{"id":22411,"date":"2001-03-24T15:56:19","date_gmt":"2001-03-24T14:56:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22411"},"modified":"2025-03-24T15:57:31","modified_gmt":"2025-03-24T14:57:31","slug":"eg-223-das-wort-geht-vom-vater-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eg-223-das-wort-geht-vom-vater-aus\/","title":{"rendered":"EG 223 \u201eDas Wort geht vom Vater aus\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Gr\u00fcndonnerstag | 12.4.2001 | EG 223 \u201eDas Wort geht vom Vater aus\u201c | Klaus Hoffmann |<\/h3>\n<p><em>1. Das Wort geht vom Vater aus,Und bleibt doch ewiglich zu Haus,und geht zu der Welten Abendzeit,das Werk zu tun, das uns befreit.<\/em><\/p>\n<p><em>2. Da von dem eignen J\u00fcnger gar,der Herr zum Tod verraten war,gab er als neues Testament,den Seinen sich im Sakrament<\/em><\/p>\n<p><em>3. gab zwiefach sich in Wein und Brot,sein Fleisch und Blut, getrennt im Tod,macht durch des Mahles doppelt Teil,den ganzen Menschen satt und heil.<\/em><\/p>\n<p><em>4. Der sich als Bruder zu uns stellt,gibt sich als Brot zum Heil der Welt,bezahlt im Tod das L\u00f6segeld,geht heim zum Thron als Siegesheld.<\/em><\/p>\n<p><em>5. Der du am Kreuz das Heil vollbracht,des Himmels T\u00fcr uns aufgemacht:gib deiner Schar im Kampf und KriegMut, Kraft und Hilf aus deinem Sieg.<\/em><\/p>\n<p><em>6. Dir, Herr, der drei in Einigkeit,sei ewig alle Herrlichkeit.F\u00fchr uns nach Haus mit starker Handzum Leben in das Vaterland.<\/em><\/p>\n<p>Eine steile dogmatische Sprache, in der formelhaft kurz und fast lapidar Heilswahrheiten verk\u00fcndet werden:<\/p>\n<p><em>&#8230;gab er als neues Testamentden Seinen sich im Sakrament&#8230; gab zwiefach sich in Wein und Brot:&#8230; gibt sich als Brot zum Heil der Welt,bezahlt im Tod das L\u00f6segeld,Der du am Kreuz das Heil vollbracht,&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Vom Werk unserer Befreiung\u00a0<em>zu der Welten Abendzeit<\/em>\u00a0singt der Liederdichter Otto Riethm\u00fcller 1932\/34. Er \u00fcbertr\u00e4gt dazu den Laudushymnus ins Deutsche, den der katholische Gelehrte Thomas von Aquin 1264 zur Einf\u00fchrung des Fronleichnamfests gedichtet hatte. Und er w\u00e4hlt dazu die Melodie des Chorals \u201eWir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du f\u00fcr uns gestorben bist\u201c (EG 79), den der Kantor Nikolaus Herman 1551 in B\u00f6hmen komponierte.<\/p>\n<p>Hier ein mittelalterlicher Hymnus, der Christus fast unnahbar monumental ins Zentrum setzt, da eine Melodie aus der Reformationszeit, die \u00fcberaus sangbar, emotional leicht eing\u00e4ngig und auch einnehmend ist und in ihrer Moll-Tonart auch etwas anr\u00fchrend Trauriges, ja Melancholisches mitschwingen l\u00e4sst und dann ein neuzeitlicher Liedermacher, der als begeisternder Jugendf\u00fchrer und Vertreter des \u201eNeuen Liedes\u201c ger\u00fchmt wird. Wie kommt das zusammen?<\/p>\n<p>Riethm\u00fcller hat sich sein Leben lang mit den theologisch-k\u00fcnstlerischen Gestaltungsmitteln der Jugendarbeit besch\u00e4ftigt. Er schuf Spielmotetten, dramatisierte Bibelworte und Kirchenlieder, ging spielerisch mit der rituellen Liturgie um. Er meinte:<\/p>\n<p><em>\u201eWir m\u00fcssen das Evangelium, wenn es der Jugend etwas bedeuten soll, so sagen k\u00f6nnen, dass es die heutige Jugend h\u00f6rt, dass es die heutige Jugend fassen und erfassen kann&#8230;Darum lasst uns barmherzig und darum anschaulich sein. Wir wollen lieber zu einfach als zu kompliziert, lieber in hinkenden Gleichnissen als in zu abstrakter Sprache reden\u201c.<\/em><\/p>\n<p>1932 brachte er\u00a0<em>Ein Liederbuch f\u00fcr die deutsche evangelische Jugend \u2013 EIN NEUES LIED<\/em>\u00a0im Burckhardthaus-Verlag heraus. Friedrich von Bodelschwingh nannte ihn\u00a0<em>Lobs\u00e4nger Gottes und Christi.<\/em><\/p>\n<p>1928 war Riethm\u00fcller Direktor de Burckhardthauses geworden, der Zentrale der evangelischen weiblichen Jugend in Deutschland. Und schon 1933 musste er der existenzbedrohenden Herausforderung standhalten, der Gleichschaltung. Es sollte nur noch eine Jugend des F\u00fchrers geben. Er musste einen Vertrag unterschreiben, dass das evangelische Jugendwerk in die Hitlerjugend mit ihren Untergliederungen \u00fcbernommen wird. Er kommentierte das so:<\/p>\n<p><em>\u201eWir sollen uns nur noch mit Bibel und Gesangbuch besch\u00e4ftigen? Gut, so halten wir uns an sie\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Und er tat es auch, konzentrierte sich auf den Kern der Verk\u00fcndigung, verbreitete Bibel-Lesepl\u00e4ne, Losungen, veranstaltete Singegottesdienste und Sprechmotetten und antwortete so auf die politische Herausforderung. Die Irrlehren der Deutschen Christen verurteilte er und schrieb in der Monatsschrift f\u00fcr Pastoraltheologie 1934:<em>\u201eSumma summarum: Nur diejenige Kirche kann wirklich auf die Dauer helfen und dienen, die ihren eigenen und nicht fremden Gesetzen folgt, und das gilt auch f\u00fcr die Jugendarbeit der Kirche\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Dies findet sich in der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung so wieder, vom 31. Mai 1934:<\/p>\n<p><em>\u201eWir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen w\u00e4ren, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heilung durch ihr bed\u00fcrften&#8230;. Wir verwerfen die falsche Lehre, als k\u00f6nne und d\u00fcrfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete F\u00fchrer geben oder geben lassen\u201c.<\/em><\/p>\n<p>1935 wird Riethm\u00fcller auch Vorsitzender der Reichsjugendkammer der Bekennenden Kirche. Es war auch einer der ersten, der den Aufruf gegen die Einf\u00fchrung des Arierparagraphen in der Kirche unterschrieb.<\/p>\n<p>In der Zeit 1932-34, als die Totalit\u00e4tsanspr\u00fcche des 3. Reiches immer deutlicher wurden und dennoch, viele \u2013 auch in der Kirche &#8211; den F\u00fchrer als erhofften Erneuerer begr\u00fc\u00dften und von ihm Heilstaten f\u00fcrs ganze Vaterland erwarteten, da \u00fcbertrug Riethm\u00fcller von Aquins Hymnus und propagierte ein anderes\u00a0<em>Vaterland.<\/em>\u00a0Gegen den ma\u00dflosen Herrschaftsanspruch des F\u00fchrers will er den wirklichen Herrn aller Herren gro\u00df und herrlich machen, will eindeutig Position beziehen und sagen, von wem wirklich Rettung und Heil zu erwarten ist. Die \u201e<em>Urdaten der<\/em>\u00a0<em>Heilsgeschichte\u201c<\/em>\u00a0sollen genannt sein. Die direkt bekennende Sprache des altlateinischen Hymnus kommt ihm da entgegen. Und im Umfeld der \u201eb\u00f6hmischen Br\u00fcder\u201c, die sich nach Jan Hus\u2019 Verbrennung als Reformbewegung zusammengefunden hatten, fand er die passende Melodie von Nikolaus Herman. Die Lieder der \u201eb\u00f6hmischen Br\u00fcder\u201c hatten ihn schon immer interessiert, wegen ihrer Urspr\u00fcnglichkeit und Andacht, wohl aber auch, weil es geistliche \u00c4u\u00dferungen eines Glaubens- und Gemeinschaftslebens sind, das viele Verfolgungs- und Unterdr\u00fcckungssituationen kennt und vom Kampfgeist und Leidensbereitschaft gekennzeichnet ist. So wurde aus dem R\u00fcckgriff auf die Tradition eine aktuelle politische \u00c4u\u00dferung, das Lied\u00a0<em>\u201eDas Wort geht vom Vater aus<\/em>\u201c. Mit der \u00dcbertragung des Hymnus\u00a0<em>\u201eVerbum supernum prodiens\u201c,<\/em>\u00a0der als\u00a0<em>\u201ereinste Verk\u00f6rperung der katholischen Festidee vom Altarsakrament gilt,<\/em>\u00a0gelingt Riethm\u00fcller auch eine \u00f6kumenische Tat. Das Lied kann nun auch bei einer evangelischen Abendmahlsfeier erklingen. Die immer noch schmerzliche Trennung der Kirchen auch an dieser zentralen Stelle, dem Abendmahl, wird demonstrativ \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Das Lied\u00a0<em>\u201eDas Wort geht von dem Vater aus\u201c<\/em>\u00a0wird am Gr\u00fcndonnerstag gesungen. Gr\u00fcndonnerstag kommt wahrscheinlich von Grein-Donnerstag \u2013 Greinen hei\u00dft weinen. Das ist der Tag, an dem das Abendmahl eingesetzt wurde, an dem wir Christen auch des letzten Pessach-Mahles gedenken, das Jesus mit seinen J\u00fcngern feierte. Das Pessach-Mahl feiern die Juden als Erinnerung an die Errettung aus \u00c4gypten.<\/p>\n<p>In unserem Abendmahl setzen wir auch die j\u00fcdische Pessachtradition fort. Es geht um die grundlegende Heilstat Gottes. Es geht um die Vergegenw\u00e4rtigung unserer Rettung. Deswegen fragen wir am Gr\u00fcndonnerstag nach Zeichen unserer Bewahrung in der j\u00fcngsten Geschichte. Diese Geschichte ist auch die des Holocaust. Wir m\u00fcssen uns dieser Geschichte stellen \u201eWir m\u00fcssen uns erinnern, was Christen ihren j\u00fcdischen Schwestern und Br\u00fcdern an uns\u00e4glichem Leid zugef\u00fcgt haben\u201c. Vielleicht kann uns dies auch helfen gegen einen neuen Rechtsradikalismus, die Hassattacken gegen Fremde und gegen den latenten Antisemitismus.<\/p>\n<p>Gr\u00fcndonnerstag ist der Beginn der eigentlichen Passions- und Osterfeiern. Wer auf diesen Leidensweg geht, der braucht St\u00e4rkung und Gemeinschaft. Der soll zum Abendmahl eingeladen sein.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Klaus Hoffmann<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zentrum f\u00fcr Medien Kunst Kultur im Amt f\u00fcr Gemeindedienst<\/strong><\/p>\n<p><strong>Archivstr. 3, 30169 Hannover<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:Klaus.Hoffmann@evlka.de\"><strong>E-Mail: Klaus.Hoffmann@evlka.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p>(Als Quelle wurde das verdienstvolle Buch von Martin R\u00f6\u00dfler, Liedermacher im Gesangbuch, Bd. 3 Stuttgart 1991, benutzt).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Gr\u00fcndonnerstag | 12.4.2001 | EG 223 \u201eDas Wort geht vom Vater aus\u201c | Klaus Hoffmann | 1. Das Wort geht vom Vater aus,Und bleibt doch ewiglich zu Haus,und geht zu der Welten Abendzeit,das Werk zu tun, das uns befreit. 2. 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