{"id":22377,"date":"2002-01-24T12:03:18","date_gmt":"2002-01-24T11:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22377"},"modified":"2025-03-24T12:06:16","modified_gmt":"2025-03-24T11:06:16","slug":"2-korinther-32f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-32f\/","title":{"rendered":"2. Korinther 3,2f"},"content":{"rendered":"<h3>Lebens-Geschichten: Liebes-Brief | 2. Korinther 3,2f | Jan Rohls |<\/h3>\n<p>Markuskirche M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Universit\u00e4tsgottesdienste der Universit\u00e4t M\u00fcnchen im Wintersemester 2001\/2002<\/p>\n<p>(Angelus Silesius)<\/p>\n<p>Sie begehrt verwundet zu sein von<\/p>\n<p>ihrem Geliebten<\/p>\n<p>Jesu, du m\u00e4chtiger Liebesgott,<\/p>\n<p>Nah dich zu mir,<\/p>\n<p>denn ich verschmachte fast bis in Tod<\/p>\n<p>Vor Liebesbegier.<\/p>\n<p>Ergreif die Waffen, und in Eil<\/p>\n<p>Durchstich mein Herz mit deinem Pfeil,<\/p>\n<p>Verwunde mich.<\/p>\n<p>Komm, meine Sonne, mein Lebenslicht,<\/p>\n<p>Mein Aufenthalt,<\/p>\n<p>Komm und erw\u00e4rme mich, da\u00df ich nicht<\/p>\n<p>Bleib ewig kalt.<\/p>\n<p>Wirf deine Flammen in den Schrein<\/p>\n<p>Meins halbgefrornen Herzens ein,<\/p>\n<p>Entz\u00fcnde mich.<\/p>\n<p>O allers\u00fc\u00dfeste Seelenbrunst,<\/p>\n<p>Druchgl\u00fch mich ganz<\/p>\n<p>Und \u00fcberform mich aus Gnad und Gunst<\/p>\n<p>In deinen Glanz.<\/p>\n<p>Blas an das Feuer ohn Verdru\u00df,<\/p>\n<p>Da\u00df dir mein Herz mit schnellem Flu\u00df<\/p>\n<p>Vereinigt sei.<\/p>\n<p>Dann will ich sagen, da\u00df du mich hast<\/p>\n<p>Erl\u00f6st vom Tod<\/p>\n<p>Und als ein lieblicher Seelengast<\/p>\n<p>Besucht in Not.<\/p>\n<p>Dann will ich r\u00fchmen, da\u00df du bist<\/p>\n<p>Mein Br\u00e4utigam, der mich liebt und k\u00fc\u00dft<\/p>\n<p>Und nicht verl\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>2. Korinther 3, 2f<\/p>\n<p>Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen!<\/p>\n<p>Ist doch offenbar geworden, da\u00df ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, n\u00e4mlich eure Herzen.<\/p>\n<p>G. W. F. Hegel, Der Geist des Christentums<\/p>\n<p>Im Reiche Gottes ist das Gemeinschaftliche, da\u00df alle in Gott lebendig sind, nicht das Gemeinschaftliche in einem Begriff, sondern Liebe, ein lebendiges Band, das die Glaubenden vereinigt, diese Empfindung der Einigkeit des Lebens, in der alle Entgegensetzungen, als solche Feindschaften, und auch die Vereinigungen der bestehenden Entgegensetzungen, &#8211; Rechte aufgehoben sind; ein neu Gebot gebe ich euch, sagt Jesus, da\u00df ihr euch untereinander liebt, daran soll man erkennen, da\u00df ihr meine J\u00fcnger seid. Diese Seelenfreundschaft als Wesen, als Geist f\u00fcr die Reflexion ausgesprochen ist der g\u00f6ttliche Geist, Gott, der die Gemeine regiert. &#8230; In der Liebe hat der Mensch sich selbst in einem anderen wiedergefunden; weil sie eine Vereinigung des Lebens ist, setzte sie Trennung, eine Entwicklung, gebildete Vielseitigkeit desselben voraus; und in je mehr Gestalten das Leben lebendig ist, in desto mehr Punkten kann es sich vereinigen und f\u00fchlen, desto inniger die Liebe sein; je ausgedehnter an Mannigfaltigkeit die Beziehungen und Gef\u00fchle der Liebenden sind, je inniger die Liebe sich konzentriert, desto ausschlie\u00dfender ist sie, desto gleichg\u00fcltiger f\u00fcr andere Lebensformen;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder in Christus!<\/p>\n<p>&#8222;<em>Ihr<\/em>\u00a0seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! Ist doch offenbar geworden, da\u00df ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, n\u00e4mlich eure Herzen&#8220;. Nun, ich gebe zu: die Worte sind nicht direkt auf Sie bezogen, liebe Besucher des heutigen Adventsgottesdienstes. Nein, so redet vielmehr der Apostel Paulus in einem Brief &#8211; es ist bereits der zweite &#8211; die Gemeindeglieder in der griechischen Hafenstadt Korinth an. Er spricht von der Gemeinde nicht, wie er es ansonsten wohl zu tun pflegt, als Leib Christi, auch nicht als Tempel Gottes, als Bau oder als Pflanzung. Er spricht von ihr stattdessen als Brief. Ein Brief &#8211; um das zu wissen mu\u00df man kein Medienexperte sein -, ein Brief hat einen Absender und einen Adressaten. Zum Schreiben bedarf es eines Schreibmaterials ebenso wie eines Schreibwerkzeugs, und schlie\u00dflich darf der nicht fehlen, der den Brief \u00fcberbringt. Mit dem Brief, von dem Paulus spricht, hat es nun aber eine besondere Bewandtnis. Zun\u00e4chst scheint zumindest der Absender eindeutig. &#8222;Ihr seid unser Brief&#8220; schreibt Paulus, und so handelt es sich offenbar um einen Brief aus der Hand des Apostels. Damals wie heute war es \u00fcblich, Personen Empfehlungsschreiben mit auf den Weg zu geben, wenn sie sich irgendwo vorstellten, bewarben oder um gastliche Aufnahme bem\u00fchten. Solche Schreiben stellten gew\u00f6hnlich die T\u00fcchtigkeit und die Leistung des \u00dcberbringers heraus. Zugleich erinnerten sie an das Band der Freundschaft zwischen Absender und Adressat. Der Empf\u00e4nger des Briefes wurde vom Autor um einen Freundschaftsdienst gebeten. Solche Empfehlungsbriefe waren in der antiken Welt verbreitet, und wir begegnen ihnen auch h\u00e4ufig im Neuen Testament.<\/p>\n<p>Allerdings, hier handelt es sich um einen ganz besonderen Empfehlungsbrief. Die Gemeinde von Korinth soll ja dieser Brief sein. Und der Autor dieses Briefes steht keineswegs so klar fest, wie es zu Anfang scheinen mochte. Zwar sagt Paulus, die Gemeinde sei durch\u00a0<em>seinen<\/em>\u00a0Dienst zubereitet, so da\u00df man den Eindruck gewinnen k\u00f6nnte, er, Paulus, sei der Verfasser. Doch wie so oft in der Bibel ist auch hier die Verfasserfrage nicht derart leicht zu beantworten. Die Gemeinde ist n\u00e4mlich eigentlich gar nicht der Brief des Paulus, sie ist vielmehr der Brief\u00a0<em>Christi<\/em>. Und damit ist sie ein Liebesbrief. Sie ist ein Dokument, ein Zeugnis der Liebe Christi. Nat\u00fcrlich setzt dieses Bild voraus, da\u00df zwischen Christus und seiner Gemeinde ein Liebesverh\u00e4ltnis besteht, und zwar ein wechselseitiges Liebesverh\u00e4ltnis. Das Christentum ist, was die n\u00e4here Beschreibung dieses Verh\u00e4ltnisses angeht, alles andere als pr\u00fcde gewesen. Es hat vielmehr alle Register der erotischen Liebeslyrik gezogen, um der Liebe zwischen der Gemeinde oder der einzelnen Seele und Christus vollendeten Ausdruck zu verleihen. Ich spreche vom sogenannten Hohenlied Salomos, einer der gro\u00dfartigsten Sammlungen orientalischer Liebesdichtung. Was hier von der Sehnsucht der Freundin nach ihrem Geliebten gesagt wird, das \u00fcbertrugen die Schriftausleger in Antike und Mittelalter auf das Verh\u00e4ltnis der Gemeinde oder Seele zu Christus. &#8222;Ich will aufstehen und in der Stadt umhergehen auf den Gassen und Stra\u00dfen und suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte, aber ich fand ihn nicht. Es fanden mich die W\u00e4chter, die in der Stadt umhergehen: &#8218;Habt ihr nicht gesehen, den meine Seele liebt?&#8216; Als ich ein wenig an ihnen vor\u00fcber war, da fand ich ihn, da fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich hielt ihn und lie\u00df ihn nicht los, bis ich ihn brachte in meiner Mutter Haus&#8220;.<\/p>\n<p>Nehmen wir uns einmal wie unsere antiken und mittelalterlichen Vorfahren die Freiheit und deuten wir diese Verse allegorisch, in \u00fcbertragenem Sinne. Klingen sie dann nicht ganz \u00e4hnlich wie die ber\u00fchmten Eingangszeilen der &#8222;Bekenntnisse&#8220; Augustins? &#8222;Herr, du hast uns die Richtung gegeben hin zu dir, und keine Ruhe hat unser Herz, bis es Ruhe findet in dir&#8220;? Wer kennt nicht die Unruhe des Herzens, die sehns\u00fcchtige Liebe. Eros, so sagt es Platon im &#8222;Symposion&#8220;, ist das Kind einer armen und heimatlosen Mutter und eines reichen Vaters. Er ist rastlos, weil er nicht hat, wonach er strebt und sich sehnt, dem Sch\u00f6nen und Guten. Das Wesen des Eros ist die sehns\u00fcchtige Unruhe. Die Unruhe seines Herzens aber verliert der Mensch erst, wenn er Ruhe findet in Gott. Augustin hat in seinen &#8222;Bekenntnissen&#8220; den Weg beschrieben, wie er selbst die Ruhe seines Herzens fand. Er hatte die Platoniker seiner Zeit gelesen. Er war bei ihnen in die Schule gegangen. Er kannte die philosophisch-theologischen Diskussionen \u00fcber das h\u00f6chste Gut, das Wahre, das Gute und das Sch\u00f6ne. Er hatte gelernt zwischen scheinbaren G\u00fctern und dem wahren Gut zu unterscheiden. Und wer wollte bestreiten, da\u00df wir nur dann zu einer inneren Ruhe finden, wenn wir zwischen beidem zu unterscheiden gelernt und erkannt haben, was wirklich gut ist? Wer fragt denn nicht nach dem Sinn des Lebens? Wer sehnte sich denn nicht nach dem wahren Leben hinter dem scheinbaren? Ich tue mich schwer, die Fragen nach dem Sinn des Leben, dem sinnvollen und guten Leben als metaphysischen Sperrm\u00fcll vor die Haust\u00fcr zu stellen. Augustin hat wohlgemerkt all diese Fragen gestellt, und es war nicht die Lekt\u00fcre der platonischen Philosophen allein, die ihm seine Fragen beantwortete. Vielmehr bekennt er, dort zwar vieles \u00fcber Gott und sein ewiges Wort gelesen zu haben, nicht aber dar\u00fcber, da\u00df dieses Gott in Christus Mensch geworden ist. Er las dort nichts von der Liebe Gottes zu den Menschen, nichts davon, da\u00df Gott zu den Menschen kam, damit ihre Herzen Ruhe f\u00e4nden in ihm.<\/p>\n<p>Im Advent ist ja von dieser Liebe Gottes in besonderer Weise die Rede, von der Ankunft Gottes bei den Menschen. Die christliche Lieddichtung hat unterschiedliche Bilder daf\u00fcr gefunden. Das Bild vom Schiff, das mit der kostbaren Fracht des Wortes Gottes beladen den Anker auf die Erde wirft. Und was ist der Grund f\u00fcr diese Menschwerdung Gottes? Bei Paul Gerhardt, dem bedeutendsten evangelischen Liederdichter des Barock, hei\u00dft es: &#8222;Nichts, nichts hat dich getrieben\/ zu mir vom Himmelszelt\/ als das geliebte Lieben,\/ damit du alle Welt\/ in ihren tausend Plagen\/ und gro\u00dfen Jammerlast,\/ die kein Mund kann aussagen,\/ so fest umfangen hast&#8220;. Die Liebe Gottes zu den Menschen, seine Ankunft bei ihnen, das ist aber nur die eine Seite. Denn Paul Gerhardts Adventslied beginnt ja mit einer Frage: &#8222;Wie soll ich dich empfangen\/ und wie begegn ich dir,\/ o aller Welt Verlangen,\/ o meiner Seelen Zier?&#8220; Und es endet mit einem Ausblick auf das Gericht: &#8222;Er kommt zum Weltgerichte:\/ zum Fluch dem, der ihm flucht,\/ mit Gnad und s\u00fc\u00dfem Lichte\/ dem, der ihn liebt und sucht.&#8220; Antwort auf die Frage, wie man der Ankunft der Liebe Gottes begegnen soll, lautet also: mit Liebe. Der Liebe Gottes zu den Menschen entspricht die Liebe des Menschen zu Gott. Wen wundert angesichts des Wechselspiels von g\u00f6ttlicher Menschen- und menschlicher Gottesliebe, von dem das Neue Testament spricht, noch die Liebes- und Brautmystik des Barockzeitalters? Der gr\u00f6\u00dfte religi\u00f6se Dichter des Barock, Johannes Scheffler, der sich nach seiner Konversion zum Katholizismus Angelus Silesius nannte, verfa\u00dfte eine Gedichtsammlung mit dem Titel &#8222;Heilige Seelen-Lust\/ Oder Geistliche Hirten-Lieder Der in jhren Jesum verliebten Psyche&#8220;. Ein Lied der verliebten Seele werden wir jetzt h\u00f6ren. (Lesung: Angelus Silesius, Sie begehret verwundet zu seyn von jhrem Geliebten, 1657).<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte so scheinen, als h\u00e4tten wir uns inzwischen von unserem Predigttext weit weg bewegt. Das ist aber mitnichten der Fall. In diesem Text wird die Gemeinde als Brief Christi bezeichnet, als ein Empfehlungsschreiben, das alle lesen und verstehen k\u00f6nnen als ein Dokument und Zeugnis der Liebe Christi. Der Verfasser des Briefes steht fest: Christus, das menschgewordene Wort Gottes. Die Adressaten stehen gleichfalls fest. Es handelt sich bei der Gemeinde ja um ein Empfehlungsschreiben, einen werbenden Liebesbrief an die ganze Menschheit, den Paulus, der Apostel der Menschheit, im Herzen tr\u00e4gt und \u00fcbermittelt. Ein gew\u00f6hnlicher Brief wurde zur Zeit des Paulus mit schwarzer Tinte auf Papyrus geschrieben. Doch der Liebesbrief, als den Paulus die Gemeinde bezeichnet, ist nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes geschrieben. Aber dann ist statt vom Papyrus von steinernen Tafeln die Rede, da\u00df n\u00e4mlich die Gemeinde ein Brief sei, geschrieben nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Herzen von Fleisch. Mit den steinernen Tafeln sind die Gesetzestafeln gemeint, die Mose auf dem Berg Sinai empfangen hat und von denen es hei\u00dft, da\u00df Gott sie eigenh\u00e4ndig beschrieben habe. Gott hat seine Liebe mit seinem Geist in die Herzen der Menschen seiner Gemeinde eingeschrieben. Den Menschen stehen nicht mehr die \u00e4u\u00dferen Tafeln des Gesetzes gegen\u00fcber, nicht mehr eine fremde Autorit\u00e4t, die Gehorsam verlangt, sondern der Geist der Liebe Gottes ist in ihre Herzen eingraviert. Aus steinernen Herzen sind lebendige Herzen geworden, an die Stelle des t\u00f6tenden Buchstabens ist der lebendig machende Geist getreten. Es ist der Geist der Liebe, der die Gemeinde zu einem Liebesbrief Christi und damit Gottes macht. In diesem Geist der Liebe erblickte Hegel den Geist des Christentums. (Lesung: G.W.F. Hegel, Der Geist des Christentums und sein Schicksal, in: G.W.F. Hegel, Werke, ed, Eva Moldenhauer\/Karl Markus Michel, Bd.1, Frankfurt\/M. 1971, 394f.).<\/p>\n<p>Der Liebesbrief, der die Gemeinde ist, l\u00e4\u00dft einen Schlu\u00df auf seinen Verfasser zu. Der Autor des ersten Johannesbriefs hat diesen Schlu\u00df gezogen, indem er sagt: &#8222;Gott ist die Liebe&#8220;. Es handelt sich daher um einen besonderen Liebesbrief. Denn er ist nicht von irgendeiner liebenden und geliebten Person verfa\u00dft, sondern von der Liebe selbst. Die christliche Theologie hat im Laufe ihrer langen Geschichte diesen Gedanken, da\u00df Gott die Liebe ist, mit dem Gedanken der Dreieinigkeit, der Trinit\u00e4t verkn\u00fcpft. Ja, man hat sogar gemeint, die Dreieinigkeit daraus ableiten zu k\u00f6nnen, da\u00df Gott die Liebe ist. Bedarf es denn zur Liebe nicht immer dreier Gr\u00f6\u00dfen: des Liebenden, des Geliebten und schlie\u00dflich der gegenseitigen Liebe zwischen beiden? Angelus Silesius \u00fcbrigens hat sich nicht gescheut, auch diese gegenseitige Liebe in Gott selbst in die Worte der Liebesmystik zu kleiden: &#8222;Gott k\u00fc\u00dft sich in sich selbst\/ sein Ku\u00df der ist sein Geist\/ Der Sohn ist den er k\u00fcst\/ der Vater ders geleist&#8220;. Man k\u00f6nnte daraus den Schlu\u00df ziehen, da\u00df Gott, gerade weil er sich offenbar selbst liebt, gar nichts anderes au\u00dfer sich lieben m\u00fc\u00dfte. Doch w\u00e4re Gott dann noch wahrhafte Liebe, wenn er nur sich selbst liebte? Ist die ausschlie\u00dfliche Selbstliebe nicht das krasse Gegenteil von wahrer Liebe? Geh\u00f6rt es nicht zum Wesen der Liebe hinzu, da\u00df sie sich\u00a0<em>anderem<\/em>\u00a0schenkt und mitteilt? Da\u00df sie sich nach\u00a0<em>anderem<\/em>\u00a0sehnt? Da\u00df sie Kontakt zu\u00a0<em>anderem<\/em>\u00a0sucht? Da\u00df sie dem\u00a0<em>anderen<\/em>\u00a0Briefe schreibt, Liebesbriefe, die die Menschen ermuntern, mit Liebe zu antworten? Jetzt, wo Weihnachten vor der T\u00fcr steht, wollen wir uns auf diese Liebe Gottes zu anderem, n\u00e4mlich zum Menschen, besinnen und ihr mit unserer Liebe zu anderen, n\u00e4mlich zu Gott und den Mitmenschen, begegnen. Denn: &#8222;Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm&#8220;. Oder mit Angelus Silesius zu sprechen: &#8222;Die Braut des ewgen Gotts kan jede Seele werden:\/ Wo sie nur seinem Geist sich unterwirfft auf Erden&#8220;. Amen.<\/p>\n<p>GEMEINDE EG 400, 1-3.7 Ich will dich lieben, meine St\u00e4rke<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Jan Rohls<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebens-Geschichten: Liebes-Brief | 2. 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