{"id":22437,"date":"2003-03-24T16:50:32","date_gmt":"2003-03-24T15:50:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22437"},"modified":"2025-03-24T16:52:53","modified_gmt":"2025-03-24T15:52:53","slug":"lukas-1216-21-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1216-21-3\/","title":{"rendered":"Lukas 12,16-21"},"content":{"rendered":"<h3>Erntedank | Lukas 12,16-21 | Rainer M\u00fcller-Brandes |<\/h3>\n<p>Andachten (2003)<\/p>\n<p>Jesus sagte ihnen ein Gleichnis:<\/p>\n<p>Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen.<\/p>\n<p>&#8220; Was soll ich jetzt tun?&#8220; \u00fcberlegte der. &#8222;Ich wei\u00df gar nicht, wo ich das alles unterbringen soll.&#8220;<\/p>\n<p>Und er sprach: &#8222;Das will ich tun: ich rei\u00dfe meine Scheunen ab und baue gr\u00f6\u00dfere. Dann kann ich das ganze Getreide und alle mein Vorr\u00e4te dort unterbringen und kann zu mir selbst sagen: Gut gemacht! Liebe Seele, du hast einen gro\u00dfen Vorrat f\u00fcr viele Jahre ; habe nun Ruhe, i\u00df und trink und habe guten Mut.&#8220;<\/p>\n<p>Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man Deine Seele von dir fordern; und wem wird dann geh\u00f6ren, was du angeh\u00e4uft hast?&#8220;<\/p>\n<p>Und Jesus schlo\u00df: &#8222;So steht es mit allen, die f\u00fcr sich selber Besitz aufh\u00e4ufen, aber bei Gott nichts besitzen.&#8220;<\/p>\n<p>Harter Tobak, diese Geschichte oder? Im Lukasevangelium im 12. Kapitel steht die. Und ich f\u00fchl\u00b4 mich schon angesprochen. Denn f\u00fcr mich steckt in dieser Geschichte etwas von einer bestimmten Lebenshaltung, die &#8211; glaube ich &#8211; in ganz vielen von uns steckt. Und davon will ich reden.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das die Geschichte von einem, dessen Lebensinhalt &#8211; wie soll ich das sagen &#8211; im Schaffen besteht,<\/p>\n<p>von einem Menschen, der arbeitet und arbeitet, weil er es sp\u00e4ter einmal gut haben will, und deshalb kaum zur Besinnung kommt, weil er &#8211; nur als Beispiel &#8211;<\/p>\n<p>zuerst das Haus umbaut.<\/p>\n<p>und wenn das geschafft ist, f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Auto spart,<\/p>\n<p>dann f\u00fcr eine neue CD-Anlage oder was wei\u00df ich<\/p>\n<p>und sich \u2013 wenn er dann alles hat- wom\u00f6glich noch Sorgen macht,<\/p>\n<p>weil er in diesen Niedrigzinszeiten sein Geld kaum vern\u00fcnftig anlegen kann.<\/p>\n<p>Und bei all dem das andere ganz vergi\u00dft:<\/p>\n<p>z.B. Zeit zu haben f\u00fcr die Familie, f\u00fcr die Kinder, weil er in seiner knapp bemessenen Freizeit abends vor dem Fernseher und morgens hinter der Zeitung sitzt.<\/p>\n<p>Der vielleicht vergi\u00dft, mit seiner Frau, mit seinen Freunden \u00fcber die t\u00e4glichen Probleme zu reden, bis dahin, da\u00df er bei dem vollen Programm, das er sich macht,<\/p>\n<p>v\u00f6llig vergi\u00dft, auch mal &#8222;Danke, Gott&#8220; zu sagen.<\/p>\n<p>Wenn das alles zu kurz kommt, kann das irgendwann einmal bitter werden. N\u00e4mlich dann, wenn Gott wie in der Geschichte zu uns sagt: Heute nacht ist es soweit, heute nacht wird man dein Leben von dir zur\u00fcckfordern.<\/p>\n<p>Wir modernen Menschen heute, wir wissen, da\u00df Leistung &#8211; auch Besitz &#8211; z\u00e4hlt. Da\u00df Leistung entscheidet. Wir haben volle Terminkalender, weil wir sonst in den Augen andrer und in den eigenen Augen nichts z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ja, und manchmal denke ich dann, ob wir nicht das Wesentliche \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Jetzt am Wochenende traf einen alten Mann, \u00fcber 90 Jahre alt aus meiner alten Gemeinde. Und dort h\u00f6rte ich den nicht unbekannten Satz: &#8222;Ach wissen Sie, Herr Pastor, fr\u00fcher war doch alles anderes.&#8220; Und wenn ich dann frage: &#8222;Was denn?&#8220;, dann kam eben nicht die Antwort, da\u00df die Alten von heute fr\u00fcher viel besser erzogen wurden und viel schwerer arbeiten mu\u00dften und so weiter, nein, der alte Mann sagte:&#8220; Als ich jung war, hatten wir doch noch\u00a0<strong>mehr Zeit<\/strong>\u00a0als die jungen Leute heute.&#8220;<\/p>\n<p>Die Antwort hat mir zu denken gegeben. Manchmal denke ich: Vergessen wir nicht bei allem, was wir so tun, das Wesentliche?<\/p>\n<p>Bei der Arbeit f\u00fcr den Erfolg, bei der Arbeit f\u00fcr die Rente, f\u00fcr ein Haus?<\/p>\n<p>Betreiben wir nicht manchmal Raubbau an unserem K\u00f6rper, weil es immer weitergehen mu\u00df?<\/p>\n<p>Und in diesem Zusammenhang:<\/p>\n<p>Und was ist eigentlich mit dem, was ich mir von meinem Leben einmal gew\u00fcnscht habe? Wovon ich mal getr\u00e4umt habe?<\/p>\n<p>Die Frage mu\u00df ja erlaubt sein.<\/p>\n<p>Im Konfirmandenunterricht habe ich einmal einen Wunschlebenslauf zeichnen lassen: Die Jungen und M\u00e4dchen sollten auf einer Zeitleiste aufmalen oder aufschreiben, was sie sich f\u00fcr ihr Leben w\u00fcnschen. Was w\u00fcnsche ich mir, wenn ich 20, 30, 40, 50, 60 oder 70 Jahre alt bin, bis zu dem Tag, an dem ich sterben werde?<\/p>\n<p>Gut, bei durchaus nicht wenigen stand und es war nett zu lesen: &#8220; Mit 28&#8243;, so eine Konfirmandin, &#8222;heirate ich einen netten und gutaussehenden Mann, sp\u00e4ter machen wir uns ein sch\u00f6nes Leben und mein Sohn wird Rechtsanwalt und meine Tochter \u00c4rztin. Au\u00dferdem ziehen wir nach Florida.&#8220; Klare Vorstellungen.<\/p>\n<p>Aber es stand auch da: &#8222;Ich will arbeiten, und gl\u00fccklich sein. Allerdings will ich immer Zeit \u00fcbrig haben f\u00fcr meine Tr\u00e4ume.&#8220;<\/p>\n<p>Oder: &#8222;Ich will mal mehr Zeit haben f\u00fcr mein Kinder.&#8220;<\/p>\n<p>Und eine andere schrieb bei jedem Jahrzehnt neben ihren Vorstellungen von Hausbau, Auto, etc. die Worte &#8222;Gl\u00fccklich sein&#8220;. Neben die 30 Jahre gl\u00fccklich sein. Neben die 40. Neben die 60. Bis zum Schlu\u00df -gl\u00fccklich sein.<\/p>\n<p>Welche Dinge mu\u00df ich eigentlich tun, um gl\u00fccklich zu sein?<\/p>\n<p>Was tut mir eigentlich gut?<\/p>\n<p>Vielleicht mal ein paar Tage nur mit meiner Frau wegfahren? Oder mal &#8211; ganz banal &#8211; bei dem vielen Sitzen etwas f\u00fcr die Gesundheit tun?<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt:<\/p>\n<p>Was sind die Quellen meine Kraft? Was tut mir pers\u00f6nlich gut? Was mu\u00df ich tun, damit bei mir im Innern alles stimmt? Denn da h\u00e4ngt ja vieles zusammen.<\/p>\n<p>\u00dcberlegen Sie mal -Was sind die Quellen meiner Kraft? Wie erreiche ich es, gl\u00fccklich zu sein? Wof\u00fcr m\u00f6chte ich mehr Zeit haben?<\/p>\n<p>Und wenn ich mir jetzt vor meinen geistigen Auge mal Montag, Dienstag, Mittwoch, also meine normale Woche vorstelle, wo habe ich mir Platz f\u00fcr diese Dinge einger\u00e4umt?<\/p>\n<p>Ich will mich nicht so verkalkulieren wie der reiche Kornbauer in dem Gleichnis, der nur an die gr\u00f6\u00dfere Kornscheune dachte.<\/p>\n<p>Viel zu haben auf den verschiedensten Konten, aber kein Zeitkonto f\u00fcr mich, f\u00fcr mein Familie, kein Konto f\u00fcr Gott- das kann es ja irgendwie nicht sein.<\/p>\n<p>Denn Gott will, da\u00df es mir gut geht.<\/p>\n<p>Gott will, da\u00df ich mir Zeit nehme, nat\u00fcrlich f\u00fcr mein Arbeit. Aber auch f\u00fcr mich, f\u00fcr die Partnerschaft, f\u00fcr die Freunde.<\/p>\n<p>Gott will, da\u00df ich nicht nur materiell f\u00fcr mich sorge,<\/p>\n<p>Gott will, da\u00df ich nicht immer wegrenne und dies oder das mache und keine Zeit mehr f\u00fcr mich habe.<\/p>\n<p>Gott will, da\u00df ich Zeit f\u00fcr ihn habe.<\/p>\n<p>Da\u00df ich solche Vorr\u00e4te in meine Scheune sammle, das w\u00fcnsch ich mir.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>EG 585<\/p>\n<p>Gebet:<\/p>\n<p>Herr, mein Gott: Ich m\u00f6chte mich fragen. Immer wieder: Woraus lebe ich? Wo nehme ich meine Kraft her? Wof\u00fcr will ich leben und arbeiten?<\/p>\n<p>Hilf uns, da\u00df unsere Antwort auch etwas mit Dir zu tun hat.. Hilf uns, da\u00df wir auch Dir einen Platz bei uns einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Rainer M\u00fcller-Brandes, Hannover<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:rainer.mueller-brandes@evlka.de\"><strong>rainer.mueller-brandes@evlka.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erntedank | Lukas 12,16-21 | Rainer M\u00fcller-Brandes | Andachten (2003) Jesus sagte ihnen ein Gleichnis: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. &#8220; Was soll ich jetzt tun?&#8220; \u00fcberlegte der. &#8222;Ich wei\u00df gar nicht, wo ich das alles unterbringen soll.&#8220; Und er sprach: &#8222;Das will ich tun: ich rei\u00dfe meine Scheunen ab [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8461,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,255,727,157,853,114,400,3,109,1056],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22437","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-andachten-und-kurzpredigten","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-12-chapter-12-lukas","category-nt","category-predigten","category-rainer-mueller-brandes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22437","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22437"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22437\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22438,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22437\/revisions\/22438"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8461"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22437"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22437"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22437"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22437"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}