{"id":22202,"date":"2001-05-20T15:14:02","date_gmt":"2001-05-20T13:14:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22202"},"modified":"2025-03-20T15:16:23","modified_gmt":"2025-03-20T14:16:23","slug":"matthaeus-67-13-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-67-13-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 6,7-13"},"content":{"rendered":"<h3>Rogate | 20. Mai 2001 | Matth\u00e4us 6,7-13 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p>Matth\u00e4us 6<\/p>\n<p>7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erh\u00f6rt, wenn sie viele Worte machen.<\/p>\n<p>8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater wei\u00df, was ihr bed\u00fcrft, bevor ihr ihn<\/p>\n<p>bittet.<\/p>\n<p>9 Darum sollt ihr so beten:<\/p>\n<p>Unser Vater, der du bist im Himmel!<\/p>\n<p>Geheiligt werde Dein Name.<\/p>\n<p>10 Dein Reich komme.<\/p>\n<p>Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.<\/p>\n<p>11 Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute.<\/p>\n<p>12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.<\/p>\n<p>13 Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung, sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>&#8222;So sollt ihr beten&#8220; hat Jesus zu seinen J\u00fcngern gesprochen und mit den Worten des &#8222;Vater unsers&#8220; ihnen und uns eine Br\u00fccke gebaut, auf der wir von Tag zu Tag und immer dann, wenn wir die N\u00e4he Gottes suchen, sicher gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit diesen Worten k\u00f6nnen wir sprechen zum Lobe Gottes und zu unserem Heil.<\/p>\n<p>Doch so sicher uns dieses Gebet zu Gott f\u00fchren will, so selbstverst\u00e4ndlich kann es uns auch mit anderen Menschen verbinden.<\/p>\n<p>Ich denke dabei an Krankenbesuche, gerade an solche, bei denen ich beinahe t\u00e4glich einen Menschen besuche, der \u00fcber einen langen Zeitraum unter gro\u00dfen k\u00f6rperlichen und wohl noch gr\u00f6\u00dferen seelischen Schmerzen bei vollem Bewu\u00dftsein Abschied nimmt. Sicher, den Angeh\u00f6rigen ist es sehr recht, da\u00df jemand von der Kirche kommt; aber wie steht es um den Kranken.<\/p>\n<p>Vielleicht kennen Sie dieses unsichere Gef\u00fchl, das einen bei solchem Besuch beschleicht, diese qu\u00e4lenden Fragen, ob man nicht eher st\u00f6re, ob sich nicht vielleicht doch der Kranke Gedanken macht, weshalb man erst jetzt auf ihn aufmerksam wird. K\u00f6nnen diese wenigen Handgriffe, mit denen man helfen will, ohne der Gemeindeschwester, die bald kommen wird, vorzugreifen, k\u00f6nnen diese zaghaften Gespr\u00e4chsversuche nicht eher zus\u00e4tzlichen Schmerz bereiten. W\u00e4re es nicht viel besser, wieder zu gehen, wo doch die Schwester gleich kommt. Will der Kranke eigentlich wirklich solchen Beistand, oder stelle ich einfach nur seine H\u00f6flichkeit auf eine weitere schwere Probe.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich frage ich, ob wir beten wollen, manchmal freilich bittet der Besuchte selbst darum. Nach einem freien Gebet beginne ich dann mit dem &#8222;Vater unser&#8220; und ich h\u00f6re, wie bereits nach wenigen Worten der Kranke mitspricht, oft so als h\u00e4tte er bereits auf dieses Gebet gewartet. Oft besteht f\u00fcr mich beim &#8222;Vater unser&#8220; die einzige Gelegenheit, einen Kranken, mit dem kaum noch ein Gespr\u00e4ch m\u00f6glich war, laut zu vernehmen.<\/p>\n<p>So erschlie\u00dft sich mir der Sinn der Worte Jesu noch einmal ganz aktuell \u00fcber die neun Teile des Vater unseres hin neu und wird mir der Kranke deutlicher.<\/p>\n<p>&#8222;Vater unser&#8220; &#8211; da wird das ganze Vertrauen, zu dem wir mit der Anrede &#8222;Vater&#8220; f\u00e4hig sind, ausgesch\u00f6pft, und mit den Worten &#8220; der du bist im Himmel&#8220; wird das Vertrauen leicht \u00fcber alles bisher Erfahrene und Vertraute, \u00fcber alles Irdische \u00fcberhaupt hinausreichen. Der Blick will sich erheben \u00fcber jede Augenh\u00f6he und doch nicht ins Leere gehen. Er folgt den Worten, die den Namen des Vaters heiligen.<\/p>\n<p>&#8222;Dein Reich komme&#8220; &#8211; die Angst, die Verzweiflung, die Wut, werden nicht einfach weichen, aber die Gedanken und Gespenster, die sie begleiten, die fliehen vor diesem Reich, mit dem Gott selbst kommt. Das Leben beh\u00e4lt seine Richtung nach vorne, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.<\/p>\n<p>&#8222;Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden:&#8220; Den Willen mu\u00df der Kranke immer erst wieder entdecken, zu oft erf\u00e4hrt er, da\u00df sich sein lebhaftes Wollen gegen ihn selbst gerichtet hat, und sicher genauso oft hat er erfahren m\u00fcssen, wie andere zu wissen meinen, was er denn &#8222;in seinem Zustand&#8220; zu wollen h\u00e4tte. &#8220; Das kannst Du unm\u00f6glich wollen!&#8220; Wie oft hat er diesen Vorwurf geh\u00f6rt und wie wichtig wird ihm da der Wille dessen, der ihn genauer kennt und sehen kann. Gottes Wille geschieht im Himmel und auf Erden, und gut zu wissen, da\u00df Gott an ihn glaubt<\/p>\n<p>&#8222;Unser t\u00e4glich Brot gib uns heute&#8220;: um was soll da noch gebetet werden, wenn der K\u00f6rper nichts mehr aufnimmt und wenn in der \u00f6den einsamen Zeit der Blick die Tropfen z\u00e4hlt, die noch Nahrung genannt werden. Doch, was ist nicht alles t\u00e4gliches Brot: jedes feuchte Tuch, jedes Aufhelfen und jeder Blick, ja auch jede Nachtwache n\u00e4hrt mit dem Brot des Lebens, als das unser Herr zu uns gekommen ist. Des Leibes Nahrung und Notdurft, hier kann sie ganz begriffen werden.<\/p>\n<p>&#8222;Vergib uns unsere Schuld&#8220; wie schlicht kann eine Beichte sein und welch eine gro\u00dfe Gnade ist es, sich etwas von der Seele reden zu k\u00f6nnen, ohne da\u00df die Br\u00fccke unter der Last dieser Vergangenheit zusammenbricht.<\/p>\n<p>&#8222;&#8230; wie auch wir vergeben unseren Schuldigern&#8220;. Da kann ein Mensch pl\u00f6tzlich wieder vergeben, gleichwie der Herr ihm vergeben hat, und noch an seine Krankenlager kommen Menschen, die sich auf den Weg zu ihm gemacht haben, damit sie Vergangenes nicht einholt. Freunde finden oft den Weg nicht mehr, aber die anderen haben vielleicht den Mut gefunden, den es immer braucht, um sich nach langer Zeit wieder zu melden.<\/p>\n<p>&#8222;Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung&#8220; &#8211; auch wer ans Krankenbett gefesselt ist, hat die Freiheit, sich zu Gott zu halten oder wieder zur\u00fcckzukehren zu dem Hochmut, mit dem er noch jede Welt zu \u00fcberwinden hoffte. Doch der Schatten, den die Selbst\u00fcberhebung werfen kann, mu\u00df nicht unbedingt mehr so gro\u00df werden, da\u00df die Freiheit des Glaubens ganz im Dunkel l\u00e4ge. Die Einladung zum Gebet gilt zu jeder Zeit.<\/p>\n<p>&#8222;Sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen.&#8220; Es gibt das B\u00f6se, doch erl\u00f6send von diesem Fluch wirkt jetzt schon der Glaube daran, da\u00df es auch das andere, das Gute gibt und da\u00df es sich am Ende durchsetzen wird. Das B\u00f6se dominiert erst, wenn es den Glauben an das Gute erstickt hat, und oft liegt B\u00f6ses im \u00dcbersehen des guten Willens. Es geht gerade am Ende des Leben immer um Geben und Nehmen und es kann \u00fcberhaupt nicht mehr hilfreich sein, gegenseitig aufzurechnen, wer was getan hat und was noch getan werden m\u00fc\u00dfte. Im dankbaren Blick des Kranken und beim pl\u00f6tzlichen Begreifen des Besuchers kommt alle Berechnung an ein Ende und jederzeit kann mit einem neuen Wunder des Verstehens gerechnet werden.<\/p>\n<p>Noch einmal heben der Kranke und ich an, und wir sp\u00fcren, da\u00df wir tats\u00e4chlich ein wenig weiter in unserer Weggemeinschaft zueinander gefunden haben. Wir werden das Ziel nicht gemeinsam erreichen, aber, so Gott will, noch manche kleine Strecke zusammengehen k\u00f6nnen, so wie wir uns jetzt darauf freuen, einzustimmen in diesen gro\u00dfen Schlu\u00dfvers, mit dem Jesus uns auch das Verherrlichen lehren wollte:<\/p>\n<p>&#8222;Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Friedrich Seven 14. Mai 2001<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Winkel 6<\/strong><\/p>\n<p><strong>37412 Scharzfeld<\/strong><\/p>\n<p><strong>05521\/2429<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:friedrichseven@compuserve.de\"><strong>E-mail: friedrichseven@compuserve.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rogate | 20. Mai 2001 | Matth\u00e4us 6,7-13 | Friedrich Seven | Matth\u00e4us 6 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erh\u00f6rt, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. 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