{"id":22419,"date":"2001-03-24T16:07:40","date_gmt":"2001-03-24T15:07:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22419"},"modified":"2025-03-24T16:11:46","modified_gmt":"2025-03-24T15:11:46","slug":"eg-80-o-traurigkeit-o-herzeleid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eg-80-o-traurigkeit-o-herzeleid\/","title":{"rendered":"EG 80 \u201eO Traurigkeit, o Herzeleid\u201c"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Karsamstag | 14.4.2001 | EG 80 \u201eO Traurigkeit, o Herzeleid\u201c | Reinhard Gr\u00e4ler |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir befinden uns heute am tiefsten Punkt des Kirchenjahres. In den vergangenen sechs Wochen sind wir in den Passionsandachten dem Leidensweg Jesu gefolgt. Nach Verrat, Abschied, Leidensank\u00fcndigung, Verleugnung und Verurteilung ist nun die Kreuzigung gefolgt. Wir gedenken des Tages, an welchem Jesus weder lebt noch schon auferstanden ist, am Tag der gro\u00dfen Hoffnungslosigkeit. Und in gro\u00dfer Best\u00fcrzung wird das Karfreitagsgeschehen beobachtet und betrauert: &#8222;wir setzen uns mit Tr\u00e4nen nieder&#8220;. Kein Verb der Bewegung mehr erscheint in diesen f\u00fcnf Strophen des Liedes &#8222;O Traurigkeit&#8220;; wenn sich irgendetwas bewegt, dann in der Vergangenheit: &#8222;deine S\u00fcnd hat dieses angerichtet&#8220;. Der K\u00f6rper ist still und erstarrt. Und in diese Erstarrung hinein erklingt sechsmal der Ausruf &#8222;O&#8220;, das Anzeichen f\u00fcr eine au\u00dferordentliche Gem\u00fctsbewegung: &#8222;O Traurigkeit, o Herzeleid, o gro\u00dfe Not, o Menschenkind, o selig ist, o, Jesu, du&#8220;. Lassen Sie uns doch f\u00fcr einen Moment Revue passieren, was n\u00f6tig ist, um Ihrem Mund dieses &#8222;O&#8220; zu entlocken: ein \u00fcberraschendes Geschenk, eine ebenso \u00fcberraschende Situation, oder in anderer Tonlage, die Erfahrung gro\u00dfen Leides, gro\u00dfer Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung, der Laut der antiken Klageweiber. Und h\u00f6ren oder singen Sie die ersten zwei Zeilen dieses Liedes: es sind beides lediglich kurze Atemst\u00f6\u00dfe, ein geradezu hoffnungsloses Aufst\u00f6hnen, deren letzte Note immer unter der ersten liegt. Wie ein viersilbiger Seufzer: &#8222;O Traurigkeit! &#8211; O Herzeleid&#8220;. Und jetzt der im Vergleich hierzu gro\u00dfe Aufschrei, der siebensilbige Abgesang, genauso absteigend-klagend: &#8222;ist dies nicht zu beklagen&#8220;, &#8211; um am Ende die nackte Tatsache zu schildern: &#8222;Gott des Vaters einigs Kind wird ins [das Gotteslob schreibt: zum] Grab getragen&#8220;.<\/p>\n<p>Die Melodie ist dem Lied zugeschaffen, wie es der Jesuit und Reformationsgegner Friedrich Spee von Langenfeld urspr\u00fcnglich gedichtet hat (Gotteslob Nr. 188): &#8222;1. O Traurigkeit, o Herzeleid!, 2. O h\u00f6chstes Gut, unschuldigs Blut, 3. O hei\u00dfe Z\u00e4hr, flie\u00df immer mehr, 6. O gro\u00dfer Schmerz, o steinern Herz&#8220;, lauter kurzatmige Ausrufe, ein kurzes St\u00f6hnen er\u00f6ffnet jede Strophe. Das komponierte Lied bildet damit gewisserma\u00dfen seinen eigenen Inhalt nach und macht den singenden Menschen zum Medium realistischer Tonmalerei. Der S\u00e4nger wird zum Klageweib. Friedrich von Spee malt ein ergreifendes Stimmungs- und anschauliches Naturbild. Die unbeschreibliche Situation des Todes Jesu wird mit allen Mitteln ausgemalt, alles, die gesamte Sch\u00f6pfung trauert. Besonders ergreifend beschreibt Friedrich Spee diese Stimmung noch in einem anderen Gedicht, im &#8222;Trauergesang von der Not Christi im \u2026Garten&#8220;(11., 12. Strophe).<\/p>\n<p><em>Der sch\u00f6ne Mond will untergahn,<\/em><\/p>\n<p><em>vor Leid nicht mehr mag scheinen,<\/em><\/p>\n<p><em>die Sterne lan ihr Glitzen stahn,<\/em><\/p>\n<p><em>mit mir sie wollen weinen.<\/em><\/p>\n<p><em>kein Vogelsang noch Freudenklang<\/em><\/p>\n<p><em>man h\u00f6ret in den L\u00fcften,<\/em><\/p>\n<p><em>die wilden Tier traurn auch mit mir<\/em><\/p>\n<p><em>in Steinen und in Kl\u00fcften.<\/em><\/p>\n<p>Es geht um Bilder, die es dem lesenden, sprechenden oder singenden Menschen die modern sogenannte &#8222;Identifikation&#8220; erm\u00f6glichen sollen. Die Welt ist stumm und regungslos vor namenlosem Entsetzen \u00fcber das, was sie selbst getan hat. Annette von Droste-H\u00fclshoff beleuchtet die Szenerie \u00e4hnlich (in: Das geistliche Jahr: Am Karsamstage):<\/p>\n<p>&#8222;<em>Tiefes, \u00f6des Schweigen,<\/em><\/p>\n<p><em>und die ganze Erd wie tot!<\/em><\/p>\n<p><em>Die Lerchen ohne Lieder steigen,<\/em><\/p>\n<p><em>Die Sonne ohne Morgenrot,<\/em><\/p>\n<p><em>Auf die Welt sich legt<\/em><\/p>\n<p><em>der Himmel matt und schwer,<\/em><\/p>\n<p><em>Starr und unbewegt<\/em><\/p>\n<p><em>Wie ein gefrornes Meer.<\/em><\/p>\n<p><em>O Herr, erhalt uns!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Mensch und Natur erschauern vor den eigenen Abgr\u00fcnden von Gewalt und Tod.<\/p>\n<p>Die bildreiche Sprache des Friedrich von Spee, die in sechs Strophen das Leiden Christi sowie der Gottesmutter Maria ausmalt, hat Johann Rist nicht gekannt. Ihm ist die erste Strophe zu Geh\u00f6r gekommen, er hat sie behalten und als Keimzelle eines neuen Liedes verwendet. Bei seiner Liedfassung klart sich der Blick auf, die Bilder werden n\u00fcchterner und klarer: In der ersten Strophe wird Traurigkeit erw\u00e4hnt, erkl\u00e4rt in der zweiten Strophe durch die Not des vom toten Christus alleingelassenen Menschen. Und wer ist schuld? Richtig, in der dritten Strophe hei\u00dft es: O Menschenkind, nur deine S\u00fcnd. Das Bem\u00fchen um Versenkung des Ichs in die Heilsgeschichte best\u00e4rkt und verdeutlicht ein ber\u00fchmter Zeitgenosse Rists, Paul Gerhardt, in dem Lied, &#8222;O Welt, sieh hier dein Leben!&#8220;: &#8222;<em>ich bins, ich sollte b\u00fc\u00dfen&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Wir haben also die Argumentation verstanden: Gro\u00dfe &#8222;Traurigkeit&#8220;, denn ( o gro\u00dfe Not) &#8222;Gotts Sohn liegt tot&#8220;, und du Menschenkind, nur Du in deiner S\u00fcnd &#8222;hast dieses angerichtet&#8220;. Diese Erkenntnis gilt es zu bedenken:<\/p>\n<p><em>O selig ist zu aller Frist, wer dieses recht bedenket,wie der Herr der Herrlichkeit wird ins Grab versenket.<\/em><\/p>\n<p>In diesem Vers leuchtet schon ein Hoffnungschimmer \u00fcber aller Totenstille auf: wenn wir wissen und recht bedenken, was in den ersten Versen behandelt worden ist, winkt eine Seligkeit, und zwar zu aller Frist &#8211; ich werde noch darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>Den Schlu\u00df des Liedes bildet die Bitte um Bewahrung vor dem Fall in S\u00fcnde, bzw. um Beh\u00fctung vor Gottvergessenheit. M\u00f6ge uns dieses Begreifen eine Lehre sein, die uns eine Seligkeit erm\u00f6glicht. So wird das Stimmungslied des Katholiken von Spee in der evangelischen Fassung ein Lehrst\u00fcck, das<\/p>\n<p>die Vergangenheit in der Geschichte der Passion,<\/p>\n<p>die Gegenwart in Betrachtung und Versenkung sowie<\/p>\n<p>die Zukunft in der Bitte um Bewahrung einschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>die Reformation hat, &#8222;damit das Wort Gottes in Schwange kommt&#8220;, Texte f\u00fcr die Gemeinde in Liedform gegossen: Die Musik, insbesondere das gesungene Wort k\u00f6nne die Seele noch st\u00e4rker erreichen als das blo\u00df gesprochene Wort. Luther sch\u00e4tzt die Musik als eine Macht, die die Seele beruhige und b\u00f6sem Mut wehre. Und, in der Tat, welches Medium kann den Menschen mehr, umfassender erreichen, als wenn er aktiv Wort und Ton artikuliert, gleichzeitig seinen K\u00f6per f\u00fcr die Aktion des Singens und des H\u00f6rens bereitstellt und \u00f6ffnet? Wir sagen \u00fcber einen Schauspieler, da\u00df ihm ein Rolle &#8222;auf den Leib geschrieben&#8220; sei, wenn seine Person eine Einheit mit dem darstellt, was seine Rolle ist. Und so langsam kommen wir dem n\u00e4her, womit uns dieses Passionslied dienen kann: nicht nur eine Rolle\u00a0<em>auf<\/em>, sondern eine Rolle geradewegs\u00a0<em>in<\/em>\u00a0den Leib und in die Seele zu schreiben. Und zwar nicht in Leib und Seele irgendeines Menschen, sondern in unsere eigene Seele, unseren eigenen Leib, beides untrennbar verbunden. So sei auch das Wort der vierten Strophe zu verstehen<\/p>\n<p><em>O selig ist zu aller Frist, wer dieses recht bedenket<\/em><\/p>\n<p>das Wort &#8222;bedenken&#8220; ist wohl besser im Sinne eines echten &#8222;verinnerlichen&#8220; zu deuten. So k\u00f6nnen und sollen wir uns diese, vielleicht etwas kitschig anmutenden, Liedverse zueigen machen, sie nicht nur auf, sondern auch in uns wirken lassen. Die Traurigkeit, das Herzeleid gilt nicht uns, es ist keine dritte Person Singular oder etwas \u00e4hnliches: es ist unser eigenes Herzeleid, welches uns ankommt, wenn wir langsam begreifen, an welchem Punkt wir am Karfreitag stehen.<\/p>\n<p>Wohl m\u00f6gen uns die Bilder einer schweigenden Natur sowohl bei Annette Droste-H\u00fclshoff oder bei Friedrich Spee von Langenfeld erbauen, sie m\u00f6gen Stimmungen in uns erzeugen, die einer leisen Ersch\u00fctterung nahekommen. Ob wir aber durch zum wahren Erkennen der Heilstat kommen, wenn wir Stimmungsbilder zur Hand nehmen, die in ihrer Anschaulichkeit geradezu an den &#8222;holden Knaben im lockigen Haar&#8220; ankn\u00fcpfen, wage ich zu bezweifeln. Angesagt ist ein st\u00e4rkerer Eingriff ins Leben des S\u00e4ngers; wenn das Lied einen Sinn f\u00fcr uns haben soll, mu\u00df es einen Lebensbezug, einen Sitz im Leben bekommen. Zur Verdeutlichung dieser Aktualit\u00e4t dieses Liedes eine kleine R\u00fcckblende: Ganz am Anfang unseres Gesangbuches (EG 5) finden wir das Adventslied &#8222;Gottes Sohn ist kommen&#8220;. Und gleich die zweite Strophe kommt zur Sache: &#8222;er kommt auch noch heute&#8220;. Jede Adventszeit, jedes Weihnachtsfest ist nicht nur eine Erinnerung, sondern eine Ermahnung, sich zu besinnen, was wichtig ist, wer der Herr der Welt ist. Und so, wie das Adventslied davon singt, da\u00df er noch heute kommt &#8211; so bedenken wir es recht: so stirbt er auch noch heute. Wir singen nicht von einer historischen Begebenheit. Wiegen Sie sich nicht sicher in einem zu selbstverst\u00e4ndlichen Osterglauben. Befreiung und Erl\u00f6sung kann nur kommen aus Sklaverei, Gefangenschaft und den ganzen verwandten Lebensumst\u00e4nden, die die Bibel wie ein roter Faden durchziehen, Angst, Not, Tr\u00fcbsal, Hoffnungslosigkeit uvm. Eine Spur legt uns auch das W\u00f6rtchen &#8222;Frist&#8220; in unserem Lied: wie sehr uns Fristen in unserem Leben zu schaffen machen, mu\u00df ich nicht erl\u00e4utern. Und wann die letzte Frist abgelaufen ist &#8211; das haben wir nicht in unseren H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Befreiung und Erl\u00f6sung kann man nur empfinden, wenn Druck und Angst von der Seele weichen. Und wenn der Druck nicht erkannt ist (wie sagt der Arzt: man wei\u00df gar nicht, wie schlecht es einem eigentlich geht), kann noch keine Befreiung stattfinden. Der Gegner mu\u00df erst analysiert werden, bevor man ihn entweder selbst bek\u00e4mpfen kann, oder: bevor man erkennt, da\u00df man von ihm befreit worden ist. Generalamnestie ohne Schuldbewu\u00dftsein ist nicht sinnvoll. Und so ist der Tod Christi ein gegenw\u00e4rtiger. So, wie wir ein Leben in eigener Verantwortung und in eigener Machtvollkommenheit zu f\u00fchren w\u00fcnschen, f\u00e4hrt gewisserma\u00dfen der Stachel des Todes nicht in uns, sondern aktuell, gerade jetzt in den, der die Strafe, der den Tod f\u00fcr uns auf sich genommen hat, Jesus Christus bzw. in Gott selbst. Es mu\u00df einem kalt den R\u00fccken herunterlaufen bei dieser Vorstellung. An diesem Karsamstag stehe die J\u00fcnger da und haben ihren Herrn verraten. Und wir stellen uns in diese Szene hinein und k\u00f6nnen oder sollen uns, eben nicht getrost, mit angesprochen f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Unser Vorbild sind zw\u00f6lf Menschen, die, jeder f\u00fcr sich, wissentlich den Tod Jesu verschuldet haben und die noch nichts von seiner Auferstehung ahnen, geschweige denn, glauben. Der Verr\u00e4ter Judas w\u00e4hlt den Freitod. Was mag in den anderen vorgehen? Was, wenn jetzt die Frist f\u00fcr eine Vergebung abgelaufen w\u00e4re? Wenn der Tod des Gottessohnes Jesu eine nicht vergebbare Schuld w\u00e4re? Die Worte &#8222;O Traurigkeit, o Herzeleid&#8220; zeigen diese Gewissensnot und Angst in einem noch zu sch\u00f6nen Licht. In einem alten Gesangbuch von 1913 stand unter anderen noch eine weitere Strophe, in welcher es hei\u00dft:<\/p>\n<p><em>Dein Br\u00e4utigam, das Gotteslamm, liegt hie mit Blut beflossen,<\/em><\/p>\n<p><em>welches es ganz mildiglich hat f\u00fcr dich vergossen.<\/em><\/p>\n<p>Nun, liebe Gemeinde, &#8222;mildiglich&#8220; ist in dieser Szene gar nichts. Es ist eine Menge Blut geflossen. &#8222;Mildiglich&#8220; mag die Sprache des 17. Jahrhunderts sein, Johann Rist war immerhin, trotz aller Kriegswirren, ein sinnenfroher, g\u00e4rtnernder Seelsorger in Wedel bei Hamburg, der zu allen Gelegenheiten Blumen aus dem eigenen Garten verschenkte; solch gef\u00fchlige T\u00f6ne h\u00f6ren wir bei einem Jochen Klepper, der sich unter dem Nazi-Regime in grenzenloser Hoffnungslosigkeit das Leben nahm, nicht mehr. Man kann in Situationen kommen, in denen f\u00fcr solch ausgeschm\u00fcckte Gef\u00fchligkeit die Frist abgelaufen ist. Und es geh\u00f6rt wahrlich viel Courage dazu, sich die Rolle eines J\u00fcngers in den Leib zu schreiben und einzugestehen, eines J\u00fcngers, der einen Menschen auf dem Gewissen hat, dem er noch tags zuvor ins Gesicht beteuert hat: &#8222;und wenn sich doch alle \u00e4rgern an dir, w\u00fcrde ich Dich nie verleugnen&#8220;, und der tatenlos zusehen mu\u00df, wie eben dieser Mensch zu sp\u00e4terer Stunde elend am Kreuz verreckt ist.<\/p>\n<p>Und doch wollen wir diese Predigt so nicht ausklingen lassen; in unserem Lied ist die Seligkeit ja schon angesprochen worden und aufgeschienen. Es ist klar geworden: ohne sich selbst existenziell ins Spiel zu bringen, ist existenzielle Erl\u00f6sung nicht m\u00f6glich. Und wir wollen uns doch den historischen Blick g\u00f6nnen, der uns sagt: es ist m\u00f6glich und wir glauben es, so unwahrscheinlich und unglaublich es ist: einer ist f\u00fcr uns gestorben, er stirbt auch noch heute, aber dieses Werk ist und wird auch getan. Wir d\u00fcrfen uns von unsrer gro\u00dfen Not, von unsrer Traurigkeit tr\u00f6sten lassen. So la\u00dft uns &#8211; nach einer geh\u00f6rigen Portion Besinnung &#8211; morgen, am Gedenktag der Auferstehung Christi &#8211; singen: Des wolln wir alle fr\u00f6hlich sein, Christ will unser Trost sein.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Reinhard Gr\u00e4ler, Kreiskantor in Winsen\/Luhe<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:RGraeler@t-online.de\"><strong>E-Mail: RGraeler@t-online.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Material<\/p>\n<p>Bei stiller Nacht zur ersten Wacht<\/p>\n<p>ein Stimm sich gund zu klagen;<\/p>\n<p>ich nahm in acht, was die doch sagt;<\/p>\n<p>tat hin mit Augen schlagen.<\/p>\n<p>Ein junges Blut, von Sitten gut,<\/p>\n<p>alleinig, ohn Gef\u00e4hrten,<\/p>\n<p>in gro\u00dfer Not, fast halber tot,<\/p>\n<p>im Garten lag auf Erden.<\/p>\n<p>Es war der liebe Gottessohn,<\/p>\n<p>sein Haupt er hat in Armen,<\/p>\n<p>viel wei\u00df und bleicher dann der Mon,<\/p>\n<p>ein Stein m\u00f6cht es erbarmen.<\/p>\n<p>&#8222;Ach, Vater, liebster Vater mein,<\/p>\n<p>und mu\u00df den Kelch ich trinken?<\/p>\n<p>Und mags dann ja nit anders sein?<\/p>\n<p>Mein Seel nit la\u00df versinken.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ach liebes Kind, trink aus geschwind,<\/p>\n<p>dirs la\u00df in Treuen sagen:<\/p>\n<p>Sei wohl gesinnt, bald \u00fcberwind,<\/p>\n<p>den Handel mu\u00dft du wagen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ach, Vater mein, und kanns nit sein,<\/p>\n<p>und mu\u00df ichs je dann wagen,<\/p>\n<p>will trinken rein den Kelch allein,<\/p>\n<p>kann dirs ja nit versagen.<\/p>\n<p>Doch Sinn und Mut erschrecken tut.<\/p>\n<p>Soll ich mein Leben lassen?<\/p>\n<p>O bitter Tod! mein Angst und Not<\/p>\n<p>ist \u00fcber alle Ma\u00dfen.<\/p>\n<p>Maria zart, jungfr\u00e4ulich Art,<\/p>\n<p>sollst du mein Schmerzen wissen,<\/p>\n<p>mein Leiden hart zu dieser Fahrt,<\/p>\n<p>dein Herz w\u00e4r schon gerissen.<\/p>\n<p>Ach, Mutter mein, bin ja kein Stein,<\/p>\n<p>das Herz mir d\u00fcrft zerspringen;<\/p>\n<p>sehr gro\u00dfe Pein mu\u00df nehmen ein,<\/p>\n<p>mit Tod und Marter ringen.<\/p>\n<p>Ade, ade zur guten Nacht,<\/p>\n<p>Maria, Mutter milde!<\/p>\n<p>Ist niemand, der denn mit mir wacht<\/p>\n<p>in dieser W\u00fcsten wilde?<\/p>\n<p>Der sch\u00f6ne Mond will untergohn,<\/p>\n<p>vor Leid nit mehr mag scheinen;<\/p>\n<p>die Sternen lan ihr Glitzen stahn,<\/p>\n<p>mit mir sie wollen weinen.<\/p>\n<p>Kein Vogelsang noch Freudenklang<\/p>\n<p>man h\u00f6ret in den L\u00fcften,<\/p>\n<p>die wilden Tier traurn auch mit mir<\/p>\n<p>in Steinen und in Kl\u00fcften.<\/p>\n<p>Friedrich von Spee (1591-1635)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Gotteslob<\/p>\n<p>O Traurigkeit, O Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen?<\/p>\n<p>Gott des Vater einigs Kind wird ins Grab getragen.<\/p>\n<p>O h\u00f6chstes Gut, unschuldigs Blut! Wer h\u00e4tt dies m\u00f6gen denken,<\/p>\n<p>da\u00df der Mensch sein&#8216; Sch\u00f6pfer sollt an das Kreuz aufhenken.<\/p>\n<p>O hei\u00dfe Z\u00e4hr, flie\u00df immer mehr! Wen sollt dies nicht bewegen,<\/p>\n<p>weil sich \u00fcber Christi Tod auch die Felsen regen.<\/p>\n<p>Wie gro\u00dfe Pein, Maria rein, mu\u00dft leiden ohne Ma\u00dfen;<\/p>\n<p>denn du bist von jedermann ganz und gar verlassen.<\/p>\n<p>Wie schwer ist doch der S\u00fcnden Joch, weil es tut unterdr\u00fccken<\/p>\n<p>Gottes Sohn, als er das Kreuz trug auf seinem R\u00fccken.<\/p>\n<p>O gro\u00dfer Schmerz! O steinern Herz, steh ab von deinen S\u00fcnden,<\/p>\n<p>wenn du willst nach deinem Tod Gottes Gnad empfinden.<\/p>\n<p>Friedrich Spee 1628<\/p>\n<hr \/>\n<p>Gesangbuch 1913<\/p>\n<p>O Traurigkeit, O Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen?<\/p>\n<p>Gott des Vater einigs Kind wird ins Grab getragen.<\/p>\n<p>O gro\u00dfe Not, des Todes Tod ist selbst am Kreuz gestorben;<\/p>\n<p>hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben.<\/p>\n<p>O Menschenkind, nur deine S\u00fcnd hat dieses angerichtet,<\/p>\n<p>da du durch die Missetat warest ganz vernichtet.<\/p>\n<p>Dein Br\u00e4utigam, das Gotteslamm, liegt hie mit Blut beflossen,<\/p>\n<p>welches es ganz mildiglich hat f\u00fcr dich vergossen.<\/p>\n<p>O s\u00fc\u00dfer Mund, o Glaubensgrund, wie bist du doch zerschlagen!<\/p>\n<p>Alles, was auf Erden lebt, mu\u00df dich ja beklagen.<\/p>\n<p>O lieblichs Bild, sch\u00f6n, zart und mild, du Schmerzsohn der Jungfrauen,<\/p>\n<p>Niemand kann dein hei\u00dfes Blut sonder Reu anschauen.<\/p>\n<p>Hochselig ist zu aller Frist, der dieses recht bedenket,<\/p>\n<p>wie der Herr der Herrlichkeit wird ins Grab versenket.<\/p>\n<p>O Jesu, du mein H\u00fclf und Ruh, ich bitte dich mit Tr\u00e4nen:<\/p>\n<p>hilf, da\u00df ich mich bis ins Grab nach dir m\u00f6ge sehnen.<\/p>\n<p>Johann Rist 1641<\/p>\n<hr \/>\n<p>Evangelisches Gesangbuch 1990 (EKG1950)<\/p>\n<p>O Traurigkeit, O Herzeleid! Ist das nicht zu beklagen?<\/p>\n<p>Gott des Vater einigs Kind wird ins Grab getragen.<\/p>\n<p>O gro\u00dfe Not! Gotts Sohn liegt tot. Am Kreuz ist er gestorben;<\/p>\n<p>hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben.<\/p>\n<p>O Menschenkind, nur deine S\u00fcnd hat dieses angerichtet,<\/p>\n<p>da du durch die Missetat warest ganz vernichtet.<\/p>\n<p>(O s\u00fc\u00dfer Mund, o Glaubensgrund, wie bist du doch zerschlagen!<\/p>\n<p>Alles, was auf Erden lebt, mu\u00df dich ja beklagen.)<\/p>\n<p>O selig ist zu aller Frist, der dieses recht bedenket,<\/p>\n<p>wie der Herr der Herrlichkeit wird ins Grab versenket.<\/p>\n<p>O Jesu, du mein Hilf und Ruh, ich bitte dich mit Tr\u00e4nen:<\/p>\n<p>hilf, da\u00df ich mich bis ins Grab nach dir m\u00f6ge sehnen.<\/p>\n<p>Str.1 Friedrich Spee 1628; Str.2-5 Johann Rist 1641<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Karsamstag | 14.4.2001 | EG 80 \u201eO Traurigkeit, o Herzeleid\u201c | Reinhard Gr\u00e4ler | Liebe Gemeinde, wir befinden uns heute am tiefsten Punkt des Kirchenjahres. In den vergangenen sechs Wochen sind wir in den Passionsandachten dem Leidensweg Jesu gefolgt. Nach Verrat, Abschied, Leidensank\u00fcndigung, Verleugnung und Verurteilung ist nun die Kreuzigung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19056,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[727,157,114,705,349,909,109,126,1679],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22419","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archiv","category-beitragende","category-deut","category-karsamstag","category-kasus","category-passion-im-lied","category-predigten","category-predigtreihen","category-reinhard-graeler"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22419"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22420,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22419\/revisions\/22420"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22419"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22419"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22419"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22419"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}