{"id":22425,"date":"2006-12-24T16:27:48","date_gmt":"2006-12-24T15:27:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22425"},"modified":"2025-03-24T16:30:58","modified_gmt":"2025-03-24T15:30:58","slug":"lukas-168-79","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-168-79\/","title":{"rendered":"Lukas 1,68-79"},"content":{"rendered":"<h3>1. Advent | 3. Dezember 2006 | Lukas 1,68-79 | Christine Hubka |<\/h3>\n<p>Vorbemerkung:<\/p>\n<p>An einem Sonntag im Advent wird in der Evangelischen Pauluskirche in Wien ein Gottesdienst gefeiert, der das Anliegen der Bewegung \u201eWorld Wide Candlelighting\u201c aufnimmt, in dem der zu fr\u00fch geborenen oder fr\u00fch verstorbenen Kinder gedacht wird. Dieses Anliegen wird, da es sich um einen Gemeindegottesdienst handelt und nicht um einen Kasualgottesdienst, um das Thema Kinder insgesamt erweitert.<\/p>\n<p>Wir alle wissen, dass eine Schwangerschaft<\/p>\n<p>das Leben der Frau ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Bibel wei\u00df und erz\u00e4hlt auch<\/p>\n<p>von den Ver\u00e4nderungen im Leben der V\u00e4ter:<\/p>\n<p>Ein Mann erf\u00e4hrt,<\/p>\n<p>dass die Frau, mit der er lebt, schwanger ist.<\/p>\n<p>Das ver\u00e4ndert nicht nur sein Leben.<\/p>\n<p>Es ver\u00e4ndert ihn.<\/p>\n<p>Er, der Wortgewandte,<\/p>\n<p>er, der es gewohnt ist,<\/p>\n<p>zu gro\u00dfen Volksmengen zu sprechen,<\/p>\n<p>verstummt<\/p>\n<p>w\u00e4hrend der Schwangerschaft seiner Frau.<\/p>\n<p>Nach der Geburt des Sohnes<\/p>\n<p>findet der Vater wieder Worte:<\/p>\n<p><em>Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!Denn er hat besucht und erl\u00f6st sein Volkund hat uns aufgerichtet eine Macht des Heilsim Hause seines Dieners David- wie er vorzeiten geredet hatdurch den Mund seiner heiligen Propheten -,dass er uns errettete von unsern Feindenund aus der Hand aller, die uns hassen,und Barmherzigkeit erzeigte unsern V\u00e4ternund ged\u00e4chte an seinen heiligen Bundund an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham,uns zu geben,dass wir, erl\u00f6st aus der Hand unsrer Feinde,ihm dienten ohne Furcht unser Leben langin Heiligkeit und Gerechtigkeitvor seinen Augen.Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des H\u00f6chsten hei\u00dfen.Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitestund Erkenntnis des Heils gebest seinem Volkin der Vergebung ihrer S\u00fcnden,durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der H\u00f6he,damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,und richte unsere F\u00fc\u00dfe auf den Weg des Friedens.<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in seiner Frau das Kind w\u00e4chst,<\/p>\n<p>sind in dem Vater<\/p>\n<p>Bilder voller Hoffnung gewachsen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr unglaublich hohe Erwartungen<\/p>\n<p>an ein Kind.<\/p>\n<p><em>Du, Kindlein, wirst ein Prophet des H\u00f6chsten hei\u00dfen.Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitestund Erkenntnis des Heils gebest seinem Volkin der Vergebung ihrer S\u00fcnden, \u2026<\/em><\/p>\n<p>Johannes hei\u00dft der Knabe \u2013<\/p>\n<p>Er ist ein Wunschkind.<\/p>\n<p>Sein Name bedeutet:<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig. Gott neigt sich dir zu.<\/p>\n<p>Wunschkind sein kann eine Last werden,<\/p>\n<p>wenn die Erwartungen so hoch sind.<\/p>\n<p>Was ist, wenn das Kind,<\/p>\n<p>die Tochter, der Sohn, der Stammhalter<\/p>\n<p>diese Erwartungen nicht erf\u00fcllt?<\/p>\n<p>Johannes wird ein Unangepasster.<\/p>\n<p>Er verkracht sich mit den wichtigsten Leuten.<\/p>\n<p>Er macht sich den m\u00e4chtigsten Mann im Land<\/p>\n<p>zum Feind.<\/p>\n<p>Am Ende stirbt er im Kerker.<\/p>\n<p>Ein Justizmord ist es<\/p>\n<p>nach einer Party im Haus des K\u00f6nigs.<\/p>\n<p>So hat sich das sein Vater wohl nicht vorgestellt,<\/p>\n<p>als er gesagt hat:<\/p>\n<p><em>Du, Kindlein, wirst ein Prophet des H\u00f6chsten hei\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p>Aber:<\/p>\n<p>Johannes hei\u00dft:<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig. Gott neigt sich dir zu,<\/p>\n<p>Wenn sich auch die mit den hohen Erwartungen<\/p>\n<p>von dir abwenden.<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig \u2013<\/p>\n<p>Gott neigt sich zu den Kindern,<\/p>\n<p>die unsere Erwartungen nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Und weil er ihnen dabei nahe kommt,<\/p>\n<p>sieht Gott das, was kostbar ist in diesem Leben,<\/p>\n<p>das andere als verpfuschtes Leben abtun.<\/p>\n<p>Gott neigt sich zu den Kindern,<\/p>\n<p>die andere Wege gehen, als ihre Eltern vorgeben.<\/p>\n<p>Und er begleitet sie auch dort,<\/p>\n<p>wo keiner sonst mehr mitgehen will.<\/p>\n<p>Gleich neben den Hoffnungsbildern aber<\/p>\n<p>lauern Bilder voller Angst,<\/p>\n<p>wenn ein Kind erwartet wird.:<\/p>\n<p>Wenn der Vater, die Mutter<\/p>\n<p>gerade<\/p>\n<p><em>in Finsternis und Schatten des Todes sitzen,<\/em><\/p>\n<p>kriechen aus dieser Finsternis die Fragen heraus:<\/p>\n<p>Wo wird Platz sein f\u00fcr das Kind,<\/p>\n<p>und wie ist dieser Platz beschaffen,<\/p>\n<p>wenn das Kind<\/p>\n<p>mit einer Behinderung geboren wird?<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir Eltern, Vater, Mutter,<\/p>\n<p>noch zus\u00e4tzlich Verantwortung \u00fcbernehmen<\/p>\n<p>f\u00fcr ein Kind,<\/p>\n<p>wenn wir unser eigenes Leben<\/p>\n<p>gerade eben nur mit M\u00fche bew\u00e4ltigen?<\/p>\n<p>Fragen,<\/p>\n<p>die \u2013 anders als viele anderen Fragen \u2013<\/p>\n<p>selten ausgesprochen<\/p>\n<p>und noch seltener besprochen werden.<\/p>\n<p>Weil Eltern auf diese Fragen keine Antwort finden,<\/p>\n<p>die Licht in diese Finsternis<\/p>\n<p>und die Schatten des Todes bringen k\u00f6nnte,<\/p>\n<p>haben sie nicht den Mut,<\/p>\n<p>ihr Kind auf die Welt kommen zu lassen.<\/p>\n<p>Aber Johannes hei\u00dft:<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig.<\/p>\n<p>Gott neigt sich zu den Eltern,<\/p>\n<p>die ihrem Kind nicht Eltern sein k\u00f6nnen,<\/p>\n<p>und sieht die Traurigkeit und die Angst,<\/p>\n<p>wenn andere von Rabeneltern reden.<\/p>\n<p>Johannes hei\u00dft:<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig.<\/p>\n<p>Gott neigt sich zu den Familien,<\/p>\n<p>die um ein Kind weinen,<\/p>\n<p>das viel zu fr\u00fch geboren wurde,<\/p>\n<p>um leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch wenn rund um diese Eltern<\/p>\n<p>die Achseln gezuckt werden,<\/p>\n<p>und so schnell davon die Rede ist,<\/p>\n<p>dass man ja noch weitere Kinder haben kann.<\/p>\n<p>Und dort, wo Kinder nach kurzer Lebenszeit<\/p>\n<p>ihre Eltern an der leeren Wiege zur\u00fccklassen,<\/p>\n<p>auch dort neigt Gott sich ganz nahe hin,<\/p>\n<p>um die Tr\u00e4nen zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Lange nachdem rund um diese Familien<\/p>\n<p>das sogenannte normale Leben weiter geht,<\/p>\n<p>gibt es Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Und Gott bleibt da, bis die letzte geweint ist.<\/p>\n<p>Johannes hei\u00dft:<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig.<\/p>\n<p>Darum brauchen wir auf unseren evangelischen Friedh\u00f6fen Orte,<\/p>\n<p>die zu fr\u00fch geborenen Kindern<\/p>\n<p>und fr\u00fch verstorbenen Kindern gewidmet sind.<\/p>\n<p>Orte, wo es zu sp\u00fcren ist f\u00fcr die,<\/p>\n<p>die um diese Kinder trauern,<\/p>\n<p>dass Gott sich denen zuneigt,<\/p>\n<p>die um diese Kinder klagen.<\/p>\n<p>Orte, wo nicht gefragt wird nach den Ursachen,<\/p>\n<p>wo das Leid und die Tr\u00e4nen aufgehoben sind,<\/p>\n<p>und die Verhei\u00dfung strahlt:<\/p>\n<p>Gott wird deinem Kind Mutter und Vater sein,<\/p>\n<p>weil du es nicht sein kannst.<\/p>\n<p>Der Vater des Johannes sagt:<\/p>\n<p><em>Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der H\u00f6he,damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes.<\/em><\/p>\n<p>Wir aber wissen mehr als er.<\/p>\n<p>Wir wissen:<\/p>\n<p>Nicht nur auf Besuch ist er gekommen.<\/p>\n<p>Sondern er ist gekommen und geblieben.<\/p>\n<p>Denn Johannes hei\u00dft:<\/p>\n<p>Gott ist gn\u00e4dig. Er neigt sich uns zu.<\/p>\n<p>Und daf\u00fcr sei Lob und Preis in Ewigkeit.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Christine Hubka, Wien<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:christine.hubka@gmx.at\"><strong>christine.hubka@gmx.at<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Advent | 3. Dezember 2006 | Lukas 1,68-79 | Christine Hubka | Vorbemerkung: An einem Sonntag im Advent wird in der Evangelischen Pauluskirche in Wien ein Gottesdienst gefeiert, der das Anliegen der Bewegung \u201eWorld Wide Candlelighting\u201c aufnimmt, in dem der zu fr\u00fch geborenen oder fr\u00fch verstorbenen Kinder gedacht wird. 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