{"id":22208,"date":"2001-05-20T15:21:22","date_gmt":"2001-05-20T13:21:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22208"},"modified":"2025-03-20T15:23:40","modified_gmt":"2025-03-20T14:23:40","slug":"johannes-1720-23-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1720-23-2\/","title":{"rendered":"Johannes 17,20-23"},"content":{"rendered":"<h3>Christi Himmelfahrt | 24. Mai 2001 | Johannes 17,20-23 | Angelika Reichert |<\/h3>\n<p>Vorbemerkung<\/p>\n<p>Die Predigt bezieht sich ausschlie\u00dflich auf den ersten Teil des vorgeschlagenen Predigttextes (Joh 17,20-26). Die Einschr\u00e4nkung auf V. 20-23 versucht, eine \u00dcberfrachtung der Predigt zu vermeiden. Sie erscheint vom Text her vertretbar, weil V. 20-23 eine klare Binnenstruktur aufweist und weil V. 24 mit der Vater-Anrede und mit dem betonten &#8222;ich will&#8220; dem vorangehenden Passus gegen\u00fcber neu ansetzt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr habe ich an einer Tagung teilgenommen. Das Thema lautete: &#8222;Kirche in der Zeitgenossenschaft&#8220;. Konkret kamen z.B. folgende Themen zur Sprache: M\u00fc\u00dfte unsere Kirche nicht deutlicher auf die W\u00fcnsche, Bed\u00fcrfnisse und Erwartungen ihrer Mitglieder reagieren? M\u00fc\u00dfte kirchliche Arbeit nicht st\u00e4rker unter dem Gesichtspunkt der Effektivit\u00e4t kontrolliert werden? K\u00f6nnte Kirche nicht Entscheidendes von modernen Wirtschaftsunternehmen lernen, wenn sie die dort geltenden Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten in Betracht z\u00f6ge? Kurz: Wird es nicht endlich Zeit f\u00fcr unsere Kirche, sich st\u00e4rker dem zu \u00f6ffnen, was man so &#8222;den Zeitgeist&#8220; nennt?<\/p>\n<p>Eine kleine Beobachtung bei dieser Tagung steht mir noch lebhaft vor Augen: In einer der Morgenandachten sangen wir: &#8222;Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig&#8220; (EKG 123) \u2013 ein klassisches &#8222;Himmelfahrtslied&#8220;. Dabei ver\u00e4nderte sich der Gesichtsausdruck der Singenden in eigent\u00fcmlicher Weise. Es war, als habe das Lied ein Strahlen verbreitet, das in den Singenden etwas Helles, Klares und Bestimmtes aufblitzen lie\u00df, ein Ausdruck von &#8222;Jawohl, so ist es und damit Punkt&#8220;. Irgendwie lag so ein Hauch von verschw\u00f6rerischer Verst\u00e4ndigung im Raum, eben so ein heimliches &#8222;Trotzdem&#8220;, das die Beteiligten auf unsichtbare Weise zusammenschlo\u00df. Bekanntlich kann man sich solche Eindr\u00fccke ja auch einbilden. Darum fragte ich abends beim Bier einen Bekannten, der auch auf der Tagung war, ob er meine Beobachtung irgendwie nachvollziehen k\u00f6nne. Seine Reaktion war \u00fcberraschend: Ich brauchte gar nicht lange zu beschreiben, er wu\u00dfte gleich, was ich meinte, und mehr noch, er hatte sofort eine Erkl\u00e4rung parat. Die lautete ungef\u00e4hr so: &#8222;Das Lied bringt ganz massiv, ohne jedes wenn und aber, etwas zum Ausdruck, was eigentlich als verr\u00fcckt gelten mu\u00df. Da\u00df Christus eine der Welt \u00fcbergeordnete Herrschaftsposition einnimmt, das widerspricht einfach aller Wirklichkeitserfahrung, das l\u00e4\u00dft sich auf gar keine Weise plausibel machen. Die Welt ist voll von M\u00e4chten und Kr\u00e4ften, die ungehindert Christus zuwiderhandeln, davon kann man sich durch einen Blick in die Tageszeitung \u00fcberzeugen. Das Lied &#8222;Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig&#8220; ist wie ein Einspruch gegen diese Wirklichkeit. Es behauptet, da\u00df weltliche Machtanspr\u00fcche eben nicht das letzte Wort haben, da\u00df die Wirklichkeit, die wir erleben, nicht die letzte Norm ist f\u00fcr unser Denken, F\u00fchlen und Handeln, da\u00df es etwas gibt, was ungleich viel mehr z\u00e4hlt. Wer diese \u00dcberzeugung teilt, ist eben froh, sie ab und zu wenigstens singen zu k\u00f6nnen. Sozusagen in geschlossener Gesellschaft, ohne den Druck, plausibel machen zu m\u00fcssen, was sich nun einmal nicht plausibel machen l\u00e4\u00dft.&#8220; &#8222;Vor allem dann ist man \u00fcber solche Lieder froh&#8220;, so f\u00fcgte er noch leicht spitz hinzu, &#8222;wenn man f\u00fcr den Rest des Tages nach \u00dcbereinstimmungen zwischen Kirche und Zeitgeist suchen soll&#8220;.<\/p>\n<p>Diese Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Beobachtung bei der Morgenandacht hat mir eingeleuchtet. Aber soll es damit nun sein Bewenden haben? Die Vorstellung beh\u00e4lt doch etwas Komisches, vielleicht eher noch etwas bedr\u00fcckend Unstimmiges: Da sitzt eine Gruppe von Christinnen und Christen zusammen, singt am Morgen mit gl\u00e4nzenden Augen und in heimlicher Verst\u00e4ndigung &#8222;Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig&#8220; und sinnt f\u00fcr den Rest des Tages dar\u00fcber nach, ob sich unsere Kirche nicht doch in h\u00f6herem Ma\u00df als gewohnt auf den Zeitgeist einzulassen habe, ja ob nicht geradezu die Koalition mit dem Zeitgeist gesucht werden m\u00fcsse. Wie geht das eigentlich zusammen: Christusherrschaft und unser Dasein in einer Welt, die von solcher Herrschaft nichts merkt, sondern eigene, sich immer rascher wandelnde Normen und Wertvorstellungen entwickelt?<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Wenn wir uns auf diese Frage einlassen, dann sind wir nicht die ersten. Von Beginn an haben Christinnen und Christen nach Antworten gesucht. Eine besonders deutliche Antwort bietet vor allem das Johannesevangelium. Hier wird in schneidender Sch\u00e4rfe der Gegensatz von christlicher Gemeinde und christusferner Welt hervorgekehrt. Manchmal legt sich sogar der Eindruck nahe, die Welt sei hier nichts weiter als die Gegenspielerin der christlichen Gemeinde, die sich dann ihrerseits nach Kr\u00e4ften abzugrenzen habe. Doch auch f\u00fcr den Johannesevangelisten ist damit noch nicht alles gesagt; das zeigt sich an unserem Predigttext. Es handelt sich um einige Verse am Ende eines langen Gebetes. Sprecher dieses Gebetes ist der in seinen Tod gehende Jesus, der seine J\u00fcnger in der Welt zur\u00fcckl\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Joh 17,20-23<\/p>\n<p>Nicht f\u00fcr diese allein aber bitte ich, sondern auch f\u00fcr die, die durch ihr Wort an mich glauben,<\/p>\n<p>damit sie alle eins sind, wie du, Vater, in mir und ich in dir,<\/p>\n<p>damit auch sie in uns sind,<\/p>\n<p>damit die Welt glaubt, da\u00df du mich gesandt hast.<\/p>\n<p>Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben,<\/p>\n<p>damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir,<\/p>\n<p>damit sie vollendet sind zu Einem,<\/p>\n<p>damit die Welt erkennt, da\u00df du mich gesandt hast und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast.<\/p>\n<p>Ein Ausblick und ein R\u00fcckblick treffen hier zusammen. Der Ausblick, der eine Bitte f\u00fcr die J\u00fcnger enth\u00e4lt, schlie\u00dft diese zusammen mit allen, &#8222;die durch ihr Wort an mich glauben&#8220;, also mit allen Generationen sp\u00e4terer Glaubender, also auch mit uns. Die Bitte dr\u00e4ngt, drei Damit-S\u00e4tze t\u00fcrmen die Ziele der Bitte \u00fcbereinander. Der R\u00fcckblick bezieht sich auf das nun fast abgeschlossene irdische Wirken Jesu. Wieder werden in drei Damit-S\u00e4tzen Ziele benannt, eben die Ziele des Wirkens Jesu auf der Erde. Die Zielbestimmungen in Ausblick und R\u00fcckblick stimmen beinahe v\u00f6llig \u00fcberein. Was Jesus jetzt von Gott erbittet, ist dasselbe wie das, was er auf Erden bewirken wollte. Das, was Jesus erreichen will, betrifft zuerst und vor allem die Seinen, also die damaligen J\u00fcnger und die Glaubenden aller Zeiten. Das, was Jesus erreichen will, betrifft aber auch die Welt. Wie verh\u00e4lt sich in der Absicht Jesu nun beides zueinander \u2013 die an ihn Glaubenden und die Welt?<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Glaubenden wird Einheit erbeten, und f\u00fcr die Welt wird der Glaube an Jesus als den von Gott gesandten Offenbarer erbeten.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang scheint auf der Hand zu liegen: Nur eine geeinte Christenheit kann wirklich Zeugnis f\u00fcr ihren Glauben ablegen. Zwietracht dagegen verdunkelt unser Reden von Gott und verhindert so, da\u00df die Welt zum Glauben kommt. Nur eine einstimmige Rede scheint stark genug, um sich in der Welt Geh\u00f6r zu verschaffen. Darum h\u00e4ngt die Einheit der Glaubenden mit dem Glauben der Welt zusammen. Das scheint nicht nur plausibel, sondern wie f\u00fcr unsere Situation geschrieben. Wann h\u00e4tte es je ein solches Bem\u00fchen um Einigung zwischen den Konfessionen gegeben, und vor allem: Wann h\u00e4tte solches Bem\u00fchen je so sichtbaren Ausdruck gefunden wie in unserer j\u00fcngsten Vergangenheit? Wie auch immer man inhaltlich zur &#8222;Gemeinsamen Erkl\u00e4rung&#8220; und deren Nachspielen stehen mag, von der Ernsthaftigkeit des Bem\u00fchens, die Gemeinsamkeiten im Verschiedenen zu entdecken, darf nichts abgemarktet werden. Ebenso un\u00fcbersehbar ist das Bem\u00fchen, die Gemeinsamkeit &#8222;vor Ort&#8220; auch tats\u00e4chlich zu leben. Nat\u00fcrlich, da gibt es auch Widerst\u00e4nde und H\u00e4rtef\u00e4lle, aber das Gesamtbild k\u00f6nnen sie nicht verschieben. Dar\u00fcber k\u00f6nnen und sollen wir uns freuen: Die \u00f6kumenische Bewegung, f\u00fcr die unser Johannes-Text von Beginn an eine entscheidende Rolle spielte, ist weitergekommen auf ihrem Weg.<\/p>\n<p>Aber: Denkt Jesus in seinem Gebet eigentlich an solch einen langen Weg durch die Geschichte, einen Weg, auf dem die Glaubenden schrittweise ihrer schlie\u00dflichen Vereinigung entgegengehen? Offenkundig nicht: Jesus bittet n\u00e4mlich f\u00fcr die Einheit der Glaubenden aller Zeiten; die Glaubenden aller Zeiten sollen eins sein, nicht eins werden. Einheit ist hier nicht das Ende eines langen Weges von Bem\u00fchungen, die schrittweise darauf zuf\u00fchren, etwa so, wie sich die deutsch-deutsche Einigung 1989 im R\u00fcckblick als das Ziel zeigt, auf das viele kleine Schritte vorher hingef\u00fchrt haben. Darum wird in diesem Gebet auch der erbetene Glaube der Welt nicht als Folge unserer kirchlichen Einheitsbem\u00fchungen in Aussicht gestellt. Hier wird gar nichts ans Ende eines Weges verschoben, unsere Einheit nicht, und auch nicht der Glaube der Welt. Beides \u2013 unsere Einheit und der Glaube der Welt \u2013 kann immer geschehen, in jeder geschichtlichen Situation, in jeder Generation. Darum, da\u00df dies jeweils geschieht, darum bittet Jesus seinen Vater.<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Was ist das nun f\u00fcr eine Einheit, die sich nicht irgendwann, am Ende eines langen Prozesses von Einigungsbem\u00fchungen, ereignet, sondern die jetzt und immer geschehen kann? Das Jesus-Gebet bietet eine Antwort auf diese Frage, und diese Antwort ist pr\u00e4zise und zugleich ungemein abgehoben. Die Einheit der Glaubenden, unsere Einheit, entsteht, weil wir einbezogen sind in die himmlische Einheit zwischen Gott und seinem Sohn: &#8222;damit sie alle eins sind, wie du, Vater, in mir und ich in dir, damit auch sie in uns sind.&#8220; Das h\u00f6rt sich nicht nur abgehoben an, das ist tats\u00e4chlich abgehoben, abgehoben von unserer Erfahrungswelt, nicht zu veranschaulichen durch Vergleiche oder Bilder. Zu Himmelfahrt \u2013 so k\u00f6nnte man zynisch bemerken \u2013 geht es eben nicht ohne das &#8222;Eia-Popeia&#8220; vom Himmel. Wenn denn schon nicht direkt von Christi Himmelfahrt die Rede ist, dann wenigstens von &#8222;unserer Himmelfahrt&#8220;, von unserer Einbeziehung in die himmlische Gemeinschaft von Vater und Sohn. Mag sein, da\u00df es zu Himmelfahrt und sonst nicht ohne den Himmel geht, wohl aber geht es ohne jenes Eia-Popeia, das auf ein fernes Jenseits vertr\u00f6stet. Die himmlische Gemeinschaft Gottes mit seinem Sohn meint n\u00e4mlich nichts anderes als das grundlegende Kommunikationsgeschehen, mit dem sich Gott uns Menschen zugewandt hat. Jesus ist nach dem Johannesevangelium das &#8222;Wort&#8220;, in dem wirklich Gott selbst spricht. Jesus ist das einzige, was Gott zu uns Menschen sagt, au\u00dferhalb dieses Wortes kommt Gott nicht vor. Gott kommt uns nicht vor, aber in seinem einzigen Wort Jesus kommt er f\u00fcr uns uns wirklich vor. In dieses Kommunikationsgeschehen, in dieses Vorkommen Gottes in Jesus, sollen wir, nein falsch: sind wir der Bitte Jesu nach einbezogen. Wir geh\u00f6ren mit hinzu zu diesem einzigen Wort, mit dem sich Gott an die Welt wendet. Diese Zugeh\u00f6rigkeit macht die Einheit von Kirche aus, sie ist ihr Ein-und-Alles. Anders herum ausgedr\u00fcckt: Wo immer diese Zugeh\u00f6rigkeit geschieht, da ist Kirche. Das die Menschen anredende Gotteswort, das sich in Jesus gezeigt hat, ist ihre einzige Bestimmung.<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Wir h\u00e4tten&#8217;s nun gerne konkreter. Jesus, das anredende Gotteswort, als einzige Bestimmung der Kirche \u2013 wie wirkt sich das nun f\u00fcr den Glauben der Welt aus, der hier ja schlie\u00dflich auch erbeten wird? Unser abgehobener Text wird in diesem Punkt nicht konkret. Das macht aber nichts aus, weil uns in diesem Fall unsere Erfahrung mit menschlichen Worten weiterhilft. In diesem einen Punkt gleicht n\u00e4mlich das Gotteswort den menschlichen Worten: Beides wirkt, beides ver\u00e4ndert die Angesprochenen, wie auch immer. Liebeserkl\u00e4rungen z.B. ver\u00e4ndern, manchmal sogar sichtbar. Die Ver\u00e4nderungen m\u00f6gen bei den angesprochenen Personen unterschiedlich ausfallen \u2013 ein Siebtkl\u00e4ssler ver\u00e4ndert sich nach einer Liebeserkl\u00e4rung anders als eine gestandene Mittdrei\u00dfigerin. Wirkungslos bleibt eine Liebeserkl\u00e4rung aber nicht, \u00fcbrigens nicht einmal dann, wenn sie abgelehnt wird. Dabei brauchen wir uns nicht auf die besonders herausgehobenen Worte zu beschr\u00e4nken, wie es Liebeserkl\u00e4rungen nun einmal sind. Kein Wort ist, als sei es nicht gesprochen. Wer schon einmal erlebt hat, wie es ist, wenn der ganz normale Tagesgru\u00df nicht erwidert wird, wei\u00df, da\u00df das stimmt.<\/p>\n<p>Menschliche Worte wirken, und Gottes Wort auch. Darum l\u00e4\u00dft sich das anredende Gotteswort als einzige Bestimmung der Gemeinde auch nicht verheimlichen. Es ver\u00e4ndert, es markiert die, die sich davon ansprechen lassen, es macht sie auffallend, ja, es macht sie auch fremd. Das ansprechende Gotteswort, das Jesus selbst ist, will bei denen, die sich ansprechen lassen, bewahrt werden, aber es will hier nicht eingesperrt sein. Darum dr\u00e4ngt es weiter, \u00fcber die Grenzen der Gemeinde hinaus, und der Weg, den es dabei nimmt, geht \u00fcber die Ver\u00e4nderung der von ihm erreichten Menschen. \u00dcber unsere Ver\u00e4nderung, die in der einzig von ihm bestimmten Gemeinde zusammengeschlossen sind.<\/p>\n<p>Darum schlie\u00dft sich an die Bitte um die Einheit der Gemeinde die f\u00fcr die Welt an: &#8222;damit die Welt glaubt, da\u00df du mich gesandt hast&#8220;; damit die Welt erkennt, da\u00df du mich gesandt hast und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast&#8220;. Die von Gott Geliebten sollen und k\u00f6nnen nicht anders als der Welt erkennbar werden. Die Bitte f\u00fcr die Welt richtet sich auf die Ausstrahlungskraft des Gotteswortes, die durch die von ihm Angesprochenen und von ihm Ver\u00e4nderten hindurch geht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man sich gegen diese Ausstrahlungskraft auch immunisieren. Von dieser M\u00f6glichkeit und dieser Wirklichkeit wei\u00df der johanneische Jesus sehr wohl, und er wei\u00df auch, da\u00df sich die Ablehnung des verwandelnden Gotteswortes verbindet mit Ha\u00df und Gef\u00e4hrdung der daran Glaubenden. Gleichwohl ger\u00e4t ihm die Bitte f\u00fcr die Seinen doch auch zur Bitte um den Glauben der Welt. Das kann auch nicht anders sein, wenn er selbst das ansprechende Wort Gottes ist, das in der Gemeinde lebendig ist, an deren Grenzen aber nicht haltmacht, sondern ihr immer neue Weltmenschen hinzuf\u00fcgen will.<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>Sollen wir nun weitersingen &#8222;Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig&#8220; oder sollen wir uns um das B\u00fcndnis mit dem Zeitgeist bem\u00fchen? Sollen wir beides tun oder keins von beidem?<\/p>\n<p>Nun, gegen das Lied spricht gar nichts. Nur t\u00e4te es wohl gut, sich von unserem Text her immer wieder daran erinnern zu lassen, wie denn der erh\u00f6hte Christus eigentlich herrschen will: n\u00e4mlich als das in der Gemeinde lebendige, sch\u00f6pferische Gotteswort, das \u00fcber die Grenzen der Gemeinde hinausdr\u00e4ngt und alle die anspricht, die es sich gefallen lassen. Vielleicht k\u00f6nnte das auch dazu verlocken, das Lied und andere Ausdrucksformen unseres Glaubens nicht so strikt in den Grenzen unserer geschlossenen Gesellschaften zu halten. Nein, wirklich, ich bin mir ganz sicher: Sch\u00f6n sah das aus und sch\u00f6n h\u00f6rte sich&#8217;s an, wie da bei der Tagung die Morgenm\u00fcden erwachten und singend das ausdr\u00fcckten, was sie eigentlich schon lange mal sagen wollten.<\/p>\n<p>Also eine klare Absage an den Zeitgeist (was immer das ist)? Sollen wir uns die Ohren verstopfen, und dann, wenn wir gerade mal nicht singen, pfeifen, z.B. auf s\u00e4mtliche W\u00fcnsche und Erwartungen an unsere Kirche, pfeifen auf alle Effektivit\u00e4tsgesichtspunkte bei der Regulierung kirchlicher Arbeit, und \u00fcberhaupt: pfeifen auf alles, was &#8222;man&#8220; gegenw\u00e4rtig so f\u00fcr wichtig h\u00e4lt? Besser nicht. Zum einen, weil das einfach dumm w\u00e4re: Wer sich dem Zeitgeist verschlie\u00dft, hat bestimmt mit dem Geist einer fr\u00fcheren Zeit angebandelt, und ob das nun besser ist, steht noch dahin. Au\u00dferdem, und das ist noch viel wichtiger: Es ist wirklich so, da\u00df das ansprechende Gotteswort nicht bei uns eingesperrt werden will. Wie k\u00f6nnten wir da in den Wahnsinn verfallen, seinem Weiterdr\u00e4ngen unn\u00f6tige Stolpersteine in den Weg zu legen durch ein sektiererisches Abgrenzungsgehabe, das der Welt um uns herum keine Frage wert ist? Nur \u2013 und das ist wohl das Allerwichtigste: Der Verzicht auf die klare Absage an den Zeitgeist bedeutet noch lange nicht das B\u00fcndnis mit ihm. Jedenfalls so lange nicht, wie uns unser abgehobener Text im Ohr klingt. Er will uns wirklich abheben, indem er uns in dasjenige B\u00fcndnis stellt, in das wir einzig und allein geh\u00f6ren: &#8222;damit sie alle eins sind, wie du, Vater, in mir und ich in dir, damit auch sie in uns sind&#8220;.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>PD Dr. Angelika Reichert<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gneisenaustr. 76<\/strong><\/p>\n<p><strong>33330 G\u00fctersloh<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:reichert.angelika@t-online.de\"><strong>E-Mail: reichert.angelika@t-online.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christi Himmelfahrt | 24. Mai 2001 | Johannes 17,20-23 | Angelika Reichert | Vorbemerkung Die Predigt bezieht sich ausschlie\u00dflich auf den ersten Teil des vorgeschlagenen Predigttextes (Joh 17,20-26). 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