{"id":22196,"date":"2001-05-20T15:07:28","date_gmt":"2001-05-20T13:07:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22196"},"modified":"2025-03-20T15:09:27","modified_gmt":"2025-03-20T14:09:27","slug":"1-mose-11-4a-26-31-21-4a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-mose-11-4a-26-31-21-4a\/","title":{"rendered":"1. Mose 1,1-4a.26-31; 2,1-4a"},"content":{"rendered":"<h3>Jubilate | 6. Mai 2001 | 1. Mose 1,1-4a.26-31; 2,1-4a | Rudolf Schmidt |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>&#8230;und siehe, es war sehr gut \u2013 so endet dieser Bericht von Gottes Erschaffung unserer Erde \u2013 es war sehr gut!<\/p>\n<p>Wir stehen heute fast vor einem Scherbenhaufen im Blick auf das, was wir mit Gottes Sch\u00f6pfung angestellt haben: Tausende von Rindern werden in Europa get\u00f6tet, nachdem wir sie mit unartgem\u00e4\u00dfem Futter krank gemacht haben; Tausende Schafe und Schweine werden verbrannt, weil wir der Seuchen nicht Herr werden, die in solchen unnat\u00fcrlichen Mammut-Zuchtbetrieben ungeahnte Ausbreitungsm\u00f6glichkeiten haben. Was ist heute am Essen noch genie\u00dfbar, fragen sich viele Menschen angesichts immer neuer verunsichernder Nachrichten aus dem Bereich der Tier- und Pflanzenzucht.<\/p>\n<p>Lesen wir die Sch\u00f6pfungsgeschichte vom Anfang der Bibel in den Abschnitten, die uns f\u00fcr diesen Sonntag als Predigttext vorgeschlagen sind, so sp\u00fcren wir f\u00f6rmlich, wie anders, dankbarer, geordneter und geregelter die Sch\u00f6pfung von denen erlebt wurde, die diesen Bericht f\u00fcr uns aufgeschrieben haben.<\/p>\n<p>Sie hat sicher auch interessiert, wie denn dieses gro\u00dfe Sch\u00f6pfungswerk Gottes entstanden ist und haben dabei auf die Mythen und die Erz\u00e4hlungen ihrer Zeit zur\u00fcckgegriffen. Aber wir werden diesen Bericht nicht angemessen verstehen, wenn wir ihn als Augenzeugenbericht mi\u00dfverstehen und den Sch\u00f6pfungsbericht der Bibel als heutigem naturwissenschaftlichen Forschungsstand angemessenen Bericht \u00fcber die Entstehung der Erde begreifen wollen. Dieser Text steht ja nicht am Anfang der Bibel, weil er der erste Text ist, den die Verfasser der Bibel geschrieben haben, sondern weil sie aus den Erfahrungen ihrer Geschichte mit Gott, wie sie in den Erz\u00e4hlungen von dem Auszug aus \u00c4gypten und dem Einzug in das verhei\u00dfene Land aufgeschrieben sind, nun auch deutlich machen wollten, wie denn das ganze angefangen hat, wie das Verh\u00e4ltnis Gottes zu seinem Volk eingeordnet ist in das Verh\u00e4ltnis Gottes zu der gesamten Sch\u00f6pfung, zu der auch Gottes eigenes Volk Israel geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Auffallend ist die fast hymnische Sprache dieses so bewu\u00dft gestalteten \u2013 gedichteten, verdichteten Textes.<\/p>\n<p>Dankbar wird festgehalten, da\u00df die bedrohliche Finsternis soweit zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurde, da\u00df das Licht seine Lebenskraft entfalten kann und aus dem anf\u00e4nglichen W\u00fcsten und Leeren eine bewohnbare, lebensvolle Erde wird.<\/p>\n<p>In diesem gro\u00dfen Bild wird uns zugesagt, da\u00df die Erde so wie sie ist, wie wir sie als Menschen erleben &#8211; mit ihrer vitalen, ja geradezu explosiven Lebenskraft gerade jetzt im Fr\u00fchling, &#8211; da\u00df diese Erde nicht einfach ist, &#8211; sondern uns Zeichen und Hinweis auf Gottes uns zugewandtes Angesicht, auf seine G\u00fcte und Freundlichkeit sein will, wie sie der Sch\u00f6pfungspsalm Nr. 136 : Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, denn seine G\u00fcte w\u00e4hret ewiglich so unglaublich besingt. Hier werden die Sch\u00f6pfungstaten Gottes, wie sie in der Sch\u00f6pfungsgeschichte aufgeschrieben sind, dankbar besungen mit dem mit dem st\u00e4ndigen Kehrreim: Denn seine G\u00fcte w\u00e4hret ewiglich!<\/p>\n<p>Auch wir Menschen geh\u00f6ren in diesen Zusammenhang als Gesch\u00f6pf Gottes mit hinein. Schon die immer wieder Staunen erregende Menschenfreundlichkeit Gottes, da\u00df er den Menschen als Mann und Frau erschuf, da\u00df es also Mann und Frau gibt, liebend einander zugewandt und aufeinander bezogen und angewiesne, &#8211; ist solch ein Zeichen von Gottes Liebe und Menschenfreundlichkeit.<\/p>\n<p>Nun hat Gott uns Menschen aber nicht einfach als sch\u00f6ne Spielfiguren in seine Sch\u00f6pfung, die Erde, den Garten Eden, gesetzt, &#8211; sondern er hat ihm, er hat uns einen Auftrag gegeben: Als sein \u2013 Gottes &#8211; Ebenbild hat Gott uns auf diese Erde gestellt. So haben sich die Schreiber dieser Sch\u00f6pfungsgeschichte verstanden: als Beauftragte Gottes auf dieser Erde, um in seinem Namen und in seinem Auftrag diese Erde zu bewahren und zu bebauen.<\/p>\n<p>Wie weit haben wir uns davon entfernt mit unserem unglaublichen Umgehen mit Haustieren, mit Natur und Umwelt ?<\/p>\n<p>Wohl deswegen, weil wir den Auftrag: &#8222;Machet euch die Erde untertan&#8220; nicht im Rahmen der Beauftragung als Bebauer und Bewahrer der Erde, der guten Sch\u00f6pfung Gottes verstanden haben, sondern als uneingeschr\u00e4nkte Herren der Sch\u00f6pfung, mit der unbegrenzten M\u00f6glichkeit, zu tun , was uns m\u00f6glich erscheint. So ist die Erde, Gottes gute Sch\u00f6pfung, an vielen Stellen verkommen, was wir heute immer betroffener wahrnehmen. Die Feuer, mit denen tausende Rinder verbrannt wurden, sind zu einem Rauchzeichen geworden, das uns un\u00fcbersehbar an unseren von Gott gegebenen Auftrag erinnert und zur\u00fcckruft, da\u00df wir verantwortungsvoll die Erde, Gottes gute Sch\u00f6pfung, in seinem Auftrag bebauen und bewahren sollen.<\/p>\n<p>Vielleicht fehlt uns die Ruhe und Gelassenheit, der Abstand zu dieser Erde, um unserer Auftrag als Gott gegebenen Auftrag wahrzunehmen. Von Gott hei\u00dft es in diesem hymnischen Bericht: am siebenten Tage ruhte Gott von allen seinen Werken. Er ist also nicht hektisch rund um die Uhr besch\u00e4ftigt, sondern er nimmt Abstand von seinen Aufgaben, ruht von seiner Arbeit und segnet das, was sich ihm als gute, sehr gute Sch\u00f6pfung darstellt.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung ist uns ja nicht ganz verschlossen. Die Bl\u00fctenpracht in unseren G\u00e4rten in diesen Fr\u00fchlingstagen, &#8211; oder im Sommer der Gang durch die reifenden Kornfelder vermag auch uns eine Ahnung von dem Segen zu vermitteln, den Gott \u00fcber seine Sch\u00f6pfung mit seinem Wort ausgebreitet hat. Oft ist uns allerdings dieser Zugang verwehrt durch unser Umgehen mit dieser von Gott gesegneten Sch\u00f6pfung, wenn wir die Tiere nur noch zur Vermehrung unserer Gesch\u00e4fte ausnutzen und unserer Umwelt ihre Gesch\u00f6pflichkeit nehmen durch unser vermessenes Umgehen mit ihr. Nicht wir sind die Herren der Sch\u00f6pfung, sondern Gott hat uns Menschen eingesetzt, da\u00df wir in seinem Auftrag sie sch\u00fctzen und bewahren und in solcher Absicht unserer Erde verantwortungsvoll bebauen. Wo das geschieht, schenkt Gott auch uns heute die Erfahrung seiner Sch\u00f6pfermacht und Sch\u00f6pferg\u00fcte, k\u00f6nnen wir etwas von der uns zugewandten Seite Gottes und der Sch\u00f6nheit seines Sch\u00f6pfungswerkes wahrnehmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr solche Seiten Gottes und f\u00fcr die Sch\u00f6nheit seiner gesegneten Sch\u00f6pfung m\u00f6chte uns dieser alte Text aus dem 1.Mosebuch immer wieder die Augen, die Ohren und das Herz \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Rudolf Schmidt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pastor an St. Marien<\/strong><\/p>\n<p><strong>Rosdorfer Weg 6<\/strong><\/p>\n<p><strong>37073 G\u00f6ttingen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jubilate | 6. Mai 2001 | 1. Mose 1,1-4a.26-31; 2,1-4a | Rudolf Schmidt | Liebe Gemeinde! &#8230;und siehe, es war sehr gut \u2013 so endet dieser Bericht von Gottes Erschaffung unserer Erde \u2013 es war sehr gut! 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