{"id":22170,"date":"2001-11-20T11:44:02","date_gmt":"2001-11-20T10:44:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22170"},"modified":"2025-03-20T11:46:30","modified_gmt":"2025-03-20T10:46:30","slug":"jeremia-84-7-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-84-7-2\/","title":{"rendered":"Jeremia 8,4-7"},"content":{"rendered":"<h3>Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr (Volkstrauertag) | 18.11. 2001 | Jeremia 8,4-7 | Karin Klement |<\/h3>\n<p>PREDIGTTEXT: Jeremia 8, 4 &#8211; 7<\/p>\n<p>So spricht GOTT:<\/p>\n<p>Wo ist jemand, wenn er f\u00e4llt, der nicht gern wieder aufst\u00fcnde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtk\u00e4me?<\/p>\n<p>Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen f\u00fcr und f\u00fcr?<\/p>\n<p>Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen.<\/p>\n<p>Ich sehe und h\u00f6re, dass sie nicht die Wahrheit reden.<\/p>\n<p>Es gibt niemandem, dem seine Bosheit leid w\u00e4re<\/p>\n<p>und der spr\u00e4che: Was habe ich doch getan!<\/p>\n<p>Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinst\u00fcrmt.<\/p>\n<p>Der Storch unter dem Himmel wei\u00df seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen;<\/p>\n<p>aber mein Volk will das Recht Gottes nicht wissen.<\/p>\n<p>VORBEMERKUNGEN<\/p>\n<p>Eine Flut von Bildern \u00fcber Naturgesetze, die bei Mensch und Tier Geltung haben; doch hinter den Worten wird trauriges Erstaunen sp\u00fcrbar, klagende Ratlosigkeit und schmerzliches Unbegreifen: Bei meinem Volk gelten all diese Regeln nicht!<\/p>\n<p>Gott leidet an seinem Volk, an jenen Menschen, die den gemeinsamen Bund pervertiert, ihre Beziehung zu Gott l\u00e4ngst abgebrochen haben. Sie preschen dahin wie ungest\u00fcme Schlachtrosse, eisern festgelegt auf eine Richtung und zur Umkehr nicht f\u00e4hig; als ob die Pferde mit ihnen durchgegangen sind oder sie vom Teufel geritten werden. Ihre Wege sind falsch; diese f\u00fchren in die Irre, in Sackgassen oder auf Abgr\u00fcnde zu. Dennoch halten sie daran fest; als w\u00e4ren ihre Wege die einzig wahren. Sie sind sich scheinbar sicher in ihrer Art Gott zu dienen; doch ER sieht und h\u00f6rt, dass sie Gott und sich selber etwas vor machen. Sie nehmen Gott gar nicht ernst. Sie spielen IHM etwas vor und glauben, Gott merkt es nicht.<\/p>\n<p>Und niemand registriert wirklich, was er\/sie tut und redet; niemand nimmt selbstkritisch zur Kenntnis, was bei ihm\/ihr nicht in Ordnung ist. Die Menschen leben dahin, als g\u00e4be es keinen Gott und ihr Verstand, ihre Lebensklugheit w\u00e4re das H\u00f6chste.<\/p>\n<p>Angesichts der geh\u00e4uften vorwurfsvollen Mahnungen im Text regt sich starker Widerstand in mir: Wer mag sich schon gern pers\u00f6nlich in Frage stellen und dabei unterstellen lassen, er\/sie sei auf dem falschen Wege? Aber genau dort, wo ich so empfindlich reagiere, ist wohl auch ein wunder Punkt getroffen. Muss ich mir das Wort des Propheten nicht erst recht sagen lassen: Wo halte ich unerbittlich fest an meiner Auffassung, \u00fcberzeugt, dass sie allein die Richtige sei? Wo bin ich nicht bereit, mit anderen gemeinsam &#8222;umzukehren&#8220;, mich in aller Selbstgewissheit auch immer wieder hinterfragen zu lassen in meinem Denken, Reden und Handeln? Wo glaube ich, alles selbst in der Hand zu haben (Gottesdienstgestaltung, Dienst gegen\u00fcber Gott im Leben meiner Gemeinden) und erwarte gar nicht mehr, dass da ein Gott ist, der anderes kann und will?<\/p>\n<p>Manchmal braucht es die Provokation (Herausforderung), um f\u00fcr einen Moment inne und Ausschau zu halten nach der richtigen Richtung, damit wir nicht wie die Lemminge gemeinschaftlich in einen Abgrund zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>VOLKSTRAUERTAG &#8211; dieser Kasus steht im Vordergrund meiner beiden d\u00f6rflich strukturierten Gemeinden. Fahnentr\u00e4ger der Vereine werden kommen; am Mahnmal zum Frieden wird an das Unrecht und sinnlose Leiden vergangener Kriege erinnert. Leise, besinnliche T\u00f6ne &#8211; wichtiger, eindr\u00fccklicher als manches heftige, vorw\u00e4rtsst\u00fcrmende Geschrei.<\/p>\n<p>PREDIGT<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Heute ist VOLKSTRAUERTAG &#8211; ein staatlicher Gedenktag zur Erinnerung an die Schrecken der letzten beiden Weltkriege. Ein offizieller Tag der Trauer und der Erinnerung, nicht nur f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen jener Menschen, die in diesen Kriegen zu Tode kamen, sondern f\u00fcr unser ganzes Volk. Aber kann ein ganzes Volk trauern und Schuld erinnern &#8211; zumal, wenn die schmerzlichen Erfahrungen dieser Kriege so lange zur\u00fcckliegen? Ich kann mir gut vorstellen, dass es z.B. euch Konfirmand(inn)en schwer f\u00e4llt, eine direkte Verbindung zwischen dem, was sich damals ereignete, und eurem eigenen Leben zu entdecken. Vielleicht sind eure Gro\u00dfv\u00e4ter noch im Krieg gewesen. Doch, was sie davon erz\u00e4hlen, ist f\u00fcr euch weiter weg als die Schlachtenfilme und historischen Berichte im Fernsehen.<\/p>\n<p>Kann ein Volk auch dann noch \u00fcber die Schrecken des Krieges trauern, Schuld bekennen, wenn es schon in seiner dritten Generation in relativ stabiler Sicherheit und\u00a0<em>ohne Krieg<\/em>\u00a0lebt? Kann es das Entsetzen, die Ohnmacht und das Wissen um Schuld nachempfinden, das durch Bombenterror, Vertreibung oder unmenschliche Grausamkeit gegen\u00fcber Wehrlosen ausgel\u00f6st wurde?<\/p>\n<p>Wir leben derzeit in einem Land ohne Krieg &#8211; aber leben wir in Frieden?? Wohl kaum, denn dazu will es bei uns immer noch nicht reichen. Gewalt herrscht vor in vielen Lebensbereichen &#8211; nicht nur durch \u00e4u\u00dfere Terror-Erfahrungen &#8211; sondern auch innerhalb von Familien, auf Schulh\u00f6fen, in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oder auf den Autobahnen. Unter der zivilisierten Oberfl\u00e4che toleranter Mitmenschlichkeit lodert manches hei\u00dfe Eisen: Von Fremdenfeindlichkeit \u00fcber schonungslosen Konkurrenzkampf, von sozialer Ausgrenzung bis zu neuer Armut bei zahlreichen Arbeitslosen &#8211; all dies hinterl\u00e4sst ein breite Spur des Un-Friedens in unserem Land. Der Krieg ist in Deckung gegangen, aber Frieden ist noch nicht geworden. Stattdessen ver\u00e4ndert sich das urspr\u00fcngliche Bild von KRIEG.<\/p>\n<p>Einst wurden Kriege feierlich erkl\u00e4rt oder zumindest durch politische Entscheidungen er\u00f6ffnet und ebenso beendet. Sogar im Chaos von 1945 gab es Gener\u00e4le, die f\u00fcr das geschlagene deutsche Reich eine f\u00fcr alle Soldaten und Zivilisten verbindliche Kapitulation unterzeichnen konnten. Heute eskalieren einzelne Terrorakte zwischen verschiedenen Gruppierungen, die nicht unbedingt identisch sind mit einem Volk. Es wird aus dem Untergrund heraus gek\u00e4mpft, ausgerichtet auf ein idealisiertes Ziel, verbunden mit pers\u00f6nlichen Machtinteressen, ohne verbindliche Regeln f\u00fcr die jeweiligen Gegner. Ein &#8222;erfolgreiches&#8220; Attentat gilt z.B. als Legitimation f\u00fcr den gewaltsamen Gegenschlag. Die alttestamentliche Eingrenzung von gegenseitiger Gewalt &#8211; &#8222;Auge um Auge, Zahn um Zahn&#8220; &#8211; dient jetzt einem kaum mehr begrenzten Ausleben von nationalen oder pers\u00f6nlichen Rachegel\u00fcsten.<\/p>\n<p>Eine Form von\u00a0<em>&#8222;privatisierter Gewalt<\/em>\u00a0in unterschiedlicher Mischung aus fundamentalistischem Fanatismus und simpler Kriminalit\u00e4t&#8220; nennt der Politiker Erhard Eppler die wechselseitigen Mordanschl\u00e4ge im Nahen Osten, das Gemetzel zwischen Tutsis und Hutus in Ruanda, das Kidnapping von Touristen durch die &#8222;Rebellen&#8220; der Abu Sayyaf oder verschiedene andere sogenannte &#8222;Befreiungsk\u00e4mpfe&#8220;. Der Krieg hat ausgedient &#8211; jetzt herrscht der Terror! Deshalb f\u00e4llt es mir auch schwer, von einem &#8211; wie auch immer legitimierten &#8211; &#8222;Krieg&#8220; in Afghanistan zu sprechen. Wo sich eine Terrororganisation hinter der offiziellen staatlichen Regierung versteckt, wird die Strategie zu ihrer Bek\u00e4mpfung immer schwieriger und komplexer. Polizei-Arbeit vermischt sich mit milit\u00e4rischen Aktionen. Doch es bleibt fraglich, ob milit\u00e4rische Eins\u00e4tze erfolgreich sind, selbst wenn sie mit Lebensmittelabw\u00fcrfen f\u00fcr das Volk &#8222;schmackhafter&#8220; gemacht werden; es bleibt ungewiss, ob sie die gesuchten fanatischen M\u00f6rder treffen und ausschalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Terroranschlag am 11. September auf ein Symbol westlicher Wirtschaftsmacht und stolzen Fortschrittsglauben hat unser lange gepflegtes Sicherheitsgef\u00fchl zutiefst ersch\u00fcttert. Er hat uns daran erinnert, dass wir auf keiner &#8222;Insel der Seligen&#8220; leben, unabh\u00e4ngig vom Leben der Menschen anderer Erdteile. Er hat uns schmerzhaft vor Augen gef\u00fchrt, dass es in dieser Welt weder Frieden, noch Gerechtigkeit und Wohlergehen f\u00fcr alle V\u00f6lker und Menschen gleicherma\u00dfen gibt. Wir k\u00f6nnen nicht mehr \u00fcbersehen, dass wir Verantwortung mittragen f\u00fcr eine notwendige gerechtere Verteilung unserer irdischen Ressourcen. Auf menschliche Weise gerechten Ausgleich und Frieden zu schaffen haben wir leider immer noch nicht gelernt.<\/p>\n<p>Darum ist es an der Zeit, umzukehren von den falschen Wegen, mahnt der Prophet JEREMIA im Auftrage Gottes seine Zeitgenossen. H\u00f6ren wir, was Gott \u00fcber JEREMIA seinem Volk mitteilt:<\/p>\n<ul>\n<li>TEXT &#8211;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist dringend Zeit umzukehren &#8211;\u00a0<em>generell<\/em>, nicht nur in einzelnen Punkten pers\u00f6nlicher Lebensweisheit und Lebensgestaltung. Umzukehren\u00a0<em>radikal<\/em>\u00a0&#8211; sich neu zu orientieren, bis an die Wurzeln des Selbst. Es geht nicht nur um kleinere oder gr\u00f6\u00dfere &#8222;Verbesserungen&#8220; im gemeinschaftlichen oder pers\u00f6nlichen Leben. Nicht nur darum, die Z\u00fcgel straff zu ziehen, um dem dahinpreschenden Leben eine kleine Richtungs\u00e4nderung zu geben. Es geht um viel Grunds\u00e4tzlicheres: um Tod und Leben, ans Ende zu kommen und neu anzufangen.<\/p>\n<p>Wenn Menschen unerwartet an die Grenzen ihres Lebens kommen, herausgerissen werden aus allem, was sie sich in Jahrzehnten aufgebaut haben; wenn Krankheit oder Tod als einzige Perspektive erscheinen, er\u00f6ffnet sich ihnen ein Abgrund &#8211;\u00a0<em>oder<\/em>\u00a0ein v\u00f6llig neuer, radikaler Ausweg, eine Hoffnung, die alles bisher Gewesene sprengt. Mittelwege, Ausfl\u00fcchte sind dann nicht mehr m\u00f6glich. UMKEHR radikal. Ich erinnere General Bastian, einen hohen, verdienten Bundeswehroffizier, der pl\u00f6tzlich eine Kehrtwendung um 180 Grad machte: Vom \u00fcberzeugten Militaristen zum Friedensbewegten Gewaltverzichter. Solche radikale Umkehr liegt nicht in unserer eigenen Hand. Selbst kleinere Ver\u00e4nderungen des allt\u00e4glichen Lebens ben\u00f6tigen manchmal gro\u00dfe Anstrengungen, unterst\u00fctzende Rituale oder Anst\u00f6\u00dfe von au\u00dfen &#8211; gerade auch mit (prophetischen) Worten!<\/p>\n<p>&#8222;Unbegreiflich!&#8220; Ratloses, trauriges Erstaunen spricht aus den Worten, die dem Propheten durch Gott in den Mund gelegt sind. Als ob ER ganz menschlich entt\u00e4uscht sei, klagend und dennoch werbend, redet Gott sein Volk an. Es ist schlicht nicht zu fassen. K\u00f6nnen Menschen so unklug sein, dass sie die nat\u00fcrliche, selbstverst\u00e4ndliche Reaktion auf ein Erleben verlernt haben?\u00a0<em>Wer hinf\u00e4llt, steht automatisch wieder auf, wenn er nicht behindert wird. Wer vom Weg abkommt, in eine falsche Richtung geht, sucht nach rechter Orientierung<\/em>. Instinktiv sp\u00fcren wir, wenn die Richtung unseres Lebens nicht mehr stimmt. Entweder landen wir im Dickicht von immer gewaltigeren Problemen. Oder st\u00fcrzen \u00fcber unsere Ziele hinaus, ungebremst an ihnen vorbei in einen Abgrund von Schwierigkeiten und Misserfolgen hinein.<\/p>\n<p>Jeremia spricht in Bildern. An die einfachen, elementaren Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Lebens erinnert er seine Zuh\u00f6rerschaft:\u00a0<em>Hinfallen und wieder aufstehen. Sich verlaufen und wieder umkehren, um den richtigen Weg zu finden. Nicht wie vom Teufel geritten weitermachen, wenn man sich vertan hat.<\/em>\u00a0Es sind Grunderfahrungen des Lebens, dass Menschen immer wieder straucheln, hereinfallen auf vorgegaukelte Feindbilder und verf\u00fchrerische Parolen irref\u00fchrender Autorit\u00e4ten. Dass sie auf das falsche Pferd setzen und sich dabei vergaloppieren. Dass sogar die Pferde mit ihnen durchgehen, ungest\u00fcm, z\u00fcgellos und ungeb\u00e4ndigt, voller Tatendrang f\u00fcr ein angeblich h\u00f6heres Ideal; bis sie vom hohen Ross tief herabfallen, unsanft und schmerzhaft landen auf dem harten Boden der Realit\u00e4t. Jeder und jede hat solche Erfahrungen schon einmal gemacht. Gott erwartet keine &#8222;fertigen&#8220;, perfekten Menschen. Seine Lebensordnungen, die er uns mit den 10 Geboten ans Herz gelegt hat, rechnen mit der Schw\u00e4che und Fehlerhaftigkeit des Menschen. Sie nehmen sie als das Nat\u00fcrliche hin, um sie dennoch ver\u00e4ndern zu wollen. Wie Kinder ja auch erst laufen und den richtigen Umgang miteinander lernen m\u00fcssen, wenn sie erwachsen werden wollen. So k\u00f6nnen Menschen an der Lebensordnung Gottes entlang &#8222;laufen lernen&#8220;, k\u00f6nnen sie ihren Weg ins Leben finden. Das hohe Ross der Selbst\u00fcberheblichkeit muss gez\u00fcgelt werden, damit man Irrt\u00fcmer, Versagen und Schuld eingestehen und den eigenen Weg \u00e4ndern kann. An der Hand Gottes wird Umkehr ins Leben m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nachdem vorab Selbstverst\u00e4ndliches gekl\u00e4rt, und die Zustimmung der H\u00f6renden eingeholt ist, redet JEREMIA im Namen Gottes weiter. Eine fast verzweifelt klingende Klage Gottes bringt er ihnen zu Geh\u00f6r:\u00a0<em>&#8222;Warum? Warum will denn mein Volk irregehen immerzu? Sie laufen alle ihren Lauf, wie ein Ross, das in der Schlacht dahinst\u00fcrmt. Es gibt niemanden, dem seine Bosheit leid w\u00e4re, und der sich fragt:\u00a0<strong>Was<\/strong>\u00a0habe ich getan? Mein Volk will das Recht Gottes nicht wissen!&#8220;<\/em>\u00a0Welch ein leidenschaftliches Klagelied, in dem soviel Liebe anklingt. So ohnm\u00e4chtig um ihre Liebe werbend spricht der Allm\u00e4chtige zu seinen Menschen und will sie immer noch umstimmen. Er legt ihnen sogar die Worte vor, mit denen eine R\u00fcckkehr zu ihm beginnt: &#8222;<strong>Was habe ich getan<\/strong>?&#8220; Worte der Schulderkenntnis; erschrockene Worte der Einsicht in eigenes unrechtes Verhalten. Worte, die dem dahinst\u00fcrmenden &#8222;Schlachtross&#8220; jeden vermeintlichen &#8222;Zugzwanges&#8220; die Z\u00fcgel anziehen. Worte, die bremsen wollen, was ins Verderben rennt.<\/p>\n<p>Wir sollten anhalten und uns besinnen, die Erinnerung wachrufen und aus ihr lernen:\u00a0<em>Was haben wir getan &#8211; als Volk und Gesellschaft, aber auch jede\/jeder einzelne? Was haben wir getan oder unterlassen &#8211; damals w\u00e4hrend der Nazizeit und heute, angesichts so vieler ungerechter Zust\u00e4nde, die jene Menschen, die darunter leiden, zum Aufruhr bringen. Bem\u00fchen wir uns um Frieden\u00a0<strong>f\u00fcr alle<\/strong>\u00a0&#8211; oder reicht uns unsere eigene Zu-Friedenheit?<\/em>\u00a0Trauer und Schuld-Erinnerung zuzulassen ist schwer, aber wohl dringend notwendig, als Wegweisung auf dem Weg zur Umkehr.<\/p>\n<p><em>&#8222;Mein Volk will das Recht Gottes nicht wissen!<\/em>&#8220; klagt Gott mit dem Munde Jeremias und gibt doch die Hoffnung nicht auf.\u00a0<em>Und was ist mit unserer Hoffnung? Wollen wir dieses Recht Gottes, Seine Lebensordnung wissen?<\/em>\u00a0Also wissen, dass es einen Gott gibt und eine Mitmenschlichkeit in Seinem Namen? Dass es ein Miteinander gibt aus Achtung vor dem anderen als Gesch\u00f6pf Gottes, und ein Recht auf Leben, weil wir glauben, dass Gott jedem das Leben schenkt? Wollen wir das ernsthaft wissen, davon reden und danach handeln, wo immer es n\u00f6tig ist?<\/p>\n<p>Zumindest k\u00f6nnten wir anfangen dies noch einmal zu lernen: Dass wir nicht aufh\u00f6ren, miteinander das Gespr\u00e4ch zu suchen, uns keineswegs mit einem scheinbaren Sieg zufrieden geben (auch nicht \u00fcber die realen B\u00f6sewichter, Attent\u00e4ter und M\u00f6rder) vielmehr wirklichen Frieden suchen &#8211; zusammen mit den Taliban und sonstigen &#8222;Rebellen&#8220;; gemeinsam Israelis und Pal\u00e4stinenser, nordirische Protestanten und Katholiken und viele andere &#8222;gegnerische&#8220; Gruppen &#8211; mag es auch nach Jahrzehnten immer wieder schwierig und kompliziert sein.<\/p>\n<p>UMKEHR zu Gott geschieht generell und radikal. Sie hinterfragt unser K\u00f6nnen und Wollen, unsere guten Absichten genauso wie unsere festgelegten \u00dcberzeugungen. Sie l\u00e4st uns nackt dastehen &#8211; v\u00f6llig blo\u00df und ungesch\u00fctzt vor den Augen des Sch\u00f6pfers. IHM k\u00f6nnen wir nichts vormachen &#8211; warum sollten wir es vor einander, vor uns selber tun??<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastorin Karin Klement<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lange Stra\u00dfe 42<\/strong><\/p>\n<p><strong>37077 G\u00f6ttingen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:karin.klement@evlka.de\"><strong>karin.klement@evlka.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr (Volkstrauertag) | 18.11. 2001 | Jeremia 8,4-7 | Karin Klement | PREDIGTTEXT: Jeremia 8, 4 &#8211; 7 So spricht GOTT: Wo ist jemand, wenn er f\u00e4llt, der nicht gern wieder aufst\u00fcnde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtk\u00e4me? 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