{"id":22383,"date":"2001-03-24T12:13:18","date_gmt":"2001-03-24T11:13:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22383"},"modified":"2025-03-24T12:17:32","modified_gmt":"2025-03-24T11:17:32","slug":"eg-76-1-o-mensch-bewein-dein-suende-gross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eg-76-1-o-mensch-bewein-dein-suende-gross\/","title":{"rendered":"EG 76, 1: \u201eO Mensch, bewein dein S\u00fcnde gro\u00df\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>Reue \u2013 wirkliche Reue! | Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Reminiscere | 11.3.2001 | EG 76, 1: \u201eO Mensch, bewein dein S\u00fcnde gro\u00df\u201c | Rolf Wischnath |<\/h3>\n<p><em>1. O Mensch, bewein dein S\u00fcnde gro\u00df,darum Christus seins Vaters Scho\u00df\u00e4u\u00dfert und kam auf Erden;von einer Jungfrau rein und zartf\u00fcr uns er hier geboren ward,er wollt der Mittler werden.Den Toten er das Leben gabund tat dabei all Krankheit ab,bis sich die Zeit herdrange,da\u00df er f\u00fcr uns geopfert w\u00fcrd,tr\u00fcg unsrer S\u00fcnden schwere B\u00fcrdwohl an dem Kreuze lange.<\/em><\/p>\n<p>EG 76, Strophe 1 des Liedes von Sebastian Heyden<\/p>\n<p>Reue ist in diesen Tagen politisch h\u00e4ufig ein Thema. Helmut Kohl wirft man vor, dass er nach der Einstellung der staatsanwaltlichen Ermittlungen und einer betr\u00e4chtlichen Geldbu\u00dfe nun erst recht nicht reuig genug die Bimbes-Angelegenheiten bereut. Joschka Fischer bekommt seine linke Vergangenheit vorgerechnet. Und auch ihm wird vorgehalten, er bereue ja in Wahrheit nichts von dem richtig, was er damals alles so angestellt hat. \u201eO Mensch, bewein dein S\u00fcnde gro\u00df &#8230;..\u201c Gilt Reue erst dann als erbracht und bewiesen, wenn einer \u00f6ffentlich \u00fcber die \u201eS\u00fcnde gro\u00df\u201c heult. Was ist Reue?<\/p>\n<p>Ein Vorbild echter Reue findet sich in der Leidensgeschichte Jesu. Und zwar bei jemandem, von dem wir es nicht erwartet h\u00e4tten: bei Judas dem Verr\u00e4ter. Im Matth\u00e4usevangelium lesen wir davon:<\/p>\n<p><em>\u201eAls Judas, der in verraten hatte sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die drei\u00dfig Silberlinge den Hohenpriestern und \u00c4ltesten zur\u00fcck und sprach: Ich habe Unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut verraten habe. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! Und Judas warf die Silberlinge in den Tempel, ging fort und erh\u00e4ngte sich. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld. Sie beschlossen aber, den T\u00f6pferacker davon zu kaufen zum Begr\u00e4bnis f\u00fcr Fremde\u201c<\/em>\u00a0(Matth\u00e4us 27, 3-8).<\/p>\n<p>In der Entt\u00e4uschung \u00fcber die Tat des Judas, in seiner Verfemung als gr\u00f6\u00dfter Verbrecher wird oft dieses Ende seiner Schande nicht mehr bedacht. Man muss n\u00e4mlich dem Verr\u00e4ter Judas zumindest zu Gute halten:<\/p>\n<p>Er ist der einzige Mensch, der als Beteiligter am Justizmord, erkennt, dass Jesus Unrecht geschieht. Und er ist der einzige, der diese Schuld einsieht und \u00f6ffentlich bekennt. Ja, Judas allein kehrt um von dem Irrtum, in den er sich verstrickt hat. Er bereut. Von keinem sonst, die mitverantwortlich waren am Leiden und Sterben Jesu, wird das gesagt. Die J\u00fcnger fliehen. Petrus ist feige \u2013 und heult ein bisschen. Pilatus waltet seines Amtes genauso wie die Hohen Priester. Das Volk gafft und schreit. Nur von Judas hei\u00dft es: Es\u00a0reute\u00a0ihn.<\/p>\n<p>Und die Reue des Judas bleibt nicht folgenlos. Er steht ein f\u00fcr das, was er getan hat. Die \u201edrei\u00dfig Silberlinge\u201c \u2013 seinen Verr\u00e4terlohn \u2013 wirft er hin. Er spricht aus, was uns allen auszusprechen so schwer f\u00e4llt: \u201eIch habe ges\u00fcndigt\u201c Keine Einschr\u00e4nkung! Keine abmildernde Entschuldigung! Nein, er benennt das Verbrechen, wie es kein Richter sch\u00e4rfer benennen k\u00f6nnte: \u201eIch habe unschuldiges Blut verraten\u201c.<\/p>\n<p>Damit spricht er, der Verr\u00e4ter, als einziger die Wahrheit im Prozess aus: \u201eJesus ist unschuldig\u201c. Und dann vollzieht er an sich selbst das Urteil, das nach j\u00fcdischen Recht \u00fcber den zu verh\u00e4ngen ist, der eine falsche Anklage erhoben hat. Er erh\u00e4ngt sich selbst. Denn falsche Ankl\u00e4ger sollen mit derselben Strafe bestraft werden, die sie \u00fcber den bringen wollten, den sie falsch angeschuldigt haben. Und das Kreuz der R\u00f6mer war nichts anderes als ein Galgen.<\/p>\n<p>Der Selbstmord des Judas geschieht nicht aus Feigheit. Er bringt sich nicht um, wie sich Hitler oder andere Verbrecher umgebracht haben, nur um ihren Richtern zu entgehen. Nein, Judas stirbt in der Reue \u2013 nach dem j\u00fcdischen Gesetz des Mose, das er an sich selbst vollstreckt. Er wei\u00df nicht, dass an diesem Tag ein anderer f\u00fcr ihn und seine Schuld sterben wird: der auch f\u00fcr die Schuld des Judas gekreuzigte Jesus. Denn der Selbstmord des Judas kann den Tod Jesu nicht aufhalten. Judas kann es nicht verhindern, dass Jesus auch f\u00fcr ihn \u2013 den J\u00fcnger Judas \u2013 stirbt.<\/p>\n<p>Ich glaube:\u00a0<em>So<\/em>\u00a0ist auch Judas nicht in Ewigkeit verloren. Denn auch f\u00fcr ihn gilt, dass Christus \u201eder Mittler\u201c geworden ist, wie es das Lied von Sebald Heyden singt. Er trug auch f\u00fcr Judas der \u201eS\u00fcnde schwere B\u00fcrd wohl an dem Kreuze lange.\u201c Dann jedoch gilt auch f\u00fcr den Verr\u00e4ter, der in der Weltgeschichte oft \u201eder gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnder\u201c genannt wird und den die Lehr- und Predigtgeschichte der Kirche so oft in den ewigen Tod verbannt sah, was das Lied als die Frucht der Kreuzesb\u00fcrde Jesu ansieht: \u201eDen Toten er das Leben gab und tat dabei all Krankheit ab &#8230;&#8230;.\u201c Auch f\u00fcr Judas gilt, dass er in seinem Suizid, seinem sich selber T\u00f6ten und F\u00e4llen, nicht tiefer fallen konnte als in die Barmherzigkeit dessen, aus dessen \u201eVaters Scho\u00df Christus kam auf Erden\u201c. So ist er nicht verloren.<\/p>\n<p>Und wenn Judas in Ewigkeit vor Gott nicht verloren ist, wen d\u00fcrften wir dann verloren geben? Nicht einmal uns selbst. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Generalsuperintendent Dr. Rolf Wischnath<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seminarstra\u00dfe 38<\/strong><\/p>\n<p><strong>03044 Cottbus<\/strong><\/p>\n<p><strong>Telefon: 0355 \u2013 23369<\/strong><\/p>\n<p>[<strong>E-Mail: generalsuperintendent.cottbus@t-online .de<\/strong>](<a href=\"mailto:generalsuperintendent.cottbus@t-online\">mailto:generalsuperintendent.cottbus@t-online<\/a> .de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reue \u2013 wirkliche Reue! | Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Reminiscere | 11.3.2001 | EG 76, 1: \u201eO Mensch, bewein dein S\u00fcnde gro\u00df\u201c | Rolf Wischnath | 1. 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