{"id":22354,"date":"2001-10-23T09:12:23","date_gmt":"2001-10-23T07:12:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22354"},"modified":"2025-03-23T09:14:21","modified_gmt":"2025-03-23T08:14:21","slug":"2-mose-201-17-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-mose-201-17-2\/","title":{"rendered":"2. Mose 20,1-17"},"content":{"rendered":"<h3>18. Sonntag nach Trinitatis | 14. Oktober 2001 | 2. Mose 20,1-17 | Johannes Neukirch |<\/h3>\n<p>&#8222;Und Gott redete alle diese Worte. Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus \u00c4gyptenland, aus der Knechtschaft, gef\u00fchrt habe. Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der V\u00e4ter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.<\/p>\n<p>Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mi\u00dfbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mi\u00dfbraucht.<\/p>\n<p>Gedenke des Sabbattages, da\u00df du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.<\/p>\n<p>Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.<\/p>\n<p>Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf da\u00df du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.<\/p>\n<p>Du sollst nicht t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Du sollst nicht ehebrechen.<\/p>\n<p>Du sollst nicht stehlen.<\/p>\n<p>Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Haus.<\/p>\n<p>Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein N\u00e4chster hat.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>285 W\u00f6rter, 1395 Zeichen &#8211; mehr ist das nicht, was ich eben als Predigttext vorgelesen habe. In der Fassung, in der Sie diesen Text, die zehn Gebote, wahrscheinlich alle mal im Konfirmandenunterricht gelernt haben, in der Fassung von Martin Luther sind sie sogar noch k\u00fcrzer. Und doch sind diese wenigen Gebote die wichtigste Grundlage f\u00fcr das menschliche Leben &#8211; f\u00fcr das Leben miteinander und das Leben mit Gott.<\/p>\n<p>Normaler weise h\u00f6rt man ja nicht gerne hin, wenn es hei\u00dft &#8222;Du sollst&#8230;.&#8220; Wenn man aber zur Zeit die Nachrichten einschaltet, kann man sogar eine richtige Sehnsucht nach der Einhaltung der Gebote bekommen. Wenn sich die Terroristen nur an das f\u00fcnfte Gebot gehalten h\u00e4tten, w\u00e4re der Welt vieles erspart geblieben, und jetzt sieht es so aus, als w\u00e4re es gar nicht zu vermeiden, dieses Gebot wieder und wieder zu \u00fcbertreten.<\/p>\n<p>Du sollst nicht t\u00f6ten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen N\u00e4chsten, du sollst nicht begehren, was anderen Menschen geh\u00f6rt &#8211; auch wenn diese Gebote t\u00e4glich \u00fcbertreten werden, wird kaum jemand daran zweifeln, dass sie sinnvoll sind, dass sie das menschliche Miteinander \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich machen. Bei den Geboten &#8222;Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir&#8220; oder dem Gebot, dass man den Feiertag heiligen soll, oder dem &#8222;Du sollst nicht ehebrechen&#8220;, sieht das schon anders aus, das d\u00fcrfte bei vielen unter &#8222;ferner liefen&#8220; rangieren oder ganz rausfallen.<\/p>\n<p>Wie ist das nun: K\u00f6nnen wir sagen &#8211; an das f\u00fcnfte und siebte halten wir uns, die anderen sind nicht so wichtig? Oder: Das erste verstehe ich nicht und das sechste ist veraltet? Ist es m\u00f6glich, sozusagen \u00fcber die zehn Gebote mit Gott zu verhandeln? Ich bin sicher, dass viele so denken, und es liegt ja auch nahe. Das kommt dann in die Schublade: &#8222;Im Alten Testament steht sowieso eine Menge, was nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df ist&#8220;. Das ist zwar richtig, aber bei den Zehn Geboten geht es um wesentlich mehr. Das sind nicht beliebige Gesetze, die veralten k\u00f6nnen und ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen. Die Zehn Gebote sind die Grundlage f\u00fcr das menschliche Leben in der Verantwortung vor Gott. Im Alten Testament wird gesagt, dass Gott einen Bund mit den Menschen geschlossen hat. Gott hat das Volk Israel aus der \u00e4gyptischen Sklaverei gerettet, daraus folgt, dass das Volk Israel die Zehn Gebote h\u00e4lt, so erf\u00fcllt es seinen Anteil am Bund mit Gott.<\/p>\n<p>Die alles entscheidende Frage, &#8222;warum soll ich die Zehn Gebote befolgen?&#8220; ist also aus der Sicht des Volkes Israel eindeutig beantwortet: Weil Gott uns befreit hat, weil Gott mit uns einen Bund geschlossen hat. Das ist die Grundlage der Gebote und aller Gesetze, die daraus entstanden sind.<\/p>\n<p>Wie ist das im Neuen Testament, im Neuen Bund, den Gott mit uns durch seinen Sohn, Jesus Christus, geschlossen hat? Wie verstehen wir als Christinnen und Christen die Zehn Gebote und warum sollen wir sie befolgen? Wie Jesus zu den Geboten steht, ist tats\u00e4chlich eine der wichtigsten Fragen, die im Neuen Testament behandelt werden. Immer wieder wird Jesus auf die Probe gestellt und will man von ihm wissen, wie er es mit den Geboten und dem Gesetz h\u00e4lt, wie er zum Bund steht, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat.<\/p>\n<p>Bei Markus wird \u00fcberliefert, wie einer der Schriftgelehrten Jesus fragt: &#8222;Welches ist das h\u00f6chste Gebot von allen? Jesus aber antwortete ihm: Das h\u00f6chste Gebot ist das: &#8222;H\u00f6re, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gem\u00fct und von allen deinen Kr\u00e4ften. Das andre ist dies: &#8222;Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst&#8220;. Es ist kein anderes Gebot gr\u00f6\u00dfer als diese.&#8220; (Mk 12, 28ff.).<\/p>\n<p>Damit bringt Jesus die Zehn Gebote auf den Punkt. Sie h\u00e4ngen sozusagen in zwei Scharnieren: du sollst Gott lieben, und: du sollt deinen N\u00e4chsten lieben. Dies sind die Dreh- und Angelpunkte, aus denen alles andere folgt. Martin Luther hat das im Kleinen Katechismus sch\u00f6n zum Ausdruck gebracht: In seinen Erkl\u00e4rungen zu den Geboten, schreibt er immer zuerst, vor den eigentlichen Ausf\u00fchrungen: &#8222;Wir sollen Gott \u00fcber alle Dinge f\u00fcrchten und lieben&#8230;&#8220;. Beim f\u00fcnften Gebot hei\u00dft es also: &#8222;Du sollst nicht t\u00f6ten. Was ist das? Wir sollen Gott f\u00fcrchten und lieben, da\u00df wir unserm N\u00e4chsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid tun, sondern ihm helfen und beistehen in allen N\u00f6ten&#8220; oder beim sechsten Gebot: &#8222;Wir sollen Gott f\u00fcrchten und lieben, da\u00df wir keusch und zuchtvoll leben in Worten und Werken und in der Ehe einander lieben und ehren.&#8220; Das wichtigste Gebot ist also das Erste Gebot &#8222;Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere G\u00f6tter haben neben mir&#8220; mit der Erkl\u00e4rung Luthers: &#8222;Wir sollen Gott \u00fcber alle Dinge f\u00fcrchten, lieben und vertrauen&#8220;. Alles andere, das Befolgen der weiteren Gebote ist die FOLGE davon, dass wir Gott \u00fcber alle Dinge f\u00fcrchten und lieben. &#8222;Wir sollen Gott f\u00fcrchten und lieben, da\u00df wir..&#8220;, man kann auch sagen: damit wir&#8230;. Damit wir das tun k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir Gott f\u00fcrchten und lieben&#8230; Wobei das &#8222;f\u00fcrchten&#8220; nichts mit Angst zu tun hat. Es meint so viel wie: &#8222;den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Respekt haben.&#8220;<\/p>\n<p>285 W\u00f6rter, 1395 Zeichen, liebe Gemeinde, die uns zum Kern unseres Glaubens f\u00fchren. Das Zentrum aller Gebote und aller Gesetze, der Grund, warum man \u00fcberhaupt irgendwelche Gebote halten soll, der liegt darin: &#8222;Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und deinen N\u00e4chsten wie dich selbst.&#8220; Das ist aber eben\u00a0kein\u00a0Gesetz, das man so einfach einhalten kann oder nicht. Das macht niemand, nur weil er es befohlen bekommt. Das ist eine Angelegenheit des\u00a0Glaubens. Das bewegen wir in unseren Herzen; das beten wir; das schmecken wir im Abendmahl. Denn in der Tiefe unserer Seele sp\u00fcren wir: Gott zu lieben und seinen N\u00e4chsten wie sich selbst &#8211; das ist ein Geschenk Gottes, das nur der Heilige Geist bewirken kann.<\/p>\n<p>&#8222;Such, wer da will, ein ander Ziel&#8220; haben wir vorhin gesungen, &#8222;die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gr\u00fcnden.&#8220; Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Johannes Neukirch, Hannover<\/p>\n<p><a href=\"mailto:johannes.neukirch@evlka.de\">E-Mail: johannes.neukirch@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. Sonntag nach Trinitatis | 14. Oktober 2001 | 2. Mose 20,1-17 | Johannes Neukirch | &#8222;Und Gott redete alle diese Worte. Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus \u00c4gyptenland, aus der Knechtschaft, gef\u00fchrt habe. Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir. 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