{"id":22172,"date":"2001-03-20T13:32:18","date_gmt":"2001-03-20T12:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22172"},"modified":"2025-03-20T13:34:38","modified_gmt":"2025-03-20T12:34:38","slug":"johannes-647-51-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-647-51-4\/","title":{"rendered":"Johannes 6,47-51"},"content":{"rendered":"<h3>L\u00e4tare | 25. M\u00e4rz 2001 | Johannes 6,47-51 | Anke Fasse |<\/h3>\n<p>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>folgendes las ich vor kurzem \u00fcber den Tagesablauf eines Jugendlichen: Stefan kommt aus der Schule. \u201eSein Mittagessen schlingt er nur so in sich hinein. Denn gleich geht\u2019s ab zum Fu\u00dfballtraining. Morgen, Samstag Nachmittag, geht\u2019s schlie\u00dflich gegen den VfL; wer da aufgestellt werden will, mu\u00df schon was daf\u00fcr tun. Gegen Ende des Trainings spricht Tom ihn an: Du heute Abend steigt bei mir die totale Party \u2013 wir feiern in meinen Geburtstag rein. Du kommst doch, oder? Na klar sagt, sagt Stefan. Erst danach erinnert er sich, dass er doch schon mit Inga zum Kino verabredet war. Na, irgendwie kriege ich das schon hin, denkt er sich, Tom hat ja erst um Mitternacht Geburtstag. Nach dem Training ist er ziemlich abgek\u00e4mpft. Die Frikadellen vom Mittagessen liegen ihm schwer im Magen. Zum Ausgleich trinkt er eine gro\u00dfe Cola hinterher. Dann nimmt er erstmal den Bus in die Stadt: Kino und Party sind schlie\u00dflich Anlass, endlich mal ein paar neue Klamotten zu kaufen. Ach ja, und ein Geburtstagsgeschenk f\u00fcr Tom. Von welchem Geld? Seit ein paar Tagen lebt er eh schon auf Pump von seiner Mutter. Na, morgen fr\u00fch vor dem Spiel kann er sich wieder ein paar Mark dazu verdienen, wenn er Frau M\u00fcller im Garten zur Hand geht. Obwohl er die ja eigentlich f\u00fcr ein Surfbrett sparen wollte&#8230; Er geht hektisch durch die L\u00e4den, kauft eine Hose, ein T-Shirt und f\u00fcr Tom eine CD. Zum Kino schafft er es nur auf die letzte Minute. Jetzt rumort die Cola in seinem Magen. Er versucht sie mit Popcorn zu neutralisieren. Inga meint: Was ist mit dir? Du wirkst so abgehetzt! Och, das ist nichts, mach dir keine Sorgen, wiegelt Stefan ab. Vom Film bekommt er kaum etwas mit. Er ahnt, was folgt: Inga schl\u00e4gt vor: Wie w\u00e4r\u2019s, wenn wir den Abend sch\u00f6n gem\u00fctlich bei mir ausklingen lassen? Du, ich mu\u00df noch zu Toms Geburtstagsparty. Ich hab\u2019s ihm versprochen. Er wird schlie\u00dflich nur einmal 16! Lass uns doch einfach zusammen hingehen. Er hat bestimmt nichts dagegen, wenn ich dich mitbringe. Inga ist sauer: Ne, du, so l\u00e4uft das nicht! Ich dachte, das w\u00e4re heute\u00a0<em>unser<\/em>\u00a0Abend. Wenn du unbedingt zu deinem Tom willst, dann geh gef\u00e4lligst alleine. Du kriegst den Hals wohl niemals voll!\u201c<\/p>\n<p>Ehe Stefan reagieren kann, dreht Inga sich um und geht weg. Stefan f\u00e4hrt zu Tom. Endlich bist du da, begr\u00fc\u00dft der ihn. Kurz nach Mitternacht mit der gro\u00dfen Gratulation will Stefan wieder gehen. Na, das haben wir ja gern, sagt Tom: Kommt als Letzter und geht als Erster! Los, Mann, trink erst noch ein paar Bierchen mit! Morgen ist schlie\u00dflich Wochenende! Stefan bleibt bis zwei Uhr und kommt v\u00f6llig platt nach Hause. Ihm dr\u00f6hnt der Kopf, sein Bauch ist schwer wie Blei. Mit Schrecken denkt an Frau M\u00fcller. Und Ingas letzter Satz geht ihm nicht aus dem Kopf: Du kriegst den Hals wohl niemals voll&#8230;.<\/p>\n<p>Soweit zu Stefan, der von event zu event hetzt, es dabei versucht allen recht zu machen und letztendlich doch nicht so recht gl\u00fccklich dabei ist. Ja, es stellt sich die Frage, worauf kommt es an im Leben? Wie gehen wir um, mit unserer Zeit, mit unserem Geld, mit unseren M\u00f6glichkeiten? Was ist es, was letztendlich gl\u00fccklich macht und wovon erhoffen wir es?<\/p>\n<p>Ich meine damit gar nicht nur die Jugendlichen, auf die immer leicht der erhobene Zeigefinger f\u00e4llt. Wir k\u00f6nnten das Beispiel leicht auf jede Altersgeneration \u00fcbertragen: Auf ein normales Leben, das ganz von den allt\u00e4glichen Pflichten mit Beruf und Familie, dem Haus mit Garten, dem Freundeskreis und dem allj\u00e4hrlichen Urlaub angef\u00fcllt ist und kaum Luft l\u00e4\u00dft, einmal auszubrechen. Und dann, vielleicht kennen Sie das ja auch, ist er wieder zu sp\u00fcren, dieser Hunger nach Leben, dieses Gef\u00fchl: irgend etwas fehlt da doch. Aber wie ist dieser Hunger zu stillen?<\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag m\u00f6chte darauf eine Antwort geben. Ich lese aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums:<\/p>\n<p><em>Predigttext lesen<\/em><\/p>\n<p>Der Satz Jesu \u2019Ich bin das Brot des Lebens\u2018 bleibt mir besonders im Ged\u00e4chtnis haften. Jesus benutzte in seinen Reden oftmals Vergleiche aus dem t\u00e4glichen Leben, um daran den Inhalt seiner Worte deutlich werden zu lassen. Das Brot, ich habe hier ein schmackhaftes, nahrhaftes Schwarzbrot mitgebracht, was ist das besondere am Brot, wof\u00fcr ist es ein Zeichen?<\/p>\n<p>Sie kennen sicher den Ausspruch \u201asein Dasein fristen bei Wasser und Brot\u2018. Wer sein Dasein bei Wasser und Brot fristen mu\u00df, hat ein armseliges Dasein, ein Leben ohne Extras, aber mit Wasser und Brot ist die Grundlage des Lebens gegeben. Wasser und Brot sind lebensnotwendig, sie sind die Grundlage f\u00fcr alles Leben. Brot als Grundlage des Lebens, das trifft auch f\u00fcr den t\u00e4glichen Verzehr zu. Machmal schmeckt sicher auch trockenes Brot, aber in der Regel, ist die Scheibe Brot die Grundlage f\u00fcr den verschiedenen Belag. Und obwohl wir die M\u00f6glichkeit haben, uns immer vielf\u00e4ltiger zu ern\u00e4hren, ist, so denke ich, das Brot doch das Grundnahrungsmittel schlechthin geblieben.<\/p>\n<p>Blicken wir nun wieder auf unseren Bibeltext, in dem Jesus von sich sagt, \u201aIch bin das Brot des Lebens\u2018. Das Brot, da\u00df ich hier mitgebracht habe, steht f\u00fcr unsere leibliche Lebenssicherung. Jesus sagt uns zu, diese Lebensgrundlage f\u00fcr unsere Seele sein. Er sagt uns zu, den Hunger und Durst nach Leben, nach dem Sinn, nach diesem Mehr f\u00fcr immer zu stillen. Was Jesus uns mit den Worten \u201aIch bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot i\u00dft, der wird leben in Ewigkeit\u2018 anbietet ist: auf Gott allein unser Vertrauen zu setzen. Gott zu vertrauen meint nicht, eine Versicherung gegen Hunger, Krankheiten, Widerw\u00e4rtigkeiten oder ein Ungl\u00fcck abzuschlie\u00dfen. Sterben und Tod bleiben keinem erspart. Wer aber im Vertrauen auf Gott lebt, dem verspricht Jesus schon jetzt ewiges Leben, d.h. sich in der Hand Gottes geborgen wissen \u2013 im Leben und im Sterben.<\/p>\n<p>Ich mu\u00df an Stefan denken, der versucht durch viele Aktionen oder Highlights seinem Leben selbst einen Sinn zu geben und dabei nur m\u00fcde und unzufrieden wird, sich selbst verliert und den Sinn doch nicht findet. Der Glaube entlastet uns davon, unserem Leben selbst einen Sinn zu geben, daf\u00fcr etwas leisten zu m\u00fcssen und keine Minute verpassen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Antoine des Saint-Exupery veranschaulicht das im Kleinen Prinzen sehr sch\u00f6n: \u201eGuten Tag\u201c, sagte der kleine Prinz. \u201eGuten Tag\u201c, sagte der H\u00e4ndler. Er handelte mit h\u00f6chst wirksamen durststillenden Pillen. man schluckt jede Woche eine und sp\u00fcrt \u00fcberhaupt kein Bed\u00fcrfnis mehr zu trinken. \u201eWarum verkaufst du das?\u201c sagte der kleine Prinz. \u201eDas ist eine gro\u00dfe Zeitersparnis\u201c, sagte der H\u00e4ndler. \u201eDie Sachverst\u00e4ndigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart dreiundf\u00fcnfzig Minuten in der Woche.\u201c \u201eUnd was macht man mit diesen dreiundf\u00fcnfzig Minuten?\u201c \u201eMan macht damit, was man will&#8230;\u201c \u201eWenn ich dreiundf\u00fcnfzig Minuten \u00fcbrig h\u00e4tte\u201c, sagte der kleine Prinz, \u201ew\u00fcrde ich ganz gem\u00e4chlich zu einem Brunnen laufen&#8230;\u201c-<\/p>\n<p>Jesus sagt:\u00a0<em>Ich<\/em>\u00a0bin das Brot des Lebens. Er sagt uns sich, den Glauben als s\u00e4ttigende Lebensgrundlage zu, und wehrt sich damit gegen jede Form der Beliebigkeit. Es ist nicht das Auto, nicht die Markenklamotten, auch nicht die Freundin oder die exquisite Einrichtung, nein, er Jesus ist das Brot des Lebens. Er ist die s\u00e4ttigende Speise, die nicht verg\u00e4nglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben \u2013 so hei\u00dft es einige Verse zuvor.<\/p>\n<p>Unser Abschnitt aus dem Johannesevangelium l\u00e4dt dazu ein, unser Leben in Gott geborgen sein zu lassen. Wer zu diesem Vertrauen findet, der kann entspannt nach dem Prinzip \u201eweniger ist mehr\u201c leben, denn er oder sie haben ihre Lebensgrundlage, ihren Lebenshunger gestillt durch den Glauben. Wer zu diesem Vertrauen findet, das eigene Leben in Gott geborgen sein zu lassen, der kann es annehmen und aushalten, dass das eigene Leben verletzbar, begrenzt und zerbrechlich ist. Der kann es annehmen, ohne dar\u00fcber in Panik zu geraten, ohne zu versuchen, aus Angst um sich selbst auf Kosten anderer zu leben. Leben im Vertrauen auf Gott \u00f6ffnet den Blick f\u00fcr den Nachbarn, die Nachbarin, es schafft Gemeinschaft \u2013 wie wir es beim Teilen des Brotes und dem gemeinsamen Essen erleben.<\/p>\n<p>Jesus Christus spricht: Ich bin das Brot des Lebens \u2013 eine Einladung an uns, unser Leben in Gott geborgen sein zu lassen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Diese Einladung kann konkret und sp\u00fcrbar gemacht werden, indem nach der Predigt das mitgebrachte Brot in der Gemeinde verteilt wird.<\/p>\n<p>Hilfreiche Anregungen bei:<\/p>\n<p>Hans-Martin L\u00fcbking, Gottesdienst f\u00fcr Jugendliche, Praxismaterialien f\u00fcr alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres, Perikopenreihe 5, D\u00fcsseldorf 2000, Seite 84-87.<\/p>\n<p><strong>Anke Fasse<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pfarrvikarin in Schortens\/Heidm\u00fchle und im Rehazentrum Wilhelmshaven<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:anke@sefarim.de\"><strong>email: anke@sefarim.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4tare | 25. 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