{"id":22395,"date":"2001-03-24T15:32:11","date_gmt":"2001-03-24T14:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22395"},"modified":"2025-03-24T15:35:37","modified_gmt":"2025-03-24T14:35:37","slug":"eg-347-ach-bleib-mit-deiner-gnade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eg-347-ach-bleib-mit-deiner-gnade\/","title":{"rendered":"EG 347: &#8222;Ach bleib mit deiner Gnade&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Invokavit | 4.3.2001 | EG 347: &#8222;Ach bleib mit deiner Gnade&#8220; | Katharina Coblenz-Arfken |<\/h3>\n<p>Gemeindegesang : 1. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des b\u00f6sen Feindes List.<\/p>\n<p>Predigt<\/p>\n<p>Mein Zug kam kurz vor Mitternacht in Berlin an. Das Wochenende war ich in Dresden bei meinen Eltern gewesen. Ich wollte schnell nach Hause. Vom S-Bahnhof durch den Mombijoupark waren es keine 5 Minuten bei schnellem Schritt. Mein Mann w\u00fcrde hoffentlich noch wach sein. Kein Mensch war mehr unterwegs. Ich hatte schon fast die n\u00e4chste H\u00e4userfront des leerstehenden Postverwaltunsgeb\u00e4udes erreicht, da schrillte ein Pfiff. Ein gro\u00dfer schwarzer Hund jagte auf mich zu, sprang mich an. Ich stand wie gebannt. Von der Seite trat ein Mann aus der Dunkelheit. \u201eAus\u201c rief er und packte mich am Handgelenk. \u201eKomm mit\u201c. In mir rasten die Gedanken. Niemand ist hier, niemand h\u00f6rt mich. Bei dem Hund kann ich nicht entkommen. Gott hilf mir. Gib mir die richtigen Worte. Der Mann hielt mich fest \u201eKomm mit\u201c wiederholte er gepre\u00dft. \u201eLa\u00df mich los\u201c. Ich redete wie ein Buch. Ich redete um mein Leben. Ich sprach ihn auf sein Menschsein an. \u201eWas hast du davon, wenn du mich vergewaltigst? Ich bin eine verheiratete Frau, habe ein Kind. Du bist jung, hast das Leben vor dir. Du siehst gut aus (das stimmte nicht ganz). Du kannst doch auf ganz normalem Weg eine Freundin bekommen, die dich liebt. Wenn du mir Gewalt tust, dann machst du dich ungl\u00fccklich, wirst verfolgt. Du musst dir dein Leben doch nicht versauen. Meins machst du auch kaputt. Ich trau dir zu, dass du ein Mensch bist und so was nicht machst. Ich glaub an Gott, der zeigt dir auch einen besseren Weg.\u201c Das Wunder geschah. Er lie\u00df los. Ich ging weiter. Ich zwang mich, nicht zu rennen, obwohl meine Herz bis zu den Ohren klopfte. In diesem Moment sp\u00fcrte ich, was Gnade ist. Wie ein Schutzmantel hatte sie sich um mich gelegt, \u201edass uns hinfort nicht schade des b\u00f6sen Feindes List\u201c.<\/p>\n<p>Dies Erlebnis fiel mir ein, als ich \u00fcber dieses Lied nachsann. Es entstand 1627. Der Dichter des Textes, Josua Stegmann, stammt aus S\u00fclzfeld bei Meiningen. Er war 39 Jahre alt und inzwischen Superintendent und Theologieprofessor in Rinteln an der Weser, als er diese Verse niederschrieb. Der drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg verw\u00fcstete das Land. Glaubenskampf weitete sich zum Machtkampf aus. Die Kriegsereignisse brachten es mit sich, dass er drei Jahre sp\u00e4ter aller materiellen Grundlagen beraubt wurde. Man n\u00f6tigte ihn zu einer Disputation, die nur auf eine Verspottung hinauslief. Er starb darauf im \u00fcbern\u00e4chsten Jahr. Dies Lied aber behielt seine Kraft und steht als einziges von ihm noch heute, nach nun 374 Jahren, in unserem Gesangbuch. Ich singe es gern. Die Melodie stammt von dem ihm wohl bekannten achtzehn Jahre \u00e4lteren Kantor Melchor Vulpius aus Schleusingen. Er hatte sie urspr\u00fcnglich zu einem Sterbelied komponiert (Christus, der ist mein Leben, Sterben mein Gewinn, EG 516).<\/p>\n<p>Josua Stegmann beginnt sein Lied mit einem Seufzer: \u201eAch!\u201c Dieser Seufzer kommt aus tiefstem Herzensgrunde &#8211; am Anfang jeder Strophe. Sechsmal wiederholt er dieses \u201eAch\u201c und die Not in seinem Herzen wandelt sich damit gleichsam zur Bitte, zum Gebet, doch bewahrt zu bleiben vor des b\u00f6sen Feindes List.<\/p>\n<p>Aber was ist denn des b\u00f6sen Feindes List? Gibt es den b\u00f6sen Feind \u00fcberhaupt? Die Bibel nennt ihn Teufel oder Satan. Sie nimmt die Erfahrung ernst, dass es die Macht des B\u00f6sen gibt. Eine gef\u00e4hrliche Macht, die Leben zerst\u00f6rt. In ihrem Bereich werden Menschen verleitet, sich gegen das Leben zu stellen. Es geht darum, dass wir nicht Schaden nehmen, dass wir nicht dem Teufel auf den Leim gehen. Ich war doch versucht, mich kr\u00e4ftig zu wehren, zur\u00fcckzuschlagen. Irgendetwas hat mich davor bewahrt. Gottes Gnade, denke ich. Irgendwie mu\u00df der andere das gesp\u00fcrt haben.<\/p>\n<p>In dieser Situation war das B\u00f6se offensichtlich. Ich h\u00e4tte genauso b\u00f6se werden k\u00f6nnen. Wenn ich eine Pistole oder ein Messer bei mir gehabt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte ich ihn umbringen oder beseitigen k\u00f6nnen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich das nicht gehabt habe. Ich gehe auch heute nicht bewaffnet aus dem Haus. Gewalt mit Gewalt zu beantworten, f\u00fchrt zu einer Spirale des Todes. Wenn wir B\u00f6ses mit B\u00f6sen vergelten, dann begeben wir uns in den Machtbereich des B\u00f6sen. Denn, wenn ich meinen Feind hasse, verleihe ich ihm auch Macht \u00fcber mich: Macht \u00fcber meine Gedanken, Macht \u00fcber meinen Schlaf, Macht \u00fcber meinen Blutdruck&#8230; Der Ha\u00df schl\u00e4gt zur\u00fcck. \u201eF\u00fchre uns nicht in Versuchung, sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen\u201c beten wir gemeinsam.<\/p>\n<p>So nennt in der zweiten Strophe Josua Stegmann Jesus Christus den \u201eErl\u00f6ser\u201c:<\/p>\n<p>\u201eAch, bleib mit deinem Worte bei uns Erl\u00f6ser wert&#8230;\u201c.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, ich bin nicht allein und orientierungslos im Leben. In Jesus Christus hat Gott uns gezeigt, wie sein Leben und seine Liebe sich in der Welt auswirken. Er widerstand der Versuchung zur Macht, der Versuchung durch Schmeichelei und der letzten Versuchung, den Satan anzubeten. Er blieb achtsam und zog die Grenze zwischen sich und dem Teufel: \u201eHebe dich hinweg von mir, Satan! Denn es steht geschrieben: \u201eDu sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm allein dienen\u201c (Mt 4,10). Jesus schlug nicht auf den Teufel ein, sondern vertraute Gott allein. Er wusste, dass er ganz fest zu Gott geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit, in der die zerst\u00f6rerische Gewalt breiten Raum einnimmt. Die nur auf Leistung und Gewinn orientierte Gesellschaft frisst die menschlichen Werte. Wir leben alle l\u00e4ngst auf Kosten derer, die wir ausbeuten \u2013 wir sehen sie blo\u00df nicht, die Menschen in der 3.Welt. Und wie sollen unsere Kinder an Werte glauben, wenn die Verantwortlichen in der Regierung sich mit Millionen bereichern und nicht mal zur Rechenschaft gezogen werden?<\/p>\n<p>Der junge Mann aus dem Park, er hatte ein verwahrlostes Gesicht, er glaubte, er kann sich mit Gewalt jede Frau nehmen zu seinem Spa\u00df. Die Videotheken sind voll von Filmen, die solche sexuelle Gewalt zeigen. Niemand verbietet es, denn es bringt Gewinn.<\/p>\n<p>Die Bitte um Wahrheit, die vor dem Irrtum bewahrt, wird mir zur Mitte in diesem Lied (Vers 3):<\/p>\n<p>Ach, bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht;<\/p>\n<p>dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.<\/p>\n<p>Ist es nicht makaber, wenn schon Christen bitten, sich mit einzusetzen, dass ein Armeestandpunkt in Eggesin erhalten bleibt, damit Arbeitspl\u00e4tze erhalten werden? In Wahrheit w\u00e4re es sinnvoller, lebenserhaltende Arbeitsm\u00f6glichkeiten und Arbeitsfelder zu suchen. M\u00fcssen Schulen wirklich geschlossen werden, wenn weniger Kinder da sind? W\u00e4re es nicht eine gute M\u00f6glichkeit, den Kindern mehr Zuwendung zukommen zu lassen? Sicher, man kann damit nicht so viel verdienen, wie mit Waffengesch\u00e4ften. Aber es geht um unser Leben und das Leben dieser einmalig sch\u00f6nen Welt, die ich auch meinen Kindern und Enkeln erhalten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Wie ein Bogen spannen sich die Worte f\u00fcr die g\u00f6ttlichen Gaben dieser sechs Strophen um mich, die mich bewahren m\u00f6gen vor der Versuchung zum B\u00f6sen:<\/p>\n<p>GNADE &#8211; WORT &#8211; GLANZ &#8211; SEGEN &#8211; SCHUTZ &#8211; TREUE<\/p>\n<p>Die Einfachheit der Worte, die Schlichtheit und die Klarheit des Reimes sind es wohl, die es verm\u00f6gen, uns auch heute noch anzusprechen und zu ber\u00fchren. Wir d\u00fcrfen uns mit unter diesen Bogen, den Schutz Jesu stellen.<\/p>\n<p>Es ist so viel B\u00f6ses auf der Welt. Wie gut, dass es diesen Schutzwall gibt. Der Dichter Josua Stegmann hat uns mit diesem Lied davon erz\u00e4hlt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Katharina Coblenz-Arfken<\/strong><\/p>\n<p><strong>MTS-Str.4<\/strong><\/p>\n<p><strong>18556 Altenkirchen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tel.: 038391-12326<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:Arfkencoblenz@aol.com\"><strong>E-Mail: Arfkencoblenz@aol.com<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Invokavit | 4.3.2001 | EG 347: &#8222;Ach bleib mit deiner Gnade&#8220; | Katharina Coblenz-Arfken | Gemeindegesang : 1. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des b\u00f6sen Feindes List. Predigt Mein Zug kam kurz vor Mitternacht in Berlin an. 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