geh\u00f6rt zu dem Volk der H\u00f6renden und Staunenden? Der Statistik nach vielleicht Sie und ich. Aber wie lange ist Papier noch geduldig? Sicher, Gottes Geschichten k\u00f6nnen immer wieder die unseren werden, vielleicht wenn sich zwischen Menschen pl\u00f6tzlich ein Meer auftut und sie trockenen Fu\u00dfes an allen Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen und Sprachbarrieren vorbei hindurchgehen k\u00f6nnen bis an ein fremdes Ufer. Oder wenn wir pl\u00f6tzlich Gottes Sohn begegnen, der mit uns geht, das Brot uns bricht und sich gegen Abend bitten l\u00e4\u00dft, bei uns zu bleiben \u00fcber den Tag hinaus.<\/p>\n<p>Geh\u00f6ren wir damit schon zum Volk Gottes? Oder wohin geh\u00f6ren wir dann? Die Stimmen der Modernen sagen: jeder geh\u00f6rt sich selbst. Als ob sie ahnten, wie arm wir mit uns sind. K\u00f6nnte es angesichts solcher Verlorenheit helfen, wenn wir einander zuriefen : &#8222;Wacht auf!&#8220;<\/p>\n<p>Die Erl\u00f6sten m\u00f6gen nach Zion kommen, wir aber werden auf unserem Acker bleiben. Und von redlicher Nahrung kein Spur. Wir, Gefangene, werden hungern und zugrunde gehen auf Boden, der nie unser eigen wird. Auch die Heimat bleibt fremde Welt. Wach genug sind wir, eben so zwischen hell-und halbwach, allzeit bereit f\u00fcr das Hin-und Her zwischen dem, was heute noch Pflicht ist und vielleicht morgen schon unerw\u00fcnschte K\u00fcr.<\/p>\n<p>Wie wenn wir pl\u00f6tzlich nicht mehr auf der Tagesordnung stehen, nicht mehr vorgesehen sind, weil wir uns nicht genug vorgesehen haben und schon vor der Zeit herausgefallen sind aus der Eile ohne Weile. Mit wem sollen wir loben den Namen des Herrn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang? Wo bleibt der Klang aus weitem Raum und wo die sanfte N\u00e4he, wie sie aus Morgen- und Abendliedern mit der g\u00fcldenen Sonne und dem Mond \u00fcber unserem Schweigen und Singen aufging? Wo ist die Zeit, in der die Stille wachsen konnte, ohne uns damit zu erschrecken, der ruhige Augenblick von Angesicht zu Angesicht? Was kann uns das alles helfen, wenn alles gleich fern und nah, jedes mit jedem gleichzeitig sein soll und gleichg\u00fcltig ist.<\/p>\n<p>In solcher Gleichg\u00fcltigkeit scheint alles unwichtig und zugleich immer wichtiger. Da hilft auch keine Zeit des Wachens oder Schlafens . Keine Stunde darf vers\u00e4umt werden, doch nichts scheint dabei gerade an der Zeit zu sein. Ein Leben im ewigen Augenblick. &#8222;Wach auf!?&#8220;- Mit wem sollen wir rufen, wenn wir doch zur gro\u00dfen Herde der Verlorenen z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich, ich bin euer Tr\u00f6ster! Wer bist Du denn&#8230;? &#8222;In die Trostlosigkeit und Verlassenheit hinein fragt eine Stimme, die uns bekannt vorkommt, die sich in den Weg stellt und sich nicht \u00fcberh\u00f6ren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&#8222;Wer bist du denn, da\u00df du dich vor Menschen gef\u00fcrchtet hast, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen, und hast des Herrn vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegr\u00fcndet hat&#8220;<\/p>\n<p>Ja, wir haben Angst, Angst vor Menschen, Angst vor unseresgleichen. Menschen sind es, die wir f\u00fcrchten, keine himmlischen Gewalten! Trauen wollen wir keinem von uns. Vielen haben wir uns anvertraut und waren nur zu wenigen ehrlich , am wenigsten zu uns selbst. Die gr\u00f6\u00dfte Furcht ist die vor Worten, denen wir nicht gewachsen sind. Darum haben wir auch Gott und sein Wort vergessen- lieber schnell vergessen, als langsam erinnert.<\/p>\n<p>Wir f\u00fcrchten Gott und die Menschen, weil wir uns nur zu gut zu kennen meinen. Verdr\u00e4ngen m\u00f6chten wir, was uns an Gott erinnern k\u00f6nnte, vor allem die Hilfsbed\u00fcrftigkeit, unsere und seine, Gottes Ohnmacht am Kreuz von Golgatha. Doch je mehr uns dies gelingt, von uns selbst und von Gott ganz abzusehen, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Angst, desto mehr f\u00fcrchten wir, wie das Gras zu vergehen.<\/p>\n<p>&#8222;Wer seid Ihr?&#8220; Wir sind die, die bald im Grase verschlafen h\u00e4tten. Nicht Gott hat geschlafen, sondern wir auf dieser Erde, auf der er uns zum Leben einl\u00e4dt: &#8222;Ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner H\u00e4nde geborgen, auf da\u00df ich den Himmel von neuem ausbreite und die Erde gr\u00fcnde und zu Zion spreche: Du bist mein Volk.&#8220;<\/p>\n<p>D u tr\u00f6stest uns, lieber Gott, da\u00df wir reden k\u00f6nnen mit dem Wort, welches du in unseren Mund gelegt hast und da\u00df wir mit Deinem Wort verstanden werden. Wenn Du nur Deine Zusage wahrmachst und auch anderen Worte geben willst, Worte f\u00fcr Dein Volk, f\u00fcr Tausende M\u00fcnder, aber von einem Geist. Da k\u00f6nnen die Stimmen wieder viele werden und ein gro\u00dfer Sang und Klang. Leben m\u00f6chten wir mit Dir, als Dein Volk und Deine Kinder. Ohne Dich w\u00fcrden wieder verschlafen. Darum weck uns alle Morgen und breite Dein Zelt \u00fcber uns aus.<\/p>\n<p>Glauben m\u00f6chten wir aus vollem Herzen, da\u00df Du Deinen Sohn auferweckt hast an einem neuen Morgen. Jeden Tag m\u00f6chten wir mit Dir beginnen, der Du jeden Morgen neu machen kannst.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Friedrich Seven<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Winkel 6<\/strong><\/p>\n<p><strong>37412 Scharzfeld<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\"><strong>E-mail: friedrichseven@compuserve.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag nach Epiphanias | 28. Januar 2001 | Jesaja 51,9-16 | Friedrich Seven | 9 Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des Herrn! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! 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