{"id":22136,"date":"2001-01-20T10:57:48","date_gmt":"2001-01-20T09:57:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22136"},"modified":"2025-03-20T11:00:20","modified_gmt":"2025-03-20T10:00:20","slug":"markus-218-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-218-20-2\/","title":{"rendered":"Markus 2,18-20"},"content":{"rendered":"<h3>2. Sonntag nach Epiphanias | 14. Januar 2001 | Markus 2,18-20 | Wolfgang Petrak |<\/h3>\n<p><em>18, Und die J\u00fcnger des Johannes und die Pharis\u00e4er fasteten; und es kamen Leute zu ihm, die sprachen: Warum fasten die J\u00fcnger des Johannes und die der Pharis\u00e4er und deine J\u00fcnger nicht?<\/em><\/p>\n<p><em>19, Und Jesus sprach zu ihnen: Wie k\u00f6nnen die Hochzeitsg\u00e4ste fasten, w\u00e4hrend der Br\u00e4utigam bei ihnen ist? So lange sie den Br\u00e4utigam bei sich haben, k\u00f6nnen sie nicht fasten.<\/em><\/p>\n<p><em>20, Es werden aber Tage kommen, wann der Br\u00e4utigam von ihnen weggenommen sein wird; dann werden sie fasten, an jenem Tag.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Zeiten und das Essen. Weihnachten ist gewesen. Jetzt in der Epiphaniaszeit vermeint man zu sp\u00fcren, wie bereits die Tage l\u00e4nger werden. Die Passionszeit wird kommen. Und dann Ostern, das Fest. Und damit der Fr\u00fchling, das neue Leben.<\/p>\n<p>Ja, es gibt Zeiten, in denen man gern i\u00dft. Und viel, zugegeben. Es gibt Zeiten, in denen gefastet wird, zumindest bem\u00fcht man sich darum. Und: Es gibt Zeiten, in denen der Herr so nah zu sein scheint. Und dann gleich wieder so fern: Wie ist er erkennbar, was ist sein Wille, worauf l\u00e4uft mein Leben hinaus, am Anfang des Jahres 2001 und \u00fcberhaupt. Deshalb gehe ich den Zeiten nach, meinen und anderen.<\/p>\n<p><strong>1784<\/strong>: Herder hat Ideen zur Philosophiegeschichte der Menschheit geschrieben. Indes sagt der Schriftsteller Johann Georg Hamann zu diesem Zeitpunkt: \u201eDas erste Gebot hei\u00dft: du sollst essen\u201c. Wenn ich diesen Satz heute lese, mu\u00df ich lachen. Fr\u00f6hlich. Erfahrungen fallen mir ein. Wie wir anfang der Sechziger bei der Tante zum Fernsehen eingeladen waren. Da gab es Schnittchen: Tatar mir Zwiebeln und Gurken auf Gersterbrot, Schweizer K\u00e4se auf Schwarzbrot. Und dazu Butter. Und Dunkelbier f\u00fcr uns Kinder, Korn f\u00fcr die Erwachsenen. Das war was anderes f\u00fcr einen, der sonst Marmeladenbrot mit Margarine oder Kochk\u00e4se kannte, fast schon paradiesisch. Zumal nach der Tagesschau noch das \u2018Halstuch\u2019 gesehen werden durfte: ein bi\u00dfchen Spannung, ein bi\u00dfchen Abgrund, und dazu das wohlige Gef\u00fchl im Bauch. Es verbindet sich mit jenem Bild aus der Sch\u00f6pfungsgeschichte: \u201eDu darfst essen\u201c, wurde dem Menschen gesagt. \u201eNa klar, sagte der und a\u00df vom Baum der Erkenntnis. Und dann&#8230;<\/p>\n<p><strong>25.12.2000, 15.00 Uhr<\/strong>. Es hat gut geschmeckt. Wolfram Siebeckes Frage in \u2018LEBEN\u2019, \u201eWeihnachten ohne G\u00e4nsebraten ist f\u00fcr mich wie&#8230;\u201c, ist f\u00fcr mich eine rhetorische Frage. Nat\u00fcrlich hat es G\u00e4nsebraten gegeben. Hinterher, als alle angesichts der F\u00fclle und des schon d\u00e4mmrigen Lichts ihren Mittagsschlaf halten, schalte ich den Fernseher an, gie\u00dfe noch einmal von dem Rotwein ein, nehme einen vollen Schluck, schalte den Apparat wieder ab, weil es doch nichts Vern\u00fcnftiges gibt, nehme noch einen Schluck und lasse in Gedanken den Abend zuvor wach werden: die vertrauten Lieder und das Licht und die W\u00e4rme, die von dieser Geschichte ausgeht. \u201eEs begab sich aber zu der Zeit, da\u00df&#8230;\u201cdie Geburt des Kindes und die L\u00e4ufe unserer Zeit. Alles hat seinen Anfang in gott. Sch\u00f6pfung. Am liebsten w\u00fcrde ich jetzt Cat Stevens im wohnzimmer h\u00f6ren. Morning has broken. Aber das st\u00f6rt. Also noch einen winzigen Schluck Navarra und nicht im geschenkten Krimi, sondern wie fr\u00fcher bei Wilhelm Busch gebl\u00e4ttert. Zufallig lese ich nach der \u201eFrommen Helene\u201c dieses Gedicht:<\/p>\n<p><em>Da kommt mir eben so ein Freund\/mit einem gro\u00dfen Zwicker.\/\u201cEi\u201c, ruft er, \u201eFreundchen, wie mir scheint,_\/Sie werden immer dicker.<\/em><\/p>\n<p><em>Jaja, man wei\u00df oft selbst nicht wie,\/So kommt man in die Jahre;\/Pardon, mein Schatz, hier haben Sie\/ Schon eins, zwei graue Haare!\u201c-<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eHinaus, verdammter Kritikus,\/sonst schmei\u00df ich dich in Scherben.\/Du Schlingel willst mir den Genu\u00df\/Der Gegenwart verderben\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Ich denke: Genau! Oder wie hei\u00dft es doch \u00fcber den Augenblick: \u201eVerweile doch\u201c. Oder etwas unprosaischer: \u201eSo ein Tag, so wundersch\u00f6n wie heute\u201c. Die Augen werden schwerer.<\/p>\n<p><strong>9.1.2001, 22.30 Uhr<\/strong>. Tageschau. Gesundheitsministerin Fischer und Landwirtschaftsminister Funke sind zur\u00fcckgetreten. Man merkt ihr selbst am Bildschirm an, wie nah ihr die Entscheidung geht, wie die eigenen Ziele und Ideale im Gegensatz zu der Realit\u00e4t stehen. Von ihm ist zu sp\u00fcren, wie nah er den Bauern zu sein versucht, wie er vergeblich versucht hat, die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft politisch aufzunehmen und sich zu ihrem Anwalt zu machen, ohne die notwendige \u00f6kologische Orientierung zu vernachl\u00e4ssigen. Aber: Es h\u00e4tte fr\u00fchzeitiger vorausgesehen werden k\u00f6nnen, da\u00df BSE auch bei uns auftreten wird. Und es h\u00e4tte, so ein Kommentar, erkannt werden m\u00fcssen, die industriealisierte Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion ihren GAU hat. Ein weiterer BSE-Fall wird aus W\u00fcrtemberg gemeldet, das Tier stammt aus Bayern.<\/p>\n<p>Es ist so unheimlich, da\u00df weder die Ursachen noch die folgen klar sind. Ein entscheidender Grund wird die Verwendung von Tiermehl als Kraftfutter sein. Aber nur dieses? Andererseits: Wei\u00df ich, was ich gegessen habe und welche folgen das haben wird? Kann man, darf man wirklich von einem GAU sprechen? Wo ist die Grenze zwischen Beunruhigung und ungerechtfertigter Panik? Mu\u00df das wirklich sein, das alle Tiere eines Bestandes get\u00f6tet werden, wenn sich bei einem Tier der Verdacht best\u00e4tigt hat? Oder fordert eine s\u00e4kulare Gesellschaft s\u00e4kulare Opfer, damit letztlich alles so weitergehen kann wie bisher? Wohl sind Minister politisch verantwortlich f\u00fcr die Fehler ihrer B\u00fcrokratien. Doch mit einem R\u00fccktritt sind die Ursachen nicht behoben. Denn sie liegen beim Verbraucher. Und das bin ich, der mit seinen preislichen Erwartungen Wiederk\u00e4uer zu Kannibalen werden lie\u00df. Der Genu\u00df der Gegenwart &#8211; nicht ganz frei nach Wilhelm Busch &#8211; verdirbt das Leben.<\/p>\n<p><strong>10.1.2001<\/strong>. Am Ende der Routineuntersuchung wird gesagt: \u201eLassen Sie sich vorn ein Rezept geben. Aber Sie m\u00fcssen anders leben\u201c.<\/p>\n<p><strong>1784<\/strong>. J.G.Hamann schreibt: \u201eWeh uns, wenn es auf uns ankommen sollte, erst Sch\u00f6pfer, Erfinder und Schmiede unseres k\u00fcnftigen Gl\u00fccks zu werden\u201c.<\/p>\n<p><strong>30 n.Chr<\/strong>\u00a0(oder fr\u00fcher oder sp\u00e4ter: ich wei\u00df nicht genau): Die J\u00fcnger des Johannes fasten. Weil das Reich Gottes kommen soll. Weil man die Welt mit ihren Zusammenh\u00e4ngen und das Leben mit seinen Produktionsweisen deshalb verlassen mu\u00df. Statt gewohnter F\u00fclle in der Stadt die Existenz in der W\u00fcste. Fasten: Auf \u00fcberfl\u00fcssige Pfunde verzichten, gewi\u00df, aber das ist nur \u00e4u\u00dferlich. Es geht darum, von sich aus liebgewohnte Gewohnheiten aufzugeben, ja sich in seine bisherigen Anspr\u00fcchen zu dem\u00fctigen, um dem HERRN zu zeigen, wie ernst man es mit der Umkehr meint. Sich zumindest am Vers\u00f6hnungstag, dem Tag des Opfers zu reinigen, damit alles neu werde. Damit man Ihn f\u00fcr sich einnehmen kann, das hat was f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Die J\u00fcnger des Johannes fasten deshalb. Die Pharis\u00e4er auch, manchmal. Obwohl von alters her der Wein und der Weinstock ein Zeichen f\u00fcr den kommenden Messias ist, f\u00fcr IHN. So w\u00e4re ja auch die Hochzeit zu Kana nichts Gescheites gewesen, ohne entsprechenden Wein. Und wenn es so ist, da\u00df der Br\u00e4utigam einen ausgibt, dann halten alle mit, nicht nur die Brautfamilie. Statt zu entsagen soll etwas Neues beginnen: vom Gegebenen zu leben. Und durch Ihn. Und zu Ihm hin.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Als aber die Zeit erf\u00fcllet war<\/strong>, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erl\u00f6ste, damit wir die Kindschaft empfingen \u201e(Gal. 4,4f). Es wird uns gegeben, und wir d\u00fcrfen empfangen. Um anders zu werden, das Leben neu zu verstehen.<\/p>\n<p>Es sind nicht die Produktionsverh\u00e4ltnisse, nicht die selbst geschaffenen scheinbaren Freir\u00e4ume des Genusses, die uns bestimmen sollen, sondern der, der uns gegeben ist. Sein Leben ist das Geschenk, damit wir unser Leben, unsere Zeit so verstehen. Anders zu werden ohne zu fasten. Deshalb hei\u00dft, so Hamman, das \u201eerste Gebot: du sollst essen. Und das letzte: Kommt, denn es ist alles bereit\u201c. Diese Einladung ergeht auch heute. Am 14.1.2001 an uns. Und wir werden dann vom Tisch gehen k\u00f6nnen, gest\u00e4rkt, um die Sch\u00f6pfung zu empfangen und zu bewahren.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Wolfgang Petrak<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schlagenweg 8a<\/strong><\/p>\n<p><strong>37077 G\u00f6ttingen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tel.:31838<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fax:0551\/31627<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:petri.weende@t-online.de\"><strong>E-Mail: petri.weende@t-online.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Epiphanias | 14. 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