{"id":22489,"date":"2025-04-01T20:32:24","date_gmt":"2025-04-01T18:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22489"},"modified":"2025-04-01T20:32:24","modified_gmt":"2025-04-01T18:32:24","slug":"joh-1828-195","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/joh-1828-195\/","title":{"rendered":"Joh 18,28-19,5"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Sieh mal diesen Menschen da! | Judika | 06.04.2025 | Joh 18,28-19,5 | Nadja Papis |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jetzt schau dir den mal an!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, den dort, diesen Menschen da.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten im Prozess z\u00fcckt Pilatus ein letztes Mittel. Er will die Menschen von der Unschuld Jesu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum liess er ihn foltern, verspotten und mit l\u00e4cherlichen K\u00f6nigssymbolen kr\u00f6nen. Dornenkrone auf das geschundene Haupt, der rote Mantel um die zerbrochenen Knochen. Sieht so etwa ein K\u00f6nig aus?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Schaut ihn euch an! Das ist doch kein K\u00f6nig! Nur ein Mensch. Bedeutungslos.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es n\u00fctzt alles nichts. Die Gegner von Jesus haben seinen Tod beschlossen \u2013 schon lange. Lange bevor sie, die j\u00fcdischen Beh\u00f6rdevertreter, ihn zum r\u00f6mischen Statthalter Pilatus gebracht haben. Der da, oh R\u00f6mer, der will das Volk aufwiegeln. Verurteile du ihn. Wir d\u00fcrfen nicht. Uns steht das Todesurteil nicht zu, aber dir schon.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sie k\u00f6nnen Jesus nicht selbst hinrichten. Pilatus aber will es nicht. Er sucht Ausweg und Ausweg, argumentiert ungew\u00f6hnlich geduldig, fragt nach und findet zur Wahrheit: Er ist unschuldig. Aber das wollen sie nicht h\u00f6ren, nein, es ist beschlossene Sache. Jesus muss sterben. Nichts anderes geht mehr. Und schliesslich muss Pilatus aufgeben und spricht das Urteil aus: Hinrichtung am Kreuz, die schlimmste Todesstrafe, der erniedrigende Tod eines Schwerverbrechers.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine schreckliche Geschichte in der Passionserz\u00e4hlung des Evangelisten Johannes, die Schilderung eines absurden, brutalen und unverst\u00e4ndlichen Prozesses, ein elendes Hin und Her.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">UND: Der H\u00f6hepunkt der johanneischen Passionsgeschichte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, wirklich! Weder das letzte Abendmahl noch die Kreuzigung oder die Grablegung, sondern dieser m\u00fchsame Bericht des Prozesses vor Pilatus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich bin geboren und in die Welt gekommen, um f\u00fcr die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Wer aus der Wahrheit kommt, h\u00f6rt auf meine Stimme. (Joh 18,38)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hier ist es, das zentrale theologische Thema von Johannes, ausgedr\u00fcckt in den Worten des angeklagten Jesus: Ich bin gekommen, um die Wahrheit zu bezeugen. In mir findet Ihr Wahrheit. Nehmt Ihr sie an?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Immer wieder stellt Johannes diese Frage, immer wieder weisst er auf die Wahrheit hin. Erkennst du die Wahrheit? H\u00f6rst du auf sie?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pilatus weicht aus: Ach, Wahrheit, was ist das denn?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und vergibt so die Chance, Teil der Wahrheit zu werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und was ist mit uns? Mit dir?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten in diesem unm\u00f6glichen Prozess geht es um etwas ganz anderes, ums Existentielle, um meinen Glauben. Johannes fordert seine Leserinnen und Leser heraus: Glaubst du die Wahrheit? Hast du sie schon angenommen? Und erkannt?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also, da stellt sich mir die Frage: Was ist denn diese Wahrheit, die ich erkennen, annehmen und auch bezeugen soll?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wieder vermitteln die Worte Jesu, was f\u00fcr den Evangelisten Johannes Wahrheit ist:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein K\u00f6nigreich ist nicht von dieser Welt (Joh 18,36)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Oder positiv: Ich bin dazu geboren, f\u00fcr die Wahrheit Zeugnis abzulegen (JOh 18,37)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier steht nicht der leidende Messias der synoptischen Evangelien vor Pilatus. Hier geht es nicht um Einsamkeit, Verlassenheit und Leid. Dieser Messias tritt souver\u00e4n auf, er ergreift das Wort, fordert heraus, bezeugt und bleibt handlungsf\u00e4hig. Und er sagt deutlich, wer er ist: Seine Herkunft ist g\u00f6ttlich, er ist ein Gesandter und in ihm offenbart sich nichts Geringeres als das G\u00f6ttliche. Ja, die g\u00f6ttliche Wirklichkeit ist in diesem Menschen gegenw\u00e4rtig und erfahrbar. Das ist die Wahrheit. Und die ruft zum Glauben auf.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pilatus verweigert den Glauben und das dazu geh\u00f6rende Glaubenszeugnis. Er weicht aus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und ich?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eigentlich, so muss ich zugeben, ist mir der leidende Messias der Passionsgeschichte in den anderen drei Evangelien n\u00e4her, ja, das Leiden Jesu kommt mir sehr nahe und ber\u00fchrt mich. Es hat f\u00fcr mich etwas zutiefst Erl\u00f6sendes: Wenn das G\u00f6ttliche in Jesus so viel Leid kennt und erlebt, dann ist es auch in meinem Leid nahe und weiss, wie es um mich steht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was aber mache ich mit diesem souver\u00e4nen Messias? Mit diesem K\u00f6nig nicht von dieser Welt? Der hat ja alles im Griff und beherrscht den Lauf der Dinge. Mitten im gr\u00f6ssten Elend bleibt er sprachf\u00e4hig, handlungsf\u00e4hig und tritt seinen Widersachern entgegen. Der l\u00e4sst sich nicht einsch\u00fcchtern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr ein Vorbild!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn mitten im Leid verstummen wir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten im Leid erstarren wir.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten im Leid geht\u00b4s weder vorw\u00e4rts noch r\u00fcckw\u00e4rts.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und hier zeigt einer der Ungerechtigkeit den Stinkefinger (oder die Faust) und zieht sein Ding durch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wow!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist auch Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stell dir mal vor:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten im Elend erhebst du deine Stimme, haust auf den Tisch, stehst du auf und verankerst deine F\u00fcsse fest im Boden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten im Leid entscheidest du selber, wie\u00b4s weiter geht, l\u00e4sst nichts einfach so mit dir machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten in der Ungerechtigkeit weisst du: Da ist einer, der hat das auch gemacht und der gibt mir die Kraft dazu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sieh dir diesen Menschen an! Was der kann, kann ich das auch?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mein Reich ist nicht von dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vertrau! Glaub!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erkennst du die Wahrheit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die g\u00f6ttliche Kraft ist auch in dir: Ja, du kannst das auch!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weil er\u00b4s vorgemacht hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weil er dazu geboren wurde, Zeugnis abzulegen, damit du glaubst, an ihn glaubst, an dich glaubst, an diese Urkraft des Lebens, Gott, glaubst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sieh dir diesen Menschen an! Sieh genau hin. Siehst du sie, die Wahrheit?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wagst du\u00b4s, daran zu glauben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfrn. Nadja Papis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Langnau am Albis<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:nadja.papis@refsihltal.ch\">nadja.papis@refsihltal.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nadja Papis, geb. 1975, Pfarrerin in der ev.-reformierten Landeskirche des Kantons Z\u00fcrich\/Schweiz. Seit 2003 t\u00e4tig im Gemeindepfarramt der Kirchgemeinde Sihltal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieh mal diesen Menschen da! | Judika | 06.04.2025 | Joh 18,28-19,5 | Nadja Papis | Jetzt schau dir den mal an! Ja, den dort, diesen Menschen da. Mitten im Prozess z\u00fcckt Pilatus ein letztes Mittel. Er will die Menschen von der Unschuld Jesu \u00fcberzeugen. 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