{"id":22519,"date":"2025-04-08T12:00:35","date_gmt":"2025-04-08T10:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=22519"},"modified":"2025-04-08T12:00:35","modified_gmt":"2025-04-08T10:00:35","slug":"jesaja-503-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-503-9\/","title":{"rendered":"Jesaja 50,3\u20139"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Der M\u00fcdigkeit ein Ende gemacht | Palmarum | 13.04.2025 | Jesaja 50,3\u20139 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Palmarum hei\u00dft dieser Sonntag. F\u00fcr mich weckt dieses Wort Bilder von geschm\u00fcckten H\u00e4usern und Kirchen und einem aufregenden Fest, auf das wir uns schon so lange gefreut hatten. Palmarum \u2013 das klingt f\u00fcr mich nach Glockengel\u00e4ut mit Posaunen und dem fr\u00f6hlichen Lachen von Eltern und Verwandten. Zu meiner Jugendzeit war das der traditionelle Konfirmationssonntag. Und Gr\u00f6\u00dferes, Eindrucksvolleres hatte ich bis dahin nicht erlebt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zu den positiven Bildern und Gef\u00fchlen, die Palmarum bei mir weckt, passt auch das Evangelium dieses Tages. Von einer gro\u00dfen Volksmenge \u2013 so hei\u00dft es beim Evangelisten Johannes \u2013 ist Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem als der K\u00f6nig Israels begeistert und bejubelt worden. Doch sein Weg in diese Stadt \u2013 das war Jesus nach allen vier Evangelisten v\u00f6llig klar \u2013 w\u00fcrde nicht zur K\u00f6nigsproklamation, sondern zum Tod am Kreuz f\u00fchren. Was in aller Welt hat ihn dazu gebracht, sich dem aus freien St\u00fccken auszusetzen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es ist anzunehmen, dass die Bibelstelle, \u00fcber die heute gepredigt werden soll, f\u00fcr seinen bewusst gew\u00e4hlten Weg in Leiden und Tod eine aufschlussreiche Rolle gespielt hat. Sie steht im 50. Kapitel des Jesajabuches:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie J\u00fcnger haben, dass ich wisse, mit den M\u00fcden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich h\u00f6re, wie J\u00fcnger h\u00f6ren. <\/em><em>Gott der Herr hat mir das Ohr ge\u00f6ffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zur\u00fcck. Ich bot meinen R\u00fccken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich wei\u00df, dass ich nicht zuschanden werde.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, Motten werden sie fressen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um ein Lied handelt es sich hier, ein Lied, das mit \u00e4hnlichen Liedern in der Zeit entstanden war, als das Volk Israel sich in der babylonischen Gefangenschaft befand. Zu Jesu Zeiten lag das mehr als 500 Jahre zur\u00fcck. Lieder, die von einem Gottesknecht singen, der um seiner Mitmenschen willen Leiden und Tod auf sich nimmt und darin von Gott gehalten und best\u00e4tigt wird. Niemand wei\u00df, an welche Person die Menschen damals im Exil bei diesen Liedern gedacht haben. Und es gibt auch keine Gestalt des Alten Testamentes oder der j\u00fcdischen Geschichte, zu der diese Lieder gepasst h\u00e4tten. Es sei denn, dass das Volk der Juden im Ganzen, das ja immer von neuem verfolgt und gedem\u00fctigt wurde, sich in diesem geheimnisvollen Gottesknecht wieder erkannte. Und so sind diese Lieder von Generation zu Generation weiter \u00fcberliefert und in Ehren gehalten worden. Bis dieser eine da war, Jesus, der diese Lieder als Gottes Auftrag an sich verstand und diesen Auftrag annahm.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gehen wir dieses Lied noch einmal durch auf dem Hintergrund dessen, was wir vom Wirken und Ergehen Jesu wissen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie J\u00fcnger haben, dass ich wisse, mit den M\u00fcden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich h\u00f6re, wie J\u00fcnger h\u00f6ren. <\/em><em>Gott der Herr hat mir das Ohr ge\u00f6ffnet.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als J\u00fcnger wird Jesus in den Evangelien nie bezeichnet, und er selber nennt sich auch nicht so. Er versteht sich als der Sohn, der Gott noch n\u00e4hersteht, als ein J\u00fcnger seinem Meister nahesteht. Aber genau wie ein J\u00fcnger, der sich jedes Wort des Meisters einpr\u00e4gt, um es zuverl\u00e4ssig weitergeben zu k\u00f6nnen, genauso wichtig war es Jesus, sich regelm\u00e1\u00dfig in die Stille zur\u00fcckzuziehen und im Gebet genau zu h\u00f6ren und aufzunehmen, was Gott von ihm wollte. Denn kein Mensch kann von sich aus immer wissen, was Gott will. Kein Prophet, kein Apostel, kein Bischof, kein Vater, keine Mutter hat immer drauf, was Gott will. Auch Jesus nicht. Gewiss, wir haben die Gebote, wir haben die Bergpredigt, aber was das heute und hier hei\u00dft, da muss sehr genau hingeh\u00f6rt und nachgedacht werden. Bis in seine letzten Stunden hinein lebte Jesus davon, nach dem Willen Gottes zu fragen und auf ihn zu h\u00f6ren. Um es dann mit der eigenen Zunge, mit seinen Worten weiterzugeben, was ihm von Gott her gewiss geworden war.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und in der Tat, das war schon eine ganz besondere Zunge, eine ganz besondere Sprachf\u00e4higkeit, \u00fcber die er verf\u00fcgte. Bis heute k\u00f6nnen die Worte Jesu, die seine J\u00fcnger weitergegeben haben, Menschen im Innersten ansprechen und bewegen. Kein Wunder, dass die Menschen damals in Scharen zusammenliefen, um ihn zu h\u00f6ren. Doch das allein war es noch nicht, was ihn in der \u00dcberzeugung best\u00e4tigte, wirklich das Sprachrohr Gottes zu sein. Denn w i e er seine Zunge braucht, daran ist der J\u00fcnger Gottes zu erkennen: n\u00e4mlich &#8222;mit den M\u00fcden zur rechten Zeit zu reden&#8220;. Der J\u00fcnger Gottes stimmt nicht ein in das allgemeine Lamentieren und Klagen, das M\u00fcdigkeit und Resignation nur verst\u00e4rkt. Nein, Gottes Wort und Wille wird durch Menschen lebendig, die die M\u00fcden und Resignierten auf die Beine bringen, die tr\u00f6sten, ermutigen und neue Lebensperspektiven er\u00f6ffnen. Und darin war Jesus nicht nur Meister, sondern im wahrsten Sinne die Verk\u00f6rperung des Gottesknechts, den dieses alte Lied besingt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und weiter:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zur\u00fcck. Ich bot meinen R\u00fccken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Wort und Wille wollen dem H\u00e4rtetest ausgesetzt werden. Das wusste Jesus aus diesen Liedern seiner Bibel. Und darum lie\u00df er sich nicht halten in den kleinen Provinznestern um den See Genezareth. Darum zog es ihn nach Jerusalem. Dorthin, wo politische Macht konzentriert war. Da ist das Wort Gottes immer ein St\u00f6rfaktor. Deshalb neigen die Herren dieser Welt dazu, Gottes Wort und Willen weich zu sp\u00fclen als ung\u00fcltig f\u00fcr Wirtschaft und Politik. Und die Menschen, die da oben Gottes Wort zu vertreten haben, sind froh, wenn ihrer Sache, wenn Glauben und Kirche, und nat\u00fcrlich auch der eigenen Person, wenigstens etwas Bedeutung zugemessen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier aber hat einer geh\u00f6rt: Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen. Dass man ihn daf\u00fcr zum Aufr\u00fchrer abstempelte oder als Spinner verachtete, das nahm er in Kauf. Nicht wegzulaufen, standzuhalten, Festigkeit und Charakter zu zeigen, darauf kams ihm an. Weil Gott kein Schw\u00e4chling ist. Der leidende Jesus wird ja gerne als Opferlamm dargestellt und besungen. Das ist insofern auch berechtigt, als er auf gewaltsame Gegenwehr verzichtet hat. Aber im Leiden hat er \u00fcber eine innere Widerstandskraft verf\u00fcgt, die seine Gegner auf die Palme gebracht und nichts zu tun hat mit Lammfrommheit, sondern damit, dass einer bis zum Letzten f\u00fcr Gott einstand und nur damit Ostern \u00fcberhaupt m\u00f6glich machte. Von daher w\u00e4re es gut und heilsam, wenn neben Paul Gerhardts \u201eEin L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld\u201c auch etwas wie \u201eDer Held aus Juda siegt mit Macht\u201c aus Bachs Johannespassion unter den Passionsliedern zu finden w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und schlie\u00dflich:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, Motten werden sie fressen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Davon war er \u00fcberzeugt. Ich stehe f\u00fcr ein Recht, das nicht aus mir selbst kommt. Das nichts zu tun hat mit dem, was ich mir erarbeitet oder verdient habe. Ich stehe f\u00fcr ein Recht, das nicht nach menschlichem Ermessen zugesprochen oder versagt wird. Ich stehe f\u00fcr ein Recht, das durch keine irdische Macht und keine h\u00f6chstrichterliche Instanz in Frage gestellt werden kann. Auch wenn ich nackt und entehrt euren Blicken preisgegeben bin: Was euch mir gegen\u00fcber gro\u00df macht, verrotten wird es. Kein Hahn wird mehr danach kr\u00e4hen. Ich aber lebe davon und bin auch \u00fcber den Tod hinaus davon gehalten, dass Gott mir Recht gibt mit meinem Vertrauen auf ihn. Er wird mich nicht fallen lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jochen Klepper hat auch in unserer Sprache ein Lied auf den Jesajatext gemacht: \u201eEr weckt mich alle Morgen\u201c. Wer dieses Lied mitsingt, tritt ein in die Geschichte des Gottesknechtes, der dieses Lied von Anfang bis Ende bewahrheitet hat. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Rudolf Rengstorf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der M\u00fcdigkeit ein Ende gemacht | Palmarum | 13.04.2025 | Jesaja 50,3\u20139 | Rudolf Rengstorf | Liebe Leserin, lieber Leser! Palmarum hei\u00dft dieser Sonntag. F\u00fcr mich weckt dieses Wort Bilder von geschm\u00fcckten H\u00e4usern und Kirchen und einem aufregenden Fest, auf das wir uns schon so lange gefreut hatten. Palmarum \u2013 das klingt f\u00fcr mich nach [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22515,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,1,2,727,157,853,114,972,349,699,109,200],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-22519","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-50-chapter-50-jesaja","category-kasus","category-palmsonntag","category-predigten","category-rudolf-rengstorf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22519"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22520,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22519\/revisions\/22520"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22515"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22519"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=22519"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=22519"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=22519"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=22519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}