{"id":22267,"date":"2001-08-21T11:48:10","date_gmt":"2001-08-21T09:48:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22267"},"modified":"2025-03-21T11:51:15","modified_gmt":"2025-03-21T10:51:15","slug":"matthaeus-1344-46-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1344-46-5\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 13,44-46"},"content":{"rendered":"<h3>9. Sonntag nach Trinitatis | 12. August 2001 | Matth\u00e4us 13,44-46 | Karl Wilhelm Rennstich |<\/h3>\n<p><strong>Predigttext<\/strong>\u00a0Matth\u00e4us 13, 44- 46:<\/p>\n<p>Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn; und in seiner Freude dar\u00fcber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.<\/p>\n<p>Abermals ist das Himmelreich gleich einem Kaufmann , der gute Perlen suchte.<\/p>\n<p>Und da er eine k\u00f6stliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte sie.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Die Stadt Koloss\u00e4 war eine phrygische Stadt am oberen Lykos. Sie lag an einer wichtigen Handelsstra\u00dfe. Die Bewohner waren reich geworden durch die Textilindustrie. An diese Gemeinde schrieb der global ausgerichtete, j\u00fcdisch und hellenistisch gebildete Paulus: &#8222;In Christus liegen verborgen alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis&#8220; (Kol 2, 3). Christus ist nach Paulus der gr\u00f6\u00dfte Schatz.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Worte sind in unserem Predigttext:<\/p>\n<p>o Reich des Himmels und<\/p>\n<p>o Schatz (Perle).<\/p>\n<p>Beide werden in einen engen Zusammenhang gebracht: &#8222;Es verh\u00e4lt sich mit dem\u00a0<strong>Himmelreich<\/strong>\u00a0wie&#8220; mit einem Schatz im Acker, den ein auf dem Acker arbeitender Mensch\u00a0<strong>zuf\u00e4llig<\/strong>\u00a0findet. Oder wie mit einem Kaufmann (emporos), der lange nach einer Perle (margarita) suchte und sie\u00a0<strong>schlie\u00dflich fand<\/strong>. Man kann das\u00a0<strong>Himmelreich<\/strong>\u00a0zuf\u00e4llig oder nach langem Suchen finden.<\/p>\n<p>Beiden ist gemeinsam, dass sie alles aufgeben, was sie besitzen, um den neuen Schatz, das Himmelreich durch das Ansammeln von G\u00fctern erwerben zu k\u00f6nnen. Der Thesauros (Schatz) spielt in der Bibel eine wichtige Rolle. So bringen die Weisen nach Mt. 2, 11 ihre Sch\u00e4tze zum Jesus Kind in der Krippe. Und Jesus spricht dann sp\u00e4ter davon, dass irdische Sch\u00e4tze den Motten und Dieben anheim fallen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Bibel unterscheidet zwischen geistlichem und materiellem, zwischen gutem und schlechtem Schatz und unterscheidet zwischen dem Schatz und seinen Wirkungen. Dies wird verglichen mit dem Baum und den Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p>Der reiche J\u00fcngling unterscheidet zwischen den himmlischen und den irdischen Reicht\u00fcmern und der reiche Kornbauer Lk 12, 21ff) begegnet uns wieder bei Paulus im Zusammenhang mit dem Sprichwort der Kollekte. Der Schatz ist nicht billig zu haben. Das Geschenk Gottes, das Evangelium, hat seinen Wert.<\/p>\n<p>Der deutsch- amerikanische Theologe Walter Rauschenbusch (1861-1918) sah in der Reich Gottesverk\u00fcndigung Jesu das Zentrum der biblischen Botschaft und des christlichen Glaubens. Die Idee vom Reich Gottes fand er bereits vorgepr\u00e4gt im Alten Testament bei den grossen Schriftpropheten. Die Propheten k\u00e4mpften um das Wohl der Gemeinschaft und litten an der Schuld des ganzen Volkes.<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlte das Beispiel eines New Yorker Polizisten, der vom Schubkarren eines Italieners eine Banane nahm, w\u00e4hrend dieser verzweifelt versuchte gl\u00fccklich dreinzuschauen. Tatenlos s\u00e4hen wir Christen solchem Machtmissbrauch zu, doch Jesus habe das Leben von Z\u00f6llnern und Soldaten ver\u00e4ndert und sie aufgefordert, ihr Parasitentum aufzugeben. Jesus arbeitete zwar viel mit Einzelnen, doch sein Ziel war die Gesellschaft; Zentrum seiner Lehre war das Reich Gottes, und dies ging von kleinen Zentren der Erneuerung aus. Jesus machte, als einer, der in der Tradition der hebr\u00e4ischen Propheten stand, die Menschen bereit f\u00fcr eine gerechtere soziale Ordnung, die er als Reich Gottes bezeichnete. &#8222;Im Reich Gottes sollen keine menschlichen Atome, sondern der soziale Organismus gerettet werden. Nicht einzelne in den Himmel, sondern das Leben auf der Erde in himmlische Harmonie gebracht werden.&#8220;<\/p>\n<p>Grundlage dieses Reiches sei f\u00fcr Jesus die Liebe, und er habe jeden Brauch, jedes Gesetz und jede Institution daraufhin getestet und bewertet, ob es die Menschen zueinanderzieht, oder sie spaltet. Rauschenbusch w\u00fcnschte sich f\u00fcr die Nachfolger Jesu das gleiche umfassende Konzept des Gottesreiches, das in der passionierten Liebe f\u00fcr die Gerechtigkeit, in der menschlichen Z\u00e4rtlichkeit und in der br\u00fcderlichen Freiheit Gestalt annehme. Jesus habe Bilder aus dem organischen Leben in seinen Gleichnissen verwendet, um das allm\u00e4hliche Wachstum, die langsame Entwicklung des Gottesreichs auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Daran erinnert das Gleichnis von der Perle.<\/p>\n<p>Abermals ist das Himmelreich gleich einem Kaufmann (emporos\/ Imperator), der gute Perlen suchte.<\/p>\n<p>Und da er eine k\u00f6stliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte sie.<\/p>\n<p>Im Urtext hei\u00dft Kaufmann &#8222;emporos&#8220; und dieses Wort erinnert uns an Imperium und &#8222;globalen Kapitalismus&#8220;. Der Apostel Paulus warnt bereits in seinen Briefen gegen die Verwechslung der falschen und wahren &#8222;Margariten&#8220; (so hei\u00dft die Perle im Urtext).<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus erinnert daran in 2 Kor 2,17: &#8222;Wir geh\u00f6ren nicht zu den vielen (Wortverk\u00fcndigern) die das Wort Gottes verschachern, sondern in Lauterkeit (Ehrlichkeit, Uneigenn\u00fctzigkeit, Sachlichkeit) von Gott her (erm\u00e4chtigt und inspiriert) im Angesichte Gottes, in Christus reden wir&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Das Wort verf\u00e4lschen&#8220;, kann auch bedeuten: so wie der Kleinh\u00e4ndler den Wein mit Wasser vermischt, aber als ungemischt verkauft&#8220; so kann auch das Evangelium mit falschen Zus\u00e4tzen versehen werden.<\/p>\n<p>Das &#8222;Wort Gottes verh\u00f6kern&#8220; ist ein drastischer Ausdruck f\u00fcr den Mi\u00dfbrauch, der mit dem &#8222;heiligen Wort Gottes&#8220; getrieben wird. Paulus handelt dagegen nach dem Beispiel des Gleichnisses:<\/p>\n<p>Und da er eine k\u00f6stliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte sie.<\/p>\n<p>Er nannte es in seinem Schreiben an die Gemeinde in Philippi in seiner Unternehmersprache so:<\/p>\n<p>&#8222;Das, was ich vor meinem Begegnung mit Christus (in Damaskus) als Gewinn verbuchte, das schreibe ich nach meiner Begegnung mit Christus als Verlust ab. &#8222;(Phil. 3, 7f) Neue Lebenswerte waren nach seiner Hinwendung zu Christus: Uneigenn\u00fctzigkeit, Bindung an Gottes eigenes Wort, Verantwortungsbewu\u00dftsein.<\/p>\n<p>Diese Gebundenheit an Gottes eigenes Wort wurde lebensbesimmend f\u00fcr den Inder Sadhu Sundar Singh.<\/p>\n<p>Der fr\u00fchverstorbene Sadhu Sundar Singh (1889 &#8211; 1929) sagte von sich, Christ geworden sei er durch den Heiligen Geist, aber Sadhu (Wanderm\u00f6nch) durch seiner Mutter, die sein religi\u00f6ses Leben von seiner fr\u00fchesten Jugend an durch ihre Fr\u00f6mmigkeit gepr\u00e4gt habe. Sie war weitherzig und f\u00fcr die Lehren der Sikh-Religion wie die des Hinduismus gleicherma\u00dfen offen. Auch christliche Missionarinnen lud sie gelegentlich bei sich ein. Nach ihrem Wunsch sollte der Sohn ein Sadhu werden, auf Ehe und Familie, Geld und Ehre und alle Sch\u00e4tze der Welt verzichten und als armer Wanderm\u00f6nch durch das Land ziehen!<\/p>\n<p>Ein ebenso frommer wie schriftkundiger Mann unterrichtete den jungen Sundar in der Religion der V\u00e4ter. Sp\u00e4ter besuchte er die in Rampur gelegene Grundschule der amerikanischen Presbyterianer und eine entfernt gelegene Regierungsschule.<\/p>\n<p>Sundar hatte keinen Frieden, sondern wurde durch innere Ruhelosigkeit umgetrieben. In einem hellen Licht erschien ihm der lebendige Christus. Er h\u00f6rte die Worte: &#8222;Warum verfolgst du mich? Siehe, ich bin am Kreuz f\u00fcr dich und die ganze Welt gestorben.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Begegnung mit dem lebendigen Christus ver\u00e4nderte Sundar Singhs Leben v\u00f6llig. Seine Angeh\u00f6rigen lie\u00dfen ihn den Zorn der Familie sp\u00fcren. Sundar mu\u00dfte sein Elternhaus verlassen. Die erste Nacht verbrachte er bei kaltem Wetter unter einem Baum. Das Leben des verw\u00f6hnten Jungen wurde von nun an durch Leiden gepr\u00e4gt. Doch die Gegenwart des Erl\u00f6sers verwandelte sein Leiden in Frieden. &#8222;Seither habe ich die Gegenwart des Erl\u00f6sers immer gesp\u00fcrt.&#8220;<\/p>\n<p>Als er sechzehn Jahre alt war, lie\u00df er sich am 3. September 1905 taufen. Der 23. Psalm sowie das 53. Kapitel aus dem Buch des Propheten Jesaja wurden seine liebsten Worte, weil sein Weg der Christusnachfolge ihn in soviel Not und Leiden gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Nach der Taufe verlie\u00df Sundar Singh die Schule und zog als freier Zeuge Jesu ins Land hinaus. Gegen Ende des Jahres 1909 aber sp\u00fcrte er, theologische Ausbildung k\u00f6nne ihm nur helfen, seinen Zeugendienst noch besser zu erf\u00fcllen. So trat er in Lahore ins St. John&#8217;s College ein. Er wollte aber nicht Pfarrer werden, um dann in einer bestimmten Kirche zu dienen, sondern als christlicher Wanderm\u00f6nch, als Sadhu, durchzog er ganz Indien und reiste (1920\/22) nach Europa und die USA . Tief entt\u00e4uscht war er von dem geistlichen Zustand des &#8222;christlichen&#8220; Abendlandes.<\/p>\n<p>Im Winter 1927\/28 wurde Sundar Singh sehr krank; dennoch unternahm er im Fr\u00fchjahr ein gefahrvolle Reise nach Tibet. Den ersten Teil der Reise machte er mit der Bahn; von der Endstation schrieb er noch eine Karte, dass er gut angekommen sei und sich nun einer Karawane \u00fcber den Khypa\u00df anschlie\u00dfen wolle. Es war das letzte Lebenszeichen, das seine Freunde erhielten. Was hat er uns an Bleibendem zu sagen? Er war ein Mann der pers\u00f6nlichen Hingabe an Christus. Er war \u00fcberzeugt: &#8222;Gebetsmenschen erlangen das Recht, S\u00f6hne Gottes zu werden, und werden von Ihm zu Seinem Ebenbild und Gleichnis umgestaltet.&#8220;<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><strong>Dogmatische und homiletische Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff\u00a0<strong>Himmelreich<\/strong>\u00a0ist ein Symbolbegriff wie der buddhistische Begriff\u00a0<strong>nirvana<\/strong>\u00a0oder der chinesische Begriff\u00a0<strong>&#8222;tien&#8220;<\/strong>\u00a0(Himmel).Konfuzius bekennt von sich, dass er nicht wider den Himmel den Menschen grolle wolle, Er strebe &#8222;nach Erkenntnis hier unten&#8220; und dringe empor zu dem, was droben ist. &#8222;Einer ist&#8217;s der mich kennt, der Himmel&#8220; (Lun Y\u00fc XIV, 37). An einer anderen Stelle sagt er: &#8222;Wer gegen den Himmel s\u00fcndigt, der hat niemand, zu dem er beten kann&#8220;.<\/p>\n<p>Unter &#8222;<strong>Schatz<\/strong>&#8220; finden wir beispielsweise in KNAUERS LEXIKON &#8222;Schatzanweisung&#8220; n\u00e4mlich &#8222;eine kurz- und mittelfristige Schuldverschreibungen der \u00f6ffentlichen Hand zur Finanzierung eines vor\u00fcbergehenden Geldbedarfs&#8220; handelt. Schatz und Geld geh\u00f6ren zusammen. Von verborgenen Sch\u00e4tzen reden viele M\u00e4rchen; es gibt viele Abenteuerb\u00fccher \u00fcber Schatzinseln und Sch\u00e4tze in H\u00f6hlen. Millionen Zuschauer hoffen auf ihren Millionengewinn im Fernsehen. Schatz nennen sie Liebende.<\/p>\n<p>In der\u00a0<strong>Bibel<\/strong>\u00a0besteht ein enger Zusammenhang zwischen Gott, Macht, Weisheit und Liebe: &#8222;(&#8230;) Ich bin die Mutter des Gottes. Er spielte auf dem Erdboden vor mir. Meine Lust ist bei den Menschenkindern. So erlauschet sorgsam meine Stimme! Wohl denen, die in meinen Wegen wandeln! Wer mich findet, der findet das Leben. Wer an mir vor\u00fcbergeht, der verletzt seine Seele. Alle die mich hassen, lieben den Tod (Spr\u00fcche 8, 22 ff ) .&#8220;<\/p>\n<p>Nach griechisch- r\u00f6mischer Glaubensvorstellung herrschte zwischen dem\u00a0<strong>Drei-M\u00e4nner-Triumpharat<\/strong>, Pluto, (Gott des Reichtums), Apollo (Gott der Wissenschaft) und Merkur (Gott der Diebe und H\u00e4ndler) offene Zwietracht und Eifersucht. Nachdem die Philosophen im 18. Jahrhundert das Zeitalter der Vernunft einl\u00e4uteten, hat Apollo den vakanten Thron des zeitweise indisponierten Zeus eingenommen, lehrt uns Robert v. Ranke-Graves.<\/p>\n<p>Die Weisheit dagegen ist eine edle Dame, eine K\u00f6nigin. Weisheit ist Lebenserfahrung. Weise brauchen keine politische und wirtschaftliche Macht. Das Kriterium der Weisheit ist die Freude. In Indien nennt man das &#8222;ananda&#8220;. Die Griechen nennen es &#8222;charis&#8220;. Die Freude ist eine unmittelbare Frucht der Weisheit. Sie ist ein Geschenk. Weisheit war immer der Reichtum des einfachen Volkes. Wir finden sie in Spr\u00fcchen, Parabeln und Erz\u00e4hlungen der V\u00f6lker in der ganzen Welt. Die Weisheit lebt im gesprochenen &#8222;Wort&#8220;. In der m\u00fcndlichen Tradition wird sie durch das Sieb der Zeiten vertieft und verfeinert. Die Weisheit hat viele Wohnungen. Aber man mu\u00df ihr eine Wohnung bereiten, wenn man sie haben will.<\/p>\n<p>Die\u00a0<strong>Kultivierung der Pers\u00f6nlichkeit<\/strong>\u00a0ist in China h\u00f6chstes Ziel. Nur der vornehme Charakter (g\u00fcndsi -der Edle) kann wirklich herrschen. Sein Grundgesetz ist die Gewissenhaftigkeit &#8222;dschung&#8220;. Sie setzt voraus &#8222;die freie Anerkennung ihrer Pers\u00f6nlichkeit, als eines dem eigenen Ich gleichgeordneten Selbstzwecks &#8222;schu&#8220;. Der Weg zur Sittlichkeit sieht so aus: &#8222;Dsi Gung fragte (was man tun m\u00fcsse) um sittlich vollkommen zu werden. Der Meister sprach: &#8222;Ein Arbeiter, der seine Arbeit recht machen will, mu\u00df erst seine Werkzeuge schleifen. (&#8230;) &#8222;Der Edle stellt Anforderungen an sich selbst, der Gemeine stellt Anforderungen an die (anderen) Menschen&#8220; (XV, 20 S. 158).<\/p>\n<p>Der Edle lebt nach dem praktischen Imperativ: &#8222;Was du selbst nicht w\u00fcnschest, tu nicht an andern&#8220; (XV, 23, S. 159).<\/p>\n<p>Die\u00a0<strong>Sittlichkeit gilt als Lebenselement<\/strong>: &#8222;Der Meister sprach: Sittlichkeit ist noch mehr f\u00fcr die Menschen als Wasser und Feuer. Ins Feuer und Wasser habe ich schon Menschen treten sehen und daran sterben. Noch nie habe ich einen gesehen, der in die Sittlichkeit trat und daran starb&#8220; (XV, 34, S. 161).<\/p>\n<p>Der\u00a0<strong>Symbolbegriff &#8222;Himmelreich<\/strong>&#8220; entstammt dem Bild eines Herrschers, der ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufrichtet. Der Begriff ist eng verbunden mit der Sittlichkeit. Eine \u00e4hnliche Bedeutung hat der buddhistische Begriff &#8222;<strong>Nirvana<\/strong>&#8220; und der chinesische Begriff &#8222;tien&#8220;. &#8222;Nirvana&#8220; kommt aus der Erfahrung der Endlichkeit, der Trennung, des Irrtums und des Leidens; er entstammt der Vorstellung eines seligen Einsseins aller Wesen, jenseits von Endlichkeit und Irrtum.<\/p>\n<p>Doch es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen dem buddhistischen und christlichen Symbolbegriff. Beide Vorstellungen beruhen auf einer negativen Bewertung der Existenz: das Reich Gottes steht im Gegensatz zu den Reichen dieser Welt; das Nirvana bezeichnet im Gegensatz zu der Welt des Scheins die wahre Wirklichkeit. Das negative Urteil des Christentums richtet sich jedoch nur gegen die gefallene, nicht gegen die geschaffene Welt. Im Buddhismus dagegen ist die Tatsache, dass es eine Welt gibt, das Ergebnis eines ontologischen Falls in die Endlichkeit.<\/p>\n<p>Wenn Paulus das Reich Gottes mit dem Zustand identifiziert, in dem Gott\u00a0<strong>in<\/strong>\u00a0allem (oder f\u00fcr alles) sein wird, oder wenn das Symbol &#8222;Reich Gottes&#8220; mit dem des &#8222;Ewigen Leben&#8220; vertauschbar ist und als die &#8222;ewige Schau Gottes und die Seligkeit in ihm&#8220; bezeichnet wird, so erinnern diese Vorstellungen an die &#8222;Lobpreisung des Nirvana&#8220; als eines Zustandes \u00fcberzeitlicher Gl\u00fcckseligkeit. Beim gemeinsamen Betrachten finden wir auch \u00dcbereinstimmung zwischen Buddhismus und christlichem Glauben in bezug auf das Verhalten des Menschen zur Natur und in bezug auf das Verh\u00e4ltnis von Mensch zu Mensch und vom Menschen zur Gesellschaft.<\/p>\n<p>Partizipation f\u00fchrt zu &#8222;agape&#8220;, Identit\u00e4t zu Mit-Leiden (compassio). &#8222;Compassio&#8220; ist der Zustand, in dem einer, der nicht an sich selbst leidet, durch Identifikation mit einem anderen Leidenden leidet. &#8222;Agape&#8220; dagegen ist die Bejahung des anderen, das Herabsteigen vom H\u00f6chsten zum Niedrigsten und zugleich der Wille, ihn und die Bedingungen seiner Existenz zu verwandeln. Dadurch unterscheiden sich buddhistisches und christliches Geschichtsverst\u00e4ndnis grunds\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Das Symbol &#8222;Reich Gottes&#8220; deutet auf &#8222;den neuen Himmel und die neue Erde&#8220;. Diese Kraft kann man als revolution\u00e4re Dynamik bezeichnen. Das Ziel des Buddhismus dagegen ist Erl\u00f6sung von der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Zusammengefa\u00dft wird dies alles im chinesischen Begriff &#8222;ren&#8220;. Etymologisch besteht diese Wurzel aus &#8222;Mensch&#8220; (ren) und der Zahl &#8222;zwei&#8220;, was bedeutet: zwei Menschen lieben einander von ganzem Herzen. In Drang und Hitze , in Sturm und Gefahr bleibt der Weise unentwegt in dieser Menschenliebe.<\/p>\n<p>Dieses Lebensideal hei\u00dft &#8222;tao&#8220;. Es umfa\u00dft nach Tseng- Tse die Treue gegen\u00fcber sich selbst und die Liebe gegen\u00fcber dem Mitmenschen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Karl Wilhelm Rennstich<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bei der Kirche 272574 Bad Urach-Seeburg<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tel: +49-(0)7381-3215 Fax: +49-(0)7381-501234<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:kwrennstich@gmx.de\"><strong>E-mail: kwrennstich@gmx.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. Sonntag nach Trinitatis | 12. 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