{"id":22445,"date":"2003-03-24T17:00:34","date_gmt":"2003-03-24T16:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22445"},"modified":"2025-03-24T17:03:06","modified_gmt":"2025-03-24T16:03:06","slug":"1-thessalonicher-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-14-2\/","title":{"rendered":"1.Thessalonicher 1,4"},"content":{"rendered":"<h3>Talkshows | 1.Thessalonicher 1,4 | Rainer M\u00fcller-Brandes |<\/h3>\n<p>Andachten (2003)<\/p>\n<p>Einen Satz aus dem Anfang des Paulusbriefes an die Christen in Saloniki will ich wiederholen. Er hat mir gefallen, der Satz.<\/p>\n<p>\u201c Liebe Br\u00fcder und Schwestern, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr\u00a0<strong>auserw\u00e4hlt<\/strong>\u00a0seid.\u201d<\/p>\n<p>(1. Thess. 1,4)<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, nicht?<\/p>\n<p>ich gehe davon aus, Sie wissen, dass Sie auserw\u00e4hlt sind, oder? Jeder einzelne von uns. Einer hat sich die M\u00fche gemacht, jede einzelne von uns auszuw\u00e4hlen. Alle, die Sie hier sitzen. Durch die Taufe von Gott ausgew\u00e4hlt. Auserw\u00e4hlt, selbstbewu\u00dft davon zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Heinz, Rosi und Doris sind auch auserw\u00e4hlt worden. Und ich bin dabei gewesen, als sie eines Nachmittags ihr Innerstes nach au\u00dfen gekehrt haben: allesamt freiwillig, vor Publikum und mit aller Leidenschaft.<\/p>\n<p>Man merkte richtig, dass sie stolz waren, denn es war klar, &#8211; sie geh\u00f6rten zu den Auserw\u00e4hlten. Und das war ein Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen habe.<\/p>\n<p>Allerdings, von Gott haben sie nichts erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Sondern ganz im Gegenteil:<\/p>\n<p>Von Rosi, der einen, wei\u00df ich seitdem, dass sie ein heimliches Liebesverh\u00e4ltnis mit dem Freund ihrer Tochter hat-<\/p>\n<p>Von Heinz wei\u00df ich seitdem, das er am liebsten und wann immer er Zeit hat, die Privatgespr\u00e4che seiner Nachbarn belauscht.<\/p>\n<p>Von Doris habe ich gelernt, dass sie findet, ihr Doppelkinn sei ein k\u00f6rperlicher Makel. Und sie hat viel Geld ausgegeben, das sie gar nicht hat, um das Doppelkinn loszuwerden.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>an einem x-beliebigen Tag unter der Woche nachmittags mal Fernsehen zu schauen, ist f\u00fcr uns, die das nomalerweise nicht tun, glaube ich wirklich ein Erlebnis der besonderen Art.<\/p>\n<p>Denn man wird nahezu fl\u00e4chendeckend bei den &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes privaten Sendern &#8211; mit Talkshows konfrontiert. Talkshows, in denen sich eindeutig auserw\u00e4hlte Menschen wie Rosi, Gaby und Heinz mit ihren oft intimen Vorlieben und ihren pers\u00f6nlichsten N\u00f6ten pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Dabei l\u00f6st eine Talkrunde die andere ab &#8211; ich hab das Programm eines Tages einfach mal abgeschrieben &#8211;<\/p>\n<p>14.00 B\u00e4rbel Sch\u00e4fer- Titel: Diese G\u00e4ste m\u00fcssen Sie gesehen haben, RTL, so ne Art \u201ebest of\u201c anscheinend<\/p>\n<p>14.00 Uhr Peter Imhof: Thema: Du hast mein Leben verpfuscht, SAT 1<\/p>\n<p>15.oo Uhr Der Schw\u00e4chste fliegt, RTL<\/p>\n<p>16.00 Uhr Nicole: Papa, lass die Finger von meiner Freundin. PRO 7<\/p>\n<p>Nur Hans Meiser habe ich nicht gefunden.<\/p>\n<p>Das Gemeinsame an all den Talkshows:<\/p>\n<p>Immer geht es um Beziehungskonflikte, um Familiengeschichten, um h\u00f6chst private Lebensgewohnheiten, und nicht selten auch um sexuelle Erfahrungen und Vorstellungen.<\/p>\n<p>Alles Angelegenheiten, \u00fcber die man doch &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; mit der besten Freundin oder dem Freund sprechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber genau diese Dinge werden \u00f6ffentlich pr\u00e4sentiert:<\/p>\n<p>In der Ich-Form mitgeteilt als pers\u00f6nliches Zeugnis, breit erz\u00e4hlt &#8211; ohne jegliche Scheu.<\/p>\n<p>Und das ganze ist gut inszeniert: Gerade noch hat die Tochter von Rosi \u00fcber ihre Mutter geschimpft, da kommt diese schon ins Studio marschiert, begleitet von ihrem Auserw\u00e4hlten, der sich dann als Freund der Tochter entpuppt.<\/p>\n<p>Der Zwist wird dann gleich an Ort und Stelle ausgetragen und die Moderatorin, Seelenf\u00fchrerin und Konfliktmanagerin zugleich, leitet das Gespr\u00e4ch, sollte es mal zu sehr ins Sachliche abrutschen, schnell wieder ins Pers\u00f6nlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ich sag ganz ehrlich, das ist gar nicht so leicht, sich auch dem als Zuschauer zu entziehen. Sie merken, ich kaue da heute noch dran.<\/p>\n<p>Aber gefragt habe ich mich dann doch: Warum machen die Leute das eigentlich?<\/p>\n<p>Zuzusehen ist ja das eine, das ist immerhin anonym, aber mir w\u00e4re es ja todpeinlich, wenn ich da selber auftreten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber es ist ja Tatsache: Es gibt lange Wartschlagen, um als Talkgast in eine solche Sendung eingeladen zu werden. Woran liegt das eigentlich?<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich glaube, der Hauptgrund ist relativ einfach zu finden: Es ist der Wunsch, ja mehr noch, die Sehnsucht nach Anerkennung.<\/p>\n<p>Ich will, dass mich jemand beachtet. Das ist normal.<\/p>\n<p>Ich will wahrgenommen werden. Ich will dazugeh\u00f6ren, bekannt sein.<\/p>\n<p>Auch das ist normal.<\/p>\n<p>Ich will wichtig sein<\/p>\n<p>Die Talkshows bieten das. Deshalb die Warteschlangen. Was ich da erz\u00e4hle, ist glaube ich gar nicht so wichtig, Hauptsache, es ist pers\u00f6nlich. Und damit man eingeladen wird, muss man eben etwas \u00fcberziehen und sich eventuell auch fertigmachen lassen.<\/p>\n<p>Paulus schreibt:<\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern, von Gott geliebt, ich wei\u00df, das ihr auserw\u00e4hlt seid.\u201d<\/p>\n<p>Von Bruder und Schwester ist die Rede. Bruder und Schwester, die sich nat\u00fcrlich auch mal beharken und \u00e4rgern, aber immer in der Lage sind, sich auch wieder zu vertragen. Vor Gott und nicht vor B\u00e4rbel Sch\u00e4fer.<\/p>\n<p>Von Gott geliebt, sagt Paulus weiter.<\/p>\n<p>Ich glaube, das ist besser, als von einem johlenden Publikum geliebt zu werden, denn das Publikum vergi\u00dft schnell.<\/p>\n<p>Wir sind ausgew\u00e4hlt, sagt er.<\/p>\n<p>Gott, nicht irgendeine Moderatorin hat uns bei unserem Namen gerufen, auserw\u00e4hlt in der Taufe.<\/p>\n<p>Und das, ohne zum voyeuristischen Objekt werden zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Warum hat das keiner Heinz, Rosi und Gaby gesagt?<\/p>\n<p>Ich meine, die Probleme sind letztlich vergleichbar. Auch wenn es nicht das Doppelkinn ist, kennen wir sie doch auch, die Suche nach Anerkennung.<\/p>\n<p>Letztlich dreht sich doch ganz viel im Leben genau darum.<\/p>\n<p>Bis hin zur Berufswahl, der Partnerwahl, und dem Kinderwunsch.<\/p>\n<p>Deshalb dieser Satz aus dem Thessalonicherbrief:<\/p>\n<p>\u201c Liebe Br\u00fcder und Schwestern, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr\u00a0<strong>auserw\u00e4hlt<\/strong>\u00a0seid.\u201d<\/p>\n<p>Denn bei dieser lebenslangen, immer neuen Suche nach Anerkennung ist es gut, dass wir bei Gott nicht nur Kandidaten sind,<\/p>\n<p>sondern l\u00e4ngst gewonnen haben.<\/p>\n<p>Die Anerkennung bei Gott, die kann uns keiner nehmen.<\/p>\n<p>Schade, dass Heinz, Rosi und Gaby das nicht wu\u00dften.<\/p>\n<p>Dass wir auf unserer Suche nach Anerkennung bei Gott anfangen zu suchen, das w\u00fcnsche ich uns.<\/p>\n<p>Oder um es mit Fliege, 16.00 Uhr ARD zu sagen: \u201cEr wei\u00df wenigstens, was ich brauche\u201d.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Gebet:<\/p>\n<p>Herr, unser Gott, wir brauchen die Anerkennung. Wir suchen sie jeden Tag. Hilf uns, dass wir sie aber nicht auf Kosten anderer suchen.<\/p>\n<p>Herr wir bitten dich stattdessen: Erinnere uns immer wieder neu, dass wir bei Dir anerkannt sind. Bedingungslos. Egal, was kommt.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Lieder:<\/p>\n<p>EG 166, 1,2,5,6<\/p>\n<p>EG 369, 1-3,7<\/p>\n<p><strong>Pastor Rainer M\u00fcller-Brandes, Hannover<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:rainer.mueller-brandes@evlka.de\"><strong>rainer.mueller-brandes@evlka.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Talkshows | 1.Thessalonicher 1,4 | Rainer M\u00fcller-Brandes | Andachten (2003) Einen Satz aus dem Anfang des Paulusbriefes an die Christen in Saloniki will ich wiederholen. Er hat mir gefallen, der Satz. \u201c Liebe Br\u00fcder und Schwestern, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr\u00a0auserw\u00e4hlt\u00a0seid.\u201d (1. 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