{"id":22391,"date":"2001-03-24T12:27:00","date_gmt":"2001-03-24T11:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22391"},"modified":"2025-03-24T12:29:25","modified_gmt":"2025-03-24T11:29:25","slug":"eg-83-ein-laemmlein-geht-und-traegt-die-schuld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eg-83-ein-laemmlein-geht-und-traegt-die-schuld\/","title":{"rendered":"EG 83 \u201eEin L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Judika | 1.4.2001 | EG 83 \u201eEin L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld\u201c | Barbara Heller |<\/h3>\n<p>(Die nicht in das Ev. Gesangbuch aufgenommenen Strophen wurden an die Gottesdienstbesucher in Kopie ausgegeben.)<\/p>\n<p>Wie sollen wir die Passion Jesu begreifen? Jesus leidet, stirbt einen schlimmen Tod und wird begraben. Nachf\u00fchlen k\u00f6nnen wir diese Situation, denn wir kennen sie. Wir kennen es, dass jemand stirbt, kennen Beerdigungen und Besuche auf dem Friedhof. Immer im November erinnern wir uns gemeinsam an die Toten. Wie l\u00e4\u00dft sich beschreiben oder begreifen, was es mit der Passion, mit dem Tod Jesu auf sich hat? Ein Tod, den wir in jedem Jahr gemeinsam in der Kirche bedenken. Ein Tod, der Bedeutung hat nicht nur f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen und Freunde Jesu, sondern auch f\u00fcr uns. Dieser Gedanke ist nicht einfach. Wir k\u00f6nnen uns vorstellen, dass in besonderen Zusammenh\u00e4ngen ein Mensch sich f\u00fcr andere opfert, im Krieg oder in besonderer Not. Aber dass der Tod eines Mannes Bedeutung haben soll f\u00fcr Menschen, die gar nicht zu seiner Zeit oder in seiner N\u00e4he leben, das ist eine schwierige Vorstellung.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte heute mit Ihnen im Gesangbuch ein Lied genauer ansehen, das sich genau mit dieser Frage besch\u00e4ftigt: Ein L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld. Paul Gerhardt hat es vor \u00fcber 300 Jahren geschrieben. Ich m\u00f6chte Sie einladen, in seine Gedankenwelt einzutauchen. Paul Gerhardt hat versucht, den Tod Jesu f\u00fcr sich und seine Zeit zu deuten. Seine Zeit ist gepr\u00e4gt vom 30j\u00e4hrigen Krieg, von der Herrschaft vieler verschiedener F\u00fcrsten. Aus unserer Sicht ist die Zeit grausam und das \u00dcberleben schwierig. Und auch der Gott, den Paul Gerhardt vorstellt, wirkt drohend und be\u00e4ngstigend. Doch in allen Kriegswirren und aller Bedrohung halten die Menschen fest daran, dass es eine Gerechtigkeit geben muss. Gerechtigkeit, die man sich w\u00fcnschte auch von den weltlichen Herren, von K\u00f6nigen und F\u00fcrsten. Und man glaubte fest daran, dass Gott in jedem Fall gerecht ist. Gerechtigkeit als eine der wichtigsten Eigenschaften Gottes, &#8211; gegen alle Ungerechtigkeiten, denen man ein Leben lang ausgesetzt war. Das ist ein Grundpfeiler in Paul Gerhardts Gedankenwelt. (Und der d\u00fcrfte uns recht vertraut sein, &#8211; denn Gerechtigkeit ist f\u00fcr uns heute genauso wichtig)<\/p>\n<p>Ein anderer Punkt, der wesentlich in der Welt Paul Gerhardts ist, ist die Bedeutung des Blutes. Das liegt nahe bei so viel kriegerischem Blutvergiessen. Wo jedes Kind weiss, dass das Blut der kostbare Lebenssaft ist und dass mit dem Blut das Leben verlorengeht. \u00dcber das Blut hat man sich viele Gedanken gemacht. Blutsbande verbinden. Blut wird zum Opfer vergossen, manchmal auch zur Strafe<\/p>\n<p>\u201cDie Straf ist schwer, der Zorn ist gro\u00df.\u201d schreibt Paul Gerhardt dar\u00fcber, wie der gerechte Gott auf die Untaten der Menschen reagieren mu\u00df. Wie soll es dann eine Rettung f\u00fcr die Menschen geben, wenn sie die schwerste Strafe verdient haben? \u201cDu kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten.\u201d Tod und Blutopfer k\u00f6nnen auss\u00f6hnen. So wird der Gerechtigkeit gen\u00fcge getan. Und das hat nichts zu tun mit plumper Rache, die nach der Todesstrafe verlangt. Es geht um eine h\u00f6here Ordnung, die verletzt ist und wiederhergestellt werden mu\u00df.<\/p>\n<p>Wie gesagt, eine m\u00f6glicherweise f\u00fcr uns fremde Vorstellung von Strafe und S\u00fchne und von der Bedeutung des Blutes. So fremd, dass einige Strophen gar nicht mehr in unserem Gesangbuch auftauchen. Das finde ich schade, weil dadurch das Lied seinen Erz\u00e4hlfaden beinahe verliert. Deshalb habe ich Ihnen die fehlenden Strophen mitgebracht.<\/p>\n<p>So altert\u00fcmlich das Lied ist, so faszinierend ist es auch. Weil die Menschen darauf hoffen, dass eine gerechte Ordnung, die verletzt wurde, auch wirklich wiederhergestellt werden kann. Und dass das Blut Jesu ein Mittel daf\u00fcr ist. Und mit dieser Frage schlagen wir uns noch genauso herum: Kann es Wiedergutmachung oder Vers\u00f6hnung geben? Ist ein Ausgleich zwischen Opfern und T\u00e4tern m\u00f6glich? Wie l\u00e4\u00dft sich Gerechtigkeit schaffen?<\/p>\n<p>Lassen Sie uns also Paul Gerhardt folgen. Er verbindet in seinem Lied den Tod Jesu ganz eng mit dem Abendmahl. Und so beziehen sich die Strophen zum einen auf die Vergangenheit, auf die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu, und auf die Gegenwart, auf das Abendmahl, das die Gemeinde feiert.<\/p>\n<p>Die Strophen 1 bis 3 erz\u00e4hlen die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu in biblischen Bildern, &#8211; wie hier in der Kirche. Und sie lassen uns teilhaben an einem Gespr\u00e4ch zwischen Vater und Sohn.<\/p>\n<p><strong>Singen 1-3<\/strong><\/p>\n<p>Die Liebe ist es, Wunderlieb und Liebesmacht, die Vater und Sohn bewegt. Und Paul Gerhardt stellt sich vor, dass diese Liebe die Kraft des Blutes benutzt um Rettung zu bringen. So erz\u00e4hlt es die urspr\u00fcngliche Strophe 4: Strophe 4 lesen.<\/p>\n<p>Du marterst ihn am Kreuzesstamm mit N\u00e4geln und mit Spiessen, Du schlachtest ihn als wie ein Lamm, machts Herz und Adern fliessen: Das Herze mit der Seufzer Kraft, die Adern mit dem edlen Saft des purpurroten Blutes. O s\u00fcsses Lamm, was oll ich dir erweisen davor, da\u00df du mir erweisest so viel gutes?<\/p>\n<p>Das Blut ist das Mittel zur Rettung. Darauf, auf diese kostbare Gabe antwortet Paul Gerhardt in den Strophen 4-5 in unserem Gesangburch: erst lesen, dann<\/p>\n<p><strong>Strophen 4 u. 5 singen.<\/strong><\/p>\n<p>Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, und wenn mein Herz in St\u00fccke bricht, sollst du mein Herze bleiben; ich will mich dir, mein h\u00f6chster Ruhm, hiermit zu deinem Eigentum best\u00e4ndiglich verschreiben.<\/p>\n<p>Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir nach M\u00f6glichkeit zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des lebens soll sich dir und deinem Namen f\u00fcr und f\u00fcr in Dankbarkeit ergie\u00dfen; und was du mir zugut getan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Ged\u00e4chtnis schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Und dann kommt das Blut wieder ins Spiel, in einer weiteren ausgelassenen Strophe: Lesen Strophe 7<\/p>\n<p>Erweitre dich mein Herzensschrein, du sollst ein Schatzhaus werden der Sch\u00e4tze, die viel gr\u00f6sser sein als Himmel, Meer und Erden. Weg mit dem Gold Arabia, weg Calmus, Myrrhen, Casia! Ich habe ein besers funden: Mein gro\u00dfer Schatz, Herr Jesu Christ, ist dieses, was geflossen ist aus deines Leibes Wunden.<\/p>\n<p>Mein gr\u00f6\u00dfter Schatz, Herr Jesu Christ, ist dieses, was geflossen ist aus deines Leibes Wunden: das Blut. Und davon erz\u00e4hlt die 6. Strophe in unserem Gesangbuch, was dieser Schatz f\u00fcr Paul Gerhardt bedeutet: Strophe 6 lesen.<\/p>\n<p>Das soll und will ich mir zunutz zu allen zeiten machen; im Streite soll es sein mein Schtuz, in Traurigkeit mein lachen, in Fr\u00f6hlichkeit mein Saitenspiel; und wenn mir nichts mehr schmecken will, soll mich dies Manna speisen; im Durst soll\u2019s sein mein Wasserquell, in Einsamkeit mein Sprachgesell zu Haus und auch auf Reisen.<\/p>\n<p>Das Blut als Lebenselexier, als sicheres Mittel gegen jeden Mangel von Leib und Seele.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste ausgelassene Strophe schlie\u00dflich bringt es auf den Punkt: Dein Blut, das ist mein Leben. Lesen: Strophe 9<\/p>\n<p>Was schadet mir des Todes Gift? Dein Blut, das ist mein Leben. Wenn mich der Sonnen Hitze trifft, so kann mirs Schatten geben. Setzt mir des Wehmuts Schmerzen zu so find ich bei dir meine Ruh als auf dem Bett ein Kranker; Und wenn des Kreuzes Ungest\u00fcm mein Schifflein treibet um und um, so bist du denn mein Anker.<\/p>\n<p>Folgerichtig erz\u00e4hlt die letzte Strophe in unserem Gesangbuch, wie noch im Tod das Blut es ist, das den Gl\u00e4ubigen ins Reich Gottes f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fremd ist uns diese Verehrung des Blutes und wahrscheinlich auch die gro\u00dfe Strenge, mit der die h\u00f6here Ordnung Gottes erf\u00fcllt werden mu\u00df. Auf der anderen Seite: wie tr\u00f6stlich ist es, in einer Welt so voller Unordnung, an die Gerechtigkeit Gottes zu glauben, die am Ende hergestellt wird.<\/p>\n<p>Und wie n\u00f6tig haben wir auch heute einen Beistand oder ein Lebenselexier, wie es Paul Gerhardt beschreibt. Was wir jederzeit nutzen k\u00f6nnten: im Streit, in Traurigkeit, wenn wir einsam sind oder uns etwas fehlt oder auch wenn es uns gut geht und wir das Leben genie\u00dfen, &#8211; zu Haus und auch auf Reisen, wie es in Strophe 6 hei\u00dft. . Eine solche Kraft geht vom Leiden Jesu aus, sagt uns Paul Gerhardt. Und es ist gut, dass wir seine Worte haben und dann auch eigene daf\u00fcr finden.<\/p>\n<p><strong>Singen der Strophen 6 u. 7.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Barbara Heller<\/strong><\/p>\n<p><strong>Evangelische Akademie Hofgeismar<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:Heller.akademie.hofgeismar@ekkw.de\"><strong>E-Mail: Heller.akademie.hofgeismar@ekkw.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Judika | 1.4.2001 | EG 83 \u201eEin L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld\u201c | Barbara Heller | (Die nicht in das Ev. Gesangbuch aufgenommenen Strophen wurden an die Gottesdienstbesucher in Kopie ausgegeben.) Wie sollen wir die Passion Jesu begreifen? Jesus leidet, stirbt einen schlimmen Tod und wird begraben. 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