{"id":22132,"date":"2001-01-20T10:53:35","date_gmt":"2001-01-20T09:53:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22132"},"modified":"2025-03-20T10:55:34","modified_gmt":"2025-03-20T09:55:34","slug":"johannes-45-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-45-14-2\/","title":{"rendered":"Johannes 4,5-14"},"content":{"rendered":"<h3>3. Sonntag nach Epiphanias | 21. Januar 2001 | Johannes 4,5-14 | Uwe Erdmann |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ich kann mich noch erinnern, kann sogar das Gef\u00fchl noch beschreiben, als ich nach einer langen Wanderung meine Stiefel auszog und meine F\u00fc\u00dfe in einen k\u00fchlen Bach hielt. Alle Ersch\u00f6pfung, die ganze Hitze des Weges schien wie weggeblasen. Vielleicht kennen Sie das ja auch, wie ein k\u00fchler Wasserstrahl \u00fcber F\u00fc\u00dfe oder Arme gegossen, einen erfrischen kann. Herrlich, wie das k\u00fchle Na\u00df die Anstrengungen vergessen l\u00e4\u00dft, wie sich eine neue Frische in einem ausbreitet. Nur wenige Kilometer sp\u00e4ter war es ein anderer Bachlauf, aus dem wir dann Wasser gesch\u00f6pft und getrunken haben. K\u00fchl, frisch und lecker war es. Ja, es gab schon Zeiten, in denen man so ganz einfach und unbesehen aus einem Bach trinken konnte.<\/p>\n<p>Erfrischungen dieser Art halten Minuten, manchmal auch f\u00fcr Stunden an, dann geht das gleiche Sehnen wieder von vorn los.<\/p>\n<p>Was ich an diesen kleinen Erlebnissen so besonders finde, das ist die Tatsache, da\u00df sich mit mir etwas tut, wenn ich die F\u00fc\u00dfe in den kalten Bach halte, wenn ich Wasser trinke. Es stellt sich ein Wohlbefinden ein, es ist sch\u00f6n, es tut gut, ich sp\u00fcre wieder neue Kraft in mir wachsen, kann mich wieder auf den Weg machen.<\/p>\n<p>Der Evangelist Johannes erz\u00e4hlt im 4. Kapitel seines Evangeliums eine Geschichte, die mit erfrischendem Wasser zu tun hat. Wir wollen sie uns einmal anh\u00f6ren:<\/p>\n<p>Joh 4,5-14<\/p>\n<p>5 Da kam er in eine Stadt Samariens, die hei\u00dft Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab.<\/p>\n<p>6 Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus m\u00fcde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde.<\/p>\n<p>7 Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu sch\u00f6pfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!<\/p>\n<p>8 Denn seine J\u00fcnger waren in die Stadt gegangen, um Essen zu kaufen.<\/p>\n<p>9 Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. &#8211;<\/p>\n<p>10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du b\u00e4test ihn, und der g\u00e4be dir lebendiges Wasser.<\/p>\n<p>11 Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du sch\u00f6pfen k\u00f6nntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser?<\/p>\n<p>12 Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh.<\/p>\n<p>13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder d\u00fcrsten;<\/p>\n<p>14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht d\u00fcrsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.<\/p>\n<p>Jesus benennt genau das Problem. Wir m\u00fcssen immer wieder neu Wasser sch\u00f6pfen, uns immer wieder neu um eine Erfrischung bem\u00fchen, die Frau mu\u00df immer wieder, jeden Tag aufs Neue zum Brunnen gehen. Das Wasser, da\u00df sie dort sch\u00f6pft reicht vielleicht f\u00fcr einen Tag, kaum l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Lebendiges Wasser will Jesus ihr geben, Wasser, da\u00df nie versiegen wird, Wasser, das den Durst f\u00fcr immer stillen kann, Wasser, das unersch\u00f6pflich ist. So wird es der Frau angeboten, so wird es uns angeboten.<\/p>\n<p>Wasser, das mehr kann als den normalen Durst l\u00f6schen. Das h\u00f6rt sich gut an, das h\u00f6rt sich interessant an. Wir wissen oder wir ahnen auch schlie\u00dflich, da\u00df das Leben aus mehr besteht, als aus Essen und Trinken.<\/p>\n<p>Sehnen wir uns nicht oft genug nach einem solchen Wasser, nach Kraft und St\u00e4rkung im Leben, zum Beispiel nach einer langen Durststrecke? Sehnen wir uns nicht oft genug nach einer Erfrischung, nach Wegzehrung, die \u00fcber das Sichtbare hinausgeht?<\/p>\n<p>Jesus bietet es an, Jesus, der an den Brunnen gekommen war, um selber um Wasser zu bitten, er wird zum Gebenden. Er hat, er ist das, wonach wir uns sehnen. Er ist das lebendige Wasser. Er will uns davon zu trinken geben, will uns damit erfrischen.<\/p>\n<p>In der Geschichte von der Samaritanerin am Brunnen erfahren wir auch, wie sich dieses lebendige Wasser auswirkt, was es kann, wie es Menschen erfrischt.<\/p>\n<p>Das geht schon gleich am Anfang los, als Jesus, der Jude die Samaritanerin anspricht. Als Jude sprach man damals nicht mit Menschen aus Samaria, als Mann sprach man damals auch keine Frau an. Jesus tut es trotzdem, der Jude Jesus l\u00e4\u00dft sich nicht von Konventionen, von Sitten und Gebr\u00e4uchen, von Urteilen und Vorurteilen abhalten. Schon dieses erste, diese ersten Worte enthalten schon Tropfen dieses kostbaren lebendigen Wassers.<\/p>\n<p>Wenn man \u00fcber Grenzen hinweg sprechen kann, wenn man \u00fcber Verletzungen hinweg Kontakt aufnehmen kann, wenn man auf andere zugehen kann, dann ist es so, als w\u00fcrde dieses lebendige Wasser flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch die Bitte, die Jesus ausspricht, auch die weist schon auf dieses lebendige Wasser hin. Jesus, er bittet, er kommt als Ersch\u00f6pfter, als Bed\u00fcrftiger. Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr er unter der Mittagshitze leidet, die Sonne brennt dort hei\u00dfer als in unseren Breiten. Er bittet um Wasser und wird am Ende zum Gebenden. Er kann seine Ersch\u00f6pfung zugeben, er mu\u00df nicht stark sein, nicht unbezwingbar, nicht perfekt. Er kann bitten, sich \u00f6ffnen, er geh\u00f6rt nicht zu jenen, die meinen, sie k\u00f6nnen, sie m\u00fcssen alles allein schaffen.<\/p>\n<p>In letzter Konsequenz hei\u00dft das, wenn ich von dem lebendigen Wasser trinke, wenn ich mich davon erfrischen lasse, dann kann ich auch meine Schuld eingestehen, meine Fehler, mein Versagen, mein Nicht k\u00f6nnen. Und dies nicht, weil ich nichts tauge, weil nichts auf die Reihe bringe, sondern, weil ich in mir ruhen kann. Weil ich die Wirklichkeit so annehmen kann, wie sie ist. Ich mu\u00df mich nicht mit irgendwelchen Ersatzstoffen zufrieden stellen, ich kann und darf bei der Wirklichkeit bleiben.<\/p>\n<p>&#8220; Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht d\u00fcrsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.&#8220;<\/p>\n<p>Mit diesem letzten Vers unseres Abschnitts geht Jesus noch ein ganzes St\u00fcck weiter. Er bietet sein lebendiges Wasser, da\u00df zum Ende hin \u00fcber alles Leben hinausragen wird. Es wird in das ewige Leben quellen. Die Grenze des Todes ist hier angesprochen. Was im Leben hilft, das h\u00f6rt auch im Tod nicht auf. So umgreift Jesu Gabe mehr als nur den kleinen Alltag. Da wirkt es bereits, aber es reicht viel weiter.<\/p>\n<p>Dieses lebendige Wasser erfrischt seit Urzeiten Menschen, es st\u00e4rkt immer wieder aufs neue Menschen. Wie nach einer langen Wanderung mit den F\u00fc\u00dfen im k\u00fchlen Bach. Nicht nur f\u00fcr einen kleinen Augenblick, sondern bis in alle Ewigkeit hinein.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Uwe Erdmann, Hemmoor<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:uwe.erdmann@t-online.de\"><strong>E-Mail: uwe.erdmann@t-online.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Epiphanias | 21. 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