{"id":22252,"date":"2001-04-21T11:27:50","date_gmt":"2001-04-21T09:27:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22252"},"modified":"2025-03-21T11:29:58","modified_gmt":"2025-03-21T10:29:58","slug":"markus-169-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-169-20-2\/","title":{"rendered":"Markus 16,9-20"},"content":{"rendered":"<h3>Quasimodogeniti | 22.4.2001 | Markus 16,9-20 | J\u00fcrgen Berghaus |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p>Quasimodogeniti &#8211; wie neugeboren : so lautet der traditionelle Name des heutigen ersten Sonntags nach Ostern. Wie neugeboren war Christus damals, als er am dritten Tag nach seinem Kreuzestod von Gott auferweckt wurde. Wie neugeboren sollten auch wir Christen sein, wenn wir die lebendig machende Botschaft von der Auferstehung h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Unser Predigttext jedoch redet zur\u00fcckhaltender von der Wirkung der Auferstehungsbotschaft. Wohl nicht ohne Grund, denn dieser Schlu\u00df des Markusevangeliums wurde erst nachtr\u00e4glich angeh\u00e4ngt &#8211; und er zeigt, welche Hoffnungen, aber auch welche Schwierigkeiten damals aus der Auferstehungsbotschaft erwuchsen.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Christen im 21. Jahrhundert ist der zeitliche Abstand von den Osterereignissen in Jerusalem ein gro\u00dfes Problem : Wir kennen Jesus nicht pers\u00f6nlich, uns ist der Auferstandene nicht erschienen &#8211; ein direkter Zugang zur Auferstehungsbotschaft ist daher nicht m\u00f6glich.Doch dieses Problem kannten schon jene Christen im 2. Jh., die den Schlu\u00df des Mk-Ev formulierten. Ihre Antwort : die bleibende Erinnerung an die Zeugen der Auferstehung. Maria von Magdala, zwei J\u00fcnger unterwegs und schlie\u00dflich der gesamte J\u00fcngerkreis &#8211; diesen Zeugen ist der Auferstandene begegnet; das reicht aus zur Vergewisserung des christlichen Glaubens. Wenn diese Zeugen nicht w\u00e4ren, so bliebe die Auferstehung Jesu nur eine fleischlose Idee ohne Wirklichkeitsgehalt. Die Zeugen des Auferstandenen jedoch machen aus der Idee ein Ereignis, aus dem Gedanken eine Tat und aus der Hoffnung das Geschehene.<\/p>\n<ol>\n<li>UNGLAUBE IST MENSCHLICH<\/li>\n<\/ol>\n<p>Da\u00df die Auferstehung Jesu Christi eher Ablehnung als Zustimmung erf\u00e4hrt, ist nicht blo\u00df ein neuzeitliches Ph\u00e4nomen. Gewi\u00df, wir aufgekl\u00e4rten Menschen pflegen hinter die Dinge zu schauen und tun uns wohl besonders schwer damit, ein Handeln Gottes in unserer Welt zu akzeptieren, da\u00df alle Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten und Erfahrungswerte sprengt. Unser logisches Denken kann dieses Ereignis nicht in den Griff kriegen. Wer also seinen Glauben an einsichtiger Erkl\u00e4rbarkeit festmacht, wird der Auferstehung Jesu nur mit Unglauben begegnen.<\/p>\n<p>Unglaube ist menschlich, liebe Gemeinde, denn wir alle verlassen uns doch gern auf das Normale. Wenn in unserem Alltag etwas v\u00f6llig Neues und unerwartet Fremdes passiert, dann wehren wir es ab : Das gibt\u00b4s doch gar nicht, da ist einfach unglaublich ! Wer rechnet schon ernsthaft damit, da\u00df Gott derart machtvoll in den Lauf unserer Welt eingreift und ihren gewohnten Gang aus der Bahn bringt? Unglaube ist menschlich, weil die Auferweckung Jesu jedes Verstehenwollen \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Selbst Jesu J\u00fcnger waren zun\u00e4chst einmal ungl\u00e4ubig, als sie damals diese Botschaft h\u00f6rten. Kein Wunder also, wenn auch uns manchmal der Zweifel packt an Jesu Auferstehung, die doch eigentlich im Zentrum des Glaubens stehen sollte. Unglaube ist menschlich, und wir sind keine \u00dcbermenschen !<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>WAS JESUS SEINEN J\u00dcNGERN SAGT<\/li>\n<\/ol>\n<p>Als der auferstandene Jesus nach unserem Predigttext in den J\u00fcngerkreis tritt, f\u00e4ngt er an zu schimpfen: \u201eEr schalt ihren Unglauben und ihres Herzens H\u00e4rte\u201c, hei\u00dft es w\u00f6rtlich. Unglaube ist zwar menschlich &#8211; dennoch sollte es unter Christen nicht dabei bleiben. \u201eWer nicht glaubt, der wird verdammt werden\u201c, sagt der Auferstandene in kaum zu \u00fcberbietender Sch\u00e4rfe.<\/p>\n<p>Auf den Glauben kommt es an, wenn wir uns Christen nennen in der Nachfolge Jesu. Mein Glaube l\u00e4\u00dft erkennen, wieweit ich offen bin f\u00fcr Gottes Handeln in dieser Welt und in meinem Leben. Lasse ich wirklich Gott meinen Herrn sein, oder habe ich nicht schon l\u00e4ngst anderen Menschen, Ideen oder Gewalten den bestimmenden Platz in meinem Herzen einger\u00e4umt ?<\/p>\n<p>Nun ist der Glaube aber nichts, was von mir im Sinne einer Leistung zu erbringen w\u00e4re. Der Glaube hat vielmehr einen sonderbar passiven Charakter : Ich stelle mein eigenes K\u00f6nnen, Wissen oder Tun zur\u00fcck, um mit allen Sinnen dem Wirken Gottes nachzusp\u00fcren. Rechter Glaube kann wachsen, wenn ich den Zeugen der Auferstehung Vertrauen schenke und ihre Botschaft zu Herzen nehme. \u201eWer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden\u201c, hat der Auferstandene seinen Nachfolgern verhei\u00dfen<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, ist es nicht erstaunlich, da\u00df ausgerechnet den zweifelnden J\u00fcngern ein umfassender Missionsbefehl gegeben wird : \u201eGehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.\u201c Damit werden Menschen beauftragt, die eben erst des Unglaubens \u00fcberf\u00fchrt wurden. Die G\u00fcltigkeit der verk\u00fcndeten Botschaft h\u00e4ngt also nicht von der Glaubensfestigkeit ihrer Boten ab. Ich mu\u00df mich nicht durch fromme Taten qualifizieren, sondern mit all meinen Zweifeln, Fehlern und Unfertigkeiten werde ich und werden wir alle in den Dienst am Evangelium berufen. Von Gottes Handeln in dieser Welt soll jeder Christ erz\u00e4hlen k\u00f6nnen &#8211; mit eigenen Worten im jeweils allt\u00e4glichen Umfeld !<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>DIE MACHT DER AUFERSTEHUNG<\/li>\n<\/ol>\n<p>Liebe Gemeinde, in den letzten Versen unseres Predigttextes ist von Zeichen die Rede, die den Glaubenden folgen werden : Geisteraustreibung, Zungenreden, Krankenheilung und anderes mehr. Bei genauerem Hinsehen ergibt sich : Die genannten Zeichen sind keine Zauber-Kunstst\u00fccke, die zu vollbringen Glaubende bef\u00e4higt w\u00e4ren. Die Zeichen folgen vielmehr den Gl\u00e4ubigen nach, sie h\u00e4ngen sich sozusagen an ihre Fersen &#8211; Wunderbares erw\u00e4chst aus der Botschaft, die gl\u00e4ubige Christen verk\u00fcnden sollen.<\/p>\n<p>Jene Zeichen verweisen auf die Macht der Auferstehung &#8211; mit ihrer Kraft hat Jesus die Mauer des Todes \u00fcberwunden, und sie reicht weit hinein auch in unser Leben mit allen N\u00f6ten und \u00c4ngsten, Dunkelheiten und Sackgassen. Die Macht der Auferstehung hat damals ihre Kraft bewiesen, als Jesus von den Toten auferweckt wurde; und sie leistet auch heute noch Widerstand, wo der Tod nach dem Leben greift, wo gelingendes Leben behindert oder vernichtet wird, wo fremde Gewalten uns ihre eigenm\u00e4chtigen Wege aufzwingen wollen.<\/p>\n<p>Geisteraustreibung heute &#8211; das k\u00f6nnte bedeuten, inmiten des pluralistischen Wiirrwarrs unterschiedlicher Meinungen und Lebensstile ein offenes Herz zu bekommen f\u00fcr Gottes Willen und Wirken. Zungenreden heute &#8211; damit k\u00f6nnte gemeint sein, abweichend von den ausgetretenen Pfaden neue Gedanken, Worte und Taten zu finden, um Gottes Gegenwart glaubw\u00fcrdig weiterzusagen. Krankenheilung heute &#8211; dazu haben neben den Medizinern auch wir Christen Auftrag und Berufung; manchmal k\u00f6nnen hier schon ein paar freundliche Worte und eine liebevolle Geste viel erreichen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, die Macht der Auferstehung hat auch in unserer Zeit ihre Kraft nicht verloren. Sie wird uns st\u00e4rken, wenn wir den allzu menschlichen Unglauben hinter uns lassen wollen und tastende Schritte wagen auf dem Weg des Glaubens. Da\u00df Jesus Christus auferstanden ist, wie es die ersten Zeugen berichten, das sollte uns Mut machen, dieser Mact der Auferstehung zu trauen, die uns von innen her erneuern will.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer J\u00fcrgen Berghaus<\/strong><\/p>\n<p><strong>51377 Leverkusen-Manfort<\/strong><\/p>\n<p><strong>Scharnhorststra\u00dfe 38<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tel.\/Fax : 0214 \/ 8707091<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kirche-manfort.de\/\">http:\/\/www.kirche-manfort.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quasimodogeniti | 22.4.2001 | Markus 16,9-20 | J\u00fcrgen Berghaus | Liebe Gemeinde ! Quasimodogeniti &#8211; wie neugeboren : so lautet der traditionelle Name des heutigen ersten Sonntags nach Ostern. Wie neugeboren war Christus damals, als er am dritten Tag nach seinem Kreuzestod von Gott auferweckt wurde. 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