{"id":22296,"date":"2001-07-21T15:17:09","date_gmt":"2001-07-21T13:17:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22296"},"modified":"2025-03-21T15:18:06","modified_gmt":"2025-03-21T14:18:06","slug":"lukas-191-10-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-191-10-4\/","title":{"rendered":"Lukas 19,1-10"},"content":{"rendered":"<h3>3. Sonntag nach Trinitatis | 1. Juli 2001 | Lukas 19,1-10 | Uwe Erdmann |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ich will mich Ihnen kurz vorstellen, Zach\u00e4us ist mein Name, ganz einfach Zach\u00e4us.<\/p>\n<p>Was, sagen sie, was, bitte? Ich soll habgierig sein?<\/p>\n<p>Stimmt nicht! Wie kommen Sie \u00fcberhaupt darauf?<\/p>\n<p>Ich nutze doch nur die bestehenden Gesetze aus. Das k\u00f6nnten Sie genauso gut machen.<\/p>\n<p>Und das soll dann gleich habgierig sein. Das kann ich nicht so stehen lassen. Nein, das ist schlicht und einfach falsch.<\/p>\n<p>Sie meinen, ich w\u00fcrde meine Position ausnutzen, weil ich eine Monopolstellung habe. Ich w\u00fcrde meine Mitarbeiter dazu auffordern, den Leuten immer mehr abzunehmen. Auch das ist so nicht richtig. Die Preise sind nun mal in der letzten Zeit gestiegen, und die Mitarbeiter wollen auch mehr Geld haben.<\/p>\n<p>Und, wo soll das denn herkommen. Ich kann auch nicht einfach mein eigenes Geld drucken. Ich mu\u00df auch sehen, wo ich bleibe. Schlie\u00dflich mu\u00df ich ja auch meine Familie ern\u00e4hren. Und wenn die Oliven knapp werden auf dem Markt, dann fordern die Bauern doch auch h\u00f6here Preise. Das ist nun mal so. Und ich sage Ihnen, das wird auch bleiben.<\/p>\n<p>Was, noch so ein Vorwurf, ich w\u00fcrde mit den R\u00f6mern zusammen arbeiten.<\/p>\n<p>Nun, man kann sich seine Gesch\u00e4ftspartner nun mal nicht aussuchen. Beim Gesch\u00e4ft, da geht es nicht um gut und b\u00f6se, da geht es eben ums Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt, seien Sie doch froh, das die R\u00f6mer da sind, da herrscht wenigstens Ruhe und Ordnung. Wenn Krieg w\u00e4re, dann k\u00f6nnten Sie auch nichts verdienen und Ihre Familien m\u00fc\u00dften hungern.<\/p>\n<p>Also, Sie k\u00f6nnen mich doch nicht daf\u00fcr verurteilen. Und wissen Sie, es war gar nicht so einfach, den Auftrag von den R\u00f6mern zu bekommen, ich mu\u00dfte mich schon sehr anstrengen, um die Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen.<\/p>\n<p>Also, verurteilen Sie mich gef\u00e4lligst nicht, nur weil ich Gesch\u00e4fte mache. Ich habe schlie\u00dflich auch meine Unkosten. Die R\u00f6mer wollen auch jede Woche ihr Geld sehen.&#8220;<\/p>\n<p>Ist doch alles in Ordnung mit dem Herrn Zach\u00e4us, oder finden Sie nicht? Ein cleverer Gesch\u00e4ftsmann eben, so wie er auch heute noch vorkommt. Er nutzt halt nur die bestehenden Verh\u00e4ltnisse aus.<\/p>\n<p>Dass da am Ende immer ein bi\u00dfchen mehr Geld in seinen Taschen h\u00e4ngen bleibt, wer wollte es ihm verdenken.<\/p>\n<p>W\u00fcrde er das nicht machen, w\u00fcrden andere, vielleicht ja auch wir selber, nicht auch versuchen, das Beste f\u00fcr uns herauszuholen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrden wir das auch tun. Selbstverst\u00e4ndlich alles immer im Rahmen der bestehenden Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Und wenn es dazu einiger kleiner Hilfen bedarf, naja, so genau mu\u00df man da nicht hinsehen, machen doch alle.<\/p>\n<p>Das einzige, was Zach\u00e4us sp\u00e4ter passierte, das f\u00e4llt irgendwie aus dem Rahmen. Er mu\u00df so einen Anflug von Gef\u00fchlsduselei gehabt haben. W\u00e4re er doch hinter seinem Schreibtisch geblieben und an jenem Tag nicht rausgerannt wie alle anderen. Nicht genug, da\u00df er sich die kleinen P\u00f6beleien anh\u00f6ren mu\u00dfte, wie man ihm deutlich die kalte Schulter gezeigt hat, nein wirklich, das h\u00e4tte er sich nicht antun m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und dann ist er auch noch auf den Baum geklettert, das verstehe einer, er, der Gesch\u00e4ftsmann, der klettert auf einen Baum, nur um diesen Wanderprediger zu sehen. Hat sich ganz sch\u00f6n l\u00e4cherlich gemacht damit.<\/p>\n<p>Was man ja auch nicht verstehen kann, da\u00df dieser Prediger dann zu ihm nach Hause ist. Na, das Zach\u00e4us so einen \u00fcberhaupt rein gelassen hat. Klar, die Leute haben auch gemeckert, aber mehr \u00fcber den Prediger. Wie kann der nur bei so einem Halunken &#8230;<\/p>\n<p>Mu\u00df dann wohl auch eine Trotzreaktion von Zach\u00e4us gewesen sein, wenn die Leute das nicht gut finden, dann erst recht.<\/p>\n<p>O, Zach\u00e4us, da hast du dir was eingebrockt.<\/p>\n<p>Ja, das hat er, liebe Gemeinde, aus dem Cleveren, dem, der das Leben in allem zu seinen Gunsten ausgenutzt hat, aus dem wurde&#8230;.<\/p>\n<p>Nein wir wissen gar nicht, was aus ihm wurde, ob er seine Zusammenarbeit mit den R\u00f6mern gek\u00fcndigt hat, ob er danach mehr auf die Menschen geachtet hat, weniger an sich selber gedacht hat, all das erfahren wir nicht.<\/p>\n<p>Allein dieses, da\u00df Jesus ihm Heil zuspricht. &#8222;Heute ist diesem Haus Heil widerfahren.&#8220; Diesen Satz, den k\u00f6nnen wir lesen, am Ende der Geschichte von Zach\u00e4us.<\/p>\n<p>Der Evangelist Lukas, der diese Geschichte aufgeschrieben hat, der wu\u00dfte, da\u00df Zach\u00e4us ein S\u00fcnder war. Damals eine Bezeichnung f\u00fcr einen schlechten Menschen, f\u00fcr einen, der f\u00fcr sich die Gesetze nicht gelten lie\u00df, einer, der sich zudem gegen Gott stellte.<\/p>\n<p>Ich denke, da\u00df so ein Verhalten heute viel eher akzeptiert w\u00fcrde. Wirtschaftlich erfolgreich sein, um welchen Preis auch immer, das kommt mir bekannt vor.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, Erfolg und das damit verbundene Geld, das steht doch auch heute ganz oben.<\/p>\n<p>Beim Giro d&#8217;Italia werden Medikamente gefunden, alle Radsportler sollen gedopt sein, so h\u00f6rte man.<\/p>\n<p>Hauptsache das Verm\u00f6gen der Aktion\u00e4re w\u00e4chst, so durfte es ein bedeutender deutscher Wirtschaftsf\u00fchrer verk\u00fcnden.<\/p>\n<p>Doch ich will hier nicht nur auf die sogenannten Gro\u00dfen schimpfen. Ich vermute eher, da\u00df auch in einem jeden von uns ein kleiner oder auch gro\u00dfer Zach\u00e4us wohnt. Einer, der uns oft genug dazu bringt, hier und da das eigene Sch\u00e4fchen ins Trockene zu bringen.<\/p>\n<p>Wenn dem so ist, dann w\u00fcrde der Kommentar am Ende der Geschichte auch auf uns zutreffen:<\/p>\n<p>&#8222;Denn des Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.&#8220;<\/p>\n<p>Dann w\u00fcrden wir auf die Seite derer geh\u00f6ren, die eigentlich verloren sind, die sich nicht aus eigenen Kraft aus den Zw\u00e4ngen dieser Welt l\u00f6sen k\u00f6nnten. Dann m\u00fc\u00dfte Jesus auch zu uns kommen. M\u00fc\u00dfte?<\/p>\n<p>Ich denke, er hat das schon getan. Er kommt auch heute auf uns zu und l\u00e4dt sich bei uns ein, will bei uns zu Gast sein und unserem inneren Zach\u00e4us das Heil anbieten.<\/p>\n<p>Damit f\u00fcr uns bei aller Cleverness und Abgebr\u00fchtheit doch noch anderes wichtig wird. Damit wir in Frieden mit Gott unseren Weg gehen k\u00f6nnen. Und vielleicht auch unser Verhalten an der einen oder anderen Stelle korrigieren.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>P. Uwe Erdmann, Hemmoor<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:uwe.erdmann@t-online.de\"><strong>E-Mail: uwe.erdmann@t-online.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Trinitatis | 1. Juli 2001 | Lukas 19,1-10 | Uwe Erdmann | Liebe Gemeinde, ich will mich Ihnen kurz vorstellen, Zach\u00e4us ist mein Name, ganz einfach Zach\u00e4us. Was, sagen sie, was, bitte? Ich soll habgierig sein? Stimmt nicht! Wie kommen Sie \u00fcberhaupt darauf? Ich nutze doch nur die bestehenden Gesetze aus. 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