{"id":22429,"date":"2001-12-24T16:33:13","date_gmt":"2001-12-24T15:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22429"},"modified":"2025-03-24T16:36:03","modified_gmt":"2025-03-24T15:36:03","slug":"lukas-168-79-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-168-79-2\/","title":{"rendered":"Lukas 1,68-79"},"content":{"rendered":"<h3>Ins Singen kommen | 1. Advent | 3. Dezember 2006 | Lukas 1,68-79 | Matthias Rein |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>ein alter Mann singt.<\/p>\n<p>Er singt aus Freude \u00fcber die Geburt seines Sohnes.<\/p>\n<p>Er hat darauf gewartet, gehofft und &#8211; doch nicht mehr daran geglaubt.<\/p>\n<p>Aber nun ist das Kind da.<\/p>\n<p>Ein Wunder!<\/p>\n<p>Der alte Zacharias singt, denn er ist gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Heil ist ihm widerfahren!<\/p>\n<p>Der singende Alte \u2013 ein sch\u00f6nes Bild. Ich verweile. Wo ist mir ein gl\u00fccklich-singender Menschen zuletzt begegnet? Wer singt mit wem wann welche Lieder und warum?<\/p>\n<p>Mir steht die alte Frau vor Augen. Sie singt einen Choral. Melodie und Text hat sie ganz sicher. Sprechen kann ich nicht mehr mit ihr. Sie ist krank.<\/p>\n<p>Aber singen kann sie. Lieder erreichen sie, r\u00fchren tiefe Schichten in ihr an, geben ihrer Existenz Ausdruck.<\/p>\n<p>Ein Bild f\u00fcr uns Menschen: Lieder geben unserem Grund Ausdruck \u2013 mehr als nackte Worte verm\u00f6gen. Unsere Lieder zeigen , wer wir sind.<\/p>\n<p>Wie kommen wir zu Liedern? Was l\u00e4sst mich singen?<\/p>\n<p>Der Lobgesang des Zacharias hilft uns, das Singen zu lernen, in den Gesang Gottes einzustimmen, heute am 1.Advent.<\/p>\n<p>Zacharias singt ein Lied mit alter Melodie.<\/p>\n<p>Israel kennt diese Melodie. Israel hat die Lieder, die auf diese Melodie gehen, gesammelt und immer wieder gesungen. Die Melodie verbindet mit der Vergangenheit. Die Melodie f\u00fchrt zusammen in der Gegenwart und schafft Gemeinschaft. Wer mitsingen will, mu\u00df die Melodie lernen.<\/p>\n<p>Auch den Text des Liedes kennt Israel: Gott hat sein Volk besucht, erl\u00f6st, eine Heils-Macht aufgerichtet, von Feinden errettet, Barmherzigkeit erzeigt, seines Bundes gedacht. Gott hat Heil gewirkt seinem Volk.<\/p>\n<p>Zacharias schaut zur\u00fcck und erinnert sich, wie Gott Heil gewirkt hat.<\/p>\n<p>Davon handelt die erste Strophe seines Liedes.<\/p>\n<p>Heil ist ihm nun widerfahren, jetzt, in der eigenen Lebensgeschichte, in der eigenen Familie, in einem Kind.<\/p>\n<p>Das Heil ist nicht nur etwas f\u00fcr die Erinnerung: Wi\u00dft Ihr noch? Damals, die alten Geschichten!<\/p>\n<p>Das Heil geschieht jetzt, in der Gegenwart. Mitten im Leben. Gott handelt. Da f\u00e4ngt Zacharias an zu singen.<\/p>\n<p>Wenn wir mitsingen wollen, m\u00fcssen wir den Text lernen: Gott erbarmt sich. Gott wirkt Heil. Damals, heute, immer wieder.<\/p>\n<p>Und Zacharias schaut voraus in seinem Lied. Davon handelt die zweite Strophe.<\/p>\n<p>Sein Sohn wird Gro\u00dfes tun. Er geht dem Herrn voran, er weist auf das Heil in Christus. Alles steht unter dem Vorzeichen der Erwartung. Heil ist schon da in dem Kind. Aber das Kind ist doch erst ein Hinweis auf die F\u00fclle, die kommt.<\/p>\n<p>In zwei Kindern zeigt sich dies: Johannes und Jesus, beide durch das Wirken Gottes im Geist auf die Welt gekommen. Beide zuerst klein, aber in beiden stecken gro\u00dfe Erwartungen, Hoffnungen. In beiden steckt der Anfang des Neuen. Wenn sie erst gro\u00df sind, dann&#8230;<\/p>\n<p>Beide Kinder kommen durch Gottes Geist in die Welt.<\/p>\n<p>Diesen Geist hat Zacharias. Dieser Geist wirkt durch Johannes, den T\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Maria empf\u00e4ngt durch den Geist ihr Kind. Der Geist kommt auf Jesus herab.<\/p>\n<p>Das Wirken des Geistes Gottes ist wichtig f\u00fcr unseren Gesang.<\/p>\n<p>Der Geist macht uns bereit einzustimmen, zaghaft und unsicher am Anfang, dann aber immer kr\u00e4ftiger und aus vollem Herzen. Der Geist verwandelt uns, schafft uns neu. Gott wirkt an uns im Geist. Und das erleben wir, wenn wir sein Lied singen.<\/p>\n<p>Das Heil ist da. Wer dies erlebt, singt, findet im Gesang Ausdruck f\u00fcr seine Freude, mehr als in d\u00fcrren Worten.<\/p>\n<p>Wer ein neugeborenes Kind in den H\u00e4nden gehalten hat, so wie Zacharias, kennt das Gl\u00fccksgef\u00fchl, kennt die tiefe Freude. Das Heil ist da.<\/p>\n<p>Und das Heil bei uns?<\/p>\n<p>Ist es da?<\/p>\n<p>Wird es erfahrbar in der Adventszeit, die nun beginnt?<\/p>\n<p>Der Lobgesang des Zacharias malt zwei Bilder, die von der Gegenwart des Heils erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Das erste Bild: Gott besucht sein Volk neu.<\/p>\n<p>Gott zu Besuch &#8211; bei uns zu Weihnachten. Wir erwarten diesen Besuch in den n\u00e4chsten Tagen \u2013 ein sch\u00f6nes Bild. Wir werden Andere durch die Erwartung.<\/p>\n<p>Und das zweite Bild: Das aufgehende Licht besucht uns und scheint denen, die im Schatten des Todes und in der Finsternis sitzen.<\/p>\n<p>Das ist Heil: Gottes Licht sehen, das die Finsternis zerbricht.<\/p>\n<p>Und doch: Zacharias singt in einer Zwischenzeit.<\/p>\n<p>Er hat Grund zum Danken. Aber es beginnt erst die Zeit des Vorl\u00e4ufers. Auf das eigentliche Licht wartet er noch \u2013 und wei\u00df doch schon, dass es kommt.<\/p>\n<p>Wenn wir singen, h\u00e4lt die Zeit an.<\/p>\n<p>Vergangenheit wird gegenw\u00e4rtig, Zukunft scheint auf, Gegenwart ist erf\u00fcllt. Gottes Heil in F\u00fclle, erfahrbar bei seinem Besuch, sichtbar in seinem Licht, l\u00e4sst uns zu S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern seines Liedes werden.<\/p>\n<p>Wir lernen das Lied von unseren j\u00fcdischen Schwestern und Br\u00fcdern, wir singen es neu im Advent und erleben &#8211; Gottes Geist verwandelt uns.<\/p>\n<p>Seit Jahrhunderten singen Menschen auf der ganzen Welt den Lobgesang des Zacharias an jedem Morgen, im Morgengebet, in der Laudes.<\/p>\n<p>Diesen Gesang kann man lernen.<\/p>\n<p>Wenn wir das Lied singen, erleben wir: Aus vollem Herzen mitsingen \u2013 das ist sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Im Singen sind wir verbunden mit Menschen, die hunderte Jahre vor uns gelebt haben.<\/p>\n<p>Im Singen sind wir verbunden mit Menschen auf der ganzen Welt \u2013 jetzt.<\/p>\n<p>Im Singen sind wir verbunden mit Gott. Er verwandelt uns.<\/p>\n<p>Wie kommen wir dazu zu singen?<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen Text und Melodie lernen.<\/p>\n<p>Gemeinschaft hilft uns.<\/p>\n<p>Gottes Geist mu\u00df uns ergreifen und verwandeln..<\/p>\n<p>Im Advent ist Zeit zum Singen.<\/p>\n<p>Die Adventslieder und der Lobgesang des Zacharias helfen uns dazu.<\/p>\n<p>Gott sei Dank! Er kommt!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Matthias Rein<\/strong><\/p>\n<p><strong>Studienleiter am Theologischen Studienseminar der VELKD<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bischof-Meiser-Str. 6<\/strong><\/p>\n<p><strong>82049 Pullach<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tel. 089\/74442428<\/strong><\/p>\n<p><strong>eMail:\u00a0<a href=\"mailto:Matthias.Rein@t-online.de\">Matthias.Rein@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ins Singen kommen | 1. Advent | 3. Dezember 2006 | Lukas 1,68-79 | Matthias Rein | Liebe Gemeinde, ein alter Mann singt. Er singt aus Freude \u00fcber die Geburt seines Sohnes. 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