{"id":22326,"date":"2001-09-21T15:54:38","date_gmt":"2001-09-21T13:54:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22326"},"modified":"2025-03-21T15:57:09","modified_gmt":"2025-03-21T14:57:09","slug":"matthaeus-61-4-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-61-4-6\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 6,1-4"},"content":{"rendered":"<h3>13. Sonntag nach Trinitatis | 9. September 2001 | Matth\u00e4us 6,1-4 | Katharina Coblenz-Arfken |<\/h3>\n<p>1 H\u00fctet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen;<\/p>\n<p>Ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.<\/p>\n<p>2 Wenn du Almosen gibst, sollst du es nicht von dir ausposaunen lassen,<\/p>\n<p>wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun,<\/p>\n<p>damit sie von den Leuten gelobt werden.<\/p>\n<p>Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin<\/p>\n<p>3 Wenn du aber Almosen gibst, so la\u00df deine linke Hand nicht wissen,<\/p>\n<p>was die rechte tut,<\/p>\n<p>4 damit deine Gabe verborgen bleibe; und dein Vater,<\/p>\n<p>der in das verborgene sieht, wird dir`s vergelten.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die kleine Sarah ist zu Bett gegangen und soll noch ihr Nachtgebet sprechen. Statt wie gewohnt zu sagen &#8222;Hab ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an,&#8220; betet sie: &#8222;Hab ich Unrecht heut getan, geht`s dich, lieber Gott, nichts an!&#8220;<\/p>\n<p>So denken nicht nur Kinder. Erwachsene stellen es nur oft geschickter an, wenn sie eigenes Fehlverhalten nicht wahrnehmen wollen.<\/p>\n<p>Jesus hinterfragt in diesem Abschnitt der Bergpredigt unsere Gerechtigkeit und damit im Grunde unseren ganzen Lebensstil.<\/p>\n<p>Was ist die Motivation f\u00fcr unser Handeln? Konkret macht das Jesus am Beispiel des Almosengebens. Das Wort &#8222;Almosen&#8220; stammt noch aus dem Griechischen, wo es &#8222;eleemosyne&#8220; hei\u00dft und &#8222;Barmherzigkeit&#8220; bedeutet. Wir kennen das aus dem &#8222;Kyrie eleison &#8211; Herr, erbarme dich&#8220;. Das Tun der Barmherzigkeit stellt Jesus hier in diesem Kapitel den Ratschl\u00e4gen f\u00fcr das Beten (Verse 5-14) und Fasten (Verse 16-18) voran.<\/p>\n<p>Das Zusammenleben der Menschen konnte nur funktionieren, wenn es auch die Gaben f\u00fcr die Armen gab. Denn nicht selbstverschuldete Armut kann jeden Menschen treffen, sei es durch Krankheit, sei es durch einen Ungl\u00fccksfall.<\/p>\n<p>Es steht au\u00dfer Zweifel, da\u00df wir den Menschen, denen es schlechter geht als uns, helfen, sie auch materiell unterst\u00fctzen. In dem barmherzigen Samariter, von dem das Evangelium des Sonntags erz\u00e4hlt (Lk 10,25-37) zeigt uns Jesus, wie ein Mensch Barmherzigkeit \u00fcbt &#8211; eben indem er das n\u00e4chstliegende tut. Die Hilfe ist nicht vorgeplant, nicht berechnet. Der Reisende ist der, der dem Notleidenden begegnet, ihn sieht und das tut, was er kann: Er behandelt die Wunden notd\u00fcrftig, bringt ihn zum n\u00e4chsten Krankenhaus, sprich Herberge, und bezahlt die Kosten f\u00fcr die Pflege des Verletzten. Er erwartet daf\u00fcr keinen Dank. Es kommt darauf an, da\u00df er hilft. Das ist wesentlich. Dazu braucht es kein Gehabe.<\/p>\n<p>Aber schon zur Zeit Jesu mu\u00df Wohlt\u00e4tigkeit zum Laufsteg menschlicher Eitelkeiten geworden sein. Wenn ich schon etwas Gutes tue, m\u00fcssen das doch die anderen sehen. Und es war auch so, wer besonders viel Spenden in der Synagoge oder Bei Fastengottesdiensten \u00f6ffentlich versprach, der wurde besonders geehrt und durfte z.B. neben dem Rabbi sitzen (U.Luz, Der Evangelium nach Matth\u00e4us, Neukirchen 1985, S.323).<\/p>\n<p>Heute lautet die Devise &#8222;Tu Gutes und sprich dar\u00fcber&#8220;. Ausposaunt werden die guten Taten in Zeitungen, Fernsehshows, Spendenlisten. In der Kirche sucht man nach Sponsoren, die sich dadurch auch einen guten Namen machen k\u00f6nnen. Besonders eignen sich Glocken daf\u00fcr, aber auch bunte Kirchenfenster. Etwas sichtbares also.<\/p>\n<p>Genau hier warnt Jesus uns davor, dem Schein zu verfallen. Er ruft uns zur Achtsamkeit, da\u00df wir nicht Schauspieler werden, um vor den Menschen im rechten Licht zu stehen. &#8222;Denn Gott, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.&#8220; Gott durchschaut uns, er blickt in unser Herz. Hier ist wieder die Radikalit\u00e4t Jesus zu sp\u00fcren, die unser Umdenken fordert. Die Quelle daf\u00fcr ist und bleibt die Liebe Gottes.<\/p>\n<p>Die Menschen, die so m\u00fchsam bedacht sind auf die Wirkung ihrer guten Taten, haben wohl wenig von dieser Liebe Gottes versp\u00fcrt, die ihnen schon l\u00e4ngst geschenkt ist. Sie suchen sie am falschen Ort. Das Gesehenwerden von den Menschen kann die Liebe Gottes nicht ersetzen. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Das makabere ist dabei ja, da\u00df es oft inmitten unserer Kirche geschieht, da\u00df wir von unseren Eitelkeiten gefangen werden. Ich erinnere mich wieder an die Fahrt nach Klaipeda im Baltikum. Es war zwei Jahre nach der Wende als ein Vertreter einer reichen Gemeinde aus dem Westen und eine Vertreterin einer \u00e4rmeren \u00f6stlichen Partnergemeinde in ein Dorf bei Klaipeda fuhren um Kontakte zu den Christen dort zu kn\u00fcpfen. Zur Kirche von Kritingale geh\u00f6rten mehr als eine Handvoll Christen aber weit weniger als hundert. Sie wollten ihr gesch\u00e4ndetes, zweckentfremdet gebrauchtes und zerst\u00f6rtes Gotteshaus wieder aufbauen. Siebzig Jahre lang stand die Kirche ode als Stall, Munitionslager, Baustoffhandlung.. Das Unternehmen erschien uns hoffnungslos. Meine in den letzten Gottesdiensten gesammelte Kollekte von 600.-DM \u00fcbergab ich &#8211; &#8222;viel zu wenig&#8220; dachte ich traurig. Meine westlichen Kollegen, der Pfarrer hatte noch einen finanzkundigen Fachmann mitgebracht, \u00fcbergaben vorsichtshalber nichts, sie wollten erst einmal sehen, ob daraus etwas w\u00fcrde. Wenn der Bau vorankommt, dann wollten sie gern ganz gezielt f\u00fcr ein Kreuz oder einen Altar spenden.<\/p>\n<p>Zu dieser Spende kam es nicht, wohl aber zur Einladung zum Einweihungsgottesdienst dieser Kirche nach zwei Jahren. Die Christen in Kritingale hatten ihre Kirche gemeinsam wieder aufgebaut &#8211; vielleicht ganz ohne Spenden, denen man ansah, woher sie kamen und wo die Spender vermerkt waren.<\/p>\n<p>Das zweite Beispiel ist noch nicht lange her, da trug der Pfarrer des Ortes die Jacke mit der gro\u00dfen Aufschrift Notfallseelsorge &#8211; obwohl, wie sich sp\u00e4ter herausstellte, er \u00fcberhaupt keinen Dienst hatte. Wollte er gesehen werden? Aber als bei der Veranstaltung am Abend ein Kirchenbesucher ohnm\u00e4chtig wurde, der Rettungswagen bestellt und der Hilfsbed\u00fcrftige hinausgetragen werden musste, r\u00fchrte er sich nicht. Er bekam es einfach nicht mit.<\/p>\n<p>Nimmt uns vielleicht unsere Eitelkeit so gefangen, da\u00df wir nicht mehr das n\u00e4chstliegende sehen? Man spricht heute von Imagepflege, das Bem\u00fchen um das eigene Ansehen, das sehr viel Kraft kostet.<\/p>\n<p>Wie entlastend klingt da der Rat Jesu, da\u00df die linke Hand nicht wissen soll, was die rechte tut.<\/p>\n<p>Die &#8222;linke Hand&#8220;, ist ja die Hand auf der Seite des Herzens, symbolisch gesprochen die Hand der m\u00fctterlich bergenden Liebe. Alles Handeln und Leben aus dieser Quelle braucht keine zu Schaustellung. Diese zerst\u00f6rt sie. Die Liebe als die Kraft im Verborgenen wirkt weiter als wir mit unserem Verstand begreifen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Gott, der ins Verborgene sieht, ist ja auch der Gott, der uns aus Liebe ins Leben gerufen hat.<\/p>\n<p>Wenn wir in dieser Liebe bleiben und aus ihr handeln, dann haben wir den Lohn bei Gott und sind unabh\u00e4ngig vom Beifall der Menschen. Alles Berechnen und Vergelten wird \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Ignatius von Loyola sagt in seinen viel gelesenen geistlichen \u00dcbungen: &#8222;Jene Liebe, die mich bewegt und das Almosen geben l\u00e4\u00dft, soll von oben herabsteigen, von der Liebe zu Gott.&#8220; (Geistliche \u00dcbungen, Leipzig 1978, S.143) Dann strahlt Gott auch aus unserem Leben wieder und das Tun der Barmherzigkeit bleibt eine Sache des Herzens.<\/p>\n<p>Liedvorschlag EG 82,7 &#8222;La\u00df mich an andern \u00fcben,<\/p>\n<p>was du an mir getan;<\/p>\n<p>und meinen n\u00e4chsten lieben,<\/p>\n<p>gern dienen jedermann<\/p>\n<p>ohn Eigennutz und Heuchelschein<\/p>\n<p>und, wie du mir erwiesen,<\/p>\n<p>aus reiner Lieb allein.<\/p>\n<p>Justus Gesenius 1646<\/p>\n<hr \/>\n<p>Katharina Coblenz-Arfken<\/p>\n<p>MTS-Str.4<\/p>\n<p>18556 Altenkirchen<\/p>\n<p>Tel.: 038391-12326<\/p>\n<p><a href=\"mailto:Arfkencoblenz@aol.com\">Arfkencoblenz@aol.com<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. 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