{"id":22441,"date":"2003-03-24T16:55:19","date_gmt":"2003-03-24T15:55:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22441"},"modified":"2025-03-24T16:58:09","modified_gmt":"2025-03-24T15:58:09","slug":"psalm-10319","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-10319\/","title":{"rendered":"Psalm 103,19"},"content":{"rendered":"<h3>Wohnt Gott im Himmel? | Psalm 103,19 | Rainer M\u00fcller-Brandes |<\/h3>\n<p>Andachten (2003)<\/p>\n<p>Als ich noch beim Grundwehrdienst bei der Bundeswehr war, Jahre her, kamen wir in der Stube irgendwann mal ins Gespr\u00e4ch, und ich war ganz begeistert, als die Sinnfrage, die Frage nach dem Sinn des Lebens aufkam. Die anderen wu\u00dften durchaus, dass ich anschlie\u00dfend Theologie studieren wollte, und der eine hatte sich mit mir noch extra f\u00fcr sp\u00e4ter verabredet, weil er mit mir dar\u00fcber noch mal reden wollte. Ich war nat\u00fcrlich angetan und ein bi\u00dfchen stolz,<\/p>\n<ul>\n<li>aber als es zum Gespr\u00e4ch kam, hat er nur kurz gesagt, er s\u00e4he den Sinn darin, ich dr\u00fccke das jetzt mal vornehmer aus, viel Kohle zu machen und Frauen zu haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das war&#8217;s und ich stand ein bi\u00dfchen dumm da.<\/p>\n<p>Aber die Sinnfrage ist ja mit solchen Antworten nicht vom Tisch:<\/p>\n<p>Und so titelte die Zeitschrift \u201cPsychologie heute\u201d einmal auch:<\/p>\n<p>\u201c Sinnvoll leben: Geht das ohne Gott?\u201d<\/p>\n<p>Und der Untertitel klingt noch besser: Das Comeback der Religion.<\/p>\n<p>Als ich diese \u00dcberschrift eines Morgens am Hauptbahnhof las, dachte ich, diese gute Nachricht ist mir das Geld wert und ich habe das Heft gekauft.<\/p>\n<p>Denn \u201cPsychologie heute\u201d hatte es anscheinend erkannt: Die Sinnfrage ist unl\u00f6sbar mit der Frage nach Gott verbunden. Und wer nach Gott fragt, hat immer ein bestimmtes Bild von Gott im Kopf. Und darum soll es jetzt gehen.<\/p>\n<p>Das heutige Gottesbild, sozusagen das mainstream-Gottesbild, sieht, glaubt man der Zeitschrift, wie folgt aus:<\/p>\n<p>Gott ist, ich zitiere, der \u201cabsolut Unerrreichbare\u201d,<\/p>\n<p>Gott ist \u201ceine Energie\u201d,<\/p>\n<p>Gott hat ein \u201cwenig erkennbares Gesicht\u201d, er ist universal und fern,<\/p>\n<p>hei\u00dft es da.<\/p>\n<p>Aber trotz aller Ferne und Unnahbarkeit wolle auch der aufgekl\u00e4rte Mensch nicht auf Gott verzichten, denn Gott wird als ein gro\u00dfer Baldachin gedacht, der sich \u00fcber unser Leben spannt.<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich im Psalm. Im 103.Psalm hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201c Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht \u00fcber alles\u201d<\/p>\n<p>(Psalm 103, 19)<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie Sie das finden:<\/p>\n<p>Die Vorstellung von Gott auf einem Thron im Himmel.<\/p>\n<p>Mich jedenfalls erinnert das schon ein bi\u00dfchen an die Aussagen des Heftes von Gott als dem absolut Unerreichbaren, dem Fernen.<\/p>\n<p>Und das ist ja eigentlich kein sch\u00f6ne Vorstellung. Wenn das das Comeback der Religion ist, wie es hier hei\u00dft, dann kann ich mich wirklich nur sehr begrenzt dar\u00fcber freuen.<\/p>\n<p>Denn stelle ich mir Gott\u00a0<strong>so<\/strong>\u00a0vor, dann rutscht er doch ganz schnell weg und das Ganze wird unverbindlich. Gut, Gottes Reich herrscht \u00fcber alles, hei\u00dft es zwar in der Tageslosung, aber wer sich um alles k\u00fcmmern muss und so weit weg ist, hat &#8211; man kennt das doch &#8211; mit mir pers\u00f6nlich nicht allzu viel zu tun.<\/p>\n<p>Und schnell l\u00e4\u00dft man Gott einen guten Mann sein, der da oben thront, aber letztlich nicht allzu viel mit mir zu tun hat.<\/p>\n<p>Und vielleicht ist es tats\u00e4chlich so, dass viele &#8211; und ich will da uns nicht ausschlie\u00dfen &#8211; dass viele Gott lieber im Himmel sehen als bei uns in der Nachbarschaft. Denn dann w\u00fcrde man ihm ja immer wieder begegnen. Und das bliebe nicht ohne Konsequenzen.<\/p>\n<p>Kurz, ich finde, das Psalmwort kann so isoliert nicht jedenfalls nicht stehenbleiben. Gott ist mir einfach zu weit weg.<\/p>\n<p>Und das fanden anscheinend auch die Herrnhuter, die den Tageslosungen ja immer einen Lehrtext aus dem Neuen Testament beif\u00fcgen. Und f\u00fcr heute haben Sie sich f\u00fcr einen Satz aus der Offenbarung entschieden, der die Tageslosung aus meine Sicht gut weiterf\u00fchrt:<\/p>\n<p>\u201cEs sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.\u201d (Apk 11,15b)<\/p>\n<p>Ich bin den Herrnhutern f\u00fcr diesen Satz dankbar. Klar, der klingt nun auch nicht gerade mitten aus dem Leben gegriffen, und heute w\u00fcrde man das anders formulieren, aber er ohne ihn geht es nicht. Ohne ihn w\u00fcrde mein Gottesbild nicht hinhauen.<\/p>\n<p>\u201c Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden\u201d, hei\u00dft es da.<\/p>\n<p>Und wenn wir etwas kennen, dann doch wohl die Reiche der Welt. Ich meine jetzt nicht so die Bundesrepublik oder Niedersachsen, das auch, aber mehr noch die kleinen Reiche, die kleinen Reiche unser eigenen, pers\u00f6nlichen Welt.<\/p>\n<p>Ich meine den Ort, in dem ich wohne. Ich meine die Gemeinde, zu der ich geh\u00f6re. Das B\u00fcro, in dem ich arbeite. Mein Zuhause, die Familie.<\/p>\n<p>Die Freizeit beim Fu\u00dfball, bei der Feuerwehr, oder beim Friseur. Ich meine, das sind alles kleine Reiche der Welt.<\/p>\n<p>Und all diese kleinen Reiche, all diese kleinen Orte, Gruppen, Interessenverb\u00e4nde, sind\u00a0<strong>seine<\/strong>\u00a0Reiche, hei\u00dft es in der Offenbarung.<\/p>\n<p>Alles sind seine Reiche, bis hin zum langweiligsten Alltag, bis hin zur Arbeit, die nicht enden will. Das hat was, oder?<\/p>\n<p>Das Warten auf den Freitag, auf den Feierabend, das Gebr\u00fcll der Kinder, die einsame Wohnung am Abend, das geplatzte Date am Wochenende. All das sind ja Reiche der Welt. Und damit alles Reiche, alles Be- Reiche unseres Herrn und seines Christus.<\/p>\n<p>Gott, der auf einem Thron irgendwo weit weg sitzt, Gott als Energie, die unerreichbar und fern ist? Liebe Gemeinde, das kann es doch nicht sein.<\/p>\n<p>Gott ist Mensch geworden. Er ist zu uns auf die Erde gekommen. Er feiert mit uns und trauert mit uns.<\/p>\n<p>\u201c Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden\u201d<\/p>\n<p>In Christus ist er doch von seinem hohen Thron herabgestiegen, und nebenbei gesagt, welcher K\u00f6nig, welcher Kanzler macht das schon.<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df: \u201cEr wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit\u201d hei\u00dft es in der Offenbarung weiter.<\/p>\n<p>Die Geschichte mit Jesus ist 2000 Jahre her und k\u00f6nnte ja als erledigt gelten, wenn f\u00fcr Gott nicht 1000 Jahre wie ein Tag w\u00e4ren. Ewigkeit hei\u00dft gestern, heute und morgen, dass hei\u00dft, er war schon f\u00fcr meine Eltern da, ist heute f\u00fcr mich da und morgen f\u00fcr die Kinder.<\/p>\n<p>Klar, es ist sch\u00f6n, sein eigenes Reich zu haben. Aber es mindestens genauso sch\u00f6n, dass es kein Reich gibt, wo er nicht seinen unverr\u00fcckbaren Platz hat. Unser Reich, mein Reich, das Reich, das ich mir geschaffen habe, ist das Reich unseres Herrn geworden.<\/p>\n<p>Und darauf will ich setzen. Denn das macht nun wirklich Sinn.<\/p>\n<p>Denn die Reiche der Welt sind unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n<p>So stelle ich mir das comeback der Religion vor. Und nicht anders. Amen<\/p>\n<p>EG 123,1-3,11<\/p>\n<p>Gebet:<\/p>\n<p>Herr, Du bist Energie, sagen die einen, du bist unerreichbar und fern, sagen andere.<\/p>\n<p>Herr, lass uns erkennen, dass du mehr bist. Lass uns erkennen, dass Du Dein Reich mitten unter uns aufgebaut hast. Dass du mitten unter uns bist, bei der Arbeit und am Wochenende.<\/p>\n<p>Heute, morgen, und danach.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Rainer M\u00fcller-Brandes, Hannover<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:rainer.mueller-brandes@evlka.de\"><strong>rainer.mueller-brandes@evlka.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohnt Gott im Himmel? | Psalm 103,19 | Rainer M\u00fcller-Brandes | Andachten (2003) Als ich noch beim Grundwehrdienst bei der Bundeswehr war, Jahre her, kamen wir in der Stube irgendwann mal ins Gespr\u00e4ch, und ich war ganz begeistert, als die Sinnfrage, die Frage nach dem Sinn des Lebens aufkam. 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