{"id":22421,"date":"2001-03-24T16:11:50","date_gmt":"2001-03-24T15:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22421"},"modified":"2025-03-24T16:13:57","modified_gmt":"2025-03-24T15:13:57","slug":"eg-97-holz-auf-jesu-schulter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eg-97-holz-auf-jesu-schulter\/","title":{"rendered":"EG 97 \u201cHolz auf Jesu Schulter&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Karsamstag | 14. April 2001 | EG 97\u201cHolz auf Jesu Schulter&#8220; | Hilmar Menke |<\/h3>\n<p><em>Gemeinde singt EG 97, 1<\/em><\/p>\n<p>Er schleppt sich den Berg hinauf. Der Balken auf seinen Schultern lastet schwer. Er bricht zusammen, wird aufgerichtet. Oben auf dem Berg ist ein anderer Balken aufgerichtet &#8211; senkrecht steckt er in der Erde. Bald werden die beiden H\u00f6lzer vereint sein. Bald wird die Last ihn nicht mehr dr\u00fccken. Bald wird er am Kreuz h\u00e4ngen, F\u00fc\u00dfe und Handgelenke durchbohrt. Die Last des Holzes ist von ihm genommen. Aber, welche Last liegt nun, immer noch auf ihm.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcrwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re.\u201d (Jes 53, 4), so hei\u00dft es beim Profeten Jesaja.<\/p>\n<p>\u201eVon der Welt verflucht\u201d &#8211; nicht das Holz, sondern er, der das Fluchholz tr\u00e4gt &#8211; den das Fluchholz tr\u00e4gt. Verflucht von von seinem Volk, dem er die N\u00e4he ihres Gottes verk\u00fcndete und seine Liebe &#8211; verflucht von den fremden Besatzern, die unber\u00fchrt blieben von der Botschaft; verspottet von dm Machthaber, der den K\u00f6nigstitel \u00fcber seinem Kopf anbringen lie\u00df, von den M\u00e4chtigen seines Volkes, von den Gaffern und Neugierigen, die die Inschrift lasen &#8211; verspottet, verflucht sogar von dem Leidensgenossen. Die ganze Welt!<\/p>\n<p>Unsere Krankheit, unsere Schmerzen und unseren Spott tr\u00e4gt er, tr\u00e4gt schwer an unserem Nicht-Verstehen.<\/p>\n<p>Vom Kreuz schaut er uns an.<\/p>\n<p>\u201eSieh, wohin wir gehn\u201d &#8211; ja, wohin geht es mit uns? Geht es weiter mit uns wie bisher? Geht es weiter mit uns zu den Toten, in den Tod?<\/p>\n<p>Wohin geht unsere Fahrt durch das Leben, wohin treibt unserer Erde, unsere Welt mit und ohne unser Zutun &#8211; durch unser Handeln und durch unser Unterlassen?<\/p>\n<p>Werden weiter viele, viele Tausende Hungers sterben w\u00e4hrend in Europa Rinder, Schafe und Schweine &#8211; zur Nahrung bestimmt &#8211; get\u00f6tet und vernichtet werden, vergraben, verbrannt. Welcher Fluch liegt unserer Welt, was hat diesen Fluch verursacht, wer ihn auferlegt?<\/p>\n<p>Wird es weiter Unfrieden geben &#8211; nicht nur in den Gegenden unserer Welt, die wir \u201eKrisengebiete\u201d nennen, wo Krieg herrscht oder B\u00fcrgerkrieg? Werden bei uns weiter Menschen ausgegrenzt, verachtet, gejagt, sogar umgebracht, weil sie fremd sind und fremd aussehen? Wird weiter demonstriert werden gegen die Atomm\u00fclltransporte &#8211; werden weiter Polizisten den Demonstranten gegen\u00fcbergestellt? Werden wir weitergehen auf dem Weg zur \u201e2\/3\u00a0&#8211; Gesellschaft\u201d im Gegen\u00fcber derer, die Arbeit haben und derer, denen vorgeworfen wird, sie suchten ja gar nicht mehr?<\/p>\n<p>Herr, sieh wohin wir gehn &#8211; und erbarme dich unser. Kyrie eleison!<\/p>\n<p><em>Gemeinde singt: EG 97, 2 und 3<\/em><\/p>\n<p>\u201eDie Erde klagt uns an bei Tag und Nacht\u201d &#8211; nicht nur die Menschen, von denen ich sprach, nicht nur die Tiere, die wir \u201eNutztiere\u201d nennen &#8211; die ganz Erde, die wir ausbeuten wie so mancher Mensch und manches Tier ausgebeutet werden &#8211; die W\u00e4lder, die abgeholzt oder abgebrannt werden, die Meere, die man leerfischt und mit Abf\u00e4llen des Wohlstands verdreckt und verseucht, die sch\u00fctzende H\u00fclle um unserer Welt, die wir zerst\u00f6ren mit Abgasen, den Boden, in dem Minen vergraben werden&#8230;<\/p>\n<p>\u201eWollen wir Gott bitten, da\u00df auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt\u201d &#8211; f\u00fcr mich ist das mehr Frage als Feststellung.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir so bitten, wenn wir nicht Frieden machen wollen &#8211; untereinander, mit unseren Mitgesch\u00f6pfen, mit unserer Welt? Wie k\u00f6nnen wir es wagen angesichts all der Kreuze, die nach dem Kreuz von Golgatha aufgerichtet wurden und werden.<\/p>\n<p>Nur eine Hoffnung gibt es, da\u00df wir so beten, so bitten d\u00fcrfen &#8211; und nur eine Hoffnung, da\u00df diese Bitte nicht abgewiesen wird, dies Gebet nicht ungeh\u00f6rt verhallt: Weil der am Kreuz gesagt hat: \u201eEs ist vollbracht!\u201d &#8211; und weil sein Wort das Wort des Himmels ist, das Wort des Vaters, der Sch\u00f6pfer ist und Erhalter, sein Vater, unser Vater.<\/p>\n<p>Herr, sieh wohin wir gehn &#8211; und erbarme dich unser. Kyrie eleison!<\/p>\n<p><em>Gemeinde singt: EG 97, 4 und 5<\/em><\/p>\n<p>\u201eWollen wir Gott loben\u201d &#8211; auch das f\u00fcr mich mehr Frage als Forderung. Gibt es nicht viele Menschen, die meinen, an allem sei Gott schuld!? \u201eWie kann Gott das zulassen?!\u201d &#8211; wie oft h\u00f6re ich dies w\u00f6rtlich, dem Sinn nach &#8211; wie oft denke ich selber so, klage, klage an.<\/p>\n<p>Mi\u00dfverst\u00e4ndlich das Lied, das wir singen, an dieser Stelle: \u201edenn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu\u201d &#8211; als ob es eine Macht au\u00dferhalb des Menschen w\u00e4re, die uns der Vernichtung zutreibt &#8211; das Schicksal oder die Natur, die Vorsehung oder Gott selber.<\/p>\n<p>Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wir &#8211; wir Menschen &#8211; jagen die Erde mit allem, was darauf ist und lebt, auf den Abgrund zu. Seit die ersten Menschen der Versuchung nicht widerstehen konnten ist das so &#8211; seit die ersten Menschen meinten, sie brauchten Gott nicht, sie k\u00f6nnten selber werden, selber sein wie Gott &#8211; von niemandem abh\u00e4ngig und daher auch niemandem verantwortlich au\u00dfer sich selbst. \u201eS\u00fcndenfall\u201d &#8211; weil der Mensch herausf\u00e4llt aus der Verbindung mit Gott. Und aus diesem Fall wird der anscheinend unaufhaltsame Sturz in den Abgrund der Vernichtung, der Dunkelheit, der Leere, des Todes.<\/p>\n<p>\u201eWie kann Gott das zulassen?!\u201d &#8211; das bekommt einen ganz anderen Klang auf diesem Hintergrund: Wie kann Gott den Menschen weiter am Leben erhalten trotz alledem?. Wie kann er verhindern wollen, da\u00df wir in den Abgrund st\u00fcrzen? Wie kann der Mann am Kreuz sagen \u201eVater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.\u201d?<\/p>\n<p>Wenn es Grund und Anlass zum Zweifeln gibt, dann sicher hier &#8211; angesichts des Gerichts Gottes, das nichts \u00fcbersieht und streng die S\u00fcnde beim Namen nennt &#8211; und trotzdem nichts ist als Gnade. Und wir: Gerichtet aber nicht verurteilt.<\/p>\n<p>Herr, sieh wohin wir gehn &#8211; und erbarme dich unser. Kyrie eleison<\/p>\n<p>Auf Jesu Schulter lastete das Kreuz, das Fluchholz &#8211; wir sahen ihn gehen zu seiner Hinrichtung, wir sahen ihn leiden und wir sahen ihn sterben am Baum des Todes. Nun ist er begraben &#8211; und f\u00fcr die Seinen sind begraben auch alle ihre Hoffnungen, die sie auf ihn setzten, all ihre Sehnsucht. Nichts ist ihnen geblieben als Trauer und Verzweiflung &#8211; das letzte Wort hat der Tod &#8211; und sein Zeichen ist das Kreuz, der Baum des Todes.<\/p>\n<p>Seit alters wird das Kreuz Jesu Christi immer wieder so dargestellt, da\u00df es Bl\u00e4tter treibt, \u00c4ste und Zweige hervorbringt, Bl\u00fcten tr\u00e4gt und Fr\u00fcchte &#8211; als Baum des Lebens.<\/p>\n<p>\u201eEs ist vollbracht\u201d hei\u00dft eben nicht: Alles ist zuende. Wir wissen und bekennen: Der Gekreuzigte ist der Auferstandene. Gott hat ihn nicht im Tode gelassen. Karfreitag ist gewesen und Ostern wird sein. Die Finsternis, die \u00fcber die Welt gekommen ist wird dem Licht Gottes weichen. Das Beben, das die Welt ersch\u00fcttert ordnet sie zugleich neu &#8211; was wir Leben nennen geht auf den Tod zu &#8211; aber Gott ruft aus den Toten und schenkt das wirkliche, das wahre Leben.<\/p>\n<p>Kyrie eleison &#8211; Herr, erbarme dich unser. Sieh wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, la\u00df uns auferstehn.<\/p>\n<p><em>Gemeinde singt: EG 97, 6<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Hilmar Menke, Superintendent in Cadenberge<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:HHFJMenke@aol.com\"><strong>E-Mail: HHFJMenke@aol.com<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe &#8222;Passion im Lied&#8220; | Karsamstag | 14. April 2001 | EG 97\u201cHolz auf Jesu Schulter&#8220; | Hilmar Menke | Gemeinde singt EG 97, 1 Er schleppt sich den Berg hinauf. Der Balken auf seinen Schultern lastet schwer. Er bricht zusammen, wird aufgerichtet. Oben auf dem Berg ist ein anderer Balken aufgerichtet &#8211; senkrecht steckt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7585,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[727,157,114,1317,705,349,909,109,126],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22421","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archiv","category-beitragende","category-deut","category-hilmar-menke","category-karsamstag","category-kasus","category-passion-im-lied","category-predigten","category-predigtreihen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22421","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22421"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22421\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22422,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22421\/revisions\/22422"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7585"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22421"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22421"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22421"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22421"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}